HSeg: Ein Monarch, der noch immer „getragen“ wird…

Wer in die Details von lokaler und regionaler Geschichte „hinabtaucht“, wird auf ungewöhnliche und skurrile Fakten stoßen. Das ein oder andere dieser Details will ich hier mit Ihnen in der Rubrik „Hätten Sie es gewusst ?“ (HSeg) teilen. Ich hoffe, Sie haben daran Freude und können über manche skurrilen Einzelheiten aus Berlin und Brandenburg schmunzeln.

Letztlich stieß ich bei der Vorbereitung eines Stadtrundgangs auf ein öffentlich zugängliches Detail, welches aber weitgehend unbekannt sein dürfte. Oder warum trägt ein Berliner Bezirksbürgermeister einen König um den Hals ? Na, ja, vielleicht nicht den ganzen König, 😉 .

  • Die „Amtskette“ des Bürgermeisters von Spandau nämlich hat eine Medaille daran, auf der in schönster, kunsthandwerklicher Arbeit ein Profilbild von König Friedrich-Wilhelm III. von Preußen zu sehen ist. Nanunana, ein Monarch hängt um den Hals eines gewählten, demokratischen Volksvertreters ?
  • Dies kann relativ einfach erklärt werden: das Symbol städtischer Selbstverwaltung ist ein „Erbstück“ aus dem alten Preußen. Die Bürgermeister von Spandau tragen es, vor allem bei repräsentativen Anlässen außerhalb Spandaus, seit 1845. Fachleute werden wieder sagen: „Nanunana“, da war der dritte Friedrich Wilhelm doch schon nicht mehr am Leben ? Richtig. Aber zu seinem Angedenken wurde diese Medaille geschaffen.
  • Denn FW3 hatte im Zuge der Stein-Hardenbergschen Reformen des frühen 19. Jahrhunderts auch den Städten in Form der sog. „Städteordnung“ mehr Selbstverwaltung zugestanden. Zugestehen müssen vielleicht, aber seis drum. Diese Städteordnung von 1808 trägt jedoch ganz eindeutig die Handschrift des Freiherrn vom und zum Stein, der mit einheitlichen Regelungen für die Städte Preußens z. T. mit jahrhundertealten, mittelalterlichen Sonderwegen und Eigenheiten aufräumte. Gleichzeitig sollte den Stadtbürgern Preußens aber auch mehr Mitbestimmung in „eigener Sache“ eingeräumt werden, als zuvor.
  • An diese Städteordnung, die im Namen Friedrich-Wilhelms des Dritten erfolgte, erinnert nun die Medaille, welche der gewählte Bürgermeister des nunmehr fünften Stadtbezirks von Berlin (vor der Verwaltungsreform von 2001, der achte Bezirk) bis heute zu tragen berechtigt ist.  Soweit, so einfach zu erklären. Man muss es nur wissen.

In diesem Sinne: nicht alle alten Monarchen stehen für Oppression und Entrechtung ihrer Untertanen. Zumindest nicht zu 100 Prozent und permanent.
In diesem Sinne, besuchen Sie doch Spandau einmal !

Ihr

Clemens Kurz

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