Potsdam: frischer April-Spaziergang

Die Brandenburgische Landeshauptstadt bietet ja so einiges. Museen, Parks und Festivitäten. Da kann man schon mal ein beliebtes Volksfest dazu nutzen, ein wenig in der Altstadt herumzuspazieren. Und natürlich auf „Motivjagd“ zu gehen. 

Ich muss es gleich zu Beginn anmerken: das, gelinde gesagt, „schwierige“ Wetter machte am von mir gewählten Tag weder das Volksfest noch das Fotografieren zu einem echten Vergnügen. Starker Wind, eine tiefhängende Wolkendecke und gelegentliche Regentropfen, die das Objektiv zu „verzieren“ drohten, hielten meine allgemeine Begeisterung ordentlich in Grenzen.

Aber die Potsdamer und ihre Gäste lassen sich ja bekanntlich das Feiern nicht verderben und so ging auf dem „Festgelände“ am Bassinplatz schon vormittags die Post ab. Mit Blaskapelle usw. Ich selbst mag ja die offensichtlichen Sehenswürdigkeiten im Potsdamer Stadtzentrum fast genauso, wie die einst königlichen Parks, denen ich an diesem Tag aber keine Aufmerksamkeit widmete. Die Kirche „St. Peter und Paul“ am Bassinplatz z. Bsp. ist die bedeutendste, katholische Kirche der Stadt. Was durch ihre Auszeichnung als „Propstei-Kirche“ im Jahre 1992 bestätigt wurde.

Kann man es glauben ? Noch nie zuvor hatte ich die Französische Kirche Potsdams (s. Bild) fotografiert. Dies holte ich auch gleich mal nach. Zumal dieses kleine Kirchlein einiges an Geschichten erzählen kann, oder wussten Sie, dass dies DIE EINZIGE KIRCHE PREUSSENS IST, DIE DER „ALTE FRITZ“ KOMPLETT SELBST FINANZIERT UND SIE DANN DER GEMEINDE GESCHENKT HAT ? Wir wissen es alle, Friedrich hatte es nicht so sehr mit der Religion, aber den Hugenotten der „zweiten Exilgeneration“, die noch sein Vater aus allen Winkeln Europas angeworben hatte, vermachte er doch ihr eigenes Gotteshaus an der Ecke des ehemaligen „Französischen Viertels“ Potsdams.

Das „Holländerviertel“ Potsdams ist ja mittlerweile bekannt aus „Funk und Fernsehen“. Nicht immer wird es dabei auch als Potsdamer Kiez erkennbar. So hat z. Bsp. die US-Serie „Homeland“ das Holländische Viertel als Kulisse für „Amsterdam“ genutzt, als man im Spätsommer 2015 hier für die fünfte Staffel drehte. Ansonsten zeigt sich das einzigartige Ensemble kleiner, roter Backsteinhäuschen immer wieder auch als Quell seltsamer Geschichten aus der Geschichte wieder. Wussten Sie z. Bsp. , dass der „Soldatenkönig“ hier beim Besichtigen des künftigen Baugrundes mit dem Pferd im Schlamm steckengeblieben sein soll ? Eine Anekdote, zugegeben, die nicht unbedingt wahr sein muss. Aber der schlechte Baugrund in Potsdam (ebenso wie in der Berliner Stadtmitte übrigens) ist historisch belegt und ebenso legendär. Das nahegelegene „Bassin“ übrigens, sollte einstmals der Entwässerung des Baugrundes dienen.

Im Holländerviertel wohnten aber weniger die Niederländer, denen das sumpfige, noch immer recht provinzielle Potsdam Mitte des 18. Jahrhunderts wohl nicht attraktiv genug war. Es gibt verschiedene Aufzeichnungen, die uns heute sagen, dass sich maximal 24 Familien aus Holland mit etwa 55 Angehörigen tatsächlich spontan hier ansiedelten. Nein, in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wohnten hier vielmehr die Kunsthandwerker, die in den nahegelegenen Schlössern die Verschönerungen innen und außen vornahmen! So etwa der Bildhauer Friedrich Christian Glume, wohnhaft Mittelstraße 25, von dem u. v. a. die „Rossebändiger“-Plastiken auf dem heutigen Film-Museum Potsdam (s. Bild) stammen. Auch der Architekt Gontard und der Querflötenbauer Kirst, von dem der „junge Fritz“ seine Instrumente bezog, wohnten in diesem Kiez. Und es gibt noch viel mehr Geschichten zu erzählen…

Klar, natürlich war ich auch neugierig auf das neue „Palais Barberini“. Womit ich übrigens nicht alleine war, denn tatsächlich sprachen mich Passanten an, ob ich ihnen den Weg dorthin zeigen könne. Ja, ich konnte und spazierte dann auch selbst zum Alten Markt hinüber, wo seit dem 23. Januar 2017 Kunst gezeigt wird. So z. Bsp. eine Sonderausstellung zum Impressionismus u. v. m. … Der Name stammt übrigens NICHT von der „Barberina“, der bekannten Tänzerin, die einst Friedrich den Großen bezauberte, sondern vom römischen „Palazzo Barberini“, an dessen Aussehen hier bei der Ersterrichtung im 18. Jahrhundert Anleihen genommen wurden. Das wiederhergestellte Gebäude wurde übrigens vom „Stadtbild Deutschland e. V.“ (, dem auch ich angehöre) schon 2016 zum „Gebäude des Jahres“ gekürt. ABER HALLO ! 🙂

Und auch der Innenhof des Brandenburger Landtags war für Besucher offen. Da latschte ich natürlich gleich mal rein. In das Parlament, dessen Gebäude sich albernerweise  schon an seiner Außenwand in prätentiösem Französisch selbst als „dies ist kein Schloss“ bezeichnet. Na, ja, warum aber sieht es dann dem alten Stadtschloss der Hohenzollern zum Verwechseln ähnlich ??? Na, egal, jedenfalls ist der Innenhof erstaunlich unspektakulär, nüchtern, ja fast möchte man sagen…“preußisch“, obwohl diese Wortwahl sicher eine Mehrheit der Abgeordneten im Hause „auf die Palme“ bringen würde… Das Dilemma der Stadt. Sie lebt nicht unwesentlich vom Tourismus, der auf den Hinterlassenschaften Preußens basiert (und der fast überall mit dem Konterfei des „alten Fritzen“ wirbt), dessen Geist die Politik aber nicht mal mit der Kneifzange anrühren möchte.

Soweit, so interessant, Als die „steifen“ Windböen mich dann genügend durchgepustet hatten, nutzte ich die erfreulich wohlgeführte Buslinie 638 dann wieder, um in mein „heimatliches“ Spandau zurückgegondelt zu werden. Mit ein paar interessanten, wenn auch keineswegs „perfekten“ Fotos auf der Speicherkarte und ein paar neuen Eindrücken, ganz ohne „Sanssouci“ oder „Neuen Garten“, im Gepäck.

WÄREN SIE DABEIGEWESEN, HÄTTE ICH IHNEN ALL DIE GESCHICHTEN VOM SCHUSTER VOIGT UND WO ER SEINE GEBRAUCHTE HAUPTMANNS-UNIFORM KAUFTE, VOM KURFÜRSTEN, DER SICH IN DIE HAVELLANDSCHAFT VERLIEBTE UND VOM FRANZÖSISCHEN PREDIGER, DER IM HOLLÄNDERVIERTEL WOHNTE, ERZÄHLT. In Gemeinschaft machen Stadtspaziergänge nämlich noch viel mehr Spaß ! Ich hoffe also, Sie beim nächsten Termin zu treffen ! 🙂 Bis dahin, schauen Sie doch vielleicht mal in meine Rubrik der „Rückblicke“ hinein ! 🙂

P.S.: Ich biete auch einen Stadtspaziergang an, der sich mit dem doch recht anderen Verhältnis Berlins zum „alten Fritzen“ beschäftigt. Sprechen Sie mich darauf an, dann verabreden wir einen Termin ! 🙂

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