Auf der Tourismusbörse…mitten im Getümmel

Zu den größten, europäischen Treffen der Tourismusbranche zählt seit Jahr und Tag die „Internationale Tourismusbörse Berlin“ – die ITB. Hier machen an den ersten drei Tagen die Business-Leute Geschäfte und an den letzten zwei Tagen räumt das „Publikum“ die Stände der Aussteller leer. Ich selbst gönne mir allerdings diesen Auflauf von Anzugträgern und Tragetaschen-Freunden eher selten. Als Tragetaschen-Freund, der allerdings selbst am Rande der regionalen Touristik herumturnt, habe ich immerhin im Lauf der Jahre so manche Erfahrung gemacht. Schaun wir doch mal…

Nein, dies Spektakel der Branche kann ich mir nicht jedes Jahr antun. Zuletzt war ich vor fünf Jahren dort gewesen. Je älter ich werde, desto weniger mag ich nämlich dieses Gedränge, die trockene, sauerstoffarme Luft in den Messehallen und die vielen, letztlich allzuoft bedeutungsarmen Gespräche, die man in vollem Ernst und mit seriöser Miene führen muss. Das gilt sowohl für die Jahre, in denen ich als Angehöriger des „Fachpublikums“ schon in den ersten drei Tagen die „Wasser ausgelotet habe“ als auch für die Jahre, in denen ich lieber mit dem „Publikum“ gemeinsam die Stände „geplündert“ habe.

Hier fällt mir wieder der Ratschlag meines Vaters selig ein, der noch ein viel größerer Reise-Enthusiast war als ich: „Fokussier dich! Überleg dir bereits im Vorfeld genau, welche Reiseziele dich wirklich interessieren und welche Fragen du den Leuten am Stand stellen willst! Nimm nur das Material mit nach Hause, das zu diesen Zielen passt, alles andre wirfst du später ohnehin ins Altpapier.“ Mein Vater hatte ja soooooooo Recht. Denn offensichtlich ist die Begeisterung fürs Reisen den Berlinern und ihren Gästen nicht abhanden gekommen.

Auch in diesem Jahr wieder war der Andrang am ersten „Publikumstag“, welches traditionell der Samstag ist, riesengroß. Der Einlass am „Nordeingang, Halle 19“ an der Masurenallee ging dementsprechend langsam. Meine Hoffnung, dass dies auf verschärfte Sicherheitsmaßnahmen zurückzuführen sei, erfüllte sich aber leider nicht. Niemand wollte auch nur einen oberflächlichen Blick in meinen Rucksack werfen. Dennoch fanden sich überall Metalldetektoren. Widersinnig, aber das ist eben Berlin. Selbst in Zeiten von Terroranschlägen und Axtmördern. Schon seltsam, dass mir im Gedränge des Eingangsbereichs der Gedanke durch den Kopf ging, wieviele Opfer man hier wohl mit minimaler Sprengstoffmenge „erledigen“ könnte. O tempora, o mores.

Nun, immerhin das Fokussieren fiel mir wieder mal nicht so schwer. Schon auf der Hinfahrt brummte ich mein „Mantra“ vor mich hin: „Berlin-Brandenburg-Sachsen-Anhalt, vielleicht Mecklenburg. Spandau-Köpenick-Pankow…“.  Und dann der übliche Gang zum Hallenbelegungsplan. Wo ist was ? Welche Hallen MUSS, welche SOLLTE und welche KANN ich besuchen, wenn ich noch etwas Luft und Lust übrig habe ? Puh. Hier fängt der Stress schon an. Mein Überraschungsland war diesmal Polen. Hatte ich nicht auf der Liste, aber ein freundlicher Herr vom Tourismus in „Westpommern“ überreichte mir einen Stadtplan von…ach, vielleicht erfahren Sie das noch in diesem Jahr oder im nächsten…:-).
Dann noch schnell ein Bild vor der „Marienburg“ in Westpreußen geschossen und schon konnte die eigentliche Hatz nach Infos und kostenlosen Materialien losgehen.

Natürlich war unsere Region Berlin-Brandenburg dabei für mich am wichtigsten. Hier war aber auch ganz schön was los. Da liefen sowohl der „Hauptmann von Köpenick“ als auch der „Große Kurfürst“ herum und ein Spreewaldmädel in voller Tracht warb für die gleichnamige Region Brandenburgs. Mindestens eine konkrete Anregung für einen „Stadtspaziergang“ noch in diesem Jahr bekam ich in dieser Halle auch noch direkt in die Hand gedrückt. Ich kann natürlich an dieser Stelle noch nichts Näheres verkünden, lassen Sie sich also überraschen, liebe Leserinnen und Leser !!! 🙂

Leider gab es während der diesjährigen ITB auch einige, unschöne Untertöne, die ich nicht unerwähnt lassen mag. Eine Politisierung dieses Reisemarktes war zu beobachten. Diese fing schon mit dem Besuch des türkischen Außenministers Cavusoglu auf der Messe an. Am Tage zuvor hatte er in Hamburg noch harsche und unangemessene Töne als Gast angeschlagen (Müssen ausländische Politiker bei uns eigentlich Wahlkampf machen ? Ich möchte ja auch Frau Merkel nicht in der Türkei auf Wahlkampftour sehen.), auf der ITB musste er dann kürzer treten und für „Gutwetter“ sorgen, damit der Deutsche als solcher wieder in der Türkei urlaubt. Denn durch Terroranschläge, Erdogan-Regime und deutschfeindliche Töne der Regierung hatte sich schon in der vergangenen Reise-Sommersaison der Strom der Türkeifreunde aus Deutschland deutlich abgeschwächt und somit die Tourismusbranche in Kleinasien ratlos zurückgelassen.

Und auch, als ich das Messegelände verließ, tauchten vor meinen Augen noch ein paar unangenehmere Zeitgenossen auf, die mit „free palestine“-Parolen und Boykottaufrufen gegen Israel die „schöne, bunte Reisewelt“ für ihre Zwecke vereinnahmen wollten. Der Gedanke, ob sich da etwa ein linker Hass auf Juden neue Formen sucht, kommt denen wohl nicht. Na, ja. Ich fands jedenfalls unangemessen.

Mein Fazit ? Der Branche scheint es gut zu gehen. Das Interesse der Öffentlichkeit am Reisen scheint ungebrochen. Schon morgens im Zubringerbus saß etwa ein „Vater-Tochter“-Duo aus Sachsen-Anhalt, das unbedingt auf die Messe wollte. Auch das kaum erträgliche Gedränge schon zwischen 10.00 Uhr und 11.30, wo es in vergangenen Jahren eher ruhiger anging, sprach ebenso für sich. Nur die Präferenzen der Devisenbringer aus „Germany“ scheinen sich zu verschieben. Was angesichts von Terror, Bürgerkriegen und Diktaturen in manchen Urlaubsländern, welche den Reisegenuss deutlich verringern, auch nicht verwundern kann. Für mich als Freund der „kleinen Stadtspaziergänge in Berlin und Brandenburg“ verändert sich aber ohnehin wenig, da Urlaub in „Germanien“ grundsätzlich weiter „angesagt“ bleibt.

In diesem Sinne hoffe ich, mit frischen Eindrücken ausgestattet, Ihnen noch in diesem Jahr vielleicht ein paar neue Angebote machen zu können, einige neue Ziele anzusteuern. Ich freue mich darauf ! 🙂

Ihr

Clemens Kurz

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