Achter Mai: Eindrücke aus Karlshorst

Der Zweite Weltkrieg ist nicht verdrängt oder vergessen. Seine Vorbedingungen und Auswirkungen beschäftigen längst nicht mehr nur Historiker, Professoren und Publizisten. Das Ende dieses „Weltenbrandes“ veränderte das Machtgefüge der Staaten und hinterließ Spuren bis tief ins Persönlichste von Überlebenden, deren Familien und Nachfahren. Ich persönlich bin immer auch noch ein wenig persönlich betroffen, wenn ich das „Deutsch-Russische Museum“ in Karlshorst besuche, wo dieser Konflikt auf dem Europäischen Schauplatz endgültig beendet wurde. 

Das Museum in Karlshorst ist mir an sich gut vertraut. Seit einigen Jahren habe ich mich öfter dort „herumgetrieben“ und Besuchergruppen dorthin begleitet. Vielleicht haben Sie einen meiner diesbezüglichen Beiträge ja gelesen.  Am „V-Day“ (ja, ja es gibt die Kontroverse: in den englischsprachigen Ländern ist es der 07. Mai, in Deutschland der 08. und in Russland der 09. ) war ich jedoch noch nie zuvor am Ort, wo der Zweite Weltkrieg in Europa endete. Die soeben kurz angedeutete Kontroverse blende ich dabei jetzt einfach mal aus. Das Datum „08. Mai“ hat sich einfach in unserem Land eingebürgert, so dass ich „Reims“ und die eigentliche Kapitulation der Wehrmacht dort am Tag zuvor mal ganz bewusst ignoriere.

Dass das heute in Karlshorst ansässige Museum an jedem 08. Mai ein „Museumsfest“ feiert, erscheint also mehr oder minder angemessen. Man kann ja auch zu diesem Zeitpunkt im Jahr auf gutes Wetter rechnen, oder ? Weit gefehlt in diesem Jahr ! Frischer Wind, tiefhängende Wolken, Regenschauer… Das verrückte Frühjahr 2017 wollte uns klimatisch auch diesen Anlass vermiesen. Die Gäste aber ließen sich davon nicht stören. Das Museum hatte sich auch wieder reichlich Mühe gegeben, ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine zu stellen.

Filmvorführungen im Medienraum, mehrsprachige Führungen durch die Dauerausstellung (deutsch, russisch, englisch), ein Musikprogramm, welches sowohl „im Saale“, als auch draußen „auf der Bühne“ stattfand, sowie verschiedene dem Anlass angemessene Events wie etwa ein ökumenischer Friedensgottesdienst rundeten das Geschehen ab. Ein Freund, der mich an diesem Tag begleitete, wollte schon immer viele Fragen über das Militärgerät im Hinterhof loswerden. Aus welchem Grunde auch immer regten ihn diese Relikte des Zweiten Weltkrieges zum Nachdenken über ihren Gebrauch an und an diesem Tage standen mehrere, kompetente Restauratoren zur Verfügung, die viele Unklarheiten beseitigen konnten. Und die Selbstfahrlafette mit der 10 cm Kanone konnte sogar erklettert und besichtigt werden. Auch das ist nicht die Regel, da die alten, durchgerosteten Gerätschaften sorgsamst gepflegt und restauriert werden müssen.

Auch an einer der an diesem Tag komplett kostenlosen Führungen nahmen wir teil. Ich persönlich lernte viel dabei, was etwas heißen mag, da ich die Dauerausstellung an sich bereits zu kennen glaubte. Aber der Hinweis auf bestimmte Details und das Unterstreichen des Konzepts der Raumaufteilung gaben mir ein besseres Gefühl für die Intentionen der Museumsleute. Die Museumspädagogin, die unseren Rundgang leitete, war so engagiert, dass sie fast „den ganzen Betrieb“ aufhielt, weil sie sich so viel Mühe gab, unsere Fragen zu beantworten und bestimmte Punkte der Museumsarbeit herauszustreichen. Immerhin kam ja die nächste Gruppe schon bald nach uns an die Reihe.

Fazit: Wie immer ein lohnender Aufenthalt dort in Karlshorst. Ich kann immer nur wieder meine Einschätzung unterstreichen, dass es nur wenige Orte in Berlin und Brandenburg gibt, die es an welthistorischer Bedeutung mit Karlshorst aufnehmen können. Und das soll keine Abwertung der vielen, interessanten Ausflugsziele in unserer Region darstellen. Und Karlshorst hat noch ein in meinen Augen bedeutsames „feature“ aufzuweisen: der Eintritt ins Museum ist frei und fast sämtliche, geschichtspädagogischen Maßnahmen, die das (übrigens tatsächlich in binationaler Kooperation von Russland und Deutschland betriebene) Museum anbietet, sind ebenfalls kostenfrei oder auf freiwilliger Spendenbasis anzumelden.

Wer jetzt neugierig geworden ist, hier die „quickfacts“:

  • Das Museum hat die Adresse: „Zwieseler Straße 4, 10318 Berlin“.
  • Es ist mit der Buslinie 296 vom S-Bahnhof „Karlshorst“ oder „Lichtenberg“ sowie dem U-Bahnhof „Tierpark“ zu erreichen.
  • Es hat Dienstags bis Sonntags geöffnet. 10.00 – 17.00 Uhr.

Machen Sie sich ihr eigenes Bild ! 🙂

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