Persönlichkeiten: Lützow – der „wilde, verwegene“

Die Legende des „wilden, verwegenen Jägers“, Ludwig, Freiherr von Lützow, überstrahlte ja schon im 19. Jahrhundert seinen wirklichen Einfluss auf den Verlauf der Befreiungskriege gegen Napoleon. Dabei sehen wir vielleicht zum ersten Male in der deutschen Geschichte die Macht medial gesteuerter Legenden und ihrer Wirkung auf die Öffentlichkeit. 

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Ludwig Adolf Wilhelm von Lützow

Und dennoch bleibt der Respekt vor denjenigen Preußen und anderen Patrioten, die sich nicht der scheinbaren Übermacht Frankreichs, dem „Strahlen“ oder „Glanz“ Napoleons hingaben und sich stattdessen darum sorgten, dass ihr Land, dass ihr Staat wieder souverän sein konnte. Einer davon war eben jener Ludwig Adolf Wilhelm, Freiherr von Lützow. Geboren 1782 in Berlin, war ihm die militärische Laufbahn sozusagen vorgegeben, denn sein Vater, obwohl Mecklenburger, war ebenfalls Offizier in der Preußischen Armee.

Schon mit 13 Jahren trat Lützow ins 15. Infanterieregiment ein, wurde laufend befördert und war Seconde-Leutnant, als er den Entschluss fasste, dass sein Talent zu Pferde besser aufgehoben sei. Seine Versetzung zum Kürassierregiment „von Reitzenstein“, welches in Tangermünde stationiert war, erfolgte Ende 1804. In der fatalen Schlacht bei Jena und Auerstedt, bei der die preußischen Truppen vernichtend geschlagen wurden, erlebte auch seine Einheit schwerste Verluste. Lützow floh mit den Resten der Kürassiere in die Festung Magdeburg, verließ diese aber, bevor die Stadt sich den Franzosen ergab.

Ab hier beginnt der so recht „abenteuerliche“ Teil der Geschichte des Freiherrn von Lützow. Über das dänische Kopenhagen zog er ins noch immer widerständische, pommersche Kolberg, das noch nicht kapituliert hatte. Dort unterstellte er sich dem Schillschen Freikorps, das als Miliz in der Grauzone zwischen offiziellen Truppen und Freiwilligen-Verbänden agierte. Nach dem Friedensschluss von Tilsit im Sommer 1807 wurde Lützow wieder ins offizielle Militär übernommen, seine Gesundheit war aber angegriffen, so dass er um seinen Abschied bat, den er im Range eines Majors auch 1808 erhielt.

Seine Versuche, sich als Privatmann in der Forstwirtschaft zu etablieren, blieben halbherzig und erfolglos. Nachdem er den Schock der Niederlage überwunden hatte, näherte sich Lützow langsam widerständischen Kreisen an. Deren Organisatoren fanden sich in ganz Deutschland, so dass es nicht verwundert, dass wir Lützow in den kommenden Jahren sowohl in Hessen, als auch Ostfriesland wiederfinden, wo er Kontakte zu Napoleon-Gegnern knüpft. Im April 1809 findet er sich  wieder im Gefolge des Majors von Schill, der noch immer mit einem Freikorps Guerilla-Kriegführung pflegt. Bei einem Gefecht mit Besatzungstruppen wird Lützow im Mai 1809 schwer verletzt und vor ein preußisches Militärgericht gestellt. Dieses findet ihn aber nicht schuldig, da er ja offiziell ein Privatmann ist, der seinen Abschied aus der Armee erhalten hat und nicht mehr per Eid an die preußische Monarchie gebunden ist (die Familie Lützow ist nämlich, ähnlich wie die von Bülows und die Blüchers eigentlich Mecklenburgisch).

1810 heiratet er Margarethe, Gräfin von Ahlefeldt. Lützow kuriert sich also erstmal aus, genießt das Eheleben und bleibt Privatmann. Aber das bleibt nicht so. 1811 wird er wieder von Preußen in Dienst genommen, ab 1812 sogar mit Festgehalt aber ohne direkte Verwendung. Er bleibt also Offizier „im Wartestand“. Die Militär-Reformer Gneisenau und Scharnhorst haben Lützow auf dem Radar, spekulieren darüber, ob er in Ostfriesland den Aufruhr leiten solle. 1813 ersucht Lützow dann beim König darum, dass er ein sozusagen mit Wissen des Monarchen aufgestelltes, eigenes Freikorps bilden dürfe.

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Theodor Körner

Jetzt wird er also die legendäre „schwarze Schar“ aufstellen, der wir unsere Nationalfarben verdanken. (Schwarze Uniform, goldene Knöpfe, rote Verzierungen, es gibt andere Theorien über die Herkunft unserer Farben Schwarz-Rot-Gold, aber die erscheinen mir wie vielen anderen, seriösen Historikern nicht stichhaltig.) Das Freikorps Lützow bestand aus ca. 3000 Freiwilligen, erstaunlicherweise zumeist Nichtpreußen, die aber dennoch Widerstand gegen Frankreich leisten wollten. Einer von ihnen war z. Bsp. der Dichter Theodor Körner, ein Sachse, gebürtiger Dresdner. Dieser verbreitete anti-napoleonische Lyrik, fiel aber bereits 1813.

Ende 1813 wurden die Freikorps in die „Linientruppen“ Preußens eingereiht. 1815 wurden aus dem Lützowschen Freikorps zwei reguläre Regimenter gebildet. Lützow nahm also an den Feldzügen zur endültigen Befreiung Europas vom napoleonischen Dominanzwahn teil. Im Oktober 1815 wird Lützow dafür mit dem Eichenlaub zum Orden pour-le-mérite ausgezeichnet und zum Oberst befördert. Bis kurz vor seinem Tode wird er verschiedene Kommandos über Kavallerie-Einheiten bekleiden. 1833 übergibt er sein letztes Kommando an den Prinzen Albrecht von Preußen, den jüngsten Sohn der Königin Luise und des Königs Friedrich-Wilhelm III.

dsci2558_compressedZu diesem Zeitpunkt ist er schon seit Jahren von seiner ersten Frau geschieden, mit der er aber freundschaftlich verbunden bleibt. Von seiner zweiten Ehefrau, Auguste Uebel, ist nur soviel bekannt, dass er von ihr schreibt, sie mache ihn „unendlich unglücklich“. Scheinbar kann selbst Lützow nicht alles haben. Ruhm und privates Glück.
Am St. Nikolaustag, dem 06. Dezember 1834, verstirbt Ludwig Adolf Wilhelm, Freiherr von Lützow, in Berlin. Er ist auf dem alten Garnisonfriedhof in der „Kleinen Rosenthaler Straße“ in Mitte beigesetzt. Sein Grab ist bis heute eine Ehrengrabstätte der Stadt Berlin.

Die Bedeutung des Lützowschen Freikorps liegt weniger im Militärischen, wo sie selbst nach Einschätzung konservativer Historiker nur wenig erreicht haben. Die Wirkung von Körners Lyrik, Presseberichten über die „schwarze Schar“ etc. ging aber sogar über die Befreiungskriege hinaus. Die pathetische, von Körner in Gedichtform gebrachte Selbstdarstellung des Freikorps wurde 1814 durch Carl-Maria von Weber als „wilde, verwegene Jagd“ vertont. Die Farben Schwarz-Rot-Gold fanden später Eingang in die studentische Nationalbewegung. Über den „Umweg“ der 48er wird sie später zum Gegenentwurf des Schwarz-Weiß-Rot des Kaiserreiches und so über die Weimarer Republik zu unserer Nationalflagge.

Bildmaterial:

Quelle:

  • wikipedia,
  • „preussenchronik.de“
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