Rückblick: durch den Forst – in Berlin-Spandau

Berlin ist eine grüne Stadt. Nirgendwo wird das deutlicher als an den Stadträndern. Dort vor allem finden sich auch die 18 % Waldfläche, die innerhalb der Stadtgrenzen zu finden sind. Wenn der Berliner „int Jrüne“ raus möchte, kann er das mit dem Nahverkehr also relativ mühelos erreichen. Ein beliebtes Naherholungsgebiet ist seit Jahr und Tag z. Bsp. der Spandauer Forst.

Da machte ich mich also mal auf, dort „nach dem Rechten“ zu sehen. Das Wetter mochte sich nicht so recht entscheiden, wo es denn hingehen mag. Noch gab es Nachtfrost, der den Boden in der Tiefe nicht auftauen ließ, aber die Regenschauer der letzten Tage hatten ihre Spuren hinterlassen. Ergebnis: Schlammige Wege, eine permanente Rutschgefahr.

GEDSC DIGITAL CAMERAAber das hielt viele Wochenend-Wanderer, Familien mit Hunden, ein Damengrüppchen und sogar die ersten Jogger nicht davon ab, es sich schon mal im Forst gemütlich zu machen. Da ließen sich auch diverse Spaziergänger nicht davon abhalten, die Tiere im Wildgehege am Johannesstift, wo man üblicherweise gut einen Spaziergang beginnen kann, mit diversen „Leckerchen“ zu versorgen. Das brachte sogar das sonst eher scheue Rotwild „an den Zaun“. Ich staunte nicht schlecht !

Die Faszination des Waldes an sich machte sich auch jenseits der kleinen, abgegrenzten Gehege bemerkbar. Das Singen der Vögel bei gleichzeitigem Festhalten der kleinen Gewässer an ihrer hauchdünnen Eisdecke bot mir einen Kontrast, den ich aber in vollen Zügen genoss. War da ein Specht bereits dabei, einen Baumstamm zu bearbeiten ? Es hörte sich zumindest so an. Das erinnerte mich daran, dass der gesamte Spandauer Forst, der etwa 1347 ha Fläche im Berliner Stadtgebiet einnimmt (und damit etwas mehr als 8 Prozent aller Berliner Waldflächen bildet), als Vogelschutzgebiet ausgewiesen ist. Bereits früh im Jahr ist das deutlich hörbar ! Akustisch war ich so schon im Frühling angekommen.

Je weiter man dann auf den Wegen in den Forst voranschreitet, desto seltener trifft man zu dieser Jahreszeit noch andere Wanderer. Das Gefühl „ganz alleine“ im Wald unterwegs zu sein, stellt sich dann immerhin bis zu dem Moment ein, wo man die Geräusche von Flugzeugen wahrnimmt, die den Forst überfliegen, um in Tegel auszuharren, bis am St. Nimmerleinstag der BER in Schönefeld dann endgültig den gesamten Flugverkehr der Hauptstadt abwickeln wird. Dann werden sich andere Berliner über den Fluglärm mokieren.  Anders gesagt: für kurze Zeit kann man sich der Illusion hingeben, inmitten der reinen Natur zu lustwandeln. Bis die „Zivilisation“ sich mit den Geräuschen von Flug- und Autoverkehr wieder zurückmeldet.

Das muss den interessierten Wanderer aber nicht stören. Die frische Luft und die Freude am Wandern an sich reicht ja aus, um ein paar „Störgeräusche“ zu ignorieren. Im Vergleich zu vergangenen Jahren fiel mir jedoch auf, dass die Stockenten noch nicht auftauchten. Sonst waren diese lustigen Gesellen zu dieser Zeit immer schon dabei, auf den letzten Eisplatten der Teiche herumzuwatscheln oder die Wildschweine in den Gehegen zu ärgern. Dieses Mal  jedoch noch kein Zeichen der Ente.

gedc1575_compressedA propos „Wildschweine“. Auch denen begegnet man seit ein paar Jahren wieder immer mehr im Wald. Freilaufend. Gerade in Berlin, wo ja die Außenbezirke mit ihren Forsten sozusagen „Einfallstore“ für das Borstenvieh darstellen, macht sich der „Schwarzkittel“ in seinem Bemühen der Nahrungssuche deutlich bemerkbar. Aufgewühlte Grünflächen in Wohnbereichen und abgescheuerte Baumrinden senden das Signal: „Wildschweine waren hier.“ Für Hundebesitzer, die hier ihren Dackel oder Pudel spazierenführen, wird es dann schon mal brenzlig, denn so ein ausgewachsener Keiler kann 100 kg schwer sein. Maximal sogar 200 kg. Der kann, wenn er in Angriffsmodus geht, auch den mutigsten Mann zum Rennen veranlassen. Und die Bache, die mit Frischlingen unterwegs ist, ist mindestens ebenso gefährlich. Im Jahre 2009 schafften es sogar zwei Wildschweine bis zum Alexanderplatz. Als Gefährdung der Öffentlichkeit mussten sie damals von Jägern „geschossen“ werden.

Wenn sich das Mufflon hinterm Ohr kratzt...
Wenn sich das Mufflon hinterm Ohr kratzt…

Aber diese Gefahr besteht natürlich bei den friedlichen und an menschlichen Besuch, der bei ihnen zu Hause vorbeispaziert, gewohnten Tieren im Spandauer Gehege natürlich nicht. Diese gucken immer neugierig, ob es von diesen bunten Zweibeinern nicht etwas zu futtern gibt. Falls nicht, wetzen sie weiter durchs Gelände, kratzen sich am Baum oder halten ein Schläfchen. Angenehme Zeitgenossen, irgendwie. Ähnlich wie die Mufflons, die Bergschafe, welche „Nachbarn“ der Wildschweine sind. Das Mufflon als solches lebt ja lieber im Gebirge, wo es auch in der Lage ist, seinen Fressfeinden (Wölfen vor allem) auszuweichen. Im Flachland müssen Mufflons eingehegt und geschützt werden, weil sie bei Ansiedlungsversuchen etwa in Ost-Sachsen oder dem Harz vom inzwischen wieder in Deutschland heimischen Wolf praktisch komplett ausgerottet wurden. Außer Hunden, die mit ihren Besitzern hier vorüberschlendern, müssen die Schafe aber in Spandau nichts befürchten. Sogar ein paar kleine Felsen zum Klettern hat man ihnen ins Gehege gestellt. Na, dann: alles Gute, liebe Mufflons.

Fazit eines Spaziergangs durch den Wald: Abgesehen von dem durch Schlamm verdreckten Schuhwerk war es doch wieder schön, ein wenig abzuschalten. Auch wenn ich meine Freunde, die „Stockenten“ vermisst habe, bin ich sicher, sie bald wieder auf diversen Teichen herumschwimmen zu sehen.

In diesem Sinne, wünsche ich auch Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, viel Freude beim Spazierengehen in Berlin.

Ihr

Clemens Kurz

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Die Eiche und ich, Begegnung im Wald. 🙂
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