Potsdams Holländerviertel – steinerne Verbundenheit

Das sog. „Holländerviertel“ in Potsdam steht symbolisch für die Verbundenheit Brandenburgs mit den Niederlanden. Steinerne Zeugnisse von dem, was man im 18. Jahrhundert unter „Willkommenskultur“ verstand. Denn das Land brauchte immer neue Bürger….

Liebe Freunde der Stadtspaziergänge, ich erinnere mich noch lebhaft daran, wie anlässlich eines Besuches der damaligen, holländischen Königin Beatrix einige sie begleitende Holländer, Medienvertreter und auch hier lebende Niederländer ein wenig über das ihr in Potsdam stolz präsentierte „Holländerviertel“ spöttelten. „Ja, ja, so stellt ihr Deutschen euch die Niederlande vor. Aber echte Grachtenkinder können diese Architektur natürlich nicht ernst nehmen.“ So oder so ähnlich krittelte man damals vernehmlich herum.

Dabei ist dieser Spott eigentlich durch und durch ungerecht. Denn, was ich damals noch nicht wusste, ist, dass der Mann, der die 134 Häuschen dieses Quartiers entwarf, ein echter Holländer war. Ein Exilholländer zumindest, der aber in Amsterdam geboren wurde. Jan Bouman, später genannt „der Ältere“, weil es dann noch einen weiteren Bouman als Stadtbildner gab. Wenn also jemand weiß, wie ein „Holländerhäuschen“ auszusehen hat…

„Soldatenkönig“ Friedrich-Wilhelm

Die Geschichte des Holländerviertels beginnt mit der zweiten Stadterweiterung Potsdams. An diesem Orte sollte dem „Sumpf“ (dem notorisch schlechten Baugrund Potsdams, deshalb das benachbarte „Bassin“ als Entwässerung) ein Modellkiez abgerungen werden. Dieser Kiez war für potentielle Zuwanderer aus den Niederlanden gedacht und damit diese sich nicht sofort „fremd“ fühlten, sollten ihre Domizile eben vertraut aussehen. Da war der „Soldatenkönig“ ganz Pedant. Und eben auch ein Holland-Enthusiast wie einst sein Großvater, der „Große Kurfürst“ Friedrich-Wilhelm. Über seine Großmutter, die Kurfürstin Louise-Henriette, war der Soldatenkönig übrigens direkt mit dem Herrscherhaus Hollands, den „Oraniern“ verwandt.

Los gings mit diesem Bau-Projekt im Jahre 1732. Manche Quellen wollen sogar wissen, dass Jan Bouman extra für dieses Projekt nach Preußen kam. 1742 war das „Lockangebot“ für niederländische Handwerker dann fertiggestellt. Da lebte dessen Initiator, der schon erwähnte „Soldatenkönig“ bereits nicht mehr, aber auch sein Sohn, der noch „junge Fritz“, ließ einfach konsequent zu Ende bauen. Ob wir wohl heute Holländer bräuchten, um den BER zu Ende gebaut zu bekommen ? 🙂

Wussten Sie, dass….

  • im Potsdamer Holländerviertel im Spätsommer 2015 Szenen für die US-TV-Serie „Homeland“ gedreht wurden, die „Amsterdam“ darstellen sollten ? Da die Produktionsfirma zu dieser Zeit gerade die fünfte Staffel in Berlin drehte und für zwei Situationen „Holland“ benötigte, drehte man einfach im nahegelegenen Potsdam. Das sparte Reisekosten. 🙂
  • Jan Boumans vielleicht am meisten „betretenes“ Bauwerk in Berlin das ehemalige „Prinz-Heinrich-Palais“ Unter den Linden ist? Heute ist es das Zentralgebäude der Humboldt-Universität.
  • es im Holländerviertel ein „Jan – Bouman – Haus“ gibt, das eine Art Museum für die Art der Wohnkultur in den Holländerhäuschen ist ? Dort hat der „Förderverein für die niederländische Kultur in Potsdam“ seinen Sitz. Dieser veranstaltet übrigens im Winter ein „Sinter-Klaas-Fest“ und im Frühling ein „Tulpenfest“ im Holländerviertel.
  • es sich beim Holländerviertel laut „wikipedia“ um das größte „zusammenstehende Bauensemble und Kulturdenkmal holländischen Stils außerhalb der Niederlande in Europa“ handeln soll ?
  • im 18. Jahrhundert nicht annähernd soviele Holländer nach Potsdam kamen, wie vom Soldatenkönig einst gewünscht ? Es sollen anfangs in etwa nur zwei Dutzend Familien gewesen sein. Deshalb wurden die Häuser bald „freigegeben“ für mehr oder minder verdiente Bürger Potsdams und für Grenadiere des Garderegiments mit Familie.
  • im Jahre 1906 der „Hauptmann von Köpenick“, Wilhelm Voigt, hier im Quartier, in der Mittelstraße 3 beim Altwarenhändler Berthold Remlinger, seine gebrauchte Uniform kaufte ?

Zu DDR-Zeiten verkam das Viertel ein wenig. Die Ressourcen für dringend benötigte Reparaturen waren einfach nicht vorhanden. Deshalb kam in den Siebzigern hier eine Hausbesetzerszene auf, die z. T. zähneknirschend von den Potsdamer Behörden geduldet wurde, weil diese wussten, dass es besser war, wenn die baufälligen Gemäuer bewohnt wurden, als wenn sie weiter verfielen. In den 90er Jahren wurden die Gebäude grundlegend restauriert. Heute kann man von einem durchgehend guten Bauzustand der Gebäude sprechen. Wohnraum und Gewerbe finden sich hier in direkter Nachbarschaft.

Bildmaterial:

Quellen:

  • „Potsdamer Geschichten“, Gisela Heller, Edition Arani, 1993,
  • wikipedia
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