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Cityguide, Stadtspaziergänger, Berlin-Brandenburg - Genießer, ...

Werbung in eigener Sache: wer kommt mit nach Seelow ?

Liebe Freunde der Ausflüge und Spaziergänge in Berlin und Brandenburg: für das nächste Frühjahr plane ich einen sehr spannenden Ausflug nach Brandenburg. Dafür recherchiere ich seit Wochen intensiv und freue mich dementsprechend schon jetzt. Natürlich freue ich mich ebenso über interessierte Begleitung! Damit Sie in Ruhe planen können gebe ich schon jetzt den ungefähren Zeitraum bekannt und versuche, ihr Interesse zu wecken:

Brandenburg ist reich an Ausflugszielen, die viele Epochen der Geschichte für uns anschaulich machen. Dazu gehören sowohl die eher positiv konnotierten Museen, Schlösser und historischen Altstädte, als auch die mit traurigen Erinnerungen beladenen Orte. Dennoch können wir, der historischen Ehrlichkeit zuliebe, nicht auf letztere verzichten. Ein solcher, „schwieriger“ Ort ist die „Gedenkstätte Seelower Höhen“ im gleichnamigen Orte Seelow am Oderbruch. Hier lag das größte, zusammenhängende Schlachtfeld des Zweiten Weltkrieges auf deutschem Boden.

Dort begann außerdem im April 1945 die finale Offensive der Roten Armee, um Berlin zu erobern und damit letztlich den Zweiten Weltkrieg auf dem Europäischen Schauplatz zu beenden.  In Erinnerung an diesen Durchbruch bei Seelow ließ Marschall Schukow hier eine Gedenkstätte errichten, die im November 1945 eingeweiht wurde. 1972 erweiterte die DDR diesen Ort um ein Museum, das neben einem Soldatenfriedhof und der bekannten Monumentalplastik von Lew Kerbel das heutige Ensemble bildet.

Ein Besuch hier lädt zur Erinnerung an die Leiden aller am Krieg beteiligten Parteien, an die Opfer der Soldaten und die Brutalität des Krieges im Zeitalter der Massenproduktion ein. Wir werden uns die Gedenkstätte anschauen (Eintritt: 4 Euro, Stand: Dezember 2017), ordentlich Fotos machen (Fotoerlaubnis für private Zwecke frei ! Stand: Dezember 2017) und uns des Verlaufes der Schlacht erinnern.

Anreise per Bahn vorgesehen. Die Kosten dafür, ebenso wie für die Eintrittsgelder, trägt jeder Mitreisende selbst. Hoffen wir auf schönes Wetter, damit die Fotos dementsprechend werden !

DER GENAUE TERMIN WIRD KURZFRISTIG AUF DER „TERMINE-SEITE“ BEKANNTGEGEBEN WERDEN. ER WIRD VORAUSSICHTLICH IN DEN ERSTEN ZWEI WOCHEN DES APRIL 2018 LIEGEN !

(Bildrechte:

 

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Persönlichkeiten: Marga von Etzdorf – die Flugsüchtige

Diese Frau konnte ohne zu Fliegen nicht leben. Ihr Name ist untrennbar mit der „zweiten Generation“ der „tollkühnen Männer UND FRAUEN in ihren fliegenden Kisten“ verbunden. Und dennoch scheint sie außerhalb feministischer Kreise heute fast vergessen: Marga von Etzdorf.

Erstmalig stieß ich auf ihren Namen in der „Fliegersiedlung“ am ehemaligen Flugplatz Gatow in Spandau. Ich gestehe, damals sagte mir ihr Name auch noch nichts. Warum wurde sie als Straßenbezeichnung neben Charles Lindbergh und Amelia Earhart eingereiht ? Das machte mich neugierig.

Marga von Etzdorf, eigentlich Margarete Wolff, war nicht die erste Deutsche mit einer Pilotenlizenz. Dies war Melli Beese, die ich Ihnen vor einiger Zeit bereits vorgestellt habe, liebe Leser. Marga von Etzdorf war nach Melli Beese und Thea Rasche „nur“ die Nr. 3. Nein, Marga von Etzdorf war Extremfliegerin. Langstrecken- und Kunstflüge waren ihr Metier und sie war außerdem eine passionierte Segelfliegerin. Aus Flugzeug-Pilotensitzen war sie praktisch kaum noch mit dem sprichwörtlichen „Brecheisen“ herauszubekommen.

Marga von Etzdorf wurde am 01. August 1907 in Spandau (damals noch „bei Berlin“) geboren. Mir als Lokalpatrioten entlockt diese Tatsache ein Lächeln und vor allem erklärt das die o. e. Namensgebung in Gatow. Ihre Eltern verlor sie schon sehr früh, so dass sie und ihre Schwester bei den Großeltern in der Niederlausitz aufwuchsen. Von diesen Großeltern übernahm sie auch den Namen „von Etzdorf“.

Mit 20 Jahren lernte sie das Fliegen und machte im Dezember 1927 ihren Pilotenschein auf dem Flugplatz Staaken. Unmittelbar im Anschluss erwarb sie auch eine Kunstfluglizenz, was nahelegt, dass die sportliche, junge Frau gerne alle Aspekte der Fliegerei erkundete. Ihr Engagement im Segelflug wird später diesen Gedanken stützen. Zunächst einmal heuerte sie aber bei der Lufthansa an. Als erste Frau, übrigens ! Sie wurde Co-Pilotin auf den Strecken Berlin-Stettin und Berlin-Stuttgart-Basel.

1930 erwarb Marga von Etzdorf mit privaten Mitteln einen Junkers A50 Eindecker, lackierte ihn gelb und nannte ihn fortan: „KiekindieWelt“. Damit unternahm sie kommerzielle Kunst-, Passagier- und Werbeflüge. Das muss ein Anblick gewesen sein, den wir an Jumbos, Tegel, Rosinenbomber und BER-Katastrophen gewöhnten Nachfahren kaum mehr erfassen können. Bei der ersten deutschen Damen-Kunstflugmeisterschaft im Mai 1930 belegte Marga von Etzdorf den 4. Platz.

Im September 1930 flog sie nach Konstantinopel. Im November des selben Jahres über Basel, Lyon, Madrid und Rabat auf die Kanaren. Dafür baute sie Zusatztanks in ihre „KiekindieWelt“ ein. Auf dem Rückflug von den Kanaren musste sie wegen Schlechtwetter auf Sizilien notlanden und bekam die Maschine nicht mehr vom Boden weg, zumindest nicht ohne schwerste Beschädigungen. Die Eisenbahn brachte Marga von Etzdorf wieder nach Deutschland zurück.

Am 18. August 1931 startete sie zum Langstreckenflug nach Japan. Ob ihr dabei bekannt war, dass die britische Fliegerin Amy Johnson gleichzeitig mit ihr dieses Abenteuer gewagt hatte und sie sich damit in unmittelbarer Konkurrenz befanden, weiß ich nicht. In jedem Falle wurde sie bei diversen Zwischenstopps mit der Britin verwechselt. Diese erreichte Japan auch vor Marga von Etzdorf, aber da sie einen Mechaniker mit an Bord hatte, zählte dieser Flug nicht als Alleinflug. Am 29. August 1931 landete Frau von Etzdorf in Tokio, womit offiziell der Flughafen Haneda eröffnet wurde. Auf dem Rückflug aus Japan stürzte die „KiekindieWelt“ mit einem Motorschaden in Thailand ab. MvE musste längere Zeit ins Krankenhaus, die Maschine war ein Totalschaden.

Um wieder auf die Beine zu kommen, hielt sie nun Vorträge über ihre Erlebnisse. Im Juli 1932 musste sie mitansehen, wie Elli Beinhorn, aus demselben Jahrgang wie sie selbst, nach einer „round-the-world-Tour“ wieder in Berlin landete. Was gab es jetzt noch zu tun ? Welche „ersten-Male“, welche Strecken zu fliegen ? Marga von Etzdorf entschied sich schließlich für den „Flug nach Australien“. Dafür stellte ihr die Firma „Klemm Leichtflugzeugbau“ eine Kl32 zur Verfügung. Am 27. Mai 1933 startete sie zu dieser Unternehmung wieder vom heute verschollenen Flugplatz Staaken. Zwei Tage später jedoch verunglückte ihre Maschine in der Nähe von Aleppo in Syrien und erlitt erneut schweren Schaden.

Nachdem die üblichen Formalitäten abgewickelt waren, bat Marga von Etzdorf bei der französischen (Syrien war französisches „Mandatsgebiet“) Flughafenpolizei darum, sich kurz hinlegen zu dürfen. Kaum war sie im Raum alleine, zog sie eine Handfeuerwaffe und erschoss sich. Wikipedia schreibt dazu:

Eine weitere Rückkehr ohne Flugzeug hätte ihren Ruf als Fliegerin zerstört – kein Hersteller hätte ihr mehr eine Maschine anvertraut, kein Sponsor nochmals ihre Unternehmungen finanziell unterstützt. Die Fliegerkarriere der erst 25-Jährigen wäre zu Ende gewesen.

Ihr Grab findet sich übrigens auf dem ehemaligen Invalidenfriedhof in Berlin. Ihr unscheinbarer, kleiner Grabstein, der direkt an der mit dem Namen „Richthofen“ versehenen Wand zu finden ist (für diejenigen, die sich dort auskennen, oder vielleicht den Stein dort suchen wollen), hat die Inschrift „der Flug ist das Leben wert“. Das fasst Marga von Etzdorfs Lebensmotto zusammen. Ebenso wie die Tragik ihres Todes. Ohne Fliegen gab es für sie kein Leben.

Quellen:
– wikipedia
– http://www.dieterwunderlich.de/Marga-von-Etzdorf.htm

Foto der Junkers A50:
Von Softeis aus der deutschsprachigen Wikipedia, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=219191

verschollene Orte: der verschwundene Hoch-Bahnhof

Berlin ist schon eine phänomenale Stadt. Es gibt sogar Dinge, die es gar nicht (mehr) gibt. Z. Bsp. einen verschwundenen Bahnhof. Wer es nicht wüsste, könnte ihn heute nicht mehr finden. Na, offen gesagt, gibt es noch einen ähnlich gelagerten Fall, aber dieser besondere hier ist wirklich aus der Rubrik: traurige „Magie“.

Die Berliner „Hoch- und U-Bahn“ ist nicht die älteste ihrer Art in der Welt, hat weder das größte Streckennetz noch die meisten Fahrgäste. Dennoch hat sie eine ganz einzigartige Geschichte, die es zu entdecken gilt, wenn man sich dafür begeistern kann. Die Tatsache, dass sie anfangs weitgehend eine „Hochbahn“ war, verdanken wir dem Vorurteil (welches selbst der E-Bahn-Erfinder Werner von Siemens teilte), dass man im schlammigen Bau- und Untergrund von Berlins Stadtzentrum keine Tunnel bauen könne, die tatsächlich den Betrieb einer elektrischen Bahn ermöglichen. So stellte man die Schienen eben auf „Stelzen“ aus Stahl. Dass man dann doch in den „Untergrund“ ging, ist übrigens den Charlottenburgern zu verdanken. Sie wollten keine Stahlstelzen-Bahn um die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche herum haben. Würde den Blick auf die „hübsche Kirche“ versauen, dachten sie und zwangen dann doch dieses Verkehrmittel unter Bodenniveau.

1902 ging es mit dem Linien- und Fahrgastverkehr dann schließlich los. Und zwar auf einem Ausgangsbahnhof, den man heute nur noch auf alten, vergilbten Fahrplänen und Streckenübersichten findet: auf dem Hochbahnhof „Stralauer Thor“ (ja, damals noch geschrieben wie der nordische Gott, gemeint war aber „Tor“, wie Tor in der Akzisemauer. Eine andere Geschichte…). Dieser Bahnhof befand sich unmittelbar an der Oberbaumbrücke. Und sah in etwa so aus wie auf dem alten Foto, welches diesen Beitrag „krönt“.

Seit 1924 hieß er dann „Osthafen“ (weil 1913 der Hafen fertiggestellt worden war), war aber weiterhin reichlich frequentiert, obwohl bereits am 17. August 1902 die Linie zur „Warschauer Brücke“ (heute U-Bahnhof: „Warschauer Straße“, die Berliner benennen gerne alles um, siehe den Trubel um den U-Bahnhof „Mohrenstraße“) fortgeführt worden war. Um ganze 300 Meter !!!! Die ersten Strecken führten übrigens vom Stralauer Tor zum Potsdamer Platz. Dann vom Potsdamer Platz zum Zoo, dann zum „Knie“ (Ernst – Reuter – Platz), vom Stralauer Tor, später von der Warschauer Brücke zum Zoo, später „Knie“… Ende 1902 hatte man etwa 11,4 km zum Befahren.

Der Bahnhof Stralauer Tor jedenfalls wurde am 10. März 1945 von einem Bomben-Volltreffer schwer beschädigt. In Mauerzeiten lohnte es sich nicht, ihn wieder aufzubauen, weil er unmittelbar im Grenzgebiet gelegen hätte und so wurden die Reste abgetragen. (Man vergleiche das mal mit dem S-Bahnhof „Wollankstraße“. Nur so ein Tip.) Und nach der Wende ging man einfach nach praktischen Erwägungen: für 300 m baut man keinen Bahnhof, noch dazu einen so prächtigen, wieder auf. Lohnt sich nicht. So ist heute praktisch nichts mehr von dem Ort erkennbar, an dem die Berliner U-Bahngeschichte begann.  Am 18. Februar 1902. Und das „Stralauer Tor“ bleibt somit auch der einzige kriegszerstörte U-Bahnhof Berlins, der nicht wieder aufgebaut wurde!

Ruhe in Frieden, Stralauer Tor/Osthafen.

P.S.: Mehr über die Oberbaumbrücke, die Grenzkontrollen dort in Mauerzeiten etc. erzähle ich bald auf einer neuen Tour durch Berlin. Bleiben Sie aufmerksam, ich werde sie Ihnen ankündigen, versprochen !

Ihr

Clemens Kurz

das lange Ringen um Pommern, Teil 3

Der Welten Eitelkeit…ist vergänglich. Auch die, die um den Besitz Vor- und Hinterpommerns gerungen haben, leben nicht mehr und können einem „lachenden Dritten“ heute dabei zusehen, wie er aus den Küstenorten touristischen Vorteil zieht. Schweden und „Preußen“ sind es nicht mehr, die heute den Euro mit bezahlbarem Kurzurlaub in Kolberg machen…

Wo war ich stehengeblieben ? Ach, ja, im zweiten Teil habe ich vom herzhaften und letztlich größtenteil vergeblichen Ringen des „Großen Kurfürsten“ Friedrich-Wilhelm von Brandenburg-Preußen berichtet, dem sein höchstes Ziel, die Gewinnung der Odermündung mit Stettin als Basis für den Aufstieg Brandenburgs zur Seemacht verwehrt blieb. Der Traum von „Kolonien und Flotten“ Friedrich-Wilhelms blieb lange Zeit ungeträumt. Bis ein anderer, der „letzte“ Wilhelm ihn überstürzt nachholen wollte. Eine ganz andere Geschichte auch dies.

Pommern hingegen blieb erst einmal geteilt, nachdem sich der Große Kurfürst zu seinen Ahnen begeben hatte (1688). Die Schweden behielten „Schwedisch Pommern“ inklusive Stettin, Stralsund und Rügen erst einmal unter Kontrolle. Aber es gab ja so etwas wie den „Nordischen Krieg“. Was soll man darüber groß erzählen ? Drei „Weltmächte“ stritten über die Dominanz im Ostsee-Raum. Schweden, Polen und Russland. Als es so aussah, als ob mit Karl, dem 12. , Schweden einen echten Haudrauf und tatendurstigen „Macher“ auf dem Thron hätte, sahen sich die anderen Ostsee-Anrainer offensichtlich dazu genötigt, diesem „Kraftburschen“ und „Urvieh“ Einhalt zu gebieten.

Das war so etwa Anfang des 18. Jahrhunderts. Und da sich Brandenburg mal wieder auf die richtige Seite geschlagen hatte, bekam der preußische König, es war nun bereits der „Soldatenkönig“ mit dem gleichen Namen wie der von mir schon erwähnte „bronzene Reiter“ auf dem Sockel vor Schloss Charlottenburg ein wenig „Beute“ ab. Interessantes Detail aus diesem Kontext: weil Preußen sich schwedisch- (Vor-) Pommern davon erhoffte, hatte es ein Bündnis mit Russland im Sinne. Dafür lud man den Zaren, es war noch Peter der Große, nach Berlin ein (. Man quartierte ihn und seine Entourage im heute nicht mehr existierenden Schloss Monbijou ein, welches er nach seiner Abreise in einem Zustand hinterließ, der jeglicher Beschreibung spottete. „Verwüstung“ halt.

Aber zurück zum „Frieden von Stockholm“, bei dem 1720 der Soldatenkönig Friedrich-Wilhelm (hatte ich nicht vor der notorischen Phantasielosigkeit der Hohenzollern bei der Namensgebung ihrer Thronfolger gewarnt ?) das südliche Vorpommern zugesprochen erhielt. Südlich der Peene wurde alles preußisch. Gut, denn aus dieser Region stammen auch einige Felderren wie der von Friedrich dem Großen „verschlissene“ Kurt-Christoph von Schwerin. Aber auch das ist eine andere Geschichte, die ich bereits erzählt habe. Endlich hatte Preußen, hatten die Hohenzollern „ihr“ Stettin und die Odermündung unter Kontrolle. Dass der sparsame und an überseeischen Abenteuern im Gegensatz zu seinem gleichnamigen Opa nicht interessierte Soldatenkönig dies nicht für ein Flottenprogramm und verspätete Kolonial-Interessen nutzen wollte, ehrt den in der Geschichtsschreibung meist ziemlich schlecht wegkommenden Monarchen sehr.

Aber immerhin behielten die Schweden Stralsund und die Insel Rügen. Das sollte sich im Siebenjährigen Krieg (1756 – 1763) noch übel auswirken, da die von Frankreich bezahlten Schweden darüber ein Einfalltor nach Brandenburg hatten und dies zu Raubzügen bis tief in die Kurmark ausnutzten. Als hätten sie aus der Schlacht von Fehrbellin nichts gelernt. Und das, obwohl ihre Königin die Schwester Friedrichs des Großen, Ulrike, war. Aber die von Frankreich bezahlten „Granden“ Schwedens wollten es anders. Was zu einer weiteren, interessanten Anekdote führte, denn ein in schwedischen Diensten stehender, junger Kavallerie-Leutnant geriet bei einem besondern mutigen Vorstoß in preußische Gefangenschaft. Es war ein für Schweden fechtender Mecklenburger namens Gebhard Leberecht von Blücher. Richtig, der spätere „Fürst von Wahlstatt“ und Franzosenprügler begann als „Schwede“ seine Militärlaufbahn. Aber die Preußen hatten schon immer ein gutes Auge für militärische Talente und warben den „Gefangenen“ einfach ab. Nun, der „Marschall Vorwärts“ wird diese Entscheidung nie bereut haben, denn er konnte sich auf seine alten Tage ein hübsches Stadtpalais direkt neben dem Brandenburger Tor leisten. Ja, auf dem Grundstück, wo wir heute die US-Botschaft anfinden.

Also, noch war Pommern nicht in dem Zustand, in dem es seit 1637 hätte sein sollen. Ganz Pommern ? Nein, ein paar vorlaute Schweden…Na, ja Asterix passt hier doch nicht.
Mache ich es mal kurz, wie es meinem Nachnamen geziemt:  beim „Aufräumen“ nach dem Napoleonischen Wirbelsturm über Europa, auf dem „Wiener Kongress“ erhielt Preußen EEEEENNNNNNNNNNNDLICH auch das restliche Vorpommern zugesprochen. Schweden hatte somit kein Standbein mehr auf deutschem Boden. Ein weiterer Friedrich-Wilhelm hielt einfach nur die Hand auf, sagte brav „dankeschön“ und war nun auch Herzog aller Pommern. Es war der etwas dröselige und immer von allen Historikern als „spröde“ abgekanzelte Friedrich-Wilhelm, der Dritte. Ja, liebe Leser, der mit der hübschen Königin Luise und den vielen Kindern. Sie selbst erlebte die „Heimkehr“ Pommerns allerdings nicht mehr, da sie fünf Jahre vorher verstorben war.

Was haben die Pommern wohl empfunden, als sie „alle“ preußisch wurden ? Mit welchem Dialekt sprach man wohl in Kolberg oder Falkenburg ? War Hinterpommern immer schon „das Armenhaus an der Ostsee“, wie mein Cousin es einmal genannt hat, nachdem er unsere gemeinsame „Wurzel“ dort besucht hatte ? Ich weiß es nicht, bekomme aber gerade Lust, nach Stettin zu fahren und an derHakenterrasse spazierenzugehen. WER KOMMT MIT ????? 🙂

Ihr

Clemens Kurz

das lange Ringen um Pommern, Teil 2

Im ersten Teil dieser Reihe habe ich Ihnen, liebe Leser, ja bereits meine persönlichen Motive dargelegt, die mich mit diesem Thema verbinden. Die Dynamik, die einstmals zwischen den „Greifenherzögen“ von Pommern und den Brandenburger Kurfürsten herrschte, ist mittelalterliche Geschichte. Lange vorüber und dennoch interessant. All ihre Mühen waren letztlich vergebens, denn Pommern gehört jetzt zu Polen. Und dennoch…

Wo waren wir stehengeblieben ? Hm…ah, ja. Die Greifen werden unabhängig von Brandenburg, erkennen aber die Hohenzollern als „Erben“ ihres Herzogtums an, falls sie jemals ohne Nachfolger bleiben sollten. Soweit, so nichtssagend. Jetzt komme ich ein wenig mit „Zahlen“, aber nur wenigen Eckjahren, die das kommende Drama umreißen sollen.

Wir schreiben das Jahr…

  • 1637; Die Szenerie ist folgende: Es herrscht noch immer der Dreißigjährige Krieg. Diverse, europäische „Supermächte“ fechten um ihre Interesse. Bevorzugt auf deutschem Boden, natürlich. Die Schweden haben Pommern besetzt. Sie nutzen es als Ausgangsbasis für ihre Eroberungszüge durch Deutschland. Brandenburg ist Objekt, nicht Subjekt in diesem Konflikt. Es hat kaum ein Militär, muss sich mal dem Kaiser in Wien, mal dessen Feinden aus Schwedenland an den Hals werfen. Sein Kurfürst Georg Wilhelm mehr Opfer als Täter im Krieg.
    PLÖTZLICH STIRBT MIT Bogislav, dem vierzehnten, TATSÄCHLICH DER LETZTE POMMERSCHE GREIFE! Ohne Bluterben!
    Theoretisch gehört dessen Herzogtum nun den brandenburger Hohenzollern…
  • 1640; Auftritt des „bronzenen Reiters“ vom Charlottenburger Schlosshof (oder dem Foyer des Bodemuseums): Friedrich-Wilhelm wird Kurfürst von Brandenburg. Ich nenne ihn den eigentlich „Ringer“ um Pommern. Ein tragischer Held, der nicht gar so heroisch daherkam, wie es sein Reiterstandbild (das sein Sohn anfertigen ließ, ein dankbarer Sohn!) uns überliefern soll. Friedrich-Wilhelm (, der den ab jetzt bei der Namensgebung notorisch unkreativen Hohenzollern die Vorlage für unzählige, spätere „Wilhelms“ und „Friedrichs“ liefert) will Pommern beanspruchen.
  • 1648; der „Westfälische Frieden“ von Münster und Osnabrück regelt die Dinge zum Abschluss des Dreißigjährigen Krieges. Brandenburg wird dabei nur Hinterpommern zugesprochen. Doch ganz Pommern ist noch von den Schweden besetzt. Trotz Unterzeichnung der Verträge denken sie nicht im Traum daran, auch nur einen Quadratzentimeter Pommern herzugeben. Erst 1653 kann Friedrich-Wilhelm Hinterpommern in Besitz nehmen.

Ab jetzt wirds es wieder unübersichtlich. Sagen wir mal, dass Friedrich-Wilhelm, der „Ringer“ um Pommern, seinen Traum, das gesamte Erbe der „Greifen“-Dynastie anzutreten, nie aufgab. In diversen Koalitionen verbündet er sich mit jedermann, um die Schweden loszuwerden.

  • 1660; im Frieden von „Oliva“ (nahe Danzig) muss Brandenburg das zuvor besetzte Vorpommern wieder räumen. Einziger Vorteil dieses Vertragswerkes: Die Hohenzollern bekommen endgültig die Souveränität über Ostpreußen. Friedrich-Wilhelms Sohn wird sich dies später freudestrahlend zu Nutze machen, aber das ist eine ganz andere Geschichte.
  • 1679; Brandenburg muss Vorpommern ein zweites Mal an Schweden herausgeben. Nachdem es die Nordmänner in Scharen bis nach Stralsund und Rügen getrieben hatte. Im „Frieden von St. Germain“ aber, werden die Ansprüche Friedrich-Wilhelms, die er nach 1637 von seinem Vater geerbt hatte, erneut mit Füßen getreten. Er soll daraufhin einen seiner berüchtigten Tobsuchtsanfälle bekommen haben. Die alte Hohenzollernkrankheit. Noch sein Enkel, der „Soldatenkönig“ wird für solche Ausraster berüchtigt werden.
der pommersche Greif

Ähnlich wie bei den durch ein ähnliches Vertragswerk geregelten Erbstücken der schlesischen Herzöge von Liegnitz, gelingt es dem „Großen Kurfürsten“ Friedrich – Wilhelm auch in Pommern nicht, seine Ansprüche geltend zu machen. Im Falle Schlesiens wird das langfristige Folgen haben. Sein Urenkel wird ein gutes Gedächtnis beweisen und sich der Hohenzollern-Ansprüche erinnern. Im Falle Pommerns hat Friedrich-Wilhelm immerhin ein Stückchen, das weniger wichtige (weil ohne Stralsund, Rügen, Stettin und die Odermündung !!!) vom Kuchen bekommen.

Das Ringen um Pommern ist aber noch nicht vorbei, im Gegensatz zu diesem Beitrag.

Fortsetzung folgt, versprochen. In Teil drei werden wir u. a. sehen, wie einer, der gar nicht mehr um Pommern ringt, schließlich das ganze, alte Herzogtum der „Greifenherzöge“ regieren wird. …

Ihr

Clemens Kurz

P.S.: „Vor-“ und „Hinterpommern“. Was ist das ? Ich vereinfache mal gaaaaaaaaanz stark: Vorpommern liegt und lag VOR der Odermündung, also westlich davon. Der Rest, östlich davon, ist Hinterpommern. Ja, Sie erinnern sich richtig, das ist da, wo meine Mutter selig herkam.

das lange Ringen um Pommern, Teil 1

Wer ein Beispiel für die Vergänglichkeit von Taten und die vermeintliche Sinnlosigkeit jeglicher Geschichte vor Augen haben will, mag sich an Preußens Ringen um Pommern erinnern. Erst Gegner, später Objekt der Begierde Brandenburgischer Kurfürsten und Preußischer Könige, geriet das Land an der Ostsee in ein zähes, jahrhundertelanges Ringen um seine Kontrolle. Heute gehört nur ein winziger Teil Pommerns NICHT zu Polen. „sic transit gloria mundi“ Hier eine Zusammenfassung des Geschehens:

Ein Pommer vor dem Sohn des Unterzeichners des „Vertrages von Grimnitz“

Früher oder später musste es passieren: ein „Pommer“ erinnert an Brandenburg/Preußens Kampf um Pommern. Sie wissen es, liebe Leserinnen und Leser: meine Mutter war noch eine „echte“, weil gebürtige, Pommeranze. Ähhh…nein…eine Pommerin. Aus Falkenburg bei Dramburg in Hinterpommern. Allerdings ohne jegliches Heimweh geboren war sie als Heimatvertriebene nach ihrer Ankunft in Berlin 1945  eben Berlinerin. Nie so ganz Spandauerin übrigens, denn nach Spandau hatte sie ja nur geheiratet…(Überraschung: meinen Vater, Nachkomme von Westpreußen, einen „echten“ Spandauer, nach dem Gefühl…eine lange Geschichte.)

Aber jetzt mal „mittenrein“ ins Vergnügen. Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich in Geschichtsbüchern lese, wie die Pommern und die Brandenburger im Spätmittelalter miteinander stritten. Um die Uckermark zumeist. Sobald Brandenburg Schwäche zeigte, oder so recht schlecht regiert wurde, kamen meist die Herzöge von Pommern angerannt und hatten schon ein kleines Ritterheer bereit, um die Uckermark zu erobern. Verbündet mit Polen oder Dänemark oder Schweden oder einfach zum Spaß. Die „Greifen“ wollten offensichtlich „abgreifen“, was ihnen so zufiel. Ja, so hieß das Fürstengeschlecht der Pommernherzöge. Ein roter „Greif“ (Raubvogel mit Löwenbeinen) war denn auch das Wappentier Pommerns. Im Stadtwappen Stettins findet man das Greifenhaupt bis heute vor.

Als dann ab 1411 die Hohenzollern in Brandenburg einzogen, wehte den Greifen aber plötzlich wieder ein schärferer Wind entgegen. Die diversen „Friedrichs“, „Georgs“ etc. aus dem südwestdeutschen Herrscherhaus fochten in Zukunft um alles, was sie besaßen oder zu besitzen gedachten. Angefangen vom ersten Hohenzollern in der Mark Brandenburg, Friedrich I. Und zu ihren Ansprüchen gehörte eben auch die Uckermark. Punktum ! Um auf die Greifen Druck auszuüben, ernannte man sich auch schon mal zum Lehnsherrn der Pommern. Was in Stettin wenig Freude auslöste.

Jetzt will ich nicht weiter mit Schlachten, Siegen, Niederlagen etc. langweilen. Diese Daten vergisst man ja doch wieder schnell. Interessant wird die Sache erst mit der Herrschaft von Joachim I. „Hektor“ in Brandenburg. Er kann mit den Greifen, in diesem Falle den Herzögen Georg I. und Barnim (ja, der hieß so, wie die Landschaft im Nordosten Berlins !!!! Dreimal dürfen wir raten, warum die so heißt !) dem 9. einen Vertrag schließen, der vielerlei beinhaltet. Die Hohenzollern geben ihren Wunsch, Lehensherren der Pommern zu werden, erstmal auf. Sie bekommen dafür (durch den Kaiser garantiert) aber etwas Wichtiges zugestanden: sollten die Greifen einstmals ohne Erbberechtigten aussterben, übernehmen die Brandenburger Hohenzollern Pommern. So einfach, so klar. Und wie wir sehen werden, so schwer durchzusetzen. Zunächst aber schreiben wir das Jahr 1529, unterschreiben den „Vertrag von Grimnitz“ und belassen es dabei.

Fortsetzung folgt ! 🙂

Ihr

Clemens Kurz

 

machen Sie ihr Spandauer „Altstadt Diplom“

Ein gemütlicher Altstadt-Spaziergang durch Spandau wird noch lustiger, wenn man seinem Stadtführer auch tatsächlich ein wenig zuhört. Die lustigsten, aufregendsten oder interessantesten Geschichten und Fakten prägen sich ein, bleiben im Gedächtnis haften. Als immaterielle Erinnerungen an eine hoffentlich gute Zeit, die man im Havelbezirk verbrachte. Diesen Gedanken kann man auch „weiterspinnen“.

an der Sternbergpromenade

Ihnen, lieber Leserinnen und Leser, kann ich es ja gestehen: meiner Erfahrung nach genießen Teilnehmer meiner „Clemens Kurz Stadtspaziergänge“ am Ende eines Rundgangs, einer „Dampferfahrt“ oder einer kleinen Radelei gerne einen kurzen Überblick über das Erlebte. Mehr als einmal wurde ich um eine kurze Zusammenfassung, ein „Fazit“ der Tour gebeten und bin mit meinen Gästen unsere Zeit noch einmal gemeinsam durchgegangen. Aus dieser Erfahrung heraus, wuchs der Gedanke, die Teilnehmer doch in dieses „Resumé“ ihrer Tour miteinzubeziehen. Wer erinnert sich woran ? Was haben wir gesehen ?

Eine, wie ich finde, spaßige Art und Weise, diesen Gedanken weiterzuführen, werde ich bald am Beispiel meines beliebten „Altstadt Spandau Rundganges“ einmal umsetzen. Alle Teilnehmer bekommen die Möglichkeit, ein kleines „Spandauer Altstadt Diplom“ zu erhalten, wenn sie im „Abschlussgespräch“ noch einige der Informationen parat haben, die ich ihnen in den vorhergehenden 1-2 Stunden geliefert habe. Jetzt liegt es also an mir, den Besuchern der Altstadt die spannendsten Geschichten und die wichtigsten Fakten so zu vermitteln, dass sie auch hängenbleiben.

Nein, keine Angst, das wird keine „Lehrveranstaltung“ für intellektuelle Hochflieger, sondern bleibt, wie immer bei den „Clemens Kurz Stadtspaziergängen“ eine kurzweilige, abwechslungsreiche Angelegenheit ohne Katheder-Vorträge. Die Spandauer Altstadt, etwas „abgelegen“ von der Berliner „City“, ist ja immer einen Rundgang wert. Davon möchte ich auch Sie gerne überzeugen ! 🙂 Machen Sie Ihr Diplom !

Also, das erste Experiment „Spandauer Altstadt Diplom“ wird am

  • Mittwoch, den 19. Juli 2017,
  • Treffpunkt: vor dem Haupteingang des Rathauses Spandau, Carl-Schurz-Straße 2/6, 13597 Berlin,
  • Zeit: 11 Uhr – 13 Uhr

gestartet. Ich freue mich auf SIE ! 🙂

Ihr

Clemens Kurz

P.S.: Beim ersten Mal wird die Teilnahme noch kostenfrei sein. Zukünftig wird der begleitete Spandauer Altstadtrundgung mit oder ohne „Altstadt Diplom“ für eine Teilnahmegebühr von läppischen 5 € pro Person möglich sein.