Quer durch Berlin auf der Spree – Köpenick und sein Hauptmann

Berlin vom Wasser gesehen. Immer wieder beliebt. Bei schönem Wetter immer wieder eine Freude. Wenn man dann noch von Spandau nach Köpenick und zurück „schippern“ kann, bekommt man einiges zu sehen. Was könnte als Auftakt meiner Themenreihe „Kaiserwetter ? 1918/2018“ also zwangloser sein ? Ein Besuch beim „Hauptmann von Köpenick“ als leichter Einstieg in ein schweres Thema. 

100 Jahre ist es her, dass die letzte, deutsche Monarchie sich auflöste. Meine Themenreihe „Kaiserwetter ? 1918/2018“ befasst sich deshalb mit dieser ein wenig stiefmütterlich behandelten Epoche deutscher Geschichte. Trocken ? Langweilig ? Nicht mit mir ! Also fing ich mal mit dem sicher allgemein bekannten „Hauptmann“ in Köpenick an. Und wenn man dann noch bei schönem Wetter über die Spree „dampfern“ kann, wie sollte ein Anfang des Themas unterhaltsamer und angenehmer daherkommen ?

Ich gestehe: der „Hauptmann“ von Köpenick hinterlässt bei mir schon länger einen zwiespältigen Eindruck. Die ganze „Tränenzieher-Geschichte“ des vom rigiden Kastensystem der Kaiserzeit „Ausgespuckten“, armen Schusters, der sich trickreich verschafft, was ihm zusteht, erscheint viel zu sehr eine gefällige Legende zu sein, als dass sie einem genaueren Hinsehen standhielte. Und so ist es auch. Das, was wir als „Köpenickiade“ im Kopf haben, ist zum guten Teile eher dem Schriftsteller Carl Zuckmayer geschuldet, als den Fakten. Zuckmayer, der geschickt und detailreich in seinem Theaterstück das Bild des geläuterten Kriminellen schildert, der von allerlei Bürokratie an der Resozialisierung gehindert wird, gestaltet diesen Charakter vor dem Hintergrund eines militaristischen, unmenschlichen Systems des Kaiserreiches, welches dem „einfachen Manne“ keine Chance ließ, sich erfolgreich einzugliedern.

Zwar ist diese Betrachtung nicht völlig falsch, vieles, was Zuckmayer uns beschreibt ist einfach faktisch und kann leicht anhand von Quellen nachvollzogen werden. Dennoch ist es nur ein Teil der „Wahrheit“ über das kurzlebige Kaiserreich der Hohenzollern. Das hier auszuführen, würde diesen Beitrag unnötig verlängern. Wer auf dem Ausflug dabei war, dem habe ich meine Argumente ja auch ausgeführt. An dieser Stelle soll es mal ausreichen, zu betonen, dass uns Zuckmayer und die folgenden Verfilmungen seines Theaterstückes, mit so renommierten Darstellern wie Heinz Rühmann oder Harald Juhnke in der Titelrolle, ein stark „gefiltertes“ Bild der Kaiserzeit vermitteln. Ganz sicher auch ein gefiltertes Bild von Friedrich-Wilhelm Voigt, einem Manne, der schon im zarten Alter von 14 Jahren erstmalig straffällig wurde und letztlich eine lange „Karriere“ im Strafvollzug hinter sich hatte, bevor er das Rathaus von Köpenick besetzen ließ. „Opfer der Umstände“ ? Ja, teilweise, aber eben nicht ausschließlich. Auch hier muss präzise und mit Augenmaß differenziert werden, wie so oft beim „Blick zurück“ in die Geschichte.

Wie gesagt, darauf habe ich während unseres kurzen Spaziergangs durch die Köpenicker Altstadt ja schon hingewiesen, Details erübrigen sich dazu an dieser Stelle also. Stattdessen werde ich ein paar Eindrücke von der „Dampferfahrt“ an sich hier ventilieren:

  1. Baukräne, wohin man sieht

    Berlin sollte sein Wappen ändern. Allgegenwärtig im Stadtbild ist schlicht und ergreifend weniger der Bär, als vielmehr der Baukran. Als Mann, der gerne „Schnappschüsse“ von seinen Ausflügen mit nach Hause bringt, knipse ich gerne in alle Richtungen und alle Motive, die mir interessant erscheinen. Bei unserer Spreefahrt fiel es mir schwer, irgendwo einen schönen Blickwinkel hinzubekommen, auf dem KEIN Baukran mit auf dem Bild erschien. So gab ich irgendwann auf und ließ die Kräne erscheinen. Ist halt Realität in Berlin. Es wird gebaut. Viel und potthässlich. Wer etwa die Umgebung des Hauptbahnhofes oder die Region am Ostbahnhof um die „Mercedes – Benz Arena“ betrachtet, könnte denken, die Fassadengestaltung bei diversen Architektenbüros würden die Vorschul- und Krabbelkinder der dortigen Angestellten übernehmen. Klötzchenbildung mit etwas Glas oder mit Schießscharten-Fenstern. Lego-Ästhetik. Einfarbig zumeist. Einem Bau-Ästheten könnten dabei kalte Schauer über den Rücken laufen. Auch wegen der oftmals gewaltigen Dimensionen solcher Bauten. Eine bewusste „Verhässlichung“ Berlins ist im vollen Gange, ein Bauen ohne Rücksicht auf den Ort, eine De-Lokalisierung, die dazu führt, dass manche „Stadtquartiere“ jüngerer Bauart so aussehen, als könnten sie genauso in Hamburg, Frankfurt, Cottbus, Montpellier, San Bernardino oder Shanghai stehen. Man erkennt Berlin nicht wieder. Als Mann, der seine Stadt und deren Besonderheiten auch gerne mit Besuchern teilt und ihnen Berlin zeigt, möchte man ab und an einfach vor Scham im Boden versinken. Vor Peinlichkeit dessen, was dank Leuten wie der Berliner Oberbau-Direktorin Regula Lüscher, seit Jahr und Tag hier in den Märkischen Boden gerammt wird.

  2. Kraftwerk Reuter – West

    Die Berliner Spree ist letztlich in weiten Teilen kein „schöner“ Fluss. Und dies war lange Zeit auch so gewollt. Die Ansiedlung und der Weiterbetrieb von Industrie sowie die Nähe zu diversen Kraftwerken, die lange Zeit hier auch ihr Kühlwasser abzogen, hat eine mächtige Tradition. Eine Tradition, die schon in der Zeit vor der „Reichseinigung“ 1871 ihren Anfang nahm und danach noch einmal massiv beschleunigt wurde. Oberschöneweide, Adlershof, Siemensstadt…wo immer die Spree vorbeikommt, war einst auch Schwerindustrie zu finden.
    Das hat auch Auswirkungen bis heute. Letztlich sind die „fotogenen“, die „hübschen“ Abschnitte der etwa 45 km langen „Berliner“ Spree zahlenmäßig begrenzt. Die Strecke zwischen Lutherbrücke und Treptower Hafen etwa kann mit vielen, interessanten (Foto-) Motiven aufwarten, wie etwa dem Kanzleramt, der Mühlendammschleuse oder der Oberbaumbrücke. Dann wird es stromaufwärts erst wieder kurz vor Köpenick so recht interessant und später darüberhinaus ohnehin, aber so weit ging unsere Fahrt an diesem Tage eben nicht.

  3. „Wappen von Spandau“

    Ein ehrlicher Dank an die Reederei, die uns an diesem Tage durch die Stadt schipperte. Ich werde ihren Namen nicht nennen, um keine „Schleichwerbung“ zu machen, nur den des fast noch „nagelneuen“ Schiffes, welches sie dafür einsetzte, erwähne ich mal: „Wappen von Spandau“. Erst im April in Dienst genommen. Doppelt so viele Toiletten, wie üblich…wer Stunden auf dem Schiff verbringt, weiß das zu schätzen, :-). Die Dieselmotoren hatten auch ordentlich „Druck“, wenn es mal gegen Strömungen anging. Dass die Farben Schwarz-Rot-Gold am Heck wehten, wusste ich „böser, alter, weißer, nationalistischer Mann“ auch zu schätzen in einem Land, dessen Fußballer diese Farben gerade von ihren Trikots verbannt haben.
    Die Getränke waren teuer, aber superkalt. Ein „live – Moderator“ erzählte selbst mir erfahrenem cityguide noch einige Dinge, die selbst ich nicht gewusst hatte. Leider funktionierte die Lautsprecheranlage auf dem hinteren Oberdeck nicht gut und auch die fröhlich dahinquasselnde Damenrunde am Nachbartisch überdeckte manch interessante Info des Sprechers.
    Dankbar bin ich für die Hinweise, wann eine Brücke sehr flach über unsere Köpfe hinwegging, damit wir rechtzeitig die Köpfe einziehen konnten. Stichwort: „Jannowitzbrücke“. Auch hier ein Dankeschön an die freundlichen Mitarbeiter der Reederei !

Uniformrock des „Hauptmanns“ in Köpenick

Fazit: Vergnüglich gings zu auf dem ersten Ausflug der Themenreihe „Kaiserwetter ? 1918/2018“. Das Wetter war gnädig, die schwüle Hitze der vorangegangen Tage war abgezogen und die Sonne beschenkte uns mit schönen Ansichten der Stadt. Dem „Hauptmann von Köpenick“ konnten wir uns direkt „vor Ort“ widmen. Seine Uniform sehen und den Tresor, den er ausräumen ließ. Das Köpenicker Heimatmuseum hat dazu nämlich im Rathaus zwei Informationsräume eingerichtet, die man kostenfrei an jedem Öffnungstag besichtigen kann. Ich denke, es war ein guter Anfang für das Thema. Nicht zuviel trockenes „Blabla“, stattdessen viel entspanntes Dahindampfern auf der Spree und nette Gespräche. Zu denen sich auch noch ein „Zufallsbesucher“ aus den Reihen der anderen Gäste gesellte, der über die Hohenzollern mehr Anekdoten kannte, als sogar ich.

Weiter gehts dann bald mit einem Spaziergang durch den Park Babelsberg. Auch dort wieder halten wir kurz die Zeit an und widmen uns dem „Rad der Geschichte“, welches hier ins Rollen kam. An einer höchst profanen Stelle sogar, aber mehr dazu, sobald es losgeht. Bitte schauen Sie demnächst wieder auf der „Termine“-Seite vorbei, wo ich wie immer die Details bekanntgeben werde. 🙂

Bis bald also wieder Ihr

Clemens Kurz

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