Persönlichkeiten: Marga von Etzdorf – die Flugsüchtige

Diese Frau konnte ohne zu Fliegen nicht leben. Ihr Name ist untrennbar mit der „zweiten Generation“ der „tollkühnen Männer UND FRAUEN in ihren fliegenden Kisten“ verbunden. Und dennoch scheint sie außerhalb feministischer Kreise heute fast vergessen: Marga von Etzdorf.

Erstmalig stieß ich auf ihren Namen in der „Fliegersiedlung“ am ehemaligen Flugplatz Gatow in Spandau. Ich gestehe, damals sagte mir ihr Name auch noch nichts. Warum wurde sie als Straßenbezeichnung neben Charles Lindbergh und Amelia Earhart eingereiht ? Das machte mich neugierig.

Marga von Etzdorf, eigentlich Margarete Wolff, war nicht die erste Deutsche mit einer Pilotenlizenz. Dies war Melli Beese, die ich Ihnen vor einiger Zeit bereits vorgestellt habe, liebe Leser. Marga von Etzdorf war nach Melli Beese und Thea Rasche „nur“ die Nr. 3. Nein, Marga von Etzdorf war Extremfliegerin. Langstrecken- und Kunstflüge waren ihr Metier und sie war außerdem eine passionierte Segelfliegerin. Aus Flugzeug-Pilotensitzen war sie praktisch kaum noch mit dem sprichwörtlichen „Brecheisen“ herauszubekommen.

Marga von Etzdorf wurde am 01. August 1907 in Spandau (damals noch „bei Berlin“) geboren. Mir als Lokalpatrioten entlockt diese Tatsache ein Lächeln und vor allem erklärt das die o. e. Namensgebung in Gatow. Ihre Eltern verlor sie schon sehr früh, so dass sie und ihre Schwester bei den Großeltern in der Niederlausitz aufwuchsen. Von diesen Großeltern übernahm sie auch den Namen „von Etzdorf“.

Mit 20 Jahren lernte sie das Fliegen und machte im Dezember 1927 ihren Pilotenschein auf dem Flugplatz Staaken. Unmittelbar im Anschluss erwarb sie auch eine Kunstfluglizenz, was nahelegt, dass die sportliche, junge Frau gerne alle Aspekte der Fliegerei erkundete. Ihr Engagement im Segelflug wird später diesen Gedanken stützen. Zunächst einmal heuerte sie aber bei der Lufthansa an. Als erste Frau, übrigens ! Sie wurde Co-Pilotin auf den Strecken Berlin-Stettin und Berlin-Stuttgart-Basel.

1930 erwarb Marga von Etzdorf mit privaten Mitteln einen Junkers A50 Eindecker, lackierte ihn gelb und nannte ihn fortan: „KiekindieWelt“. Damit unternahm sie kommerzielle Kunst-, Passagier- und Werbeflüge. Das muss ein Anblick gewesen sein, den wir an Jumbos, Tegel, Rosinenbomber und BER-Katastrophen gewöhnten Nachfahren kaum mehr erfassen können. Bei der ersten deutschen Damen-Kunstflugmeisterschaft im Mai 1930 belegte Marga von Etzdorf den 4. Platz.

Im September 1930 flog sie nach Konstantinopel. Im November des selben Jahres über Basel, Lyon, Madrid und Rabat auf die Kanaren. Dafür baute sie Zusatztanks in ihre „KiekindieWelt“ ein. Auf dem Rückflug von den Kanaren musste sie wegen Schlechtwetter auf Sizilien notlanden und bekam die Maschine nicht mehr vom Boden weg, zumindest nicht ohne schwerste Beschädigungen. Die Eisenbahn brachte Marga von Etzdorf wieder nach Deutschland zurück.

Am 18. August 1931 startete sie zum Langstreckenflug nach Japan. Ob ihr dabei bekannt war, dass die britische Fliegerin Amy Johnson gleichzeitig mit ihr dieses Abenteuer gewagt hatte und sie sich damit in unmittelbarer Konkurrenz befanden, weiß ich nicht. In jedem Falle wurde sie bei diversen Zwischenstopps mit der Britin verwechselt. Diese erreichte Japan auch vor Marga von Etzdorf, aber da sie einen Mechaniker mit an Bord hatte, zählte dieser Flug nicht als Alleinflug. Am 29. August 1931 landete Frau von Etzdorf in Tokio, womit offiziell der Flughafen Haneda eröffnet wurde. Auf dem Rückflug aus Japan stürzte die „KiekindieWelt“ mit einem Motorschaden in Thailand ab. MvE musste längere Zeit ins Krankenhaus, die Maschine war ein Totalschaden.

Um wieder auf die Beine zu kommen, hielt sie nun Vorträge über ihre Erlebnisse. Im Juli 1932 musste sie mitansehen, wie Elli Beinhorn, aus demselben Jahrgang wie sie selbst, nach einer „round-the-world-Tour“ wieder in Berlin landete. Was gab es jetzt noch zu tun ? Welche „ersten-Male“, welche Strecken zu fliegen ? Marga von Etzdorf entschied sich schließlich für den „Flug nach Australien“. Dafür stellte ihr die Firma „Klemm Leichtflugzeugbau“ eine Kl32 zur Verfügung. Am 27. Mai 1933 startete sie zu dieser Unternehmung wieder vom heute verschollenen Flugplatz Staaken. Zwei Tage später jedoch verunglückte ihre Maschine in der Nähe von Aleppo in Syrien und erlitt erneut schweren Schaden.

Nachdem die üblichen Formalitäten abgewickelt waren, bat Marga von Etzdorf bei der französischen (Syrien war französisches „Mandatsgebiet“) Flughafenpolizei darum, sich kurz hinlegen zu dürfen. Kaum war sie im Raum alleine, zog sie eine Handfeuerwaffe und erschoss sich. Wikipedia schreibt dazu:

Eine weitere Rückkehr ohne Flugzeug hätte ihren Ruf als Fliegerin zerstört – kein Hersteller hätte ihr mehr eine Maschine anvertraut, kein Sponsor nochmals ihre Unternehmungen finanziell unterstützt. Die Fliegerkarriere der erst 25-Jährigen wäre zu Ende gewesen.

Ihr Grab findet sich übrigens auf dem ehemaligen Invalidenfriedhof in Berlin. Ihr unscheinbarer, kleiner Grabstein, der direkt an der mit dem Namen „Richthofen“ versehenen Wand zu finden ist (für diejenigen, die sich dort auskennen, oder vielleicht den Stein dort suchen wollen), hat die Inschrift „der Flug ist das Leben wert“. Das fasst Marga von Etzdorfs Lebensmotto zusammen. Ebenso wie die Tragik ihres Todes. Ohne Fliegen gab es für sie kein Leben.

Quellen:
– wikipedia
– http://www.dieterwunderlich.de/Marga-von-Etzdorf.htm

Foto der Junkers A50:
Von Softeis aus der deutschsprachigen Wikipedia, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=219191

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