Persönlichkeiten: der „fidele Fürst“ – Pückler

Man kann es nicht mehr abstreiten: 2017 ist Pückler-Jahr. In Potsdam-Babelsberg und seinem Ex-Wohnsitz Branitz in Cottbus wird des Bonvivants und Gartenkünstlers gedacht. Wer aber war Herrmann von Pückler-Muskau ? Betrachten wir mal sein abenteuerliches Leben im Schnelldurchlauf:

Die Eltern Pücklers finden in seinem Leben kaum statt. Seine Mutter war noch sehr jung, als sie ihn 1785 zur Welt brachte und konnte mit „Mutterschaft“ wenig anfangen. Der Vater, ein Misanthrop, hielt sich in Sachen Kinder-Erziehung ohnehin, ganz dem Zeitgeist entsprechend, zurück. Der kleine Herrmann wird früh in die Hände pietistischer Bildungsinstitutionen gegeben, was ihn für das weitere Leben zeichnet: „orthodoxem“ Protestantismus wird er immer feindlich gegenüberstehen, im Alter aus „Protest“ sogar noch katholisch werden.

Ein Jurastudium  bricht der abenteuerlustige Jüngling schnell ab und widmet sich einer Art „Militärlaufbahn“ im Dienste des Herzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach. Diese lässt ihm immerhin die Zeit, Reisen nach Italien und Frankreich zu unternehmen und mit einem Freund zusammen 1812 eine England-Reise zu machen, wo er die Gartenkunst als private Leidenschaft entdeckt, die ihn sein Leben lang begleiten wird. 1815 nimmt er schließlich als Beobachter an der „Völkerschlacht bei Leipzig“ teil, wird Verbindungsoffizier zum Stab des russischen Zaren.

In der Folge des „Wiener Kongresses“ fällt sein Landbesitz von Sachsen an Preußen. Pragmatiker, der er ist, heiratet Pückler daraufhin (1817) die Tochter des preußischen Staatskanzlers von Hardenberg, Lucie. Eine Ehe, die nur von ihrer Seite aus auf Liebe und Anerkennung beruht. Für Pückler ist sie nur eine weitere Stufe auf der Leiter des sozialen Aufstieges. Diese Ehe ermöglicht es ihm, 1822 in den Reichsfürstenstand erhoben zu werden. Von nun an dürfen wir vom „Fürsten Pückler“ sprechen. 1826 lässt er sich von Lucie von Hardenberg wieder scheiden.

Jetzt erspare ich Ihnen unzählige, biographische Details und verweise auf Pückler, den „Weltenbummler“. Auf der vergeblichen Suche nach einer vermögenden Erbin, die ihm dabei hilft, seinen hochverschuldeten Landbesitz über Wasser zu halten, begibt er sich 1825 – 1829 wieder nach England und nach Irland. Seine Reiseberichte, die er in die „alte Heimat“ schickt, werden dabei zur gerngelesenen Lektüre. Schließlich verschlägt es ihn 1837 nach Ägypten, wo er als Staatsgast empfangen wird und auf einem Sklavenmarkt eine 12-jährige Sklavin als Mätresse erwirbt. Ja, Sie lesen richtig. Dieses „nubische“ Mädchen mit Namen „Machbuba“ wird er bei seiner Rückkehr nach Muskau bei sich führen. Sie verstirbt aber bereits 1840 und ist dort beigesetzt.

1845 verkauft er seine überschuldete Standesherrschaft Muskau und siedelt nach Branitz über. Dort formte er einen Landschaftspark nach seiner Vorstellung und blieb als Schriftsteller aktiv. Er blieb weiterhin auch „Militär“ und erst das Alter verhinderte, dass er noch im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 diente. Am 04. Februar 1871 verstarb Hermann, Fürst Pückler, auf Schloss Branitz. Er ist im dortigen Park in einer mit Gras bewachsenen Pyramide beigesetzt.

Pückler 1840

Der Nachwelt ist er vor allem als Garten-Architekt bekannt, der u. a. in Potsdam-Babelsberg die Gestaltung der unmittelbaren Umgebung des Schlosses aus den Händen von Peter-Joseph Lenné übernahm, mit dem sich die Auftraggeberin, Augusta von Sachen-Weimar-Eisenach (ja, mit diesem Hause blieb Pückler immer freundschaftlich verbunden) überworfen hatte. Dies geschah im Jahre 1843. Seine Gedankenwelt ist in jahrelanger Arbeit nachempfunden worden und kann seit Frühjahr 2017 wieder vor Ort besichtigt werden !!!!

Und natürlich lebt der Fürst Pückler in der Milcheis-Kombination von Erdbeere, Vanille und Schokolade weiter, die im deutschen Sprachraum unter seinem Namen bis heute verkauft wird.

Mein persönliches Fazit: Pückler wird dank Eiskrem und „Weltreisenden“-Flair m. E. n. von der Nachwelt bis heute zu positiv betrachtet. Ein selbstbezogener Karrierist, der sich aus finanziellen Gründen wieder von der ihm zutiefst zugetanen Ehefrau scheiden lässt, der „Soldat“, der letztlich niemals wirklich an der Front stand (und etwa die Schlacht bei Königgrätz 1866 im wahrsten Sinne des Wortes verschlief), der Gutsbesitzer, der seine Immobilien in den Ruin trieb und der Mann, der in Ägypten eine minderjährige Sklavin kauft, um mit ihr Sex zu haben. Sorry, nicht unbedingt ein Vorbild, eine Persönlichkeit, die meinen Respekt verdienen würde. Sein „Händchen“ in Sachen Parkgestaltung und Gartenbaukunst ist jedoch unbestritten und diesen „Nachlass“ des „grünen Fürsten“ kann ich anerkennen, zumal in Branitz etwa und in Babelsberg die öffentlichen Parks ja besichtigt werden können.

Bilddateien:

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s