Erbe der unzufriedenen Königin – Charlottenburg

Eine der wichtigsten Touristenattraktionen nicht nur des „alten Westberlins“ verdankt die Stadt einer zutiefst unzufriedenen, suchenden und vergnügungssüchtigen Fürstin. Sophie-Charlotte von Braunschweig-Lüneburg („Hannover“ kam erst nach ihrer Geburt dazu) hatte große Pläne. Und scheiterte an der Realität. Dennoch hinterließ sie uns den Nukleus einer Touristenattraktion. Gott sei Dank ! 🙂

Selbst weniger wohlwollende Beschreibungen Sophie-Charlottes sprechen ihr immerhin ihren großen Bildungshunger zu, der selbst den Philosophen Leibniz einst an ihren Musenhof in „Lietzow“ lockte. Die Gründung der Berliner „Akademie der Wissenschaften“ ist dankenswerterweise auf diese Bekanntschaft zurückzuführen. Ein geistiges Vermächtnis, das Sophie-Charlotte leider nicht an ihren komplett verzogenen Sohn, den späteren „Soldatenkönig“ Friedrich – Wilhelm, weiterzugeben im Stande war. Nicht das einzige Versagen dieser oft zu Unrecht hochgelobten Fürstin.

Schon ihre Zwangs-Vermählung mit dem Kurprinzen Friedrich von Brandenburg im Jahre 1684 in Herrenhausen bei Hannover ist letztlich eine Niederlage. Zwar hatten Prinzessinnen diverser Herrscherhäuser Deutschlands weder im 17. noch in folgenden Jahrhunderten allzuviel bei ihren arrangierten Ehen mitzureden, doch „träumen“ durften sie allemal. Vor allem, wenn sie aus einem Hause stammten, das die Anwartschaft auf den Englischen Thron erhalten würde und das kurz davor stand, einen neunten Kurhut vom Kaiser verliehen zu bekommen.

Aus diesem und anderen Gründen hielt sich Sophie-Charlotte immer für „zu gut“ für Brandenburg/Preußen, für zu „modern“ und „fortschrittlich“ für das kleine, kaum den massiven Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges entwachsenen Kurfürstentum Brandenburg. Bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit fuhr sie deshalb „heim zu Mutti“ nach Hannover. Sie hatte nämlich einst die Chance gehabt, einen Bourbonen – Prinzen, einen Verwandten des Königs von Frankreich zu heiraten. Aber diese Chance zerschlug sich. Die Tochter eines Bischofs von Osnabrück und Fürsten von Hannover war wohl den Bourbonen nicht „gut genug“. Und katholisch war sie auch nicht.

Friedrich I. , König in Preußen

Diese Enttäuschung trug sie scheinbar ihr Leben lang mit sich. Brachte sie mit nach Brandenburg und ließ ihr, aus Wut darüber, den „schiefen Fritz“ mit dem Buckel, den Sohn des „Großen Kurfürsten“ heiraten zu müssen, freien Lauf. Ihr Ekel vor dem entstellten Mann mit dem schwierigen Charakter, mit dem sie verheiratet worden war, konnte kaum als Geheimnis gelten. Völlig die Tatsache ignorierend, dass die Hohenzollern, denen sie sich so turmhoch überlegen fühlte, bei allem, was deren Länder vielleicht noch zu Wünschen übrig ließen, in ihren Ahnenreihen royales Blut u. a. von Dänemark hatten und die Mutter ihres Mannes immerhin eine Prinzessin aus dem Hause Nassau-Oranien war, was im 17. Jahrhundert etwas bedeutete. Auch die Tatsache, dass ihr Vater erst 8 Jahre nach ihrer Hochzeit eine Kurwürde erhalten würde, während die Hohenzollern diese seit 1417 besaßen und vererbten, beeindruckte Sophie Charlotte offenbar nicht.

So ließ sich Sophie Charlotte, sobald sie ihrer „Pflicht“ nachgekommen war und dem späteren König Friedrich I. einen Thronfolger und einen Ersatzmann geboren hatte, in Lietzow ihr eigenes Schloss errichten. Weit weg vom Berliner Hof. Dort konnte sie weitgehend von ihrem Mann unbehelligt ihren eigenen „Musenhof“ führen, philosophieren, mit Leibniz im barocken Park spazierengehen oder im Schlosse musizieren. Friedrich der Große  fand diese ihm unbekannte Oma übrigens großartig. Ob das ein Prädikat ist oder nicht, überlasse ich Ihrem Urteil, liebe Leser.

Das Schloss, das schon sehr bald den Spitznamen „Charlottenburg“ erhielt und das dem es umgebenden Kiez Lietzow schließlich den Namen aufprägte, wurde auch nach dem Tode Sophie Charlottes 1705 mehrfach erweitert und umgebaut. Diverse exzentrische und interessante Charaktere der Hauses Hohenzollern werden sich später hier die Klinke in die Hand geben. Der „alte Fritz“, der „dicke Lüderjahn“ Friedrich-Wilhelm II. und die „Madonna der Preußen“, Königin Luise. Bis heute lebt der Bau, der im Zweiten Weltkrieg so schwere Zerstörungen erlebte, dass der Senat von Berlin ihn am liebsten abgerissen hätte, von dieser Hinterlassenschaft. Der zugehörige Park, in dem man bei schönem Wetter auch so gut spazierengehen kann, tut sein Übriges dazu.

(Artikel: „Mausoleum Charlottenburg“ hier.)

Ein Besuch von Schloss Charlottenburg gehört deshalb zum „Standardprogramm“ für Berlin – Besucher und ich empfehle ihn ebenfalls. 🙂

Adresse:

  • Schloss Charlottenburg
    Spandauer Damm 10-22
    14059 Berlin

Anfahrt:

  • mit der Buslinie „M 45“ bis „Klausenerplatz“, „Schloss Charlottenburg“ (nur in Richtung „Zoologischer Garten“) oder „Luisenplatz“

Eintritt:

  • 12 €, ermässigt 9 €,

Öffnungszeiten:

  • Montags geschlossen !
  • Dienstag – Sonntag: 10.00 – 18.00 Uhr,
  • von November-März,
    10.00 – 17.00 Uhr
  • Besichtigung mit Führung oder Audioguide
  • Letzter Einlass 30 Minuten vor Schließzeit

Bildmaterial:

Quellen:

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