Schloss Babelsberg – Sommersitz am Havelufer

Das Potsdamer Schloss Babelsberg, ebenso wie der dazugehörige Park, verdankt seine Existenz einer denkwürdigen Geschwister-Rivalität unter königlichen Prinzen. Und deren Frauen, natürlich. Zu simpel gedacht ? Dann lesen Sie weiter…

der Erstbesitzer von Schloss Babelsberg: Kaiser Wilhelm I.

Die „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin“ gehören zum UNESCO – Weltkulturerbe. Seit 1990 schon. Kein Wunder, denn wer einmal vom sog. „bowling green“ vor Schloss Babelsberg über die Havel geschaut hat, dem ist die Einzigartigkeit der Landschaft sicher nicht verborgen geblieben. Hier, am Havelufer mit seinen diversen Buchten und Seen, haben sich Prinzen und Mäzene im 19. Jahrhundert ihr „Arkadien“ bauen lassen. Später kamen die Berliner Sommer-Ausflügler dann hierher. Mit Ausflugsdampfern und als Sport-Ruderer. Heute zieht es Touristen, Tagesausflügler und Fotofreunde ans Havelufer, es kommen die Spaziergänger und Freunde von Geschichte und Kultur zu Besuch. Noch immer nicht ohne Grund.

Denn am Anfang vom neogotischen Traumschlösschen Babelsberg steht die einzigartige Rivalität zweier Prinzenbrüder. Die Söhne König Friedrich-Wilhelms III. entdeckten  zu Beginn des 19. Jahrhunderts das Havel – Idyll für sich. Einer nach dem anderen. Besonders pikant wird die Sache, wenn man weiß, dass sie mit Schwestern verheiratet waren. Also Brüder und „Schwager“ gleichzeitig waren. Wobei der ältere Prinz die jüngere Schwester heiraten „musste“, während der jüngere Prinz die ältere Schwester freiwillig ehelichte und sich nicht beschweren konnte.

Natürlich spreche ich von den Prinzen Wilhelm und Carl von Preußen sowie von Marie und Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach.  Der jüngere Prinz, Carl, wurde schon früh von seinen Erziehern für die Antike und deren Hinterlassenschaften begeistert, die er zeitlebens mit Akribie (und gerüchteweise nicht immer völlig legal) sammelte. Für die „Sommerfrische“ und zur Präsentation seiner Antikensammlung erwarb er jedenfalls 1824 das Gut Klein-Glienicke und ließ sich dessen Wohngebäude umbauen. Kein Wunder, dass dies seinen älteren Bruder Wilhelm auf den Plan rief. Wo gibts denn auch sowas, dass ein „kleiner Bruder“ sich ein Lusthaus am Wasser bauen lässt, während der „große Bruder“ noch nach einer passenden Immobilie sucht ?

Diese fand er dann scheinbar „ganz zufällig“ direkt gegenüber von Klein-Glienicke auf dem sog. „Babelsberg“. Und begann beim Papa so lange um Finanzen zu betteln, bis dieser ihm genehmigte, sich die Immobilie zu kaufen und dort einen Sommersitz zu bauen. Das war 1833. Ab jetzt beginnt die bunte Geschichte von Schloss Babelsberg. Ein Hohenzollernbau, dessen vielleicht interessanteste Eigenschaft es ist, aus unterschiedlichen Blickwinkeln immer komplett neue Anblicke zu bieten ! Die Geschichte des Baus können Sie natürlich über die Suchmaschine ihrer Wahl oder über die historische Enzyklopädie ihrer Präferenz bis ins Detail nachlesen. Ich persönlich möchte hier nur auf den Einfluss der „jüngeren“ der beiden Schwestern auf die Gestaltung Babelsbergs eingehen.

Kaiserin Augusta

Wilhelms Ehefrau, Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach, die sich für eine umfassend gebildete und in Sachen Geschmack und Stilsicherheit relevante Fachfrau hielt, trieb mit ihrer permanenten Einmischung diverse Baumeister Babelsbergs (darunter Größen wie Schinkel oder Persius) schier in den Wahnsinn. Ebenso wie den genialen Gartenarchitekten Peter-Joseph Lenné, den sie letztlich mal so „mir-nix-dir-nix“ gegen den ihr aus der sächsischen Heimat vertrauten Fürsten Herrmann von Pückler-Muskau austauschte. Nicht, dass Pückler hier in Babelsberg keine sichtbare Verschönerung und Abrundung der Parkanlagen vorgenommen hätte, denn das hat er. Die Art und Weise, wie er aber durch gnadenloses Schleimen bei Augusta und diversen „Hochwohlgeborenen“ an diesen Job gekommen war, lässt Menschen unserer Zeit aber doch leichte Ekelschauer über den Rücken laufen. Ein zwiespältiger „Held der Gartenkunst“.

Wie auch immer: das Ergebnis der Arbeiten diverser Genies, die es über sich brachten, immer wieder mit der anmaßenden Augusta aneinander zu geraten, kann heute wieder besichtigt werden. Wie schon angemerkt, schafft das Schlösschen Babelsberg aus diversen Blickwinkeln immer neue Eindrücke.
Die Parkanlagen wurden (inklusive der Wasser-Läufe) wieder im Pückler´schen Sinne hergestellt. Damit wurden die letzten Spuren von Kriegs- und vor allem Mauerzeiten beseitigt, während derer Babelsberg das Pech hatte, direkt an der Grenze nach „Westberlin“ gelegen zu sein. Damals zerstörten Gitterzäune, Patrouillenwege für Grenzsoldaten und Kasernengelände nicht nur den Babelsberger Park, sondern u. a. auch die Anlage vom Schlösschen Sacrow…eine lange Geschichte.

Anmerkung (Juni 2018):
DSCI4665_compressedDie Restaurierung von Schloss Babelsberg dauert an. Durchgehend besucht werden konnte es zuletzt im Jahre 2011. Ich selbst bin mit einem Freund damals im Rahmen einer Führung durch das Gebäude dabeigewesen. Seitdem haben die umfangreiche Fassadensanierung, die 2017 abgeschlossen wurde, und die Innen-Renovierung zur Schließung von Schloss Babelsberg geführt. Nur für gelegentliche Sonderveranstaltungen oder Sonder-Themen wie die „Pückler-Ausstellung“ 2017 wurde das Haus zeitweise wieder geöffnet. Ansonsten verläuft der Aufbau der Anlage wie in Berlin-Brandenburg üblich (Beispiel: BER) schleppend langsam. Im Jahre 2020 soll mit der Sanierung der Haustechnik begonnen werden, danach startet die Wiederherstellung der sog. „blauen Terrasse“, im Jahre 2022 soll dann mit der Restaurierung der Innenräume begonnen werden. Ende ? Offen…Puh.
(Quelle: http://www.maz-online.de/Lokales/Potsdam/Schloss-Babelsberg-Innensanierung-startet-2022)

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Wenn alle Quellen fließen…auch die künstlichen.

Der Park ist ebenso schrittweise wiederhergestellt worden. Im Jahre 2017 wurden vor allem die Wasserspiele im Bereich des pleasuregrounds wieder in Betrieb genommen. Sanftes Plätschern bei Sommerwetter, ich habs genossen, als ich letztlich wieder dort war. 🙂

 

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