Persönlichkeiten: Hans-Joachim von Zieten

Der Husarengeneral Hans-Joachim von Zieten war mehr als nur derjenige welcher „aus dem Busch“ geritten kam oder die als „Papa Zieten“ von seinem Monarchen gehätschelte Ikone. Vor allem war er, so die Überlieferungen stimmen, ein Mann von hohem, persönlichen Ehrgefühl und ein tiefgläubiger Christ. Dennoch eine Persönlichkeit mit Ecken und Kanten. Und an Mumm hat es dem kleinen Landadligen aus Wustrau ohnehin nie gefehlt. 

Kein Wunder also, dass unsere Vorfahren ihm einst ein Denkmal setzten. Und zwar 1856 auf dem prominenten Wilhelmplatz in der Berliner Friedrichstadt. Inmitten von Ministerien, Nobelhotels und Stadtpalais. Von diesem Platz ist heute nichts mehr übrig. Das Standbild Zietens aber findet sich auf einer Verkehrsinsel der verlängerten Mohrenstraße noch heute.

Mit nachdenklicher Geste greift er sich hier ans Kinn, was wohl schon im 19. Jahrhundert die frechen, Berliner Bengels zu dem Kommentar verleitet haben soll: „Na, hab ick mia heute schon rasiat?“ Ob der Bildhauer August Kiß diesen Gedanken beim Betrachter auslösen wollte, darf getrost bezweifelt werden. Zurück zum echten Zieten:

zietenhjHans-Joachim von Zieten wird 1699 auf Gut Wustrau in der Nähe von Neuruppin geboren. Als Heranwachsendem wird ihm keine wesentliche Bildung zuteil, was bei Landadligen auch zu seiner Zeit bereits durchaus möglich gewesen wäre. Früh schon entscheidet er sich für die übliche Laufbahn preußischer Blaublüter: er geht mit 16 Jahren als Offiziersanwärter in das Regiment des Generals von Schwendy in Neuruppin. Als dieser wenige Jahre später das Regiment an den Grafen von Schwerin übergibt, wird Zieten kritischer beurteilt. Der „Kavalier“ unter den preußischen Spitzenoffizieren wird über Zieten dieses an den „Soldatenkönig“ berichten:

ist gar klein und von schwacher Stimme für das Commandiren.

Als Zieten 1724 um eine Beförderung bei diesem Monarchen bittet, wird er so stattdessen aus dem Dienst entlassen. Zieten geht zurück nach Wustrau, das seit vier Jahren ihm übereignet ist, da der Vater verstarb. Dort verwaltet er seine Besitzungen und verhält sich ruhig. Der Militärdienst liegt ihm aber im Blut, so dass er, als er 1726 von einer Erweiterung des im ostpreußischen Insterburg liegenden Dragoner-Regiments „Wuthenow“ hört, dort als Leutnant anheuert. Sein noch ungeschliffenes, wildes Temperament bringt ihn hier in Schwierigkeiten. Auf die Provokation eines Vorgesetzten hin widersetzt er sich diesem, wird in Festungshaft geschickt und strebt nach der Entlassung aus der Haft ein Duell mit dem besagten Rittmeister an. Die Chroniken schweigen darüber, worum es bei diesem Konflikt ging. So wie man Zieten aber kennt, wird es ihm an die Ehre gegangen sein. In jedem Falle wird er zum zweiten Male aus dem Militär entlassen und zieht sich wieder nach Wustrau zurück.

Was einen Charakter, vor allem einen selbstbewussten und unnachgiebigen ausmacht, erkennt man, als Zieten sich zum dritten Male der Armee anschließt. Er wusste einfach, wer er war und was er wollte, was ihm wichtig und weniger wichtig war. Hier gestehe ich einen gewissen Respekt vor der Hartnäckigkeit des hässlichen, kleinen Kerls, nicht verbergen zu können. Wie dem auch sei: Zieten wird im Rahmen der Aufstellung neuer Husaren-Einheiten durch General von Buddenbrock nach Potsdam geholt. Es ist 1730. Von nun an beginnt der Aufstieg des Mannes aus Wustrau. Des ungebildeten und doch so charakterstarken Haudraufs.

dsci0251_compressedKurz gefasst: als Mitglied einer „Reichs-Armee“ lernt er vom ungarischen Husaren-General von Baranyai, wird befördert und gerät wieder in Raufhändel mit ungehobelten Vorgesetzten. Diesmal jedoch bremst das seine Karriere nicht mehr. 1737 heiratet er zum ersten Male. Ein Fräulein von Jürgaß. Die ersten zwei Schlesischen Kriege resultieren für Zieten in einem Rang als Generalmajor, einem exzellenten Ruf auch als selbständig agierender Truppenführer und dem bis ans Lebensende wirksamen Hass auf Hans-Carl von Winterfeldt. Woher letzterer herrührte ist unklar. Vermutlich war Winterfeldt in den Augen Zietens „zu schnell“ befördert worden, woraus er folgerte, dass dieser sich seine Karriere „erschleimt“ habe. Bei Männern wie dem mit seinem Bruder unbarmherzigen Prinzen Heinrich rannte Zieten damit natürlich offene Türen ein, aber das ist eine andere Geschichte.

Die Reibungen, die es zwischen Zieten und seinem Monarchen in der Folge gab, habe ich ja schon beschrieben. In jedem Falle nimmt der nun ebenso erfahrene, wie vielgerühmte Zieten „aus dem Busch“ auch am Dritten, Schlesischen Krieg teil, dem „Siebenjährigen“. Hier wird er, schon allein, weil er im Verlauf wieder „Heldentaten“ vollbringt und sie alle auch überlebt, zu einer Stütze des Königs selbst, der bei verschiedenen Gelegenheiten im Felde in düsterster Stimmung ist. Die Friedrich-Getreuen Winterfeldt, Schwerin und Keith sterben im Verlaufe der Kriegshandlungen. Der nächst-älteste Bruder Friedrichs, August – Wilhelm, auch. 1763, als das mitteleuropäische Gemetzel vorüber ist (wobei man noch immer von „Kabinettskriegen“ sprechen kann, da eben Schlachten zumeist „auf offenem Felde“ ausgetragen wurden, aber auch das ist ein anderes Thema), bleiben nur wenige, verdiente Männer übrig, die dem König noch zur Verfügung stehen, wenn es an Gesprächsrunden oder „nostalgisches Erinnern“ geht. Der „wilde“ und oft vorwitzige Seydlitz und eben … Zieten.

hans-joachim_von_zietenFür Zieten geht es wieder zurück nach Wustrau, denn den Posten des „Generalinspekteurs der Kavallerie“ erhält er nicht. 1756 war seine Ehegattin verstorben und so ehelichte der altgewordene, seit Jahren von Gicht geplagte Husar noch einmal. Im Jahre 1764, die fünfundzwanzigjährige Hedwig von Platen. Als Friedrich 1778 noch einmal, diesmal zu Gunsten Bayerns und der Wittelsbacher, in den Krieg zieht und so die Unabhängigkeit der Bajuwaren von Österreich sicherstellt (versuchen Sie heute mal einer Lederhose zu vermitteln, dass sie dem preußischsten aller „Saupreissn“ ihren Freistaat verdanken), verzichtet der König bereits auf die Dienste des 79-jährigen Haudegens.  Noch immer juckt es Zieten, auf die Rosinante zu steigen und seine Husaren zu kommandieren. Der König winkt aber, vielleicht gnädigerweise, ab.

Am 27. Januar 1786 stirbt Hans-Joachim von Zieten in Berlin, in seinem Haus, welches auf dem Gelände der heutigen Rudi-Dutschke-Straße 28 stand. Dort findet sich auch heute eine kleine Gedenkplakette. Am 31. Januar des Jahres 1786 wird Zieten auf dem Wustrauer Erbbegräbnisplatz neben der Dorfkirche begraben.

Worüber denkt das Standbild Zietens in der Friedrichstadt nach ? Darüber, wie schnell man in Vergessenheit gerät, wenn man „nur“ seine Pflicht tut ? Darüber, wie wenig die Schlachten, die er schlagen half, heute noch bedeuten, weil fast alle Schlachtfelder schon lange nicht mehr zu Preußen, zu Deutschland gehören ? Weil der Staat, dem er diente, 1947 von einer Koalition ahnungsloser Sieger per „Federstrich“ abgeschafft wurde ? Versteht die Statue mehr, als der Mann, den sie abbildet ? Manchmal hoffe ich es…

Bildmaterial:

Quellen:

  • „deutsche-biographie.de“,
  • wikipedia,
  • „preussenchronik.de“
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s