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Ausflug ins Vergnügen: Flugplatzfest Gatow 2018

Ihnen kann ich es gestehen, liebe Leser, eigentlich mag ich den „ganz großen Rummel“ nicht mehr so. Im Gegensatz zu meinen Jugendjahren fühle ich mich im „Getümmel“ von Menschenmassen nicht mehr so wohl. War ich deshalb so lange nicht mehr bei einem Fußballspiel ? Wer weiß. In jedem Falle erinnerte ich mich vor ein paar Wochen daran, wie ich im Jahre 2017 das Gatower „Flugplatzfest“ besucht habe. Kurze Zeit später erkrankte ich dann schwer, kam ins Krankenhaus blabla,… Soweit ist das allen Freunden bekannt. Leider kamen damals meine mit dem Smartphone gemachten Fotos nicht in der cloud an und irgendwie wurden sie auch auf dem Telefon gelöscht. Soweit, so ungünstig. Da freute ich mich doch umso mehr, als ich die Ankündigung für das Gatower Flugplatzfest 2018 las. 

Und so machte ich mich mal wieder auf den Weg zum ehemaligen Militärflugplatz Gatow, wo neben dem Flugplatzfest auch der „Tag der Reservisten“ der Bundeswehr begangen wurde. Und das Gelände ist auch für solche Festivitäten geeignet. Weitläufig genug, um diversen Verbänden, vom Technischen Hilfswerk THW bis zur Such-Hundestafel des Deutschen Roten Kreuzes DRK, die Möglichkeit zu geben, ihre Arbeit vorzustellen. Vereine, die sich verschiedener, historischer Themen widmen, Modellbauer, die vom Lastwagen bis zum Leopard-Panzer alles zusammenbasteln und lackieren, die evangelische Militärseelsorge und natürlich der Bundeswehr-Reservistenverband treten hier öffentlich auf und mit den Besuchern in Kontakt.

Dabei ist das alles, wie schon im letzten Jahr, erfrischend familienfreundlich. Was sich dann spätestens am frühen Nachmittag darin zeigt, dass hier die Familien zu dominieren scheinen. Kinderwagen und kleine Gäste, die an Muttis oder Papas Hand durchs Gelände ziehen, gibts dann zu Hauf. Das Wetter spielte auch mit. Ich kann mich an Besuche hier in Gatow erinnern, bei denen über das offene Gelände auch an schönen Tagen ein kühler, Frösteln erzwingender Wind wehte. Nichts davon heute. Selbst als es sich um die Mittagszeit ein wenig zuzuziehen begann, blieben die Temperaturen auch bei leicht auffrischendem Wind angenehm.

Englischer Doppeldecker „Miss Lucy“. Noch immer flugfähig !

Und dann wieder die Besonderheiten. Eigentlich ist Gatow seit 1994 als echter Flugplatz geschlossen. Für die Umstellung vom Standort „RAF (Royal Air Force, Großbritannien) Gatow“ zum Bundeswehrstandort „General-Steinhoff-Kaserne“ mit Flugfeld gab es noch ein paar genehmigte Landungen in den 90er Jahren. Einige Großexponate, die im jetzigen „Militärhistorischen Museum Flugplatz Gatow“ gezeigt werden, flogen, so teilte es mir einmal ein Museumsguide mit, noch selbst nach Gatow und landeten hier unmittelbar, bevor sie außer Dienst gestellt wurden.
Ich schrieb „eigentlich“, denn immer zum Flugplatzfest werden für Kleinflugzeuge und einige, wenige „Einmotorige“ Sondergenehmigungen für Starts und Landungen erteilt. In diesem Jahr veröffentlichte der Veranstalter einen Tag vor der Eröffnung des Festes eine Liste von 18 Fliegern, die an diesem Wochenende diese Erlaubnis erhielten. Die Reste der großen Start- und Landebahn, die noch zum Museumsgelände gehören und einigermaßen in brauchbarem Zustand sind, werden dafür genutzt. Ich selbst sah heute eine Einmotorige landen, während ich noch ein wenig „im Suchmodus“ übers Gelände schweifte. Im letzten Jahr flogen sogar zwei einmotorige Propellerflugzeuge kleine „Schauluftkämpfe“ über dem Gelände.

Hier endlich der Beweis: Darth Vader und einige Spießgesellen streiften hier herum !

Und dann das Thema „Darth Vader“… Im letzten Jahr traf ich diesen Star-Wars-Schurken erstmalig hier. Und fragte mich natürlich: „Was will der denn hier ?“ Will er Leute für das Imperium rekrutieren ? Brauchen die neue Piloten, Sturmtruppler etc. ? 🙂 Wie gesagt, Star Wars Fans in voller Montur waren hier auch 2018 vertreten. Was jedoch einen Fan dazu bringt, die Montur der „Bösen“ anzulegen, ist mir bis heute nicht klar. Das konnte ich mit den Fans auch in diesem Jahr im Gespräch nicht recht klären. Wollten wir als Jugendliche, als wir Star Wars für uns entdeckten, einst nicht alle bei der „Rebellenallianz“ mitmachen ?

1:4 – Modell eines „Zeppelin-Staaken“-Bombers aus dem Ersten Weltkrieg.

Der neue Hangar 3 war auch einen Besuch wert. Nach dem Umbau präsentiert er sich verändert. Will einen kurzen, mit Hilfe von Personenportraits für den Besucher „besser zugänglichen“ Einstieg in das Thema der militärischen Luftfahrt Deutschlands bieten. Hier versammelten sich übrigens schon am Vormittag viele Besucher, weil hier Vertreter des Museums als Ansprechpartner zur Verfügung standen und über den Umbau der location Auskunft gaben. Im letzten Jahr konnte ich mir hier schon mal einen Plan des neuen Hangars 3 anschauen. Diese Planungen jetzt „in die Realität“ umgesetzt zu sehen, beeindruckt schon ein wenig.

Leider hatte der Depot-Hangar 8 eine Mittagspause, während der ich natürlich genau dort vorbeischauen wollte. Die mehrstündige Pause hatte sich aber nicht nur bis zu mir nicht herumgesprochen, ein offensichtlich enttäuschter, anderer Gast maulte lautstark in Richtung seiner Begleiterin herum, dass er „ja nur deshalb hergekommen sei“. Nun ja, ich fand, es gab noch sehr viel mehr zu sehen, aber was solls.

Shuttle-Bus zum öffentlichen Nahverkehr. Wir wurden verwöhnt…

Eine schöne, neue „Bequemlichkeit“, die es im letzten Jahr noch nicht gab, war auch der Shuttle-Bus, der Besucher fast direkt von der Haltestelle des öffentlichen Nahverkehrs zum Museumsgelände fuhr. Ein Bundeswehr-Personenbus erfüllte diese Funktion und hatte, so kurz die Fahrt auch nur sein mag, echten Reisebus-Komfort. WOW ! Zwar war das nicht der Bequemlichkeit der Besucher geschuldet, sondern Protesten der „Besserverdienenden“ aus der zwischen Haltestelle und Museum gelegenen „Fliegersiedlung“, die durch Fußgänger, Rad- und Autofahrer, die ihre verkehrsberuhigten Spiel- und Wohnstraßen passieren müssen, ihr Wochendvergnügen und ihre Vorgärten in Gefahr sehen, aber dennoch: einem „geschenkten Gaul“ schaut man nicht ins Maul.

Somit kann ich ein sehr positives Fazit meines Besuches ziehen. Shuttle-Service, gutes Wetter, viel zu sehen, Darth Vader, viele Besucher. Ich freue mich schon aufs nächste Jahr !

Euer

Clemens Kurz

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Persönlichkeiten: Ernst von Ihne – der präsente Unbekannte

Liebe Freunde der Clemens Kurz Stadtpaziergänge, mittlerweile kennen Sie ja meine kleinen Porträts von Architekten, die mit ihren Bauten das Stadtbild Berlins veränderten. Hier nun ein paar Zeilen über einen, an dessen Bauten man vorübergeht, zumeist ohne den Namen des Architekten zu kennen: Ernst von Ihne. 

Die Kaiserzeit in Deutschland hatte ihre „Stil-Ikonen“, ihre Maler, Bildhauer und Architekten, die in unterschiedlicher Weise den Zeitgeschmack prägten und auch widerspiegelten. Leider bin ich selbst kein Kunsthistoriker oder Architektur-Experte, aber Begriffe wie „Historismus“ oder „Neo-Barock“ verfolgen jemanden, der sich in diese Zeit hineinliest, auf Schritt und Tritt.

Da tauchen dann Namen auf wie der des Bildhauers Reinhold Begas oder der des Malers Adolph von Menzel. Unter den Architekten dann Johann Heinrich Strack und die „üblichen Verdächtigen“ wie Franz Schwechten, Paul Wallot oder Carl-Julius Raschdorff. Vielleicht in Berlin noch Ludwig Hoffmann. Wer aber letztlich zumeist nur in Verbindung mit einem von ihm entworfenen Gebäude genannt wird ist Ernst von Ihne. Der ehemalige Hofarchitekt und „wirklich geheime Oberbaurat“ seiner Majestät des Kaisers. Selbst heute im Internetzeitalter sind aber die über ihn verfügbaren Informationen begrenzt. Versuchen wir trotzdem einmal, uns ihm zu nähern.

Und wie so häufig bei uns in Berlin beginnt die Geschichte des Ernst von Ihne nicht in Berlin. Wie viele, vielleicht bekanntere Persönlichkeiten der Stadt wurde er überhaupt nicht hier geboren. Stattdessen in Elberfeld, was heute ein Stadtteil von Wuppertal ist. Da fällt mir doch auf, dass viele Schöpfer des Historismus  aus dem „Westen“ oder dem Rheinischen stammten. Raschdorff, Schwechten oder Wallot seien dafür als Beispiele ausreichend. Ihne wurde jedenfalls im heutigen Wuppertal im Revolutionsjahre 1848 geboren.

Schon früh wollte er ein Baumeister werden. Nach dem Schulabschluss studiert er bis 1867 an der Technischen Hochschule Karlsruhe. Dann bis 1870 an der Berliner Bauakademie, die einst unter Schinkel Größe und Bedeutung erlangt hatte. Ausgerechnet im Kriegsjahr 1870 zieht es Ihne nach Paris, wo er dann 1872 seine Studien an der „Ecole de Beaux Arts“ mit der Baumeisterprüfung abschließt. Allerdings musste er sich dafür, um dem Hass der Franzosen auf Deutsche keine Projektionsfläche zu geben, als „Engländer“ in Paris einschreiben. So musste er zumindest pro forma keine Diskriminierungen befürchten.

Im Hintergrund die ehemalige, „preußische Staatsbibliothek“ Ernst von Ihnes.

Erst im Jahre 1877 machte er sich mit seinem Partner Paul Stegmüller selbständig. Sie gründeten das „Büro für Architektur und Kunstgewerbe“ in Berlin. Ihne wurde sogar Gründungsmitglied des „Vereins Berliner Architekten“. Von nun an gehts bergauf. Bis hin zu Auftragswerken für den preußischen Staat und das Hohenzollernhaus. 1888 wird Ernst Ihne durch Kaiser Friedrich III. zum „Hofarchitekten“ ernannt. Nach dessen Ableben beauftragt dessen Witwe, die „Kaiserin Friedrich“ (ehemalige Prinzessin Viktoria von England) ihn mit der Ausgestaltung von Schloss Friedrichsruh bei Kronberg im Taunus.

1891 – 1895 ließen die Hohenzollern Ernst Ihne sogar am Berliner Stadtschloss herumwerkeln. Er war damit beauftragt, einen Abschnitt des Nordflügels („Lustgartenflügel“) des Schlosses in den Eosanderhof hinein zu verbreitern. Außer einer Erweiterung des berühmten „Weißen Saales“ wurden jedoch keine weiteren Arbeiten in dieser Richtung vorgenommen. Und das obwohl die Fundamente dafür z. T. bereits gelegt waren, wie Architekten im Rahmen der Vorarbeiten für die Errichtung des Humboldtforums vor wenigen Jahren erst herausfanden. Es heißt, dass dieses Projekt aus Geldmangel des Kaiserhauses nicht verwirklicht wurde.  Auch den „Neuen Marstall“ am Stadtschloss durfte Ihne gestalten. Seine Fassade ist heute in vereinfachter Form wiederhergestellt.

Sein sicher national wie international bekanntester Bau ist jedoch vermutlich das Berliner „Kaiser-Friedrich-Museum“, das wir Zeitgenossen seit 1958 unter dem Namen „Bodemuseum“ kennen. Auf der Nordspitze der Museumsinsel gelegen, beinhaltet es heute einige Schätze der Berliner Museumslandschaft. Benannt ist es nach seinem ersten Direktor, Wilhelm von Bode. Der Kuppelsaal enthält noch heute eine gewaltige Reiterstatue des „Großen Kurfürsten“ Friedrich Wilhelm.

Vielleicht nicht so bekannt ist Ihnes Arbeit am „Kaiserbahnhof“ zu Potsdam, der ehemaligen „Hofstation im Wildpark“, der nach seinen Plänen von 1905 – 1909 erbaut wurde. Dieser ist nach schweren Beschädigungen wiederhergestellt und enthält heute ein Bildungs- und Konferenzzentrum der Deutschen Bahn AG.

1906 wurde Ernst Ihne vom Kaiser in den erblichen Adelsstand erhoben und konnte sich fortan Ernst „von“ Ihne nennen. Während des Ersten Weltkrieges, am 21. April 1917, verstarb Ernst von Ihne. Architektur-Fachleute sehen in ihm den letzten Vertreter des „Historismus“, dessen Kennzeichen es war, dass seine Anhänger bekannte, tradierte Elemente, speziell des Fassadenschmuckes, in moderne, dem Anspruch ihrer Auftraggeber entsprechende Gebäudekomplexe verbauten. Renaissance- und Barock- Details, sowie teils üppige Schmuckelemente kennzeichnen diese Gebäude.

Warum geriet Ihnes Werk ins „Abseits“ und er damit in Vergessenheit ? Darüber wird unter Architekten, Architektur-Freunden und Kunsthistorikern gerne diskutiert. Vielleicht war es gerade die Nähe Ihnes zum Kaiserhaus, die Fachleute ihn ab 1918 als „minderwertigen Kunsthandwerker“ abtun ließ. Diese Sicht ignoriert vielleicht ein wenig die erst langsam erforschte Tatsache, dass Ihne als Hofarchitekt mehr noch als andere Baumeister der Kritik und dem direkten Einfluss des Kaiserhauses, speziell des Kaisers, ausgesetzt war und viele Bauten nicht unabhängig planen und errichten lassen konnte.
Vielleicht war es auch der neue Stil der Zeit, die „Moderne“ und das kommende „Bauhaus“, die dafür sorgten, dass dieser letzte, bedeutende Vertreter des Historismus samt seiner Werke nicht mehr gewürdigt wurde. Erst im Rahmen der diversen Restaurierungen und Generalsanierungen seiner Gebäude kam im späten 20. Jahrhundert langsam wieder ein Interesse an Ernst von Ihne auf. Sicher nicht zu Unrecht, wie ich meine.

Fotos:

  • Bundesarchiv,
  • von mir, all rights reserved, 2010, 2015, 2016, 2017

Verschollene Orte: die nahöstliche Brücke in Babelsberg

Es gibt so Begrifflichkeiten und Namen, die sich einem Beobachter nicht immer auf den ersten Blick erschließen. Welche Personen, Flurbezeichnungen o. ä. stehen hinter Namen wie „Glienicke“ (von „glien“, westlawisch für „Ton“, also vermutlich „Tongrube“ oder so) oder „Wannsee“ (Einst: „Wannensee“, was den Namen „Badewanne Berlins“ erklärt) ? Selbst der Name „Berlin“ war zeitweise in seiner Herkunft umstritten.  Nur dass er so gar nichts mit dem Berliner Wappentier, dem Schwarzbären, zu tun hat, war schon länger bekannt. 

Da machen es uns von Menschen bewusst gewählte Namen, bewusst bestimmten Landschaften, Personen oder Kunstwerken gewidmete Namen schon einfacher. Speziell, wenn es sich dabei um Straßen oder Plätze handelt. Auch Straßen, denen etwas fehlt. Eine Brücke zum Beispiel, die einst zwei Ufer des Teltowkanals zwischen Babelsberg und Klein-Glienicke verband.

Enver Pascha 1914

Dass diese nun fatalerweise nach dem „Jungtürken“ und Kriegsverbrecher Damad Ismail Enver,  seit 1913 genannt „Enver Pascha“, benannt war, hat eine nachvollziehbare Bewandnis: Damad Enver wohnte in Klein-Glienicke, während er Osmanischer Militärattaché beim Deutschen Reich in Berlin war. Das war von 1909 bis 1911. Gebaut wurde die Brücke allerdings schon 1901 und war 30 m lang sowie 10 m breit. Sie besaß einen Fahr- und einen Gehweg. Damals als „Schlossbrücke“ eingeweiht, wurde sie 1915 in „Enver – Pascha – Brücke“ umbenannt, um die Verbundenheit Deutschlands mit seinem Osmanischen Verbündeten im Ersten Weltkrieg zu betonen.

Interessanterweise kam Enver Pascha, nachdem er mit dem Osmanischen Reich als „Vizegeneralissimus“ zu den Kriegsverlierern im Ersten Weltkrieg gehörte, 1919/20 noch einmal in die Nähe „seiner“ Brücke zurück. Als Genozid-Verantwortlicher in der Nachkriegstürkei 1919 bereits zum Tode verurteilt, hielt er sich nach einer abenteuerlichen Flucht per U-Boot über Odessa zu dieser Zeit in Neubabelsberg auf. Als Gast seines Bekannten, des befreundeten Kunsthistorikers Friedrich Sarre, Direktor im Vorderasiatischen Museum Berlin.

Enver-Pascha-Brücke (damals noch „Schlossbrücke“) 1906

Enver Pascha kann unzweifelhaft als maßgeblich Veantwortlicher für die Kriegführung des Osmanischen Reiches im Ersten Weltkrieg auch für den Genozid an den christlichen Minderheiten der Assyrer, Pontos-Griechen und Armenier mitverantwortlich gemacht werden. Als Romanfigur in Franz Werfels „vierzig Tage des Musa Dagh“ wird er jedenfalls im Lichte des zynischen, islamischen Massenmörders gezeichnet.

Die nach ihm benannte Brücke in Babelsberg wurde 1945 von deutschen Pionieren vor der heranrückenden, Roten Armee gesprengt. Ein Gedanke, sie als „zweite Brücke“ von Babelsberg nach Klein-Glienicke wiederaufzubauen, der 1952 aufkaum, wurde nie realisiert. Nur wurden später zwei stählerne T-Träger verlegt, um Kabelverbindungen und Rohrleitungen über den Kanal zu führen. Die Brückenköpfe existieren jedoch weiterhin.

Im grünen Walde steht ein Turm

Sommer, Sonne, Sommerfrische. Stadtmenschen mögen einfach das Naturidyll und das schon seit „Kaisers Zeiten“. Wenn es eines schlagenden Beweises für diese Aussage bedurft hätte, so könnte sie im Berliner „Grunewaldturm“ ihren Ausdruck finden. Wenn die Havelboote fröhlich vor sich hinsegeln, im Grunewald die Blätter rauschen und ein Biergarten auch noch unter dem Turm zu finden ist, dann kann man fein zurückdenken. An Zeiten, in denen noch keine Hochhäuser am Horizonte zu erkennen waren und selbst das Spandauer Rathaus erst im Bau befindlich war…

Ihnen, liebe Freunde der kleinen Stadtausflüge in Berlin und Brandenburg, kann ich es ja gestehen: manchmal ödet mich die Hauptstadt an. Speziell, wenn ich an die Architektur der letzten 15 Jahre denke. Herrje, was da an Monumenten der Bedeutungslosigkeit, der architektonischen Langeweile und Kreativlosigkeit geschaffen wurden ! Vom „upper West“ Hochhaus über die schrecklichen Hotels am Hauptbahnhof für Lobbyisten, die nur ein paar Stunden im Bundestag verbringen wollen, bis zum Bundesinnenministerium an der Spree reicht die Palette des Grauens und Erbrechens. Das Bundeskanzleramt mit seiner „Waschmaschinenoptik“ als letztes, kreatives Gebäude dieser Stadt ? Auch die Wohnviertel, die gerade berlinweit aus dem Boden gestampft werden, lassen an Inhumanität kaum zu wünschen übrig, worauf mich jüngst ein Freund aufmerksam machte, der ganz sachlich das Fehlen von Grün und Rasenflächen, von Bäumen und Alltagsinfrastruktur in einem dieser neuen „Pseudokieze“, der in unserer Nähe gerade eröffnet wurde, beklagte.

Da ist es uns sicher nicht zu verdenken, dass wir beide kurzfristig Lust hatten, ein wenig im „Historismus“ zu schwelgen. Ein wenig Grün für die Augen, ein wenig Naturspaziergang für die Füße und die Seele und ein wenig imitierte „Backsteingotik“ von Franz Schwechten. Für den Augengenuss. Angesichts dessen, was sonst gerade so in Berlin passiert, ist man für solch eine im wahrsten Sinne des Wortes „Aussicht“ dankbar.

Gesagt, getan und schon spuckte uns der Bus am Turm aus. Die Havelchaussee ist und bleibt ein Fahrerlebnis, als Fahrer oder Gefahrener. Scheue Blicke auf die Havel, ein nettes Auf und Ab der hügeligen Uferlandschaft und der Grunewald ist immer bereit zum Spaziergang. Der Grunewaldturm selbst, der einst als „König-Wilhelm-Turm“ geplant, dann vom letzten Kaiser als „Kaiser-Wilhelm-Turm“ tituliert und 1948 in „Grunewaldturm“ umbenannt wurde, steht wie eh und jeh seit 1899 dem Ausflügler zur Verfügung. Die 205 Stufen bis zur Aussichtsplattform muss man bei entsprechender Hitze vielleicht gemächlicher nehmen, die Aussicht selbst aber belohnt den Besucher wie seit 1899. Der Bauplatz, einst „Karlsberg“ genannt, ist einfach gut gewählt.

Blick auf die Unterhavel vom Grunewaldturm

Und dann steht man oben, hört selbst im Hochsommer den Wind in die Kuppel fahren, und genießt den weiten Blick. Auf die Berliner Unterhavel, nach Schwanenwerder, auf den Grunewald, den Teufelsberg, in die „City“ (ja, wir konnten mühelos den Fernsehturm am Alexanderplatz ausmachen) und nach Spandau hinein. Das Spandauer Rathaus ist auszumachen und obwohl ich alter „Blindfisch“ sie erst nicht finden konnte, zeigte mir mein Kumpel mit dem Feldstecher sogar die Spandauer Kirche St. Nikolai. Dass der Blick von Süden und Südost nach Spandau demnächst durch ein weiteres Hochhausquartier auf dem Gelände der ehemaligen Spandauer Hauptpost versperrt werden wird, sei hier im Anschluss an meine einleitenden Worte nur schnell angemerkt. 😦

In jedem Falle ist am Grunewaldturm einfach alles „unecht“, aber hübsch. Ein Bau des Historismus halt. Falsche Backsteingotik. Der rote Baustoff passend für die Region gewählt. Kleine Balkone, deren Türen aber aus Sicherheitsgründen versperrt sind. Ziergiebel, Türmchen, kleine Verzierungen hier und dort, die das Auge erfreuen und sogar teilweise kleinen Pflanzen Raum zum Wurzeln schlagen bieten. Dies muss jedoch aus Gründen der Statik irgendwann unterbunden werden. Zwei Große Adler an der Grunewald- und Wasserseite. Dann die Halle mit der überlebensgroßen Statue des ersten Namensgebers. Immerhin sollte jeder Besucher wissen, WEM der Kreis Teltow, zu dem der Grunewald bis 1920 gehörte, dieses Bauwerk einst widmete.

Kaiserstandbild von Ludwig Manzel

Wir können uns sicher kaum vorstellen, wie wichtig solche „Ankerpunkte“ der Sommerfrische zu Kaisers Zeiten und auch noch danach einst gewesen sind. Kein „Netflix“, kein Internet, kein Fernsehen, kein Rundfunk, Bücher manchmal noch zu teuer… Irgendwie musste sich „der kleine Mann“ ja auch damals die geringe Freizeit vertreiben und die Gedanken mal vom oft prekären Alltag ablenken.
„Sommerfrische“ in Berlin-Brandenburg. Möglichst am Wasser und mit Parks oder Wäldern in der Nähe. Was konnte es schöneres für einen Sonntagnachmittag geben ? Daraus entstanden sogar „Klassiker“ des örtlichen Schlagers wie der „Bolle“, welcher sich zu Pfingsten in der Schönholzer Heide in eine Schlägerei verwickeln ließ. Gaststätten, die Ruderbooten Stege zum Anlegen anboten, waren damals keine Seltenheit. Man putzte sich selbst heraus, ging vorher zur Kirche oder auch nicht, achtete darauf, dass auch der Nachwuchs „präsentabel“ war und dann…raus. Mit der Bahn, mit dem Fahrrad, nur raus „int Jrüne“. Picknick mitgenommen, vielleicht durfte man ja im nahegelegenen Biergarten „selber Kaffe kochen“.

Da spielt der Grunewaldturm eine Rolle. Wie auch einst die Gastronomie an Orten wie Klein-Glienicke oder Treptow. Zwar sind die Tage, in denen die gebeutelten „Proletarier“ ihre kalten, feuchten Hinterhofwohnungen für wenige Stunden der „Sommerfrische“ verließen, sind natürlich vorbei. Dennoch macht „Sommerfrische“ auf den Spuren unserer Vorfahren auch heute noch Spaß. Mein Kumpel und ich jedenfalls ließen es uns noch ein wenig im Biergarten gutgehen, spazierten dann „ins Grüne“ des Waldes hinaus und wurden schließlich von einem „historischen“ BVG-Bus wieder zurück „in die Stadt“ gefahren. 🙂 Es gibt sehr viel schlechtere Dinge, die man mit einem sonnigen Sommertag anfangen kann.

Persönlichkeiten: Franz Schwechten – Rückgriff ins Bekannte

Als „Historismus“ bezeichnet man eine Architektenschule, die sich merklich darin wohlfühlte, bereits bekannte Stilmittel historischer Gebäude neu zu kombinieren oder auf möglichst ästhetisch ansprechende Art und Weise zu kopieren. Einer der in unserer Region bekanntesten Vertreter des Historismus ist unzweifelhaft Franz Schwechten. Schauen wir uns ihn und sein Werk also mal an:

Wie damals üblich und in so vielen, „preußischen“ Biografien belegt, war Schwechten aber gar kein Brandenburger, Ostpreuße oder Pommer, sondern gebürtiger Kölner. Dort unternahm der 1841 geborene Sohn eines Landgerichtsrates auch die ersten Schritte auf seinem Karriereweg. U. a. lernte er noch in der Stadt am Rhein seinen historistischen „Gesinnungsgenossen“, den Stadtbaumeister und späteren Architekten des Berliner Doms, Julius Carl Raschdorff, kennen.

Franz Schwechten

Zwischen 1861 und 1869 pendelte Schwechten zwischen Berlin und Köln hin und her, um das edle Handwerk des Architekten zu erlernen. Dabei lernte er in der Hauptstadt u. a. von Könnern wie August Stüler und Martin Gropius. (Sie erinnern sich an den „Gropius-Bau“ in der  Niederkirchnerstraße, gegenüber des Berliner Abgeordnetenhauses ? Ja, DER Gropius.) Nachdem er die Prüfungen bis hin zum „Regierungsbaumeister“ abgelegt hatte, unternahm Schwechten erst einmal eine Studienreise nach Italien. Damit lag er in bester Tradition, da auch Genies wie Schinkel ihren Blick auf Architektur und Landschaft einst auf dem italienischen „Stiefel“ geschärft hatten. Die Reise hatte Schwechten mit dem Geld aus dem Gewinn des renommierten „Schinkel-Wettbewerbs“ finanziert.

Franz Schwechtens Siegerentwurf, 1880

1871 – 1882 arbeitete Franz Schwechten für die „Berlin-Anhaltische Eisenbahngesellschaft“. In dieser Zeit gelingt ihm sein erster Geniestreich: der „Anhalter Bahnhof“ zu Berlin, der nicht grundlos als beeindruckendes Meisterwerk der Bahnhofsarchitektur galt. Zu seiner Zeit war dessen Halle eine der größten Bahnhofshallen weltweit. Die Verbindung von Backstein-Mauerwerk und einem Dach aus Stahlträgern funktionierte so gut, dass die Sprengungen der Ruine nach dem Zweiten Weltkrieg äußerst mühsam waren und oft erst in mehreren Anläufen gelangen. Respekt also, vor Schwechtens Plänen und der Handwerksarbeit der Bauleute.

1885 wurde Schwechten in die „königliche Akademie der Künste“ zu Berlin aufgenommen. Er begann im selben Jahr auch eine Lehrtätigkeit an der „Technischen Hochschule Charlottenburg“. War also auch „außerhalb Berlins“ tätig, da Charlottenburg erst 1920 eingemeindet wurde. 🙂
Schwechtens vielleicht bemerkenswerteste Eigenschaft ist es, dass er grundsätzlich alle Arten von Gebäuden mit jeder nur denkbaren Funktion zu gestalten bereit war. Gab es doch auch zu seiner Zeit durchaus „Spezialisten“ für Staatsbauten, Kirchengebäude oder Industrie-Architektur. Schwechten baute hingegen im Laufe seiner Karriere so ziemlich alles, was man ihm als Auftrag anbot.

So arbeitet er u. a. für die Berliner „Schultheiss Brauerei Berlin“, für die er am Prenzlauer Berg einen weitläufigen Produktionskomplex entwirft. Teile davon haben sich bis heute als sog. „Kulturbrauerei“ erhalten !  Für die „Allgemeine Electrizitäts Gesellschaft“, AEG, entwirft er u. a. das repräsentative Tor in der Weddinger Brunnenstraße. Ein Kirchenbau, die „Apostel-Paulus-Kirche“ in Schöneberg geht ebenso auf sein Konto wie das „Kraftwerk Moabit“.

Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, 1895

Am bekanntesten, neben dem schon erwähnten Anhalter Bahnhof, ist aber vielleicht die „Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche“ in Charlottenburg. Dieser Ausdruck einer Verbindung von „Kaiserkult“ und christlichem Glauben, welche allein durch den Namen schon ausgedrückt wird, beherrschte lange Zeit den „Auguste-Viktoria- Platz“. Dieses neoromanische Kunstwerk wurde am 01. September 1895 geweiht und konnte bis zu 2.000 Gottesdienstbesucher aufnehmen (den Chor mitgerechnet). Am 23. November 1943 erlitt sie durch einen Bombenangriff schwere Schäden. Nach dem Kriege wurden die Reste des Kirchenschiffes abgeräumt und ein neues „modernes“ Kirchenschiff erbaut…

Interessanterweise entwarf Franz Schwechten so viele Bauten, dass selbst bekannte, touristische Ausflugsziele gelegentlich in der ein odere anderen Aufzählung seiner Werke fehlen. So wird ab und an z. Bsp. auch seine „Handschrift“ beim Bau des Grunewaldturms im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf übersehen. Dennoch zählt dieses reine Schmuckwerk, das außer dem Anbieten eines hübschen Ausblicks über die Havellandschaft Berlins keinen darüberhinausgehenden „Nutzwert“ hätte, sicher zu den Schwechten-Bauten, die den meisten Berlinern und Berlin-Besuchern wohlbekannt sind. Schon allein durch die Tatsache, dass der Turm eben im Gegensatz zum Anhalter Bahnhof und der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche praktisch keine Kriegsschäden erlitt und heute nach diversen Restaurierungen wieder in „voller Pracht“ besichtigt werden kann.

Kreishaus Rathenow im Landkreis Havelland, auch aus Schwechtens Feder, 1895

1915 – 1918 war Franz Schwechten Präsident der preußischen Akademie der Künste. Zu dieser Zeit leitete er bereits sein sog. „Meisteratelier“, in dem er Nachwuchs-Architekten sein Wissen vermittelte. Er verstarb am 11. August 1924 in Berlin. Sein Grab ist ein Ehrengrab des Landes Berlin und liegt auf dem Alten Dorfkirchhof Schöneberg an der Hauptstraße.

Je nachdem, wen man fragt, so liegen Schwechtens wichtigste Bauten entweder im Rheinischen, wo er u. a. in seiner Geburtsstadt Köln diverse Rheinbrücken verzierte, oder in Stettin, Potsdam (ehemaliges Landtagsgebäude auf dem Brauhausberg), oder Posen. Als alter „Lokalpatriot“ denke ich, dass er seine besten Werke in Berlin abgeliefert hat, was aber durch kriegsbedingte Beschädigungen nur noch anhand alter Fotos nachvollzogen werden kann. Dennoch ist allein der Fleiß Schwechtens und seine „Nachfrage“, speziell während des auf historische Verzierungen fixierten Kaiserreiches, bemerkenswert und sollte dazu ausreichen, seinen Namen nicht zu vergessen.

Quer durch Berlin auf der Spree – Köpenick und sein Hauptmann

Berlin vom Wasser gesehen. Immer wieder beliebt. Bei schönem Wetter immer wieder eine Freude. Wenn man dann noch von Spandau nach Köpenick und zurück „schippern“ kann, bekommt man einiges zu sehen. Was könnte als Auftakt meiner Themenreihe „Kaiserwetter ? 1918/2018“ also zwangloser sein ? Ein Besuch beim „Hauptmann von Köpenick“ als leichter Einstieg in ein schweres Thema. 

100 Jahre ist es her, dass die letzte, deutsche Monarchie sich auflöste. Meine Themenreihe „Kaiserwetter ? 1918/2018“ befasst sich deshalb mit dieser ein wenig stiefmütterlich behandelten Epoche deutscher Geschichte. Trocken ? Langweilig ? Nicht mit mir ! Also fing ich mal mit dem sicher allgemein bekannten „Hauptmann“ in Köpenick an. Und wenn man dann noch bei schönem Wetter über die Spree „dampfern“ kann, wie sollte ein Anfang des Themas unterhaltsamer und angenehmer daherkommen ?

Ich gestehe: der „Hauptmann“ von Köpenick hinterlässt bei mir schon länger einen zwiespältigen Eindruck. Die ganze „Tränenzieher-Geschichte“ des vom rigiden Kastensystem der Kaiserzeit „Ausgespuckten“, armen Schusters, der sich trickreich verschafft, was ihm zusteht, erscheint viel zu sehr eine gefällige Legende zu sein, als dass sie einem genaueren Hinsehen standhielte. Und so ist es auch. Das, was wir als „Köpenickiade“ im Kopf haben, ist zum guten Teile eher dem Schriftsteller Carl Zuckmayer geschuldet, als den Fakten. Zuckmayer, der geschickt und detailreich in seinem Theaterstück das Bild des geläuterten Kriminellen schildert, der von allerlei Bürokratie an der Resozialisierung gehindert wird, gestaltet diesen Charakter vor dem Hintergrund eines militaristischen, unmenschlichen Systems des Kaiserreiches, welches dem „einfachen Manne“ keine Chance ließ, sich erfolgreich einzugliedern.

Zwar ist diese Betrachtung nicht völlig falsch, vieles, was Zuckmayer uns beschreibt ist einfach faktisch und kann leicht anhand von Quellen nachvollzogen werden. Dennoch ist es nur ein Teil der „Wahrheit“ über das kurzlebige Kaiserreich der Hohenzollern. Das hier auszuführen, würde diesen Beitrag unnötig verlängern. Wer auf dem Ausflug dabei war, dem habe ich meine Argumente ja auch ausgeführt. An dieser Stelle soll es mal ausreichen, zu betonen, dass uns Zuckmayer und die folgenden Verfilmungen seines Theaterstückes, mit so renommierten Darstellern wie Heinz Rühmann oder Harald Juhnke in der Titelrolle, ein stark „gefiltertes“ Bild der Kaiserzeit vermitteln. Ganz sicher auch ein gefiltertes Bild von Friedrich-Wilhelm Voigt, einem Manne, der schon im zarten Alter von 14 Jahren erstmalig straffällig wurde und letztlich eine lange „Karriere“ im Strafvollzug hinter sich hatte, bevor er das Rathaus von Köpenick besetzen ließ. „Opfer der Umstände“ ? Ja, teilweise, aber eben nicht ausschließlich. Auch hier muss präzise und mit Augenmaß differenziert werden, wie so oft beim „Blick zurück“ in die Geschichte.

Wie gesagt, darauf habe ich während unseres kurzen Spaziergangs durch die Köpenicker Altstadt ja schon hingewiesen, Details erübrigen sich dazu an dieser Stelle also. Stattdessen werde ich ein paar Eindrücke von der „Dampferfahrt“ an sich hier ventilieren:

  1. Baukräne, wohin man sieht

    Berlin sollte sein Wappen ändern. Allgegenwärtig im Stadtbild ist schlicht und ergreifend weniger der Bär, als vielmehr der Baukran. Als Mann, der gerne „Schnappschüsse“ von seinen Ausflügen mit nach Hause bringt, knipse ich gerne in alle Richtungen und alle Motive, die mir interessant erscheinen. Bei unserer Spreefahrt fiel es mir schwer, irgendwo einen schönen Blickwinkel hinzubekommen, auf dem KEIN Baukran mit auf dem Bild erschien. So gab ich irgendwann auf und ließ die Kräne erscheinen. Ist halt Realität in Berlin. Es wird gebaut. Viel und potthässlich. Wer etwa die Umgebung des Hauptbahnhofes oder die Region am Ostbahnhof um die „Mercedes – Benz Arena“ betrachtet, könnte denken, die Fassadengestaltung bei diversen Architektenbüros würden die Vorschul- und Krabbelkinder der dortigen Angestellten übernehmen. Klötzchenbildung mit etwas Glas oder mit Schießscharten-Fenstern. Lego-Ästhetik. Einfarbig zumeist. Einem Bau-Ästheten könnten dabei kalte Schauer über den Rücken laufen. Auch wegen der oftmals gewaltigen Dimensionen solcher Bauten. Eine bewusste „Verhässlichung“ Berlins ist im vollen Gange, ein Bauen ohne Rücksicht auf den Ort, eine De-Lokalisierung, die dazu führt, dass manche „Stadtquartiere“ jüngerer Bauart so aussehen, als könnten sie genauso in Hamburg, Frankfurt, Cottbus, Montpellier, San Bernardino oder Shanghai stehen. Man erkennt Berlin nicht wieder. Als Mann, der seine Stadt und deren Besonderheiten auch gerne mit Besuchern teilt und ihnen Berlin zeigt, möchte man ab und an einfach vor Scham im Boden versinken. Vor Peinlichkeit dessen, was dank Leuten wie der Berliner Oberbau-Direktorin Regula Lüscher, seit Jahr und Tag hier in den Märkischen Boden gerammt wird.

  2. Kraftwerk Reuter – West

    Die Berliner Spree ist letztlich in weiten Teilen kein „schöner“ Fluss. Und dies war lange Zeit auch so gewollt. Die Ansiedlung und der Weiterbetrieb von Industrie sowie die Nähe zu diversen Kraftwerken, die lange Zeit hier auch ihr Kühlwasser abzogen, hat eine mächtige Tradition. Eine Tradition, die schon in der Zeit vor der „Reichseinigung“ 1871 ihren Anfang nahm und danach noch einmal massiv beschleunigt wurde. Oberschöneweide, Adlershof, Siemensstadt…wo immer die Spree vorbeikommt, war einst auch Schwerindustrie zu finden.
    Das hat auch Auswirkungen bis heute. Letztlich sind die „fotogenen“, die „hübschen“ Abschnitte der etwa 45 km langen „Berliner“ Spree zahlenmäßig begrenzt. Die Strecke zwischen Lutherbrücke und Treptower Hafen etwa kann mit vielen, interessanten (Foto-) Motiven aufwarten, wie etwa dem Kanzleramt, der Mühlendammschleuse oder der Oberbaumbrücke. Dann wird es stromaufwärts erst wieder kurz vor Köpenick so recht interessant und später darüberhinaus ohnehin, aber so weit ging unsere Fahrt an diesem Tage eben nicht.

  3. „Wappen von Spandau“

    Ein ehrlicher Dank an die Reederei, die uns an diesem Tage durch die Stadt schipperte. Ich werde ihren Namen nicht nennen, um keine „Schleichwerbung“ zu machen, nur den des fast noch „nagelneuen“ Schiffes, welches sie dafür einsetzte, erwähne ich mal: „Wappen von Spandau“. Erst im April in Dienst genommen. Doppelt so viele Toiletten, wie üblich…wer Stunden auf dem Schiff verbringt, weiß das zu schätzen, :-). Die Dieselmotoren hatten auch ordentlich „Druck“, wenn es mal gegen Strömungen anging. Dass die Farben Schwarz-Rot-Gold am Heck wehten, wusste ich „böser, alter, weißer, nationalistischer Mann“ auch zu schätzen in einem Land, dessen Fußballer diese Farben gerade von ihren Trikots verbannt haben.
    Die Getränke waren teuer, aber superkalt. Ein „live – Moderator“ erzählte selbst mir erfahrenem cityguide noch einige Dinge, die selbst ich nicht gewusst hatte. Leider funktionierte die Lautsprecheranlage auf dem hinteren Oberdeck nicht gut und auch die fröhlich dahinquasselnde Damenrunde am Nachbartisch überdeckte manch interessante Info des Sprechers.
    Dankbar bin ich für die Hinweise, wann eine Brücke sehr flach über unsere Köpfe hinwegging, damit wir rechtzeitig die Köpfe einziehen konnten. Stichwort: „Jannowitzbrücke“. Auch hier ein Dankeschön an die freundlichen Mitarbeiter der Reederei !

Uniformrock des „Hauptmanns“ in Köpenick

Fazit: Vergnüglich gings zu auf dem ersten Ausflug der Themenreihe „Kaiserwetter ? 1918/2018“. Das Wetter war gnädig, die schwüle Hitze der vorangegangen Tage war abgezogen und die Sonne beschenkte uns mit schönen Ansichten der Stadt. Dem „Hauptmann von Köpenick“ konnten wir uns direkt „vor Ort“ widmen. Seine Uniform sehen und den Tresor, den er ausräumen ließ. Das Köpenicker Heimatmuseum hat dazu nämlich im Rathaus zwei Informationsräume eingerichtet, die man kostenfrei an jedem Öffnungstag besichtigen kann. Ich denke, es war ein guter Anfang für das Thema. Nicht zuviel trockenes „Blabla“, stattdessen viel entspanntes Dahindampfern auf der Spree und nette Gespräche. Zu denen sich auch noch ein „Zufallsbesucher“ aus den Reihen der anderen Gäste gesellte, der über die Hohenzollern mehr Anekdoten kannte, als sogar ich.

Weiter gehts dann bald mit einem Spaziergang durch den Park Babelsberg. Auch dort wieder halten wir kurz die Zeit an und widmen uns dem „Rad der Geschichte“, welches hier ins Rollen kam. An einer höchst profanen Stelle sogar, aber mehr dazu, sobald es losgeht. Bitte schauen Sie demnächst wieder auf der „Termine“-Seite vorbei, wo ich wie immer die Details bekanntgeben werde. 🙂

Bis bald also wieder Ihr

Clemens Kurz

In eigener Sache: Veränderungen dank „Datenschutz“

Liebe Teilnehmer und Freunde meiner kleinen (kostenlosen bzw. von mir nicht mit eigenen Kosten belegten, darauf muss ich jetzt immer hinweisen !) Stadtspaziergänge und Ausflüge in unsere Region: 
Die EU hat uns ein „hübsches, neues Geschenk“ gemacht. Die DSGVO, eine Datenschutzverordnung, die ab 25. Mai 2018 in Kraft tritt. Was sich daraufhin hier im Blog ändern wird, liste ich in diesem Beitrag kurz auf. Denn obwohl ich KEIN kommerzielles Angebot selbst erstelle, nutze ich dennoch mit wordpress und einigen derer plugins Drittanbieter, die möglicherweise Daten von Nutzern dieses Blogs erfassen könnten. Insofern gilt jetzt:

  • Hier im Blog werden ab sofort KEINE neuen Fotos von noch lebenden, natürlichen Personen mehr erscheinen. Zumindest nicht mehr „ungefiltert“, wo dann die Person als Individuum erkennbar wäre. Die Einspruchs-, Widerspruchs- und sonstigen Rechte, die Abgelichtete jetzt haben, da Digitalfotos ja laut EU eine Art von „Datenerfassung“ seien, können zu absurden Einsprüchen der entsprechenden Personen und zu ebenso skurrilen Löschanordnungen von Gerichten führen. Ich bin eben kein von einem Massenmedium angestellter Profifotograf. Für die gelten Ausnahmen.
    Auf Rechtsstreitigkeiten dementsprechender Art habe ich keine Lust, ich habe kein Geld, sie zu führen und will auch keine Zeit und keine Nerven für solchen Blödsinn aufwenden. Kurz gesagt: alle Fotos, die ich selbst erstelle, mir von frei nutzbaren Quellen legal verschaffe etc. werden ab sofort keine Personen mehr abbilden, die noch leben, die als Individuen eindeutig kenntlich sind (ich denke über Ausnahmen für zeitgeschichtlich relevante Personen nach…), oder diese Abbildungen werden nur noch mich selbst zeigen. Da ich MEINE Zustimmung zur Erfassung, Bearbeitung und Publikation meines eigenen Abbildes grundsätzlich immer voraussetzen kann. 🙂
  • Ab sofort werden alle neuen Beiträge dieses Blogs nicht mehr DIREKT über wordpress oder über Anbieter wie „Disqus“ etc. kommentiert werden können ! Das tut mir sehr leid für Sie, liebe Leser, aber anders geht das nicht mehr. Da Sie beim Kommentieren zur Preisgabe von Namen und e-mail-Adresse aufgefordert werden, werden also persönliche Daten von Ihnen erfasst, was ich vermeiden will. Denn sonst können schlaue „Abmahnanwälte“ versuchen, mich mit Unterlassungserklärungen usw. in den Ruin zu treiben. Weil ich ein Privatmann und kein Unternehmer bin, würden sie direkt mein Privatvermögen angreifen.
    Kommentare können Sie in Zukunft nur noch (ANONYM, sorry, beschweren Sie sich bitte bei Ihrem Europa-Abgeordneten oder bei der Bundesregierung, ich bin dafür nicht verantwortlich !) per e-mail an: „ckstadtspaziergaenge@gmx.de“ abgeben. Bitte unter Angabe des Artikels, den Sie kommentieren mögen. Danke ! Oder kommentieren Sie doch bitte die geteilten Beiträge auf der Facebook-Seite „https://www.facebook.com/Stadtspaziergaenge weiterhin direkt.
    Ich muss um Ihr Verständnis bitten, dafür, dass ich bis auf weiteres so vorsichtig vorgehen muss. Sollte sich die Rechtspraxis in der Zukunft dazu durchringen, hier Änderungen herbeizuführen, zumindest für Privatleute, dann werde ich auch darauf zu reagieren wissen. Versprochen.
  • Hat sich Heinrich von Stephan, der Vorkämpfer für internationalen Postverkehr und damit Datenaustausch, das so vorgestellt ? Vermutlich nicht.  Ruhe er in Frieden. Übrigens auf einem der „Friedhöfe vor dem Halleschen Tore“ in Berlin.

In diesem Sinne verbleibe ich bis zur ersten Abmahnung, weil ich wieder irgendein Detail übersehen habe, und dann meinen Blog dichtmachen muss:

Ihr

Clemens Kurz