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in Frieden ruhen – der Dreifaltigkeitsfriedhof II

In der Kreuzberger Bergmannstraße, hin zum „Südstern“ reihen sich vier Friedhöfe aneinander. „Friedrichswerderscher-“ oder „Luisenstädtischer-“ Friedhof kann man da lesen. Wenn man vom Südstern heranspaziert, finden wir den „Dreifaltigkeitsfriedhof“ ganz „hinten links“. Der Zweite seines Namens, denn der „erste“ davon gehört ja zu den „Friedhöfen vor dem Halleschen Tor“. Für meine Reihe kurzer Betrachtungen bekannter, Berliner Gottesacker habe ich dann einfach mal hier mal vorbeigeschaut.

Was für ein schöner Tag ! In der Nacht zuvor hatte es ein wenig geschneit. Wie Puderzucker lag eine ganz dünne Schneeschicht über dem Gelände. Sanft knirschte es unter der Schuhsohle, wenn man die Wege zwischen den Grabstätten abschritt. Inzwischen war aber längst die Sonne herausgekommen und legte ihr „winterhartes“, tiefstehendes Licht über den Dreifaltigkeitsfriedhof, über pompöse Grabmale von Familien, die man heute kaum noch kennt und über kleine Familienbegräbnisse völlig Unbekannter.

Wie immer, wenn man auf einem Stadtspaziergang über Friedhöfe unterwegs ist, freut man sich über die relative Ruhe, die man hier vorfindet. Ein paar Vögelchen tschilpten jedoch auch schon in den Bäumen. Und das so früh im Jahr ! Die Natur hat offensichtlich ihre eigene Logik. Ich selbst würde, Mensch oder Nachfahre der Dinosaurier (ja, Vögelchen sind evolutionsgeschichtlich gesehen Nachfahren von Flugsauriern) natürlich einen Daueraufenthalt im Warmen bevorzugen.

Und die Friedhofsverwaltung macht es dem Spaziergänger diesmal ausnahmsweise einmal nicht so einfach, sich hier auf dem etwa 49.000 qm großen Friedhof zu orientieren. Findet man etwa auf den „Friedhöfen vor dem Halleschen Tor“ noch Übersichtstafeln an den Eingängen, die das Wegesystem abbilden, über die Geschichte der Anlage informieren und auf sowohl hübsch gestaltete, wie auch „prominente“ Grabstätten hinweisen, so fehlt hier all dies.  So dass der Besucher gezwungen ist, sich selbst zu orientieren. Was ja auch nichts Schlechtes sein muss. Vielleicht genießt man einen Besuch hier dadurch umso mehr.

Grabstätte Schleiermacher

Aber natürlich sind auch hier einige bekannte Namen zu finden. Ich beschränke mich auf die zwei für MICH interessantesten davon. Zunächst einmal ist auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof II natürlich einer der ehemaligen Pastoren der gleichnamigen Gemeinde beigesetzt. Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher. Die Plakette auf seinem Grabstein stammt von Christian Daniel Rauch. Schleiermacher war Theologe und Mitbegründer der „Friedrich-Wilhelms-Universität“ in Berlin (heute „Humboldt-Universität“). Er begegnete mir schon auf einer Plakette an seinem ehemaligen Pfarrhaus Glinka- Ecke Taubenstraße. Welches natürlich in der Berliner Friedrichstadt liegt, durch welche ich Jahr für Jahr immer mal gerne spaziere, aber das ist ein anderes Thema. Wer bei diesen Spaziergängen dann dabeisein möchte, nimmt bitte Kontakt zu mir auf oder wartet auf die Bekanntgabe entsprechender Termine auf der Facebook-Seite und hier im Blog auf der Termine-Seite. Zurück zu Schleiermacher: dieser Mann versuchte Forschung und Wissenschaft mit dem christlichen Glauben zu versöhnen und musste sich deshalb harsche Kritik von Theologen und Wissenschaftlern gefallen lassen. Der gebürtige Breslauer fand nun also hier 1834 seine letzte Ruhe. Besser ist das auch, denn  ein Grab in seiner Geburtsstadt wäre vielleicht, wie so viele andere Ruhestätten prominenter Preußen und anderer Deutscher, nach Kriegsende eingeebnet oder geschändet worden. Man denke an das Grab des Freiherrn von Seydlitz o. ä. Fälle.

Grabstätte von Menzel

Die zweite Grabstätte, der ein versierter „Stadtspaziergänger“ natürlich seine Reverenz erweisen sollte, ist die des Malers Adolph von Menzel. Diesem Vorbereiter der Moderne wollte ich hauptsächlich einen Besuch abstatten. Was gibt es nicht alles für herzallerliebste Anekdoten über diesen Mann zu erzählen. Jeder cityguide, der etwas auf sich hält, kennt ein paar davon. Mir gefällt diejenige am Besten, bei der er mit seiner Art einen hohen Militär, den Feldmarschall Wrangel, so sehr auf die Palme bringt, dass dieser ihn eine „eklige, kleine Kröte“ nennt. Auch seine Geduld mit „Modellen“, die von ihm porträtiert werden wollten, war gleich 0. Bei seiner Beisetzung hier folgte aber gar die kaiserliche Familie dem Sarg. So sehr schätzten sie die Wirkung seiner Gemälde. Die Büste auf seiner Grabanlage ist übrigens ein Werk von Reinhold Begas.

Das Schöne an den innerstädtischen Friedhöfen ist vor allem, dass sie zumeist verkehrsgünstig zu erreichen sind. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bussen und U-Bahnen erreicht man sie zumeist gut. Mit dem Fahrrad sowieso. Insofern steht meine Empfehlung, auch den „Dreifaltigkeitsfriedhof II“ und seinen Nachbarn den „Friedrichswerderschen“ Friedhof, zu dem ein Durchgang besteht, einmal zu besuchen. Und sei es nur, um im Schatten der Bäume ein wenig zu verschnaufen. Das leicht ansteigende Gelände, welches der Tatsache geschuldet ist, dass dort einst ein Weinberg angelegt worden war, lädt in jedem Falle dazu ein !

Zu erreichen über den U-Bahnhof „Südstern“ (Linie 7), dann in die Bergmannstraße weiterspazieren.

 

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Schloss Babelsberg – Sommersitz am Havelufer

Das Potsdamer Schloss Babelsberg, ebenso wie der dazugehörige Park, verdankt seine Existenz einer denkwürdigen Geschwister-Rivalität unter königlichen Prinzen. Und deren Frauen, natürlich. Zu simpel gedacht ? Dann lesen Sie weiter…

der Erstbesitzer von Schloss Babelsberg: Kaiser Wilhelm I.

Die „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin“ gehören zum UNESCO – Weltkulturerbe. Seit 1990 schon. Kein Wunder, denn wer einmal vom sog. „bowling green“ vor Schloss Babelsberg über die Havel geschaut hat, dem ist die Einzigartigkeit der Landschaft sicher nicht verborgen geblieben. Hier, am Havelufer mit seinen diversen Buchten und Seen, haben sich Prinzen und Mäzene im 19. Jahrhundert ihr „Arkadien“ bauen lassen. Später kamen die Berliner Sommer-Ausflügler dann hierher. Mit Ausflugsdampfern und als Sport-Ruderer. Heute zieht es Touristen, Tagesausflügler und Fotofreunde ans Havelufer, es kommen die Spaziergänger und Freunde von Geschichte und Kultur zu Besuch. Noch immer nicht ohne Grund.

Denn am Anfang vom neogotischen Traumschlösschen Babelsberg steht die einzigartige Rivalität zweier Prinzenbrüder. Die Söhne König Friedrich-Wilhelms III. entdeckten  zu Beginn des 19. Jahrhunderts das Havel – Idyll für sich. Einer nach dem anderen. Besonders pikant wird die Sache, wenn man weiß, dass sie mit Schwestern verheiratet waren. Also Brüder und „Schwager“ gleichzeitig waren. Wobei der ältere Prinz die jüngere Schwester heiraten „musste“, während der jüngere Prinz die ältere Schwester freiwillig ehelichte und sich nicht beschweren konnte.

Natürlich spreche ich von den Prinzen Wilhelm und Carl von Preußen sowie von Marie und Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach.  Der jüngere Prinz, Carl, wurde schon früh von seinen Erziehern für die Antike und deren Hinterlassenschaften begeistert, die er zeitlebens mit Akribie (und gerüchteweise nicht immer völlig legal) sammelte. Für die „Sommerfrische“ und zur Präsentation seiner Antikensammlung erwarb er jedenfalls 1824 das Gut Klein-Glienicke und ließ sich dessen Wohngebäude umbauen. Kein Wunder, dass dies seinen älteren Bruder Wilhelm auf den Plan rief. Wo gibts denn auch sowas, dass ein „kleiner Bruder“ sich ein Lusthaus am Wasser bauen lässt, während der „große Bruder“ noch nach einer passenden Immobilie sucht ?

Diese fand er dann scheinbar „ganz zufällig“ direkt gegenüber von Klein-Glienicke auf dem sog. „Babelsberg“. Und begann beim Papa so lange um Finanzen zu betteln, bis dieser ihm genehmigte, sich die Immobilie zu kaufen und dort einen Sommersitz zu bauen. Das war 1833. Ab jetzt beginnt die bunte Geschichte von Schloss Babelsberg. Ein Hohenzollernbau, dessen vielleicht interessanteste Eigenschaft es ist, aus unterschiedlichen Blickwinkeln immer komplett neue Anblicke zu bieten ! Die Geschichte des Baus können Sie natürlich über die Suchmaschine ihrer Wahl oder über die historische Enzyklopädie ihrer Präferenz bis ins Detail nachlesen. Ich persönlich möchte hier nur auf den Einfluss der „jüngeren“ der beiden Schwestern auf die Gestaltung Babelsbergs eingehen.

Kaiserin Augusta

Wilhelms Ehefrau, Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach, die sich für eine umfassend gebildete und in Sachen Geschmack und Stilsicherheit relevante Fachfrau hielt, trieb mit ihrer permanenten Einmischung diverse Baumeister Babelsbergs (darunter Größen wie Schinkel oder Persius) schier in den Wahnsinn. Ebenso wie den genialen Gartenarchitekten Peter-Joseph Lenné, den sie letztlich mal so „mir-nix-dir-nix“ gegen den ihr aus der sächsischen Heimat vertrauten Fürsten Herrmann von Pückler-Muskau austauschte. Nicht, dass Pückler hier in Babelsberg keine sichtbare Verschönerung und Abrundung der Parkanlagen vorgenommen hätte, denn das hat er. Die Art und Weise, wie er aber durch gnadenloses Schleimen bei Augusta und diversen „Hochwohlgeborenen“ an diesen Job gekommen war, lässt Menschen unserer Zeit aber doch leichte Ekelschauer über den Rücken laufen. Ein zwiespältiger „Held der Gartenkunst“.

Wie auch immer: das Ergebnis der Arbeiten diverser Genies, die es über sich brachten, immer wieder mit der anmaßenden Augusta aneinander zu geraten, kann heute wieder besichtigt werden. Wie schon angemerkt, schafft das Schlösschen Babelsberg aus diversen Blickwinkeln immer neue Eindrücke.
Die Parkanlagen wurden (inklusive der Wasser-Läufe) wieder im Pückler´schen Sinne hergestellt. Damit wurden die letzten Spuren von Kriegs- und vor allem Mauerzeiten beseitigt, während derer Babelsberg das Pech hatte, direkt an der Grenze nach „Westberlin“ gelegen zu sein. Damals zerstörten Gitterzäune, Patrouillenwege für Grenzsoldaten und Kasernengelände nicht nur den Babelsberger Park, sondern u. a. auch die Anlage vom Schlösschen Sacrow…eine lange Geschichte.

Anmerkung (Juni 2018):
DSCI4665_compressedDie Restaurierung von Schloss Babelsberg dauert an. Durchgehend besucht werden konnte es zuletzt im Jahre 2011. Ich selbst bin mit einem Freund damals im Rahmen einer Führung durch das Gebäude dabeigewesen. Seitdem haben die umfangreiche Fassadensanierung, die 2017 abgeschlossen wurde, und die Innen-Renovierung zur Schließung von Schloss Babelsberg geführt. Nur für gelegentliche Sonderveranstaltungen oder Sonder-Themen wie die „Pückler-Ausstellung“ 2017 wurde das Haus zeitweise wieder geöffnet. Ansonsten verläuft der Aufbau der Anlage wie in Berlin-Brandenburg üblich (Beispiel: BER) schleppend langsam. Im Jahre 2020 soll mit der Sanierung der Haustechnik begonnen werden, danach startet die Wiederherstellung der sog. „blauen Terrasse“, im Jahre 2022 soll dann mit der Restaurierung der Innenräume begonnen werden. Ende ? Offen…Puh.
(Quelle: http://www.maz-online.de/Lokales/Potsdam/Schloss-Babelsberg-Innensanierung-startet-2022)

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Wenn alle Quellen fließen…auch die künstlichen.

Der Park ist ebenso schrittweise wiederhergestellt worden. Im Jahre 2017 wurden vor allem die Wasserspiele im Bereich des pleasuregrounds wieder in Betrieb genommen. Sanftes Plätschern bei Sommerwetter, ich habs genossen, als ich letztlich wieder dort war. 🙂

 

Persönlichkeiten: Friedrich-Wilhelm, Freiherr von Seydlitz

Der lässigste der vier Generäle, deren Standbilder wir am Zietenplatz seit 2009 wieder „bewundern“ dürfen, ist vielleicht Friedrich-Wilhelm, Freiherr von Seydlitz. Schon zu Lebzeiten eine Art „wilder Reiter“ und beinahe schon so eine Art affektierter „Popstar“ unter den Kavallerie-Kommandeuren des „alten Fritzen“, hat sich der Bildhauer August Kiß bemüht, diesen Geist in der Statue einzufangen.

dsci0244_compressedSeydlitz, der „Held von Roßbach“, war selbst unter Seinesgleichen ein Unikum. Es sind zahlreiche Anekdoten von ihm überliefert, die sicherlich alle mehr oder minder auf Fakten beruhen. Zumindest mag ich das mal glauben. 🙂 Wer sich das Standbild vom Zietenplatz anschaut, sieht einen extrem entspannten Seydlitz, (würde man ihn nach heutigem slang „eine extrem coole Sau“ nennen ? Alle, die unter 35 sind, mögen mir diese Frage beantworten…) den linken Arm lässig auf die Hüfte gelegt, den Degen an derselben Seite gesichert und mit der Rechten zu Boden weisend. Was er uns damit sagen will ? Ich gestehe, da müsste selbst ich raten. „Asche zu Asche, Staub zu Staub“ ? Vielleicht nicht. Vielleicht deutet das eher die Verletzung an, die eine Kugel ihm bei der Schlacht von Kunersdorf 1759 beibrachte. Seine Rechte wurde dabei zerschmettert, Splitter seines Degenkorbes wurden in die Hand getrieben. Nie wieder sollte er die Hand danach wieder vollständig gebrauchen können.

Aber ich will mal nicht vorgreifen. Das „wilde Leben“ selbst eines bunten Hundes wie Seydlitz beginnt ja nicht mit Gefechten und Krieg. Sondern in seinem Falle in Kalkar am Niederrhein 1721. Als Seydlitz 7 Jahre alt ist, stirbt sein Vater und die Familie zieht vom Rhein nach Bad Freienwalde in Brandenburg um. Im Dienst als Page für den Markgrafen von Brandenburg/Schwedt entwickelt der Jugendliche Friedrich-Wilhelm sein Interesse an der Reiterei. Zu Pferde unterwegs zu sein, wird seine Leidenschaft. Aber in den fünf Jahren im Dienste Schwedts lernt Seydlitz auch Französisch und Latein, bekommt eine solide Bildung vermittelt. Zumindest im Vergleich mit vielen seiner späteren Offizierskameraden.

1740 wird Seydlitz ins Kürassier-Regiment des Markgrafen aufgenommen. So beginnt mit den Schlesischen Kriegen auch die Militär-Laufbahn des jungen Freiherrn. Schon bald zeichnet er sich durch besonderen Wagemut aus, der aber auch mit einer gewissen Kaltblütigkeit gepaart ist. Später wird man von Seydlitz sagen, dass er abwarten konnte, bis der optimale Moment zum Einsatz seiner Kavallerie gekommen war.

Als Kommandeur legte er besonderen Wert auf die reiterischen Fähigkeiten seiner Soldaten. Wenn die Zeit dafür war und es erforderlich wurde, bildete Seydlitz auch schon mal einzelne Reiter aus und verbesserte ihre Fähigkeiten. Ein für seine Zeiten ungewöhnlicher Einsatz eines Kommandeurs. Auch die zu dieser Zeit üblichen Prügelstrafen lehnte er ab, wollte stattdessen durch sein eigenes Vorbild zu einem einwandfreien Dienst motivieren.

reitergeneral_seydlitzAlle Geschichten aus den Schlesischen Kriegen nachzuerzählen, würde den Rahmen dieses Beitrages sprengen. Im dritten dieser Konflikte zeichnete sich Seydlitz durch besondere Initiative aus, die z. Bsp. den geschlagenen Truppen nach der Schlacht von Kolin 1757 einen geordneten Rückzug ermöglichte. Die Schlacht von Roßbach entschieden seine Reiter gar gleich selbst. Eine Beförderung zum Generalmajor war für einen erst 36-jährigen Oberst auch nicht „normal“, sondern ein Spiegelbild seiner Fähigkeiten. Aber Seydlitz kam auch mit „Frechheiten“ durch, für die andere ihren Hut hätten nehmen müssen.

Als Seydlitz etwa im Jahre 1758, vor dem Gefecht von Zorndorf, nach Ansicht des Königs die Reiterei zu langsam vorrücken ließ, schickte der Monarch diesem eine Botschaft, die ihm verhieß, sich nach der Schlacht vor Seiner Majestät verantworten zu müssen. Seydlitz ließ ihm daraufhin ausrichten:

Sagen Sie dem König, nach der Schlacht steht ihm mein Kopf zu Befehl, in der Schlacht aber möge er mir noch erlauben, daß ich davon für seinen Dienst guten Gebrauch mache.

Die Reiterei behielt ihr Tempo. König Friedrich aber ließ diese „freche“ Antwort seinem (außer Zieten) vielleicht besten Reitergeneral  durchgehen, da dessen Kavallerie auch bei Zorndorf wieder entscheidend ins Gefecht eingriff. „Typisch preußischer Kadavergehorsam“ ? Nee, der sieht anders aus. Interessant nur, dass ein König Friedrich wohl durchaus willkürlich mit Widerspruch umging, wenn man an die Anekdote mit Johann von der Marwitz zurückdenkt, aber auch dies ist eine ganz andere Geschichte.

Seydlitz schließlich wurde, wie schon erwähnt, bei Kunersdorf 1759 schwer verwundet. Seine rechte Hand von einer Kartätschenkugel zerschmettert. Wundstarrkrampf war die Folge, Fieber und ein vermutlicher Schlaganfall setzten Seydlitz außer Gefecht. Schon diverse Verletzungen, die er in den Jahren zuvor auf dem Schlachtfeld erlitten hatte, waren nur langsam verheilt. Sein Körper reagierte damit auf verschiedene Infektionen und vor allem die Syphilis, die er mit sich herumtrug.

Denn Seydlitz war unzweifelhaft auch das, was man heute neudeutsch einen „ladies man“ nennt. Ein „player“ und Frauenheld. Frauen schätzten offensichtlich seine frohgemute, unkomplizierte Art und er schätzte die Frauen. Scheinbar auch die im wahrsten Sinne des Wortes „versyphten“ unter ihnen. Wie dem auch sei, Seydlitz konnte erst 1761 wieder in den Dienst seines Königs treten und griff nicht mehr entscheidend in das Kriegsgeschehen der letzten Jahre des Dritten, Schlesischen Krieges ein.

Der Monarch vergaß seinen Vorzeige-Kavalleristen aber nicht. Nach dem Krieg ließ er ihn die größte Reiterei-Inspektion Preußens, die Schlesische, leiten. Die Ausbildung einer modernen Kavallerie war zu wichtig, um sie nachrangigen Leuten zu überlassen. 1767 wurde Seydlitz zum General der Kavallerie befördert. Am 08. November 1773 verstarb Friedrich-Wilhelm, Freiherr von Seydlitz, im schlesischen Ohlau.

Er wurde im Mausoleum neben seinem Herrensitz Seydlitzruh (Minkowsky Pałac), ehemals Kreis Namslau in Schlesien, beerdigt. Der Leichnam wurde 1945 beim Einmarsch der Roten Armee von russischen Soldaten geschändet und gilt seither als verschollen. Das Mausoleum wurde später von Polen abgerissen.
(wikipedia)

P.S.: Warum habe ich Seydlitz im Eingangstext als „affektiert“ bezeichnet ? Weil er die Marotte gepflegt haben soll, vor jeder Attacke seiner Truppe eine Tabakspfeife in die Luft zu werfen und wieder aufzufangen. Sinnvolles Signal zum Angriff oder Ausdruck von Nervosität ? Wer weiß das schon…. Auch die schon von Zeitgenossen kritisierte Angewohnheit von Seydlitz und seinen Reitern, besonders lange Steigbügel zu nutzen, in denen sie notfalls „stehen“ konnten, erinnert erst einmal an einen „Spleen“,  der möglicherweise (ich bin kein Reiter, insofern…) sogar Sinn machte.

Fotos:

  1. „Von unbekannt – Der neue Deutsche Jugendfreund, 1861, S. 528, PD-alt-100, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=8838540“, Abbild von Seydlitz,
  2. Sämtliche Fotos der Statue stammen von mir. Aus dem Jahr 2015. Eine Weiterverwendung ist NACH ABSPRACHE MIT MIR möglich. Ich bin großzügig mit der Freigabe, möchte aber wissen, WER meine Bilder WO einsetzt und behalte mir die Rechte bis zur ausdrücklichen Erteilung dieser Erlaubnis vor !

Quellen:

  1. „Preussenchronik.de“,
  2. „wikipedia“,
  3.  „Friedrich Syben: Preußische Anekdoten, Nachdruck im Arani-Verlag, Berlin, 2001“

Die anderen Teile der Serie „die vier Statuen vom Zietenplatz“:

  1. Teil 1: Jakob von Keith,
  2. Teil 2: Hans Carl von Winterfeldt,
  3. Teil 3: Kurt Christoph, Graf von Schwerin

Frohe Weihnachten 2016 !

Allen Freunden meiner kleinen Stadtspaziergänge, allen Teilnehmern, mit denen ich in den letzten Monaten unterwegs sein durfte, allen Lesern dieses Blogs, allen Kollegen, Verwandten und Bekannten wünsche ich hiermit von Herzen ein 

FROHES UND FRIEDLICHES WEIHNACHTSFEST 2016 !

weihnachten3Nutzt die Zeit, für etwas Einkehr statt Familienstress, Besinnung, statt hektischer Herumrennerei wie ein aufgeschrecktes Huhn.

Im kommenden Jahr 2017 werde ich wieder für Sie und hoffentlich auch mit Ihnen in Berlin und Brandenburg unterwegs sein. Erste Ideen dafür durchdenke ich derzeit und Sie werden zeitig über alles informiert werden, versprochen.

Bleiben Sie neugierig und gesund,

ihr

Clemens Kurz