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In eigener Sache: Veränderungen dank „Datenschutz“

Liebe Teilnehmer und Freunde meiner kleinen (kostenlosen bzw. von mir nicht mit eigenen Kosten belegten, darauf muss ich jetzt immer hinweisen !) Stadtspaziergänge und Ausflüge in unsere Region: 
Die EU hat uns ein „hübsches, neues Geschenk“ gemacht. Die DSGVO, eine Datenschutzverordnung, die ab 25. Mai 2018 in Kraft tritt. Was sich daraufhin hier im Blog ändern wird, liste ich in diesem Beitrag kurz auf. Denn obwohl ich KEIN kommerzielles Angebot selbst erstelle, nutze ich dennoch mit wordpress und einigen derer plugins Drittanbieter, die möglicherweise Daten von Nutzern dieses Blogs erfassen könnten. Insofern gilt jetzt:

  • Hier im Blog werden ab sofort KEINE neuen Fotos von noch lebenden, natürlichen Personen mehr erscheinen. Zumindest nicht mehr „ungefiltert“, wo dann die Person als Individuum erkennbar wäre. Die Einspruchs-, Widerspruchs- und sonstigen Rechte, die Abgelichtete jetzt haben, da Digitalfotos ja laut EU eine Art von „Datenerfassung“ seien, können zu absurden Einsprüchen der entsprechenden Personen und zu ebenso skurrilen Löschanordnungen von Gerichten führen. Ich bin eben kein von einem Massenmedium angestellter Profifotograf. Für die gelten Ausnahmen.
    Auf Rechtsstreitigkeiten dementsprechender Art habe ich keine Lust, ich habe kein Geld, sie zu führen und will auch keine Zeit und keine Nerven für solchen Blödsinn aufwenden. Kurz gesagt: alle Fotos, die ich selbst erstelle, mir von frei nutzbaren Quellen legal verschaffe etc. werden ab sofort keine Personen mehr abbilden, die noch leben, die als Individuen eindeutig kenntlich sind (ich denke über Ausnahmen für zeitgeschichtlich relevante Personen nach…), oder diese Abbildungen werden nur noch mich selbst zeigen. Da ich MEINE Zustimmung zur Erfassung, Bearbeitung und Publikation meines eigenen Abbildes grundsätzlich immer voraussetzen kann. 🙂
  • Ab sofort werden alle neuen Beiträge dieses Blogs nicht mehr DIREKT über wordpress oder über Anbieter wie „Disqus“ etc. kommentiert werden können ! Das tut mir sehr leid für Sie, liebe Leser, aber anders geht das nicht mehr. Da Sie beim Kommentieren zur Preisgabe von Namen und e-mail-Adresse aufgefordert werden, werden also persönliche Daten von Ihnen erfasst, was ich vermeiden will. Denn sonst können schlaue „Abmahnanwälte“ versuchen, mich mit Unterlassungserklärungen usw. in den Ruin zu treiben. Weil ich ein Privatmann und kein Unternehmer bin, würden sie direkt mein Privatvermögen angreifen.
    Kommentare können Sie in Zukunft nur noch (ANONYM, sorry, beschweren Sie sich bitte bei Ihrem Europa-Abgeordneten oder bei der Bundesregierung, ich bin dafür nicht verantwortlich !) per e-mail an: „ckstadtspaziergaenge@gmx.de“ abgeben. Bitte unter Angabe des Artikels, den Sie kommentieren mögen. Danke ! Oder kommentieren Sie doch bitte die geteilten Beiträge auf der Facebook-Seite „https://www.facebook.com/Stadtspaziergaenge weiterhin direkt.
    Ich muss um Ihr Verständnis bitten, dafür, dass ich bis auf weiteres so vorsichtig vorgehen muss. Sollte sich die Rechtspraxis in der Zukunft dazu durchringen, hier Änderungen herbeizuführen, zumindest für Privatleute, dann werde ich auch darauf zu reagieren wissen. Versprochen.
  • Hat sich Heinrich von Stephan, der Vorkämpfer für internationalen Postverkehr und damit Datenaustausch, das so vorgestellt ? Vermutlich nicht.  Ruhe er in Frieden. Übrigens auf einem der „Friedhöfe vor dem Halleschen Tore“ in Berlin.

In diesem Sinne verbleibe ich bis zur ersten Abmahnung, weil ich wieder irgendein Detail übersehen habe, und dann meinen Blog dichtmachen muss:

Ihr

Clemens Kurz

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Haus der Tragödien: das ehemalige Reichsluftfahrtministerium

Es gibt kaum ein Haus in ganz Deutschland, welches so viele Geschichten, meist Tragödien oder bizarre Satyrspiele, gesehen hat, wie das heutige „Detlev-Rohwedder-Haus“ in der Berliner Friedrichstadt. Große und kleine Dramen umwehen das Gebäude wie die Abgase der vorbeifahrenden Kraftfahrzeuge. Ein Ort der Geschichte, wie es keinen zweiten gibt. Schauen wir mal ein bischen „hinter die Fassade“…

Es sei gleich für Sie vorweggenommen, liebe Leserinnen und Leser: das ehemalige „Reichsluftfahrtministerium“ an der Berliner Wilhelmstraße ist ein Haus, von dem man so viele Geschichten erzählen könnte, dass sie nicht alle in diesen kurzen Blogartikel hineinpassen werden. Ich erhebe deshalb keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, was die „timeline“ dieses Gebäudes angeht. Dennoch können wir rote Fäden ziehen, die erstaunlicherweise Parallelen über Jahrzehnte hinweg aufweisen. Schaun wir mal…

Das Reichsluftfahrtministerium, welches sich Hitlers enger Mitstreiter Hermann Göring hier 1935/36 nach Plänen des Architekten Ernst Sagebiel erbauen ließ, gilt als der erste, größere Regierungsbau der NS-Zeit. An prominenter Stelle im „Regierungsviertel“ erbaut (Vorgängerbau war das ehemalige, preußische Kriegsministerium), sollte dieser Monumentalbau mit Muschelkalksteinfassade das Machtbewusstsein des NS-Regimes überdeutlich demonstrieren. In ca. 2.000 nutzbaren Büroräumen, die durch über 7 km Gänge miteinander verbunden waren, sollte die Aufrüstung der deutschen Luftwaffe geplant und umgesetzt werden. Damit gilt der Bau für seine Zeit als das größte Bürogebäude Berlins, vermutlich sogar ganz Deutschlands (meine Quellen sind sich darüber uneins…).

Erstaunlicherweise hatte Göring selbst im Gebäude keinen Arbeitsraum. Man vermutet, weil er es mit dem akribischen „Aktenwälzen“ ohnehin nicht so hatte. Das überließ er eher Leuten wie dem „Generalluftzeugmeister“ Ernst Udet, einem alten Kameraden aus dem Ersten Weltkrieg. Der aber, als er übersah, dass die Ressourcen Nazi-Deutschlands nicht ausreichen würden und der Krieg niemals mehr zu gewinnen war, Selbstmord verübte. Das war bereits im November 1941. Andere Quellen sagen, ihm wäre die Niederlage in der Luftschlacht um England angelastet worden. Wie auch immer: sein Sarg wurde im Reichsluftfahrtministerium, seinem Arbeitsplatz, präsentiert und ihm wurde ein Staatsbegräbnis zuteil.

Von seinem Büro im Hause betrieb Oberleutnant Harro Schulze-Boysen Spionage für die Sowjetunion. So gab er u. a. den Angriffszeitpunkt der Wehrmacht auf die Sowjetunion an sowjetische Agenten weiter, aber Stalin glaubte ihm noch nicht. Später jedoch wurde wieder Kontakt zu ihm gesucht und diverse vertrauliche Dokumente fanden so ihren Weg nach Moskau. Am 31. August 1942 wurde er hier im Hause verhaftet und später als Verräter in Plötzensee hingerichtet. Die Kreise der Widerständler, zu denen er Kontakt hatte, nannte und nennt man noch heute „Rote Kapelle“, da sie ausschließlich dem Stalin-Regime Informationen zukommen ließen.

Übrigens sollen sich hier im und am Gebäude am 01. Mai 1945 die letzten Einheiten der Waffen-SS in Berlin ergeben haben. Die wenigen, verbliebenen Angehörigen der 11. SS-Panzergrenadierdivision „Nordland“ darunter eine Handvoll Angehörige des Regiments „Charlemagne“, welches komplett aus Franzosen bestanden hatte, sollen laut einigen Quellen hier, in unmittelbarer Nähe zu Hitlers Reichskanzlei, die Kämpfe eingestellt haben. Dass andere Quellen besagen, vor allem die Franzosen hätten sich „in Luft aufgelöst“ und spurlos verkrümelt, sei hier nur am Rande erwähnt. Wir sehen dennoch: Die Tragödie des Krieges fand auch hier einen ihrer Abschlüsse.

Während des Zweiten Weltkrieges erlitt das gewaltige Gebäude, welches noch im Kriegsverlauf Schutzbunker, eine eigenständige Wasserversorgung und Notstromaggregate erhielt,  erstaunlich wenige Schäden. Luftbilder aus dem Nachkriegsberlin zeigen einige Fassadenschäden und Löcher im Dach, aber darüber hinaus war das nunmehrige „Ex-„Luftfahrministerium weitgehend benutzbar geblieben. Kein Wunder, dass hier zunächst die sowjetische Militäradministration SMAD und später diverse Ministerien und Staatsspitzen der DDR einzogen. Die Staatsgründung der DDR wurde sogar hier im großen Konferenzsaal am 07. Oktober 1949 gefeiert ! Die Tragödie der Diktaturen hatte nur die Farbe gewechselt, ging aber eigentlich nahtlos weiter. So wie auch das Relief an der Nordfassade des Gebäudes (von Arnold Waldschmidt 1937-41 gefertigt), welches martialische Soldatengestalten zeigte, ab 1950 (-1953) durch eine „heile, sozialistische Welt“ aus Meißner Porzellanfliesen ersetzt wurden, die bis heute dort ein Wandgemälde Arnold Lingners abbilden. Jedes Regime wollte sich hier scheinbar verewigen.

Am 17. Juni 1953 ging es hier aber hoch her, als das nunmehrige „Haus der Ministerien“ der DDR von wütenden Arbeitern bestürmt wurde. Der „Arbeiter- und Bauernstaat“ DDR hatte es in weniger als vier Jahren geschafft, schon mal die Arbeiter gegen sich aufzubringen. Durch Mangelwirtschaft und praktisch unerfüllbare Arbeitsnormen u. a. Augenzeugen wollen an diesem Tag gesehen haben, dass bis in den dritten Stock des Gebäudes hoch Fenster von den Demonstranten mit Steinwüfen „entglast“ wurden. Im Hause selbst ging den Sozialistischen Bürokraten zum ersten und bis 1989 auch zum letzten Male der Arsch auf Grundeis. Einige Mitarbeiter diverser Ministerien sollen bereits die Stürmung des Gebäudes gefürchtet und präventiv ihre Namensschilder von den Türen abgenommen haben. Wir wissen, wie es ausging: die T-34-Panzer der Roten Armee walzten den Unmut platt, der „brain-drain“ aus der DDR begann. Die Mauer sollte diesen stoppen. Deutsche Geschichte halt. Immerhin findet sich seit 2000 eine Foto-Installation, die an diesen 17. Juni 1953 gemahnt und aus der Werkstatt des Künstlers Wolfgang Rüppel stammt, vor der Nordfront des Gebäudes.

Von diesem Haus aus belog übrigens auch der SED-Chef Walther Ulbricht die Weltöffentlichkeit, als er drei Wochen vor Beginn des Mauerbaus 1961 auf einer Pressekonferenz aus dem Konferenzsaal dieses Gebäudes der Welt die bekannten Worte verkündete:

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.

Wir wissen, es kam anders. Der Mauerbau war lange geplant. Die „Abstimmung“ der DDR-Bürger „mit den Füßen“ schien anders nicht mehr zu stoppen.
Das „Haus der Ministerien“ (welches übrigens einen eigenen Friseur, einen „Konsum“ – Laden und sonstige Einrichtungen der Infrastruktur besaß) befand sich in unmittelbarer Nähe zur Berliner Mauer, so dass es nicht überraschend ist, dass der Ökonom Heinz Holzapfel am 25. Juli 1965 von hier aus eine Flucht „in den Westen“ startete. Mitsamt seiner Familie, die sich vor Schließung des Gebäudes in einer Toilette versteckt, schafft er es, über ein Stahlseil, das sie mit Hilfe einer Winde hinabfahren, auf die Westberliner Seite zu gelangen. Helfer auf der anderen Seite hatten das Seil fixiert. Das Drama wird besonders spannend, wenn man sich vor Augen führt, dass auf dem Dach des Gebäudes stationierte Wachsoldaten der Roten Armee die Abseilaktion zwar registrieren, sie aber für einen Infiltrationsversuch durch DDR-Agenten in Richtung Westberlin halten und achselzuckend weggucken.

1965 ereignet sich noch ein weiteres Drama. Der Vorsitzende der DDR Plankommission Erich Apel erschießt sich im Dezember in seinem Büro im Haus der Ministerien. Nur wenige Stunden vor der Unterschrift von Knebelverträgen für die DDR-Wirtschaft zu Gunsten der Sowjetunion. Als Vertreter einer größeren Unabhängigkeit der DDR-Industrie vom Ostblock und einer Orientierung von Exporten an Weltmarktpreisen sah er den Untergang der DDR voraus, wenn man auf unabsehbare Zeit speziell Produkte der Schwerindustrie wie Eisenbahnwaggons oder Stahlprodukte zu niedrigen Phantasiepreisen an die Sowjetunion liefern musste. Nur wenige Stunden vor Unterschrift der entsprechenden Verträge mit den Nachfolgern Chrustschows in Moskau, am 03. Dezember 1965, findet man die Leiche Apels hier in seinem Arbeitszimmer. Er hatte die heillose Verstrickung der DDR-Wirtschaft vollkommen erkannt und sah keine Hoffnung mehr für das System.

Die Wendezeiten 1989/90 überstand man hier relativ ruhig. Auch in den Büros der Ministerien hatte sich die Erkenntnis nicht mehr völlig verleugnen lassen, dass die DDR am Ende war. Dennoch trafen die ersten Entlassungen von Ministerial-Bürokraten auch hier viele wie ein Hammer vor die Stirn. Von 1990 – 1994 wurde das Gebäude dann von der „Treuhandanstalt“ genutzt. Einer Einrichtung, die die diversen Betriebe der DDR privatisieren sollte. Zu dieser Zeit kommt es wieder zu Demonstrationen von (oftmals bereits entlassenen) Arbeitern vor dem Haus. Die z. T. umstrittenen Privatisierungsmaßnahmen der Treuhand kosten sehr viele Arbeitsplätze. Arbeitslosigkeit ist ein Zustand, den ehemalige DDR-Bürger nur schwer verdauen können. Arbeitsplatzsicherheit war eines der Hilfsmittel, mit denen die DDR viele, relativ „unpolitische“ Bürger lange bei der Stange hielt (ich weiß, wovon ich schreibe, meine „DDR“-Verwandtschaft hat mir dankenswerterweise viele, viele Einblicke in die Innere Befindlichkeit des DDR-Bürgers vermittelt, nochmal Danke dafür, ihr Lieben !). Diesmal wurden aber keine Steine geworfen, nur das Haus mit Trauermelodien beschallt.

Comedian Helge Schneider as Adolf Hitler at the set of his movie „Mein Fuehrer – Die wirklich wahrste Wahrheit ueber Adolf Hitler“ at the ministry of finance,
Berlin, Germany – 05.03.06,
Credit: Stefan Trautmann / WENN

Zu dieser Zeit (1993) wurde auch der Beschluss gefasst, das „Detlev-Rohwedder-Haus“, wie es seit 1992 heißt, endgültig abzureißen. Eine Bund/Land-Berlin Kommission hatte sich darauf geeinigt. Wir wissen ja, dass es mit dem Denkmalschutz in Berlin generell nicht weit her ist und so wurde auch hier darauf gepfiffen, dass dieses Haus komplett unter Denkmalschutz steht. Immerhin regte sich dann doch noch genügend Widerstand, so dass 1994 beschlossen wurde, doch nicht abzureißen. Andere, deutlich weniger politisch belastete Gebäude in der Stadt hatten nicht so viel Glück, wie wir wissen. Ab 1996 wurde mit der Restaurierung vor allem der Innenräume begonnen. 1999 zog hier das Bundesministerium der Finanzen ein. Der Bundesrechnungshof hat hier ebenso noch Räumlichkeiten in Nutzung.  Das nunmehrige Bundesfinanzministerium dient von Zeit zu Zeit auch als Filmkulisse. Die Posse „mein Führer“ von Regisseur Dany Levy, mit Helge Schneider in der Hauptrolle, nutzte den Ehrenhof des Ministeriums 2006 als Drehort. NS-Architektur in Reinkultur findet sich ja auch nicht mehr überall. Authentischer gehts nimmer.

Fazit:
Dramen, Politik, Bomben, Steinewürfe, Spionage, Mauerflucht, Bunker, Selbstmorde, Bürokraten, Hermann Göring, Walther Ulbricht, Helge Schneider…kaum etwas, das dieses Haus seit 1936 nicht gesehen hat. Und man sieht es ihm von außen kaum an. Immerhin wurde hier von der Bundesregierung beim Umzug nach Berlin mal „Gebäude-Recycling“ betrieben. Etwas, dass z. Bsp. das Bundesinnenministerium, welches den „Deutsche Bank Komplex“, der ebenfalls in der Friedrichstadt liegt, hätte nutzen können, auch hätte tun können, aber stattdessen lieber einen teuren Neubau präferierte. Sind ja nur unsere Steuergelder…
Allein aus diesem Grund, weil Neubauten vermutlich mehr Gelder verschlungen hätten, als die Restaurierung von 1996 – 2000 habe ich meinen Frieden mit der jetzigen Nachnutzung des „Reichsluftfahrtministeriums“ oder „Hauses der Ministerien“ gemacht. Lieber eine rationale Entscheidung für einen schwierigen Bau, als eine „ratzeputz-weg“-Entscheidung, die uns Nachgeborenen keine Gelegenheit gibt, Geschichte „hautnah“ und „zum Anfassen“ zu erleben.

Quellen:

Bild:

  • ich, 2015, 2016
  • Anmerkung in der Bildunterschrift

Text, Video:

  • wikipedia,
  • ARD-Dokumentation: „Geheimnisvolle Orte – Görings Ministerium“, ARD 2016,
  • Publikation des Bundesfinanzministeriums: „das Detlev-Rohwedder-Haus, Spiegel der deutschen Geschichte“, 2015, PDF

 

Werbung in eigener Sache: wer kommt mit nach Seelow ?

Liebe Freunde der Ausflüge und Spaziergänge in Berlin und Brandenburg: für das nächste Frühjahr plane ich einen sehr spannenden Ausflug nach Brandenburg. Dafür recherchiere ich seit Wochen intensiv und freue mich dementsprechend schon jetzt. Natürlich freue ich mich ebenso über interessierte Begleitung! Damit Sie in Ruhe planen können gebe ich schon jetzt den ungefähren Zeitraum bekannt und versuche, ihr Interesse zu wecken:

Brandenburg ist reich an Ausflugszielen, die viele Epochen der Geschichte für uns anschaulich machen. Dazu gehören sowohl die eher positiv konnotierten Museen, Schlösser und historischen Altstädte, als auch die mit traurigen Erinnerungen beladenen Orte. Dennoch können wir, der historischen Ehrlichkeit zuliebe, nicht auf letztere verzichten. Ein solcher, „schwieriger“ Ort ist die „Gedenkstätte Seelower Höhen“ im gleichnamigen Orte Seelow am Oderbruch. Hier lag das größte, zusammenhängende Schlachtfeld des Zweiten Weltkrieges auf deutschem Boden.

Dort begann außerdem im April 1945 die finale Offensive der Roten Armee, um Berlin zu erobern und damit letztlich den Zweiten Weltkrieg auf dem Europäischen Schauplatz zu beenden.  In Erinnerung an diesen Durchbruch bei Seelow ließ Marschall Schukow hier eine Gedenkstätte errichten, die im November 1945 eingeweiht wurde. 1972 erweiterte die DDR diesen Ort um ein Museum, das neben einem Soldatenfriedhof und der bekannten Monumentalplastik von Lew Kerbel das heutige Ensemble bildet.

Ein Besuch hier lädt zur Erinnerung an die Leiden aller am Krieg beteiligten Parteien, an die Opfer der Soldaten und die Brutalität des Krieges im Zeitalter der Massenproduktion ein. Wir werden uns die Gedenkstätte anschauen (Eintritt: 4 Euro, Stand: Dezember 2017), ordentlich Fotos machen (Fotoerlaubnis für private Zwecke frei ! Stand: Dezember 2017) und uns des Verlaufes der Schlacht erinnern.

Anreise per Bahn vorgesehen. Die Kosten dafür, ebenso wie für die Eintrittsgelder, trägt jeder Mitreisende selbst. Hoffen wir auf schönes Wetter, damit die Fotos dementsprechend werden !

DER GENAUE TERMIN WIRD KURZFRISTIG AUF DER „TERMINE-SEITE“ BEKANNTGEGEBEN WERDEN. ER WIRD VORAUSSICHTLICH IN DEN ERSTEN ZWEI WOCHEN DES APRIL 2018 LIEGEN !

(Bildrechte:

 

das lange Ringen um Pommern, Teil 3

Der Welten Eitelkeit…ist vergänglich. Auch die, die um den Besitz Vor- und Hinterpommerns gerungen haben, leben nicht mehr und können einem „lachenden Dritten“ heute dabei zusehen, wie er aus den Küstenorten touristischen Vorteil zieht. Schweden und „Preußen“ sind es nicht mehr, die heute den Euro mit bezahlbarem Kurzurlaub in Kolberg machen…

Wo war ich stehengeblieben ? Ach, ja, im zweiten Teil habe ich vom herzhaften und letztlich größtenteil vergeblichen Ringen des „Großen Kurfürsten“ Friedrich-Wilhelm von Brandenburg-Preußen berichtet, dem sein höchstes Ziel, die Gewinnung der Odermündung mit Stettin als Basis für den Aufstieg Brandenburgs zur Seemacht verwehrt blieb. Der Traum von „Kolonien und Flotten“ Friedrich-Wilhelms blieb lange Zeit ungeträumt. Bis ein anderer, der „letzte“ Wilhelm ihn überstürzt nachholen wollte. Eine ganz andere Geschichte auch dies.

Pommern hingegen blieb erst einmal geteilt, nachdem sich der Große Kurfürst zu seinen Ahnen begeben hatte (1688). Die Schweden behielten „Schwedisch Pommern“ inklusive Stettin, Stralsund und Rügen erst einmal unter Kontrolle. Aber es gab ja so etwas wie den „Nordischen Krieg“. Was soll man darüber groß erzählen ? Drei „Weltmächte“ stritten über die Dominanz im Ostsee-Raum. Schweden, Polen und Russland. Als es so aussah, als ob mit Karl, dem 12. , Schweden einen echten Haudrauf und tatendurstigen „Macher“ auf dem Thron hätte, sahen sich die anderen Ostsee-Anrainer offensichtlich dazu genötigt, diesem „Kraftburschen“ und „Urvieh“ Einhalt zu gebieten.

Das war so etwa Anfang des 18. Jahrhunderts. Und da sich Brandenburg mal wieder auf die richtige Seite geschlagen hatte, bekam der preußische König, es war nun bereits der „Soldatenkönig“ mit dem gleichen Namen wie der von mir schon erwähnte „bronzene Reiter“ auf dem Sockel vor Schloss Charlottenburg ein wenig „Beute“ ab. Interessantes Detail aus diesem Kontext: weil Preußen sich schwedisch- (Vor-) Pommern davon erhoffte, hatte es ein Bündnis mit Russland im Sinne. Dafür lud man den Zaren, es war noch Peter der Große, nach Berlin ein (. Man quartierte ihn und seine Entourage im heute nicht mehr existierenden Schloss Monbijou ein, welches er nach seiner Abreise in einem Zustand hinterließ, der jeglicher Beschreibung spottete. „Verwüstung“ halt.

Aber zurück zum „Frieden von Stockholm“, bei dem 1720 der Soldatenkönig Friedrich-Wilhelm (hatte ich nicht vor der notorischen Phantasielosigkeit der Hohenzollern bei der Namensgebung ihrer Thronfolger gewarnt ?) das südliche Vorpommern zugesprochen erhielt. Südlich der Peene wurde alles preußisch. Gut, denn aus dieser Region stammen auch einige Felderren wie der von Friedrich dem Großen „verschlissene“ Kurt-Christoph von Schwerin. Aber auch das ist eine andere Geschichte, die ich bereits erzählt habe. Endlich hatte Preußen, hatten die Hohenzollern „ihr“ Stettin und die Odermündung unter Kontrolle. Dass der sparsame und an überseeischen Abenteuern im Gegensatz zu seinem gleichnamigen Opa nicht interessierte Soldatenkönig dies nicht für ein Flottenprogramm und verspätete Kolonial-Interessen nutzen wollte, ehrt den in der Geschichtsschreibung meist ziemlich schlecht wegkommenden Monarchen sehr.

Aber immerhin behielten die Schweden Stralsund und die Insel Rügen. Das sollte sich im Siebenjährigen Krieg (1756 – 1763) noch übel auswirken, da die von Frankreich bezahlten Schweden darüber ein Einfalltor nach Brandenburg hatten und dies zu Raubzügen bis tief in die Kurmark ausnutzten. Als hätten sie aus der Schlacht von Fehrbellin nichts gelernt. Und das, obwohl ihre Königin die Schwester Friedrichs des Großen, Ulrike, war. Aber die von Frankreich bezahlten „Granden“ Schwedens wollten es anders. Was zu einer weiteren, interessanten Anekdote führte, denn ein in schwedischen Diensten stehender, junger Kavallerie-Leutnant geriet bei einem besondern mutigen Vorstoß in preußische Gefangenschaft. Es war ein für Schweden fechtender Mecklenburger namens Gebhard Leberecht von Blücher. Richtig, der spätere „Fürst von Wahlstatt“ und Franzosenprügler begann als „Schwede“ seine Militärlaufbahn. Aber die Preußen hatten schon immer ein gutes Auge für militärische Talente und warben den „Gefangenen“ einfach ab. Nun, der „Marschall Vorwärts“ wird diese Entscheidung nie bereut haben, denn er konnte sich auf seine alten Tage ein hübsches Stadtpalais direkt neben dem Brandenburger Tor leisten. Ja, auf dem Grundstück, wo wir heute die US-Botschaft anfinden.

Also, noch war Pommern nicht in dem Zustand, in dem es seit 1637 hätte sein sollen. Ganz Pommern ? Nein, ein paar vorlaute Schweden…Na, ja Asterix passt hier doch nicht.
Mache ich es mal kurz, wie es meinem Nachnamen geziemt:  beim „Aufräumen“ nach dem Napoleonischen Wirbelsturm über Europa, auf dem „Wiener Kongress“ erhielt Preußen EEEEENNNNNNNNNNNDLICH auch das restliche Vorpommern zugesprochen. Schweden hatte somit kein Standbein mehr auf deutschem Boden. Ein weiterer Friedrich-Wilhelm hielt einfach nur die Hand auf, sagte brav „dankeschön“ und war nun auch Herzog aller Pommern. Es war der etwas dröselige und immer von allen Historikern als „spröde“ abgekanzelte Friedrich-Wilhelm, der Dritte. Ja, liebe Leser, der mit der hübschen Königin Luise und den vielen Kindern. Sie selbst erlebte die „Heimkehr“ Pommerns allerdings nicht mehr, da sie fünf Jahre vorher verstorben war.

Was haben die Pommern wohl empfunden, als sie „alle“ preußisch wurden ? Mit welchem Dialekt sprach man wohl in Kolberg oder Falkenburg ? War Hinterpommern immer schon „das Armenhaus an der Ostsee“, wie mein Cousin es einmal genannt hat, nachdem er unsere gemeinsame „Wurzel“ dort besucht hatte ? Ich weiß es nicht, bekomme aber gerade Lust, nach Stettin zu fahren und an derHakenterrasse spazierenzugehen. WER KOMMT MIT ????? 🙂

Ihr

Clemens Kurz

das lange Ringen um Pommern, Teil 2

Im ersten Teil dieser Reihe habe ich Ihnen, liebe Leser, ja bereits meine persönlichen Motive dargelegt, die mich mit diesem Thema verbinden. Die Dynamik, die einstmals zwischen den „Greifenherzögen“ von Pommern und den Brandenburger Kurfürsten herrschte, ist mittelalterliche Geschichte. Lange vorüber und dennoch interessant. All ihre Mühen waren letztlich vergebens, denn Pommern gehört jetzt zu Polen. Und dennoch…

Wo waren wir stehengeblieben ? Hm…ah, ja. Die Greifen werden unabhängig von Brandenburg, erkennen aber die Hohenzollern als „Erben“ ihres Herzogtums an, falls sie jemals ohne Nachfolger bleiben sollten. Soweit, so nichtssagend. Jetzt komme ich ein wenig mit „Zahlen“, aber nur wenigen Eckjahren, die das kommende Drama umreißen sollen.

Wir schreiben das Jahr…

  • 1637; Die Szenerie ist folgende: Es herrscht noch immer der Dreißigjährige Krieg. Diverse, europäische „Supermächte“ fechten um ihre Interesse. Bevorzugt auf deutschem Boden, natürlich. Die Schweden haben Pommern besetzt. Sie nutzen es als Ausgangsbasis für ihre Eroberungszüge durch Deutschland. Brandenburg ist Objekt, nicht Subjekt in diesem Konflikt. Es hat kaum ein Militär, muss sich mal dem Kaiser in Wien, mal dessen Feinden aus Schwedenland an den Hals werfen. Sein Kurfürst Georg Wilhelm mehr Opfer als Täter im Krieg.
    PLÖTZLICH STIRBT MIT Bogislav, dem vierzehnten, TATSÄCHLICH DER LETZTE POMMERSCHE GREIFE! Ohne Bluterben!
    Theoretisch gehört dessen Herzogtum nun den brandenburger Hohenzollern…
  • 1640; Auftritt des „bronzenen Reiters“ vom Charlottenburger Schlosshof (oder dem Foyer des Bodemuseums): Friedrich-Wilhelm wird Kurfürst von Brandenburg. Ich nenne ihn den eigentlich „Ringer“ um Pommern. Ein tragischer Held, der nicht gar so heroisch daherkam, wie es sein Reiterstandbild (das sein Sohn anfertigen ließ, ein dankbarer Sohn!) uns überliefern soll. Friedrich-Wilhelm (, der den ab jetzt bei der Namensgebung notorisch unkreativen Hohenzollern die Vorlage für unzählige, spätere „Wilhelms“ und „Friedrichs“ liefert) will Pommern beanspruchen.
  • 1648; der „Westfälische Frieden“ von Münster und Osnabrück regelt die Dinge zum Abschluss des Dreißigjährigen Krieges. Brandenburg wird dabei nur Hinterpommern zugesprochen. Doch ganz Pommern ist noch von den Schweden besetzt. Trotz Unterzeichnung der Verträge denken sie nicht im Traum daran, auch nur einen Quadratzentimeter Pommern herzugeben. Erst 1653 kann Friedrich-Wilhelm Hinterpommern in Besitz nehmen.

Ab jetzt wirds es wieder unübersichtlich. Sagen wir mal, dass Friedrich-Wilhelm, der „Ringer“ um Pommern, seinen Traum, das gesamte Erbe der „Greifen“-Dynastie anzutreten, nie aufgab. In diversen Koalitionen verbündet er sich mit jedermann, um die Schweden loszuwerden.

  • 1660; im Frieden von „Oliva“ (nahe Danzig) muss Brandenburg das zuvor besetzte Vorpommern wieder räumen. Einziger Vorteil dieses Vertragswerkes: Die Hohenzollern bekommen endgültig die Souveränität über Ostpreußen. Friedrich-Wilhelms Sohn wird sich dies später freudestrahlend zu Nutze machen, aber das ist eine ganz andere Geschichte.
  • 1679; Brandenburg muss Vorpommern ein zweites Mal an Schweden herausgeben. Nachdem es die Nordmänner in Scharen bis nach Stralsund und Rügen getrieben hatte. Im „Frieden von St. Germain“ aber, werden die Ansprüche Friedrich-Wilhelms, die er nach 1637 von seinem Vater geerbt hatte, erneut mit Füßen getreten. Er soll daraufhin einen seiner berüchtigten Tobsuchtsanfälle bekommen haben. Die alte Hohenzollernkrankheit. Noch sein Enkel, der „Soldatenkönig“ wird für solche Ausraster berüchtigt werden.
der pommersche Greif

Ähnlich wie bei den durch ein ähnliches Vertragswerk geregelten Erbstücken der schlesischen Herzöge von Liegnitz, gelingt es dem „Großen Kurfürsten“ Friedrich – Wilhelm auch in Pommern nicht, seine Ansprüche geltend zu machen. Im Falle Schlesiens wird das langfristige Folgen haben. Sein Urenkel wird ein gutes Gedächtnis beweisen und sich der Hohenzollern-Ansprüche erinnern. Im Falle Pommerns hat Friedrich-Wilhelm immerhin ein Stückchen, das weniger wichtige (weil ohne Stralsund, Rügen, Stettin und die Odermündung !!!) vom Kuchen bekommen.

Das Ringen um Pommern ist aber noch nicht vorbei, im Gegensatz zu diesem Beitrag.

Fortsetzung folgt, versprochen. In Teil drei werden wir u. a. sehen, wie einer, der gar nicht mehr um Pommern ringt, schließlich das ganze, alte Herzogtum der „Greifenherzöge“ regieren wird. …

Ihr

Clemens Kurz

P.S.: „Vor-“ und „Hinterpommern“. Was ist das ? Ich vereinfache mal gaaaaaaaaanz stark: Vorpommern liegt und lag VOR der Odermündung, also westlich davon. Der Rest, östlich davon, ist Hinterpommern. Ja, Sie erinnern sich richtig, das ist da, wo meine Mutter selig herkam.

machen Sie ihr Spandauer „Altstadt Diplom“

Ein gemütlicher Altstadt-Spaziergang durch Spandau wird noch lustiger, wenn man seinem Stadtführer auch tatsächlich ein wenig zuhört. Die lustigsten, aufregendsten oder interessantesten Geschichten und Fakten prägen sich ein, bleiben im Gedächtnis haften. Als immaterielle Erinnerungen an eine hoffentlich gute Zeit, die man im Havelbezirk verbrachte. Diesen Gedanken kann man auch „weiterspinnen“.

an der Sternbergpromenade

Ihnen, lieber Leserinnen und Leser, kann ich es ja gestehen: meiner Erfahrung nach genießen Teilnehmer meiner „Clemens Kurz Stadtspaziergänge“ am Ende eines Rundgangs, einer „Dampferfahrt“ oder einer kleinen Radelei gerne einen kurzen Überblick über das Erlebte. Mehr als einmal wurde ich um eine kurze Zusammenfassung, ein „Fazit“ der Tour gebeten und bin mit meinen Gästen unsere Zeit noch einmal gemeinsam durchgegangen. Aus dieser Erfahrung heraus, wuchs der Gedanke, die Teilnehmer doch in dieses „Resumé“ ihrer Tour miteinzubeziehen. Wer erinnert sich woran ? Was haben wir gesehen ?

Eine, wie ich finde, spaßige Art und Weise, diesen Gedanken weiterzuführen, werde ich bald am Beispiel meines beliebten „Altstadt Spandau Rundganges“ einmal umsetzen. Alle Teilnehmer bekommen die Möglichkeit, ein kleines „Spandauer Altstadt Diplom“ zu erhalten, wenn sie im „Abschlussgespräch“ noch einige der Informationen parat haben, die ich ihnen in den vorhergehenden 1-2 Stunden geliefert habe. Jetzt liegt es also an mir, den Besuchern der Altstadt die spannendsten Geschichten und die wichtigsten Fakten so zu vermitteln, dass sie auch hängenbleiben.

Nein, keine Angst, das wird keine „Lehrveranstaltung“ für intellektuelle Hochflieger, sondern bleibt, wie immer bei den „Clemens Kurz Stadtspaziergängen“ eine kurzweilige, abwechslungsreiche Angelegenheit ohne Katheder-Vorträge. Die Spandauer Altstadt, etwas „abgelegen“ von der Berliner „City“, ist ja immer einen Rundgang wert. Davon möchte ich auch Sie gerne überzeugen ! 🙂 Machen Sie Ihr Diplom !

Also, das erste Experiment „Spandauer Altstadt Diplom“ wird am

  • Mittwoch, den 19. Juli 2017,
  • Treffpunkt: vor dem Haupteingang des Rathauses Spandau, Carl-Schurz-Straße 2/6, 13597 Berlin,
  • Zeit: 11 Uhr – 13 Uhr

gestartet. Ich freue mich auf SIE ! 🙂

Ihr

Clemens Kurz

P.S.: Beim ersten Mal wird die Teilnahme noch kostenfrei sein. Zukünftig wird der begleitete Spandauer Altstadtrundgung mit oder ohne „Altstadt Diplom“ für eine Teilnahmegebühr von läppischen 5 € pro Person möglich sein.

Historie: Friedrich und die „drei-Tage-Schlacht“

Brandenburg wurde durch tatkräftige Herrscherhände geformt. Geformt und zusammengehalten. Die Askanier und die Hohenzollern haben hier ihre Spuren hinterlassen. Letztere beendeten das von mir gerne spöttisch „Interregnum“ genannte Zeitalter, während dem die Markgrafenwürde Brandenburgs recht willkürlich den Inhaber wechselte und die Mäuse auf dem Tisch tanzten. Halte ich hier wieder eine Vorlesung zur Regionalgeschichte ? Na, ich bitte um etwas Geduld; halten wir es locker.

In der Geschichte wurden Veränderungen oft gewaltsam erzwungen. Machtpolitik war auch Militärpolitik und gewaltsames Durchsetzen dynastischer oder staatlicher Interessen. Das mag uns Menschen des 21. Jahrhunderts zwar antiquiert erscheinen und zartbesaitete Gemüter gar anekeln, aber dadurch ändert sich die Geschichte nicht. Man sollte da nichts beschönigen.

Meine Mutter selig hingegen sagte immer so etwas wie: „Wenn die Katze aus dem Haus ist, tanzen die Mäuse auf dem Tisch.“ Nicht, dass sie da persönliche Erfahrungen mit Katzen und Mäusen hatte, aber dass ein bischen gestaltete Ordnung auch dafür sorgt, dass nicht „jeder macht was er will, statt, was er soll“ und anarchische Zustände einreißen, war ihr sehr wohl bewusst. So etwa müssen wir uns Brandenburg im 14. und frühen 15. Jahrhundert vorstellen. Der Markgrafentitel (seit 1356 sogar zum „Kurfürst“ erhoben) war seit 1320, als der letzte Markgraf aus dem Hause der Askanier ohne Nachfolger verstarb, nur noch ein Titel, aber keine echte Herrschaft mehr. Seine Träger hefteten sich gerne den Titel „Markgraf/Kurfürst von Brandenburg“ an die Brust, stolzierten damit umher, hatten aber nicht die geringste Absicht, Brandenburg auch wirklich zu ordnen oder gestaltend zu regieren.

Ganz im Gegenteil: sie verscherbelten die ungeliebte Mark Schritt für Schritt an jeden, der ihnen ein paar Gulden dafür bot. Letzter Exzess in dieser Hinsicht war der Verkauf der „Neumark“ (heute Polen, wir sehen, wie Geschichte oft völlig sinnlose Bögen schlägt) im Jahre 1402 an den Deutschen Orden. Alles, was die Askanier sorgsam zusammengefügt und zu einer recht ansehnlichen Herrschaft geformt hatten, ging nun den Bach runter. Bis ein frisch gewählter, deutscher König namens Sigismund einen seiner Kumpane (ich sage nicht „Saufkumpane“, weil ich nicht sicher bin, wieviel diese Herrschaften damals so an Wein und Bier wirklich konsumiert haben) namens Friedrich mit dem Ordnen Brandenburgs beauftragte. Zunächst mal als „Verwalter“ dieses herrenlosen „Lehens“. Das war 1411.

Als dieser Friedrich, als „Burggraf von Nürnberg“ bereits mit Nummerierung versehen (VI.) nun im Sommer 1412 tatsächlich in Brandenburg auftauchte (etwas, das die letzten paar Kurfürsten fast nie getan hatten) hatte eine andere „Katze“ bereits ihre Krallen ins Brandenburger „Fleisch“ geschlagen: die Pommern standen tief in der Mark. Am „Kremmer Damm“, einer befestigten Passage durch das schlammige „Kremmer Luch“ zwischen Oranienburg und Hennigsdorf, schlug Friedrich im Oktober 1412 mit seinen aus Franken „mitgebrachten“ Rittern die Pommern, atmete tief durch und begann danach, sich Brandenburg einmal genau anzuschauen:

Die Städte hatten sich Privilegien gekauft, oder angemaßt, die eigentlich den Kurfürsten zustanden, hatten eigenmächtig Bündnisse geschlossen, um der zweiten Geißel Brandenburgs Herr zu werden: den selbstherrlichen Raubrittern. Oh, Mann, da musste was passieren. Und Friedrich, eigentlich deutscher Machtpolitiker, aber, ganz der Zeit angemessen, eben auch Feldherr und Tatmensch, begann Fakten zu schaffen. Er eroberte einige Burgen der Raubritter (Stichwort: „Quitzows“), machte unmissverständlich klar, wer jetzt hier das Sagen hatte und entließ die weniger Schlimmen dieser „wilden Männer“ dann wieder auf ihre Sitze. Er war kein Brutalo, wie seine Gegner, sondern Realist. 1415 wurde ihm dafür die Kurfürstenwürde Brandenburgs verliehen. 1417 auch der protokollarische Rang eines „Erzkämmerers des Reiches“. Letzeres übrigens ein Titel, den noch Friedrich der Große hielt, was seine Intimfeindin Maria-Theresia zu manch spitzer Bemerkung anregte, aber das ist eine andere Geschichte.

Friedrich immerhin kümmerte sich daraufhin um ein paar Reichsangelegenheiten und kehrte der schwierigen Mark Brandenburg erstmal den Rücken. Wir dürfen nie vergessen, dass er auch und vor allem Reichspolitiker war ! Und wieder: die „Katze“ war in Brandenburg aus dem Hause, weshalb die Nachbarskatze aus Pommern wieder über die „Mäuse“ herfiel. Friedrich kehrte schließlich im Frühjahr 1420 zurück, lieferte sich im März eine dreitägige Schlacht bei Angermünde mit den Pommern, Mecklenburgern und ihren polnischen Hilfstruppen, schlug diese Allianz vernichtend und sicherte für einige Zeit (noch nicht endgültig, aber auch das ist eine lange und ganz andere Geschichte) die Uckermark wieder für Brandenburg. Interessant: auf seiner Seite kämpften damals bereits einige der wenige Jahre zuvor noch so „unbotmäßigen“, brandenburgischen Adligen und die Städte stellten, so will es die Legende, auch bereits einige Fußtruppen. Es zeichnete sich die die „typisch brandenburgische“ Mischung aus Kurfürst, Stadtbürgern und Altadligen (die sprichwörtlichen „Itzenplitze“) bereits ab, die das Land lange gemeinsam gestalten sollte. Wobei das Pendel langfristig zu Gunsten des Kurfürsten ausschlug. Lange Geschichte.

Sigismund

Beim schwierigen, deutschen König Sigismund war Friedrich aber inzwischen in Ungnade gefallen. Dass er nicht am ersten „Hussitenfeldzug“ gegen die tschechischen Revoluzzer teilgenommen hatte, brachte diverse Neider Friedrichs in die beneidenswerte Position, ihn bei Sigismund anschwärzen zu können. Sigismund hatte offensichtlich nicht den Weitblick, sich daran zu erinnern, dass er ja selbst Friedrich mit dem Befrieden der Mark Brandenburg beauftragt hatte, was dieser eben tat, während Sigismund erstmalig auf Hussitenjagd ging. Die Tatsache, dass Friedrich einem seiner Söhne gerne die polnische Prinzessin Hedwig angetraut hätte, was einem weiteren, riesigen Prestigegewinn für die Hohenzollern gleichgekommen wäre, spielte bei dem Zerwürfnis zwischen Sigismund und Friedrich wohl auch eine Rolle. Ebenso wie die Tatsache, dass Sigismunds Mutter aus Pommern stammte, weshalb er potentiell immer mit deren Expansionsdrang sympathisierte.

Immerhin führt Friedrich bald darauf den zweiten Hussitenfeldzug an, um etwas „Wiedergutmachung“ zu betreiben, wird aber dafür nicht gewürdigt, sondern macht damit nur die Hussiten auf seine Mark Brandenburg aufmerksam. Wo diese dann einige Jahre später auch „folgerichtig“ plündernd und brandschatzend auftauchen werden. Aber damit werden sich sein Sohn und die Städte, z. Bsp. Strausberg und Bernau 1432 herumärgern müssen. Was Bernau übrigens seit 1832 mit dem „Hussitenfest“ feiert, aber auch das ist eine andere Geschichte.

Wie auch immer: 1425 wirft Friedrich den Brandenburgischen Büttel hin, ernennt seinen ältesten Sohn Johann („den Alchimisten“, komischer Namenszusatz !) zum neuen Sachwalter Brandenburgischer Interessen und verzieht sich schmollend auf seine fränkischen Ländereien, um Brandenburg nie wiederzusehen und weiter Reichspolitik zu machen. Eine „typische“ Politikerkarriere eben.

Fazit: Der „Cleaner“ Brandenburgs macht seinen Job, gerät mit seinem Auftraggeber in Interessenkonflikte und kümmert sich dann wieder um „seinen Kram“. Zwischendurch schlägt er aber den frechen Pommern aufs Haupt und macht einigen Leuten klar, welche Familie ab jetzt der Chef im Brandenburger Ring ist: Haus Hohenzollern. Was immerhin bis 1918 auch so bleibt. Insofern: nachhaltige Wirkung ! Über 500 Jahre…

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(P.S.: Als 50 %iger Nachfahre von Pommern fiel mir dieser Artikel nicht so ganz leicht, zu schreiben. Meine Mutter selig, die diesen Spruch mit den Katzen in mein Gedächtnis einbrannte, stammte ironischerweise aus Pommern. Na, ab 1637 geht das ja dann eh alles zusammen…)

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