Rückblick: Waldwanderung mit Wassernähe

Wir wissen es ja: Berlin ist grün. Parks und Wälder sind überreich im Stadtgebiet vorhanden. Gäste, die zum ersten Mal und mit etwas Muße im Gepäck durch Berlin streifen, kehren immer wieder voll Erstaunen darüber nach Hause zurück, wieviel „Natur“ man hier erleben kann. Grund genug, an einem schönen, warmen Frühlingstag selbst einmal die Berliner Forsten zu erkunden. 

Mehr als 1/3 des Berliner Stadtgebietes sind laut Statistischem Amt Berlin-Brandenburg Wald-, Erholungs- oder Landwirtschaftsfläche. Nimmt man die 6,7 Prozent Wasserflächen mit dazu, kommt die deutsche Hauptstadt auf einen erstaunlich hohen Anteil an Fläche, die nicht zubetoniert, zugebaut und „versiegelt“ ist. Das Bild, welches Berlin allerdings im Rest Deutschlands, im Rest Europas abgibt, ist ein anderes. Es ist das der „bunten“, hektischen, immer am Bauen begriffenen Metropolis, die keine Ruhe, keine Entspannung kennt. Warum eigentlich ist das so ? Versagen hier die Bemühungen der Berliner Tourismus-Manager ?

Wie dem auch sei: an einem warmen, sonnigen Sonntag machte ich mich mit Freunden auf, einen schönen Waldspaziergang zu machen. Man könnte es fast schon eine „Wanderung“ nennen. Von Alt-Tegel sollte es nach Heiligensee gehen. Durch den „Tegeler Forst“. Dessen reines Ausmaß übrigens dafür sorgt, dass der Ortsteil Tegel des Bezirks Reinickendorf der zweitgrößte Ortsteil im Berliner Stadtgebiet ist. Man würde es kaum ahnen, wenn man an den diversen Cafés und Kneipen vorbeiparadiert, die man auf dem Weg zum Tegeler See in der Straße „Alt-Tegel“ noch immer antrifft.

Bevor man jedoch die „Greenwich-Promenade“ am See erreicht, passiert man noch die Kirche Alt-Tegel, die uns daran erinnert, dass hier einst ein Dörfchen existierte, welches über Jahrhunderte hinweg nicht einmal über sich selbst entscheiden konnte, sondern anderen „Ämtern“ unterstand. Die im neo-romanischen Stile erbaute, einstige Dorfkirche wird noch immer von einer eifrigen Gemeinde als Gotteshaus genutzt und steht im Sommer am Wochenende nach den Gottesdiensten oft auch zum Besuch offen.

Von Tegel aus fahren viele Schiffe der Fahrgastschifffahrt auf die Havel und Spree hinaus. In Berlin, wie von mir schon öfter beschrieben, noch immer eine beliebte Art und Weise die Stadt und die Region zu erleben. Bei Eis, Café und/oder Kuchen nach Potsdam, Berlin-Mitte oder Oranienburg zu schippern, ist bei dementsprechendem Wetter auch etwas wert. Wir aber hatten etwas anderes vor und schlenderten in Begleitung von Sonnenhungrigen über die berühmte „Sechser Brücke“ am Tegeler See entlang in Richtung Forst. Ein frischer Wind vom See her machte dabei die aufkommende Mittagshitze erträglich.

Der von uns gewählte Weg ließ uns dann auf Höhe des Parks von Schloss Tegel die „Dicke Marie“ finden, eine uralte Eiche, die angeblich der älteste Baum Berlins ist. Der Legende nach sogar älter als die Stadt selbst. Skeptische Beobachter und Dendrologen zweifeln an dem kolportierten Pflanzjahr 1109. Vermutlich ist die nach einer Köchin der Humboldt-Brüder benannte Eiche aber immerhin ca. 500 Jahre alt, was ja auch noch respektabel ist. Ob dies aber den Status des „ältesten Baumes“ der Stadt aufrechterhält, ist fraglich.

Durch den Tegeler Forst richteten wir unsere Schritte nach Heiligensee. Einem östlich der Havel gelegenen Ortsteil Reinickendorfs, in dem sich tatsächlich ein eigener See befindet, dessen Strandbad bei sommerlichen Temperaturen noch immer gut besucht wird. Der Weg durch den Wald jedenfalls ist breit und immerhin mäßig gut ausgeschildert. Die Wandermarkierungen, auf die wir uns zur Orientierung verlassen wollten, waren jedoch oft abgerissen oder nur noch in Teilen erhalten. Es hilft also, sich auszukennen, ohne auf diese Symbole angewiesen zu sein. Unterwegs trafen wir immerhin auf einen weiteren, bemerkenswerten Baum. Der angeblich „höchste Baum Berlins“ war mit einem eigenen Schild kenntlich gemacht.

In Heiligensee selbst schlenderten wir an einer Hauptstraße entlang, bis wir einen hübschen Aussichtspunkt auf den namensgebenden See fanden. Nicht nur die schon beschriebene Badeanstalt bot sich für das Freizeitvergnügen an. Auch ein einsames Tretboot wurde gemächlich von zwei jungen Damen über den See bewegt. Wobei der Wind von der Havel her wieder für gelegentliche Erfrischung sorgte.

Der Heiligenseer „Dorfanger“ stellte sich dann als Endpunkt unserer Wanderung heraus. Hier, wo man den Dorfcharakter Heiligensees noch am ehesten erahnen kann, fahren nämlich die Nahverkehrsbusse wieder nach Tegel zurück. Wobei ich an dieser Stelle nicht vergessen will zu erwähnen, dass Heiligensee sogar älter ist als Tegel, denn die erstmaligen, urkundlichen Erwähnungen liegen 14 Jahre auseinander. Zu Gunsten Heiligensees. (1308 zu 1322).

So endete also unser längerer Spaziergang vom Tegeler See über den Forst zur Havel und dem „Heiligen See“ im gleichnamigen Ortsteil. Vielleicht hätten wir diesen Weg etwas früher am Tage machen sollen, da die aufkommende Hitze dann doch etwas drückend wurde, aber durch das Anpassen der eigenen Geh- Geschwindigkeit und das Mitführen ausreichender Mengen an Wasser kann man solchen Misslichkeiten entgegenwirken.

Schönes, grünes Berlin. Dieser Spaziergang wird von mir ausdrücklich zur Nachahmung empfohlen. 🙂

 

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