Rückblick: Hussitenfest 2017 in Bernau

Alljährlich feiert die Stadt Bernau bei Berlin ihr „Hussitenfest“. Seit 1832. Nur die DDR hat diese Tradition kurz unterbrochen, aber im Jahre 2017 fand nun schon das 26. Hussitenfest der nachsozialistischen Zeit statt. Zur Freude der Bernauer und ihrer vielen Besucher. Etwa 25.000 – 30.000 Besucher werden geschätzt jedes Jahr das Wochenende in der Stadt am äußersten Rand der „S-Bahn“-Erreichbarkeit genießen. Da muss man doch einfach mal vorbeigehen und nachschauen, warum:

Bernau kann seine Existenz bis ins Hochmittelalter zurückverfolgen. Die beliebte Legende der Stadtgründung durch Albrecht, „den Bären“ ist zwar nachweislich wohlmeinender Unsinn, aber das ficht die Bernauer nicht an, die in ihrem jährlichen Festumzug mit dargestellten Episoden aus der Stadtgeschichte immer den „Bären“ als ersten durch die Stadt reiten lassen. Von diesem bis zum durch einen Schlager aus den Zwanzigern bekanntgewordenen „Zickenschulze aus Bernau“ und darüber hinaus erwartet den Besucher eine bunte und fröhlich-laute Bilder-Revue aus dem Bernau von einst und jetzt.

Schon deshalb fahre ich immer gerne am Samstag zu diesem dreitägigen Fest, weil ich den Festumzug gerne sehe. Das Wetter meinte es denn in diesem Jahr auch gut mit allen Beteiligten. Wattewölkchen, Sonnenschein, ein leichter, kühlender Wind und Temperaturen, die einen Aufenthalt erträglich machten gab es. Wie mir eine Freundin mitteilte, waren also bereits die Züge nach Bernau gut gefüllt und an der Strecke des Umzuges selbst wartete dann auch reichlich Volk auf das Geschehen. Wie immer hatten die Bernauer, die direkt an der Strecke wohnen, die besten Plätze mit der besten Sicht auf den Festumzug. Beneidenswert.

„Hussiten“ in Bernau ! Achtung, Achtung !

Etwa eine gute Stunde dauert dieser fröhliche Parforce-Ritt durch die Stadtgeschichte. Viele Vereine, Initiativen und Einzelpersonen beteiligen sich daran. Man sagt, dass jährlich zwischen 1.500 und 1.700 Personen an der Vorbereitung und vor allem der Durchführung des Umzuges beteiligt sind. Die Freude daran, ist allen Teilnehmern jedenfalls anzumerken. Sogar den „Hussiten“, die jetzt endlich auch mal IN der Stadt herumlaufen dürfen, nachdem ihnen im Jahre 1432 das Erobern Bernaus ja bekanntermaßen NICHT gelungen war. Das ist ja eben der Anlass für dieses Fest und daher kommt auch dessen Name.

das neue Mühlentor

Allerdings lag mein letzter Besuch in Bernau dann doch einige Jahre zurück, so dass mir also einige Veränderungen auffielen; nicht alle davon konnte ich begrüßen. Immerhin hat die Stadt jetzt wieder ein „Mühlentor“. Seit 2013 grüßt dieses neuerrichtete Stadttor in historischem Gewand wieder diejenigen, die durch die Mühlenstraße die Bernauer Altstadt betreten oder verlassen wollen. 1885 war es einstmals abgerissen worden, weil die immer größeren Pferdefuhrwerke einfach nicht mehr hindurchkamen. Im Zeitalter der Fußgängerzonen konnte man es jedoch verantworten, diesen Bau aus der historischen Stadtbefestigung wiederaufzubauen.

Auch die Kirche St. Marien stand wieder zur Besichtigung offen. Hier erinnert eine Gedenkplatte an die Tatsache, dass in dieser Kirche 1632 die sterblichen Überreste des Schwedenkönigs Gustav-Adolf während der Überführung des Leichnams in seine Heimat aufgebahrt worden waren. Die reine Dimension dieses Gotteshauses allein lässt die Spekulation zu, dass es Bernau zu Luthers Zeiten wirtschaftlich nicht allzu schlecht gegangen sein kann. Bevor die Pest und der Dreißigjährige Krieg die Stadt entvölkerten, natürlich. Durch die Ansiedlung der Hugenotten ab 1699 übrigens konnten diese Verluste allerdings schrittweise wieder ausgeglichen werden. Eine lange Geschichte.

Ich will es einmal kurz machen und meinen Gesamteindruck kurz wiedergeben:

Schönes Wetter, nette Begleitung, ein fröhlicher Festumzug, eine Altstadt, die vor Menschen nur so wimmelte. Ein guter Tag. Einziger „Wermutstropfen“ für mich ist die Tatsache, dass das Hussitenfest schrittweise immer mehr „verrummelt“ sozusagen. War im Jahre 2010 etwa die „Kirmes“ noch deutlich vor dem Mühlentor zu finden und so manches Fotomotiv war noch deutlicher eingrenzbar, so ist doch mittlerweile die „Budenkultur“  allzusehr in die Stadtmitte eingerückt. Für meinen Geschmack jedenfalls. Als Schnappschuss-Fotograf, der nicht regelmäßig in Bernau knipst, fällt mir das schon auf. Es ist aber nur meine persönliche Ansicht.

Ich empfehle aber in jedem Falle allen einen Besuch beim Hussitenfest in einem der kommenden Jahre. Da die 39.000 – Einwohner-Stadt in ihrem Stadtkern überschaubar ist, geht auch kaum jemand langfristig verloren, was die Familienfreundlichkeit eines Bernau-Besuchs erhöht! Bis nächstes Jahr dann ! 🙂

Ihr/Euer

Clemens Kurz

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