Brandenburg an der Havel – „Stadt im Fluss“

Hier kann ich es Ihnen ja gestehen, liebe Leserinnen und Leser: ich mag Brandenburg an der Havel. Vielleicht, weil ich selbst ein „Havelländer“ bin, wenn auch aus Berlin: ein „Spandauer“ halt. Die „Stadt im Fluss“, Brandenburg, ist mir deshalb immer mal wieder einen Besuch wert. Und als Ausgangspunkt askanischer Eroberungen und Kolonisierung im Mittelalter verfügt die ehemalige „Chur- und Hauptstadt“ der Mark auch über ein sattes Maß an Geschichte, das mich persönlich interessiert und anspricht. Sie vielleicht auch ?

Nicht umsonst ist das heutige Bundesland Brandenburg nach der Stadt Brandenburg an der Havel benannt und nicht umgekehrt. Als der erste „Askanier“, der unter seinem „Indianernamen“ Albrecht, „der Bär“ bekannt wurde, 1157 die Brandenburg endgültig in seinen Besitz bringt, verkündigt er praktisch umgehend, er sei jetzt der „Markgraf von Brandenburg“. So erklärt sich die Reihenfolge der Namensgebung. Von hier aus machen sich seine Nachfahren dann daran, aus dieser Mark „etwas zu machen“. Was angesichts der Tatsache, dass in ganz Deutschland dieser Landstrich nur als „Streusandbüchse“ bekannt war, schon etwas aussagt. Nein, hier werde ich jetzt keinen Vortrag zur Regionalgeschichte halten. Aber immerhin sei so auf die Bedeutung dieser Stadt als „Wiege der Mark Brandenburg“ hingewiesen.

Heute gehts hier etwas weniger pompös und deutlich gemütlicher zu. Was ich sehr angenehm finde. Dennoch findet man mehr als einen Grund, sich hier umzuschauen und auch die Fotokamera fleißig arbeiten zu lassen.
Vom Hauptbahnhof fuhr ich mit der Tram erstmal ins Stadtzentrum. Früher hätte ich die Strecke wohl zu Fuß bewältigt, aber heute nicht mehr. Energiesparen für die eigentliche Stadterkundung, :-). In vergangenen Jahren hatte ich es immer versäumt, das „archäologische Landesmuseum Brandenburg“ zu besuchen, diesen Fehler wollte ich nicht noch einmal machen und steuerte schnurstracks darauf zu.

Seit 2008 werden die wichtigsten Ausgrabungsfunde aus der Region hier im historischen Kontext präsentiert. Und das kann sehr interessant sein. Man gibt sich hier im ehemaligen „Paulikloster“ in jedem Falle eine große Mühe, von der Vor- und Frühgeschichte bis zur Neuzeit alle Funde in solide Erklärungen einzubetten und mit multimedialen Elementen näher zu erläutern. Ich fand das Konzept gelungen und das historische Kloster stellt eine ganz einzigartige Kulisse für dieses Museum dar. Wenn ich jetzt noch anmerken darf, dass die Damen, die im Museum arbeiten, alle höchst freundlich, hilfsbereit und auskunftsfreudig waren… Immerhin ist das ja auch nicht mehr selbstverständlich heutzutage, weshalb es mir positiv auffiel. Wer sich an solchen Themen „ergötzen“ kann wie ich, der sollte also unbedingt einmal hiergewesen sein!

Was kann man sonst noch sehen ? Na, z. Bsp. die „Wuchtbrumme“ unter den alten Kirchen Brandenburgs: St. Katharinen in der Neustadt. Ihr 72,5 m hoher Turm dominiert noch heute die Silhouette Brandenburgs. Was für eine spätgotische „Trutzburg des Glaubens“! Aus dem regionalüblichen Backstein erbaut und noch heute erdrückt sie alle umliegenden Gebäude optisch. Derzeit wird gerade der zu DDR-Zeiten mit giftigen Chemikalien für den Holzschutz „verseuchte“ Turm „entgiftet“. Zumindest werden dafür Spenden eingesammelt, denn immerhin ist der Turm wegen giftigem Staubes schon seit 2005 gesperrt. Was aber dem Besuch im Kirchenschiff keinen Abbruch tut, seien Sie dessen versichert.

Da aber Brandenburg tatsächlich lange aus zwei unterschiedlichen Stadtkernen bestand, mussten auch Brücken über die Havel her. So nimmt es nicht Wunder, dass die „Jahrtausendbrücke“ zwischen der historischen Alt- und Neustadt noch heute eine der wichtigsten Verkehrsverbindungen Brandenburgs darstellt. Erstmalig eröffnet wurde sie 1929 zum tausendjährigen Jubiläum der Stadt. Ganz in der Nähe finden sich auch Anlegestellen der Havelschifffahrt und die ehemalige Franziskaner-Klosterkirche St. Johannis.

2015, pünktlich zur Bundesgartenschau im Havelland, hatte man diese eigentlich im Zweiten Weltkrieg beschädigte Kirche soweit wiederhergestellt, dass sie als Veranstaltungsort dienen konnte. Ihr Westabschluss ist heute in moderner Glasoptik gestaltet. Einst war hier der preußische General Heinrich-August de la Motte-Fouqué beigesetzt. Von dessen Grab ist aber heute nichts mehr zu finden.

Da das beschädigte Rathaus der „Neustadt“, welches nach der Zusammenlegung von Alt- und Neustadt 1715 als gemeinsamer Verwaltungsmittelpunkt diente, in der Nachkriegszeit abgerissen wurde, finden stattdessen auf dem „Neustädtischen Markt“ einen Flanierbereich und einen Parkplatz wieder. Das „Altstädtische Rathaus“ hingegen ist jetzt der Amtssitz des Oberbürgermeisters. Oder vielmehr der Oberbürgermeisterin, denn Frau Dietlind Tiemann amtiert bereits seit 2003. Der ehemals „neustädtische“ Roland bewacht sie dabei, denn er ist unübersehbar vor dem Rathaus aufgestellt. Dieses Zeichen städtischer Privilegien wie Marktrecht und eigener Gerichtsbarkeit kam mir auffällig bekannt vor: richtig, eine Kopie davon steht vor dem „Märkischen Museum“ in Berlin.

Und auch die Taufkirche des 2011 verstorbenen und auf dem Berliner Friedhof Heerstraße beigesetzten Humoristen „Loriot“ findet sich in der Altstadt. St. Gotthardt ist die älteste Kirche der Stadt. Die historische Domkirche liegt etwas weiter auf der sog. „Dominsel“, die übrigens erst 1929 verwaltungstechnisch mit der Stadt Brandenburg vereinigt wurde ! Die Domkirche St. Peter und Paul feierte 2015 das 850-jährige Jubiläum der Grundsteinlegung. Im dazugehörigen Dom-Archiv, dem ältesten Archiv der Mark Brandenburg, finden sich heute noch unschätzbar wertvolle Dokumente wie die Ersterwähnung Berlins.

Ich selbst gönnte mir nach dem Museumsbesuch ein picknick auf dem Neustädtischen Markt, klapperte ein paar Kirchen ab und fotografierte alles, was sich dafür anbot, abgelichtet zu werden. Und das in aller Ruhe, ohne Eile. So gefällt mir das am Besten. Leider war der „Fritze Bollmann Brunnen“ noch nicht in Betrieb und noch mit einer Schutzabdeckung versehen. So kann ich Ihnen diesen hier also…äh…nur von einem alten Foto her zeigen. Aber ich vermute, sobald hier das Wasser wieder plätschert, wird der „Barbier von Brandenburg“ ungefähr noch so aussehen wie auf dem Bild.

Was mir noch auffiel ist, wie gut sich das Einkaufszentrum „St. Annen-Galerie“ ins Stadtbild einfügt. Hier hat mal jemand „mit Fingerspitzengefühl“ gebaut. Auch das ist in Berlin-Brandenburg nicht mehr die Regel, weshalb ich innerlich applaudierte. Auch die lustigen „Waldmöpse“, kleine, bronzene Fabeltiere aus dem Atelier des schon erwähnten Brandenburgers „Loriot“ (eigentlich: Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow, aber seis drum) amüsierten mich immer wieder, wo ich auf sie traf. Auf der diesjährigen Tourismus-Börse sagten mir Vertreter Brandenburgs, dass es mittlerweile 24 von ihnen im ganzen Stadtgebiet gäbe. Offensichtlich vermehren sie sich prächtig. Ich selbst traf zwar nur vier von ihnen, aber jedes Mal musste ich wieder lächeln.

Wer jetzt neugierig darauf geworden ist, selbst einmal Brandenburg an der Havel zu besuchen, der sei auf die örtliche Touristeninformation hingewiesen:

Neustädtischer Markt 3
14776  Brandenburg an der Havel
Tel. 03381/796360
Fax. 03381/7963629
touristinfo@stg-brandenburg.de
http://www.stg-brandenburg.de

Öffnungszeiten:
GANZJÄHRIG
Mo – Sa 9.00 – 20.00 Uhr
MAI bis SEPTEMBER zusätzlich
So & Feiertag 10.00 – 15.00 Uhr
Außerdem stehe ich selbst als ortskundiger Begleiter für einen Stadtspaziergang in Brandenburg an der Havel zur Verfügung. Muss ich das eigentlich noch anmerken ? 🙂
In diesem Sinne
Ihr Clemens Kurz
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