Archiv der Kategorie: Informatives

verschollene Orte: der verschwundene Hoch-Bahnhof

Berlin ist schon eine phänomenale Stadt. Es gibt sogar Dinge, die es gar nicht (mehr) gibt. Z. Bsp. einen verschwundenen Bahnhof. Wer es nicht wüsste, könnte ihn heute nicht mehr finden. Na, offen gesagt, gibt es noch einen ähnlich gelagerten Fall, aber dieser besondere hier ist wirklich aus der Rubrik: traurige „Magie“.

Die Berliner „Hoch- und U-Bahn“ ist nicht die älteste ihrer Art in der Welt, hat weder das größte Streckennetz noch die meisten Fahrgäste. Dennoch hat sie eine ganz einzigartige Geschichte, die es zu entdecken gilt, wenn man sich dafür begeistern kann. Die Tatsache, dass sie anfangs weitgehend eine „Hochbahn“ war, verdanken wir dem Vorurteil (welches selbst der E-Bahn-Erfinder Werner von Siemens teilte), dass man im schlammigen Bau- und Untergrund von Berlins Stadtzentrum keine Tunnel bauen könne, die tatsächlich den Betrieb einer elektrischen Bahn ermöglichen. So stellte man die Schienen eben auf „Stelzen“ aus Stahl. Dass man dann doch in den „Untergrund“ ging, ist übrigens den Charlottenburgern zu verdanken. Sie wollten keine Stahlstelzen-Bahn um die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche herum haben. Würde den Blick auf die „hübsche Kirche“ versauen, dachten sie und zwangen dann doch dieses Verkehrmittel unter Bodenniveau.

1902 ging es mit dem Linien- und Fahrgastverkehr dann schließlich los. Und zwar auf einem Ausgangsbahnhof, den man heute nur noch auf alten, vergilbten Fahrplänen und Streckenübersichten findet: auf dem Hochbahnhof „Stralauer Thor“ (ja, damals noch geschrieben wie der nordische Gott, gemeint war aber „Tor“, wie Tor in der Akzisemauer. Eine andere Geschichte…). Dieser Bahnhof befand sich unmittelbar an der Oberbaumbrücke. Und sah in etwa so aus wie auf dem alten Foto, welches diesen Beitrag „krönt“.

Seit 1924 hieß er dann „Osthafen“ (weil 1913 der Hafen fertiggestellt worden war), war aber weiterhin reichlich frequentiert, obwohl bereits am 17. August 1902 die Linie zur „Warschauer Brücke“ (heute U-Bahnhof: „Warschauer Straße“, die Berliner benennen gerne alles um, siehe den Trubel um den U-Bahnhof „Mohrenstraße“) fortgeführt worden war. Um ganze 300 Meter !!!! Die ersten Strecken führten übrigens vom Stralauer Tor zum Potsdamer Platz. Dann vom Potsdamer Platz zum Zoo, dann zum „Knie“ (Ernst – Reuter – Platz), vom Stralauer Tor, später von der Warschauer Brücke zum Zoo, später „Knie“… Ende 1902 hatte man etwa 11,4 km zum Befahren.

Der Bahnhof Stralauer Tor jedenfalls wurde am 10. März 1945 von einem Bomben-Volltreffer schwer beschädigt. In Mauerzeiten lohnte es sich nicht, ihn wieder aufzubauen, weil er unmittelbar im Grenzgebiet gelegen hätte und so wurden die Reste abgetragen. (Man vergleiche das mal mit dem S-Bahnhof „Wollankstraße“. Nur so ein Tip.) Und nach der Wende ging man einfach nach praktischen Erwägungen: für 300 m baut man keinen Bahnhof, noch dazu einen so prächtigen, wieder auf. Lohnt sich nicht. So ist heute praktisch nichts mehr von dem Ort erkennbar, an dem die Berliner U-Bahngeschichte begann.  Am 18. Februar 1902. Und das „Stralauer Tor“ bleibt somit auch der einzige kriegszerstörte U-Bahnhof Berlins, der nicht wieder aufgebaut wurde!

Ruhe in Frieden, Stralauer Tor/Osthafen.

P.S.: Mehr über die Oberbaumbrücke, die Grenzkontrollen dort in Mauerzeiten etc. erzähle ich bald auf einer neuen Tour durch Berlin. Bleiben Sie aufmerksam, ich werde sie Ihnen ankündigen, versprochen !

Ihr

Clemens Kurz

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das lange Ringen um Pommern, Teil 1

Wer ein Beispiel für die Vergänglichkeit von Taten und die vermeintliche Sinnlosigkeit jeglicher Geschichte vor Augen haben will, mag sich an Preußens Ringen um Pommern erinnern. Erst Gegner, später Objekt der Begierde Brandenburgischer Kurfürsten und Preußischer Könige, geriet das Land an der Ostsee in ein zähes, jahrhundertelanges Ringen um seine Kontrolle. Heute gehört nur ein winziger Teil Pommerns NICHT zu Polen. „sic transit gloria mundi“ Hier eine Zusammenfassung des Geschehens:

Ein Pommer vor dem Sohn des Unterzeichners des „Vertrages von Grimnitz“

Früher oder später musste es passieren: ein „Pommer“ erinnert an Brandenburg/Preußens Kampf um Pommern. Sie wissen es, liebe Leserinnen und Leser: meine Mutter war noch eine „echte“, weil gebürtige, Pommeranze. Ähhh…nein…eine Pommerin. Aus Falkenburg bei Dramburg in Hinterpommern. Allerdings ohne jegliches Heimweh geboren war sie als Heimatvertriebene nach ihrer Ankunft in Berlin 1945  eben Berlinerin. Nie so ganz Spandauerin übrigens, denn nach Spandau hatte sie ja nur geheiratet…(Überraschung: meinen Vater, Nachkomme von Westpreußen, einen „echten“ Spandauer, nach dem Gefühl…eine lange Geschichte.)

Aber jetzt mal „mittenrein“ ins Vergnügen. Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich in Geschichtsbüchern lese, wie die Pommern und die Brandenburger im Spätmittelalter miteinander stritten. Um die Uckermark zumeist. Sobald Brandenburg Schwäche zeigte, oder so recht schlecht regiert wurde, kamen meist die Herzöge von Pommern angerannt und hatten schon ein kleines Ritterheer bereit, um die Uckermark zu erobern. Verbündet mit Polen oder Dänemark oder Schweden oder einfach zum Spaß. Die „Greifen“ wollten offensichtlich „abgreifen“, was ihnen so zufiel. Ja, so hieß das Fürstengeschlecht der Pommernherzöge. Ein roter „Greif“ (Raubvogel mit Löwenbeinen) war denn auch das Wappentier Pommerns. Im Stadtwappen Stettins findet man das Greifenhaupt bis heute vor.

Als dann ab 1411 die Hohenzollern in Brandenburg einzogen, wehte den Greifen aber plötzlich wieder ein schärferer Wind entgegen. Die diversen „Friedrichs“, „Georgs“ etc. aus dem südwestdeutschen Herrscherhaus fochten in Zukunft um alles, was sie besaßen oder zu besitzen gedachten. Angefangen vom ersten Hohenzollern in der Mark Brandenburg, Friedrich I. Und zu ihren Ansprüchen gehörte eben auch die Uckermark. Punktum ! Um auf die Greifen Druck auszuüben, ernannte man sich auch schon mal zum Lehnsherrn der Pommern. Was in Stettin wenig Freude auslöste.

Jetzt will ich nicht weiter mit Schlachten, Siegen, Niederlagen etc. langweilen. Diese Daten vergisst man ja doch wieder schnell. Interessant wird die Sache erst mit der Herrschaft von Joachim I. „Hektor“ in Brandenburg. Er kann mit den Greifen, in diesem Falle den Herzögen Georg I. und Barnim (ja, der hieß so, wie die Landschaft im Nordosten Berlins !!!! Dreimal dürfen wir raten, warum die so heißt !) dem 9. einen Vertrag schließen, der vielerlei beinhaltet. Die Hohenzollern geben ihren Wunsch, Lehensherren der Pommern zu werden, erstmal auf. Sie bekommen dafür (durch den Kaiser garantiert) aber etwas Wichtiges zugestanden: sollten die Greifen einstmals ohne Erbberechtigten aussterben, übernehmen die Brandenburger Hohenzollern Pommern. So einfach, so klar. Und wie wir sehen werden, so schwer durchzusetzen. Zunächst aber schreiben wir das Jahr 1529, unterschreiben den „Vertrag von Grimnitz“ und belassen es dabei.

Fortsetzung folgt ! 🙂

Ihr

Clemens Kurz

 

Schloss Babelsberg – Sommersitz am Havelufer

Das Potsdamer Schloss Babelsberg, ebenso wie der dazugehörige Park, verdankt seine Existenz einer denkwürdigen Geschwister-Rivalität unter königlichen Prinzen. Und deren Frauen, natürlich. Zu simpel gedacht ? Dann lesen Sie weiter…

der Erstbesitzer von Schloss Babelsberg: Kaiser Wilhelm I.

Die „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin“ gehören zum UNESCO – Weltkulturerbe. Seit 1990 schon. Kein Wunder, denn wer einmal vom pleasureground vor Schloss Babelsberg über die Havel geschaut hat, dem ist die Einzigartigkeit der Landschaft sicher nicht verborgen geblieben. Hier, am Havelufer mit seinen diversen Buchten und Seen, haben sich Prinzen und Mäzene im 19. Jahrhundert ihr „Arkadien“ bauen lassen. Später kamen die Berliner Sommer-Ausflügler dann hierher. Mit Ausflugsdampfern und als Sport-Ruderer. Heute zieht es Touristen, Tagesausflügler und Fotofreunde ans Havelufer, es kommen die Spaziergänger und Freunde von Geschichte und Kultur zu Besuch. Noch immer nicht ohne Grund.

Denn am Anfang vom neogotischen Traumschlösschen Babelsberg steht die einzigartige Rivalität zweier Prinzenbrüder. Die Söhne König Friedrich-Wilhelms III. entdeckten  zu Beginn des 19. Jahrhunderts das Havel – Idyll für sich. Einer nach dem anderen. Besonders pikant wird die Sache, wenn man weiß, dass sie mit Schwestern verheiratet waren. Also Brüder und „Schwager“ gleichzeitig waren. Wobei der ältere Prinz die jüngere Schwester heiraten „musste“, während der jüngere Prinz die ältere Schwester freiwillig ehelichte und sich nicht beschweren konnte.

Natürlich spreche ich von den Prinzen Wilhelm und Carl von Preußen sowie von Marie und Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach.  Der jüngere Prinz, Carl, wurde schon früh von seinen Erziehern für die Antike und deren Hinterlassenschaften begeistert, die er zeitlebens mit Akribie (und gerüchteweise nicht immer völlig legal) sammelte. Für die „Sommerfrische“ und zur Präsentation seiner Antikensammlung erwarb er jedenfalls 1824 das Gut Klein-Glienicke und ließ sich dessen Wohngebäude umbauen. Kein Wunder, dass dies seinen älteren Bruder Wilhelm auf den Plan rief. Wo gibts denn auch sowas, dass ein „kleiner Bruder“ sich ein Lusthaus am Wasser bauen lässt, während der „große Bruder“ noch nach einer passenden Immobilie sucht ?

Diese fand er dann scheinbar „ganz zufällig“ direkt gegenüber von Klein-Glienicke auf dem sog. „Babelsberg“. Und begann beim Papa so lange um Finanzen zu betteln, bis dieser ihm genehmigte, sich die Immobilie zu kaufen und dort einen Sommersitz zu bauen. Das war 1833. Ab jetzt beginnt die bunte Geschichte von Schloss Babelsberg. Diese können Sie natürlich über die Suchmaschine ihrer Wahl oder über die historische Enzyklopädie ihrer Präferenz bis ins Detail nachlesen. Ich persönlich möchte nur auf den Einfluss der „jüngeren“ der beiden Schwestern auf die Gestaltung Babelsbergs eingehen.

Kaiserin Augusta

Wilhelms Ehefrau, Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach, die sich für eine umfassend gebildete und in Sachen Geschmack und Stilsicherheit relevante Fachfrau hielt, trieb mit ihrer permanenten Einmischung diverse Baumeister Babelsbergs (darunter Größen wie Schinkel oder Persius) schier in den Wahnsinn. Ebenso wie den genialen Gartenarchitekten Peter-Joseph Lenné, den sie letztlich mal so „mir-nix-dir-nix“ gegen den ihr aus der sächsischen Heimat vertrauten Fürsten Herrmann von Pückler-Muskau austauschte. Nicht, dass Pückler hier in Babelsberg keine sichtbare Verschönerung und Abrundung der Parkanlagen vorgenommen hätte. Die Art und Weise, wie er aber durch gnadenloses Schleimen bei Augusta und diversen „Hochwohlgeborenen“ an diesen Job gekommen war, lässt Menschen unserer Zeit aber doch Ekelschauer über den Rücken laufen.

Wie auch immer: das Ergebnis der Arbeiten diverser Genies, die es über sich brachten, immer wieder mit der anmaßenden Augusta aneinander zu geraten, kann heute wieder besichtigt werden. Die Parkanlagen wurden (inklusive der Wasser-Läufe) wieder im Pückler´schen Sinne hergestellt. Damit wurden die letzten Spuren von Kriegs- und vor allem Mauerzeiten beseitigt, während derer Babelsberg das Pech hatte, direkt an der Grenze nach „Westberlin“ gelegen zu sein.

Anmerkung 2017: derzeit findet im Schloss eine Sonderausstellung zum Thema Pückler statt. Nicht nur deshalb und wegen des zum Spazieren einladenden Parks ist Babelsberg unbedingt einen Besuch wert ! Alles weitere dazu hier:
https://www.spsg.de/aktuelles/ausstellung/pueckler-babelsberg/

Machtzentrum einer anderen Zeit: das Berliner Stadtschloss

Durch das „Humboldtforum“ erlebt das einstige Stadtschloss der Hohenzollern in Berlin KEINE Auferstehung. Das Schloss „starb“ endgültig bei den Abrissarbeiten für das „Marx-Engels-Forum“ im Jahre 1950. Die Nutzung durch Museen, Hochschule und sonstige Kulturträger macht aus dem Neubau eine eigene Schöpfung, wenn auch z. T. in der Anmutung, viel wichtiger aber in den Dimensionen des alten Prachtbaus. Das vorweg geschrieben, macht eine Beschäftigung mit der Geschichte des Vorgängerbaus aber nicht überflüssig. Im Gegenteil:

Also: was bedeutete das alte Stadtschloss in der Berliner Stadtmitte ? Darauf gäbe es sicher viele Antworten. Architektonische, stadtplanerische und vor allem historische. Alles begann damit, dass die mit der Befriedung und Verwaltung der ins Chaos verfallenen Mark Brandenburg beauftragten Hohenzollern beschlossen, sich eine feste Residenz zu schaffen und diese auf der „Cöllner“ Stadtinsel erbauen zu lassen. Dies geschah zur Mitte des 15. Jahrhunderts, nachdem feststand, dass die Mark so bald nicht mehr aus den Händen der Hohenzollern genommen werden würde.

Das Stadtschloss sollte also sowohl als Residenz als auch als Symbol ein Ausrufezeichen werden. Das „Interregnum“ zwischen den Askaniern und dem neuen Herrscherhaus war endgültig beendet. Für Berlin und viele andere Städte Brandenburgs, die sich im 14. Jahrhundert oftmals, aus der Not der allgemeinen Anarchie heraus geboren, Rechte und Privilegien angemaßt (oder schlicht und ergreifend gekauft) hatten, die eigentlich einem Landesherren zugestanden hätten, war das allerdings ein „hartes Brot“. Die neuen Regenten planten, auch tatsächlich „vor Ort“ anwesend zu sein. Kein Wunder, dass im sog. „Berliner Unwillen“, die Berlin-Cöllner 1448 erstmal gleich die Baugrube für das neue Machtzentrum unter Wasser setzten.

Friedrich II. , „Eisenzahn“

Das alles half aber nichts, der „Eisenzahn“ genannte, zweite Hohenzoller unter dem Brandenburger Kurhut ließ sich dennoch seinen Wohnsitz erbauen. Von nun an wurde von hier aus regiert. Mehr oder weniger, jedenfalls. Öfter auch mal nicht, aber das sind andere Geschichten. Jedoch die relative Unabhängigkeit der Städte, speziell der Residenzen, wurde wieder beschnitten. Allerdings hatten Städte als Residenzen auch Vorteile: Gewerbe und Handwerk hatten meistens mehr zu tun, als in der „Provinz“. Es gab Aufträge von Hofschranzen und Herrschern. So verlor Berlin also nicht nur, sondern gewann auch durch diese Entwicklungen.

Das Schloss erlebte in jedem Falle ab jetzt eine bunte Geschichte. Diverse Um- und Ausbauten durch mehr oder minder begabte Architekten sorgten immer wieder für ein neues Aussehen der Anlage. Ein Zirkel von schleichender Vernachlässigung und bemühter Rekonstruktion bzw. diversen Ausbauten erzählt eine Geschichte, die den Rahmen dieses Beitrages sprengen würde. Googlen Sie selbst oder lesen Sie das hochinteressante Buch „Das Schloss an der Spree“ von Eberhard Cyran. Interessant: fast in Vergessenheit geriet, dass auch der Vollender der Zitadelle Spandau, Graf Rochus zu Lynar, hier mal kurze Zeit Hand anlegte. Ebenso interessant: in der Renaissance-Periode gab es am Stadtschloss eine sog. „Stechbahn“, einen Turnierplatz für das möglichst realistische Nachstellen mittelalterlicher Ritter-Turniere. Wenn ich mir anschaue, welche Menschenmassen sich heutzutage für „Mittelalter-Märkte“ oder „Hussitenfeste“ in Bewegung setzen, kommt mir die einstmals von mir für skurril gehaltene Idee dieser Kampfarena nicht mehr gar so absonderlich vor.

Nach dem Dreißigjährigen Kriege war das Schloss aber verfallen. Es heißt, dass der Wind durch offene Fensterrahmen  pfiff und Getier sich in den Innenräumen breit gemacht habe. Erstaunlicherweise hat der „Große Kurfürst“ Friedrich-Wilhelm, dem es oblag, Brandenburg wieder aufzubauen, keinen wirklichen Schlossum- oder Ausbau in Berlin angeordnet. Seine Aufträge für das Gebäude waren eher kosmetischer Natur. Vielleicht lag das an seiner Vorliebe für Potsdam, wo er sich ein neues Residenzschloss erbauen ließ. Erst sein Sohn der „schiefe Fritz“, der sich 1701 selbst zum König „in“ Preußen krönte, schob das „ganz große Ding“ an. Er gab den Auftrag, sein Residenzschloss in Berlin „repräsentativ“ und „groß, größer, am größten“ zu machen. Um buchstäblich jeden Preis. So kann man ein Staatsbudget auch ruinieren.

Dieser Auftrag war eine Aufgabe, der nicht ein, sondern nur zwei Architekten gewachsen waren. De facto sogar mehr als zwei, aber die bedeutendsten sind natürlich Andreas Schlüter und Eosander von Göte. Die Namensgeber der zwei Innenhöfe des Barockpalastes, die auch im Humboldtforum wieder gewürdigt werden sollen. Der „Schlüterhof“ wird nämlich eine moderne Ost-Fassade haben, der „Eosanderhof“ durch das gleichnamige, beeindruckende „Eosanderportal“ zu betreten sein.
Allein die Bauphase von Friedrichs Machtdemonstration verbindet sich mit vielen Geschichten, von denen in diversen Werken berichtet wird. Der Einsturz des sog. „Münzturmes“ auf der Lustgartenseite machte z. Bsp. erst die Erweiterung um einen zweiten, den „Eosanderhof“ möglich.

Allein die Rivalität zwischen dem bodenständigen Danziger Schlüter und seinem in Hofintrigen erfahreneren Nachfolger Eosander gäbe ein nettes Fernsehspiel ab. Spätestens 1711 war das Stadtschloss dann weitgehend fertig gebaut. Aber noch lange nicht „vollendet“, denn als deutlich sichtbarste Ergänzung erhielt die Westfassade über dem schon erwähnten Eosanderportal ab 1853 eine Kuppel. Über deren „Kreuz“-Abschluss auf der neuen Kuppel des Humboldtforums übrigens im Jahre 2017 heftigst gestritten wurde, nachdem aus der Linkspartei und von den Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus deutliche Ablehnung des christlichen Symbols signalisiert wurde.

Auch nach dem Ende der Hohenzollernherrschaft 1918 blieb das Schloss ein wichtiger Ort in Berlin. Museen zogen ein, insofern ist die Verbindung zum kommenden Humboldtforum dann doch wieder hergestellt. Bis 1920 übrigens war das Schloss verwaltungstechnisch betrachtet ein eigener Gutsbezirk im brandenburgischen Landkreis Niederbarnim ! Ob das wohl steuerliche Vorteile gebracht hatte ?

Am Ende des Zweiten Weltkrieges jedenfalls war das Gebäude schwer beschädigt, aber alles andere als komplett abbruchreif. Schon schnell nach der Einstellung der Kampfhandlungen fanden wieder Ausstellungen und Kulturveranstaltung in den noch nutzbaren Räumlichkeiten statt. Der Abbruch 1950 hatte dann auch eher politische und finanzielle, als bausicherungstechnische Gründe. Der geplante Aufmarschplatz für die „Arbeiter- und Bauernmassen“ machte einen Abriss dieses „Horts des Feudalismus“ erforderlich. Angeblich kam das letzte Placet dafür sogar direkt aus Moskau, wie der ehemalige Ostberliner Oberbürgermeister Ebert später zu Protokoll geben wird.

Und nun also kommt ein Betonklotz mit Barockfassade an seine Stelle. Mitsamt Kuppel, aber ohne den „grünen Hut“ oder den Apothekenflügel-Anbau. Und vermutlich auch ohne die „Rossebändiger“-Statuen auf der Lustgartenseite. Der Neptunbrunnen vor der Südfront wird wohl ebensowenig zurückkehren wie der Heilige Georg von August Kiss in den Eosanderhof . Das Standbild, welches heute im nahegelegenen Nikolaiviertel eine neue Heimat gefunden hat. Dafür wird es wohl auf der ehemaligen „Schlossfreiheit“ bald die „Einheitswippe“ geben. Ein  von niemandem jenseits des Bundes- und Landesparlamentes wirklich gewolltes Denkmal von umstrittener, ästhetischer Qualität.

In jedem Falle wird aber der „Hohenzollernungeist“ wohl nicht wieder auferstehen wie von vielen befürchtet. Dennoch bekommt das historische Stadtzentrum wieder einen Fixpunkt. Die Straßenführung der Allee „Unter den Linden“ sowie die Brückenkonstruktionen über Kupfergraben und Spree sind darauf ausgerichtet und angewiesen, um einen Sinn zu ergeben. Möge aber der „zugige Kasten“ (Kaiser Wilhelm I. zugeschrieben, der tatsächlich nicht im Stadtschloss wohnte, sondern in einem äußerst bescheidenen Palais neben der „Kommode“ am heutigen Bebelplatz) namens „Stadtschloss Berlin“ in Frieden ruhen.

Fotos:

Fehrbellin – wie Preußen begann, bevor es existierte…

Fehrbellin…Fehrbellin…da war doch mal was ? Bei diesem Namen kriecht langsam eine Erinnerung an die Oberfläche des Bewusstseins. Aber, darf man heute noch über „Fehrbellin“ sprechen, die Fakten betrachten, wo doch alles „Militaristische“, alles „Militärische“ mitunter auch, heute aus guten Gründen so skeptisch betrachtet wird ? Schaun wir mal nach:

Es ist ja immer so eine Sache mit den „Schlachten“ und „Feldzügen“ vergangener Zeiten. Ich gestehe, manchmal frage ich mich auch, ob ich solche Anlässe eigentlich promoten will oder ob mich das Schicksal der Toten, die hier für fürstliche Gebietsansprüche o. ä. ihr Leben ließen, nicht vor Pietät schweigen lassen sollte. Hierzulande ist es ja nicht ganz ohne Grund, vorsichtig gesagt, „unüblich“ geworden, in Kriegen und Gefechten heute noch „Heldentaten“ zu sehen. Ich finde das nicht wirklich falsch sondern neige auch eher dazu, diese Tendenz zu stützen.

Dennoch kann ich mich als „Regionalpatriot“ (bitte nicht an diesem Begriff festkleben, liebe Leserinnen und Leser, ich schreibe dies durchaus mit einer großen Portion Selbstironie) manchmal nicht den blanken Fakten entziehen. 1675 erlitt die Schwedische Armee, die zu den besten ihrer Zeit gehörte, eine empfindliche Niederlage, als sie versuchte, im Auftrage Frankreichs Brandenburg zu verwüsten und zu brandschatzen. Wollen Sie wirklich die genauen Details dazu wissen ? Ich mache es kurz: Frankreich war in der damaligen Zeit dabei, Eroberungen zu machen. Die „Rheingrenze“ wollte man, wollte der „Sonnenkönig“ erobern. Die Niederlande und Deutschland von der Pfalz bis in den Rhein-Main-Raum hinein wurden von französischen Truppen verheert und es wurde reichlich „verbrannte Erde“ hinterlassen. Erst kürzlich nannte mir ein FB-Freund in diesem Zusammenhang den Namen „Melac“, der bis heute wohl in Südwestdeutschland so eine Art Schimpfwort ist. Nicht ganz grundlos, wie Sie sich vorstellen können ! Befragen Sie die Suchmaschine Ihrer Wahl doch mal zu diesem Namen, wenn Sie mögen ! 🙂 Zurück nach Brandenburg:

Das Deutsche Reich stellte 1674 also Truppen zur Abwehr einer französischen Aggression, welche in diesem Falle zunächst einmal gegen die Niederlande gerichtet war. Der „Große Kurfürst“ Friedrich-Wilhelm von Brandenburg war mit allem, was er so kurzfristig mobilisieren konnte, mit dabei. Sogar persönlich und vor Ort im Westen ! Im Elsass. Frankreich aktivierte daraufhin mit ordentlichen Mengen von „Louis d´ors“ seinen Verbündeten Schweden, um Brandenburg aus der Koalition der „Eifrigen“ herauszubrechen. Brechen die Schweden in Brandenburg ein, können Friedrich-Wilhelm und seine Soldaten nicht mehr gegen Frankreich kämpfen. So simpel ging Politik damals. Heute vielleicht auch noch, man muss es nur wollen, aber auch das ist eine ganz andre Geschichte.

Georg von Derfflinger

Nachdem die Schweden, in Abwesenheit der Armee des „Großen Kurfürsten“, wie das Messer durch die Butter in die Brandenburger Lande fuhren und dabei Richtung Havelland vorrückten, um Magdeburg angreifen zu können, bekamen sie spät, aber überhaupt Widerstand entgegengebracht. Der Dreißigjährige Krieg lag eben erst eine Generation zurück und das Volk vergaß nicht so schnell, wie die Soldateska damals gewütet hatte. Auch die schwedische. Aber mit aufgepflanzten Mistgabeln kann man einer gut gedrillten und von erfahren Offizieren angeführten Truppe wie den Schweden nicht lange widerstehen. Brandenburg an der Havel, Havelberg, Rathenow, fielen in die Hände der Truppen des schwedischen Generalleutnants Wolmar von Wrangel. Die Brandenburger mussten also auf die Ankunft Friedrich-Wilhelms und seiner Truppen warten. Die „Havellinie“ gehörte zunächst den Skandinaviern. Und diese gedachten, es sich hier ein wenig gemütlich zu machen. Nicht wissend, dass brandenburgische Truppen in Eilmärschen aus dem Südwesten heranrückten.

Die Pläne von Wrangels begannen, sich aufzulösen, als es am 15. Juni 1675 Brandenburger Einheiten gelang, Rathenow zurückzuerobern. Viele Anekdoten ranken sich um dieses Ereignis. So sollen angeblich die Bürger vorgewarnt gewesen sein und präventiv schon einmal ein paar schwedische Wachen mit Bier „abgefüllt“ haben. Ebenso hält sich bis heute in der Stadt die Legende, dass die ersten Brandenburger mit dem Kahn angelandet seien, um am „Wassertor“, einer Pforte in der Stadtmauer zur Havel hin, einzudringen. Außerdem will die Legende nicht verstummen, dass der Brandenburgische Feldmarschall Derfflinger, der während des Dreißigjährigen Krieges in schwedischem Dienst gestanden hatte, persönlich am „Haveltor“ aufgetaucht sein soll, um die dortigen Wachen in ihrer Muttersprache dazu zu bewegen, das Stadttor zu öffnen.

Wie auch immer: die Havellinie war damit durchbrochen. Wrangels Hauptkontingente, die schon auf dem Weg nach Rathenow waren, machten kehrt, um ihre Versorgungslinien zu sichern. Drei Tage nach dem Fall Rathenows kam es bei Hakenberg, südöstlich von Fehrbellin, zu einem heftigen Gefecht mit den vorrückenden Brandenburgern. Um es kurz zu machen: Die Schweden verloren. Zum zweiten Male innerhalb von drei Tagen. Außerdem war ihnen nicht klar, mit wievielen Truppen der Große Kurfürst überhaupt schon im Lande stand. Dass fast die gesamte Infanterie Brandenburgs ein- bis zwei Tagesmärsche zurücklag, dass also Friedrich-Wilhelm und Derfflinger nur ihre Kavallerie und wenige Stücke Kanonen „vor Ort“ hatten, war den Schweden nicht bewusst. Dennoch waren die „Ergebnisse“ von 1675 so etwas wie die Meldung, dass Liechtenstein Brasilien im Fußball besiegt hätte. So hohe Favoriten waren die Schweden für Zeitgenossen noch gewesen.

In den nächsten drei Jahren jagten die Brandenburger die Schweden bis nach Stralsund vor sich her und beendeten de facto deren Vorherrschaft über Vorpommern. So lange bis Frankreich Friedensbereitschaft signalisierte und die „Großen“ Europas im Frieden von St. Germain 1679 den Kurfürsten um das Brandenburg seit 1638 zustehende „Restpommern“ inkl. der wichtigen Odermündung und Stettins brachte. Es heißt, der zu Gefühlsausbrüchen neigende Friedrich-Wilhelm habe, als er sich gezwungen sah, diesen Vertrag anzuerkennen, einen Wutausbruch erlitten, der sich gewaschen hatte.

Fazit: die „Schlacht bei Fehrbellin“ hatte Langzeitwirkungen, die sich in jedem Falle als wichtig erweisen sollten, auch wenn der „Brandenburgisch-Schwedische-Krieg“ zwar mit dem militärischen Sieg Brandenburgs, aber auch ebenso mit dessen diplomatischer Niederlage endete. Immerhin hatte Brandenburg endgültig gezeigt, dass es von einem Objekt europäischer Machtpolitik, das es noch im Dreißigjährigen Krieg gewesen war, wieder zu einem eigenständig handelnden Subjekt heranwuchs. Mit einem zuverlässigen Militär, welches ganz und gar dem Kurfürsten unterstand, konnte für die Verteidigung des Landes wieder ausreichend gesorgt werden. Und die Havelländer, die den Schweden hinhaltenden Widerstand entgegengesetzt hatten, waren vielleicht die ersten wirklichen „Preußen“, da sie auf den Mann unter dem Kurhut setzen mussten, um von den um keine Plünderung verlegenen Schweden befreit zu werden. Zwar setzte sich erst der Sohn des „Großen Kurfürsten“ die Krone auf und begann damit, alle seine Ländereien „Preußen“ nennen zu lassen, aber: keine Geschichte ohne Vorlauf.

Rathenow und Fehrbellin also. In Rathenow steht seit 1738 ein Standbild des Großen Kurfürsten (erstes Bild im Beitrag). In Fehrbellin befindet sich seit 1902 eine Bronzekopie des Standbildes aus der Werkstatt von Fritz Schaper, dessen Original sich einst in der Siegesallee befand und heute in der Zitadelle Spandau besichtigt werden kann. Man hatte also diesen Teil der Geschichte nicht vergessen. Auch der Schriftsteller Heinrich von Kleist hatte die Schlacht von Fehrbellin in seinen „Prinzen von Homburg“ eingebaut, da der gleichnamige Kavallerist tatsächlich daran teilgenommen hatte. Die genauen Umstände und die Details, die Kleist schildert, dürfen jedoch nicht so 100 prozentig auf die Goldwaage gelegt werden. So war der namensgebende Prinz Friedrich von Hessen-Homburg etwa kein schwärmerisch Verliebter, sondern ein glücklich verheirateter Mann. usw.
Interessant aber, dass unsere Zeiten den letzten Satz dieses Dramas nicht mehr anerkennen wollen und oftmals weglassen. Eine TV-Verfilmung des „Prinzen von Homburg“ von vor einigen Jahren jedenfalls ließ diese Worte aus, weshalb ich sie, völlig „politisch unkorrekt“ wie ich manchmal bin, hier an den Schluss dieser Ausführungen stellen möchte:
„In Staub mit allen Feinden Brandenburgs !“

Bildmaterial:

Quellen:

  • Joachim Fernau, „sprechen wir über Preußen“, Ullstein Verlag, 5. Auflage 1994
  • Hannsjoachim W. Koch, „Geschichte Preußens“, Paul-List-Verlag, 1980
  • wikipedia

„Gärten der Welt“ – IGA 2017 in Marzahn

Ich erwähne es in vielen Beiträgen hier im Blog: Berlins ist grün. Hat Natur zu bieten. Sogar zwischen Betonburgen und vielgenutzten Ausfallstraßen. Nirgendwo wird dies deutlicher als im „Erholungspark“ in Marzahn. Hier wurde eine einst recht öde Landschaft in „Gärten der Welt“ verwandelt, die in diesem Jahr die „Internationale Gartenausstellung“ (IGA 2017) beherbergen. 

Marzahn. Betonwüste, öder Plattenbau, Menschenmassen, einst von der DDR hier zusammengepfercht. Kaum ein negatives Klischee, das einem nicht sofort einfiele bei diesem Namen. Die Realität sieht glücklicherweise mittlerweile anders aus. Die alten Plattenbauten sind saniert und auch äußerlich „bunt“ geworden, moderne Neubauten ergänzen den DDR-Beton, Einkaufszentren schaffen Infrastruktur.

Japanischer Garten

Schon 1991 wurde eine zwischen den Hochhäusern angelegte Gartenschau zum „Erholungspark Marzahn“ erweitert. Mittlerweile ist die Anlage auf etwas über 100 ha erweitert worden. Im Oktober 2000 wurde hier mit dem „Chinesischen Garten“ der erste Themengarten eröffnet und seitdem das Konzept der „Gärten der Welt“ verwirklicht. Diverse, mit Pflanzen, Gebäuden und Anlagen im „typischen“ Stile einer bestimmten Region gestaltete Gärten sind inzwischen dazugekommen.

Jetzt, 2017, wird hier die „Internationale Gartenschau“ abgehalten. Künstlerisch gestaltete Anlagen sollen den Besucher zum Verweilen, zur Reflexion und Besinnung anregen. In der Blumenhalle wird eine Themenausstellung zum gleichzeitig stattfindenden Lutherjahr gezeigt. Und zwei spektakuläre Veränderungen wurden auf dem Gelände unter dem „Kienberg“ noch vorgenommen:

  1. „Wolkenhain“

    auf der über 100 m über NHN gelegenen Anhöhe wurde ein weiterer Aussichtspunkt geschaffen. Der sog. „Wolkenhain“, eine luftige, weißgestrichene Stahlkonstruktion, die „singt“, wenn sie in Vibration gerät, bietet einen spektakulären Blick auf die Landschaft um den Kienberg herum. Bei klarem Wetter kann man bis tief nach Brandenburg hineinsehen. Auch der Fernsehturm am Alexanderplatz ist so deutlich erkennbar. Ich gestehe, mich faszinierte der Blick über Hochhäuser, Bahnhöfe und Grünanlagen. Ganze Strukturen der Stadtentwicklung können so erkannt werden.

  2. die moderne Seilbahn. Sie wurde von einer Südtiroler Firma hier installiert und wird von dieser auch derzeit noch betrieben. Über 1,5 km hinweg überspannt sie das Gelände des Erholungsparks zwischen Blumberger Damm und Kienbergpark. Eine Fahrt dauert etwa 5 Minuten und führt auf den Kienberg hinauf, wo eine Zwischenstation das Ein- und Aussteigen zulässt. Sogar ich als Mensch mit Tendenz zur Höhenangst habe die relativ sanfte Fahrt genossen. Der Ausblick über den Park ist spektakulär und die Fahrt mit der Bahn ist im Eintrittspreis inbegriffen.

Außerdem wurden ein Amphitheater zur IGA gebaut, eine „Tälchenbrücke“, die zusätzlich mit einer recht interessanten Klanginstallation versehen ist und eine sog. „Naturbob-Bahn“, die ebenfalls vom Kienberg aus vor allem Kinder erfreut, eingerichtet.

Kurz gesagt: ein Besuch lohnt in jedem Falle. Nicht alle interessanten Parks und Sehenswürdigkeiten finden sich nur zwischen Zoo und Alexanderplatz in der Berliner Stadtmitte. Meine persönliche These, dass sich die meisten schönen Ecken und viele Besonderheiten Berlins eher in den Außenbezirken finden lassen, wurde hier wieder vollends bestätigt.

Adresse:

„Gärten der Welt“
Eisenacher Straße 99
12685 Berlin
https://gruen-berlin.de/gaerten-der-welt/besucherinformation

Anfahrt:

Wie immer am Besten mit den „Öffentlichen“.

  • Bus 195 ab S-Bahnhof „Marzahn“ bis „Gärten der Welt“.
  • Shuttles fahren während der IGA (noch bis Oktober 2017) vom offiziellen „IGA-Parkplatz“ (Berliner Str. Ecke Louis-Lewin-Straße) zum Gelände. Fahrzeit etwa 15 Minuten.
  • U-Bahnlinie U5 bis Bahnhof „Kienberg – Gärten der Welt“ der Rest ist in wenigen Minuten zu Fuß erledigt.

Öffnungszeiten:

Während der IGA 2017 (bis 15. Oktober 2017):

09.00 Uhr bis 20.00 Uhr

Persönlichkeiten: der „fidele Fürst“ – Pückler

Man kann es nicht mehr abstreiten: 2017 ist Pückler-Jahr. In Potsdam-Babelsberg und seinem Ex-Wohnsitz Branitz in Cottbus wird des Bonvivants und Gartenkünstlers gedacht. Wer aber war Herrmann von Pückler-Muskau ? Betrachten wir mal sein abenteuerliches Leben im Schnelldurchlauf:

Die Eltern Pücklers finden in seinem Leben kaum statt. Seine Mutter war noch sehr jung, als sie ihn 1785 zur Welt brachte und konnte mit „Mutterschaft“ wenig anfangen. Der Vater, ein Misanthrop, hielt sich in Sachen Kinder-Erziehung ohnehin, ganz dem Zeitgeist entsprechend, zurück. Der kleine Herrmann wird früh in die Hände pietistischer Bildungsinstitutionen gegeben, was ihn für das weitere Leben zeichnet: „orthodoxem“ Protestantismus wird er immer feindlich gegenüberstehen, im Alter aus „Protest“ sogar noch katholisch werden.

Ein Jurastudium  bricht der abenteuerlustige Jüngling schnell ab und widmet sich einer Art „Militärlaufbahn“ im Dienste des Herzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach. Diese lässt ihm immerhin die Zeit, Reisen nach Italien und Frankreich zu unternehmen und mit einem Freund zusammen 1812 eine England-Reise zu machen, wo er die Gartenkunst als private Leidenschaft entdeckt, die ihn sein Leben lang begleiten wird. 1815 nimmt er schließlich als Beobachter an der „Völkerschlacht bei Leipzig“ teil, wird Verbindungsoffizier zum Stab des russischen Zaren.

In der Folge des „Wiener Kongresses“ fällt sein Landbesitz von Sachsen an Preußen. Pragmatiker, der er ist, heiratet Pückler daraufhin (1817) die Tochter des preußischen Staatskanzlers von Hardenberg, Lucie. Eine Ehe, die nur von ihrer Seite aus auf Liebe und Anerkennung beruht. Für Pückler ist sie nur eine weitere Stufe auf der Leiter des sozialen Aufstieges. Diese Ehe ermöglicht es ihm, 1822 in den Reichsfürstenstand erhoben zu werden. Von nun an dürfen wir vom „Fürsten Pückler“ sprechen. 1826 lässt er sich von Lucie von Hardenberg wieder scheiden.

Jetzt erspare ich Ihnen unzählige, biographische Details und verweise auf Pückler, den „Weltenbummler“. Auf der vergeblichen Suche nach einer vermögenden Erbin, die ihm dabei hilft, seinen hochverschuldeten Landbesitz über Wasser zu halten, begibt er sich 1825 – 1829 wieder nach England und nach Irland. Seine Reiseberichte, die er in die „alte Heimat“ schickt, werden dabei zur gerngelesenen Lektüre. Schließlich verschlägt es ihn 1837 nach Ägypten, wo er als Staatsgast empfangen wird und auf einem Sklavenmarkt eine 12-jährige Sklavin als Mätresse erwirbt. Ja, Sie lesen richtig. Dieses „nubische“ Mädchen mit Namen „Machbuba“ wird er bei seiner Rückkehr nach Muskau bei sich führen. Sie verstirbt aber bereits 1840 und ist dort beigesetzt.

1845 verkauft er seine überschuldete Standesherrschaft Muskau und siedelt nach Branitz über. Dort formte er einen Landschaftspark nach seiner Vorstellung und blieb als Schriftsteller aktiv. Er blieb weiterhin auch „Militär“ und erst das Alter verhinderte, dass er noch im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 diente. Am 04. Februar 1871 verstarb Hermann, Fürst Pückler, auf Schloss Branitz. Er ist im dortigen Park in einer mit Gras bewachsenen Pyramide beigesetzt.

Pückler 1840

Der Nachwelt ist er vor allem als Garten-Architekt bekannt, der u. a. in Potsdam-Babelsberg die Gestaltung der unmittelbaren Umgebung des Schlosses aus den Händen von Peter-Joseph Lenné übernahm, mit dem sich die Auftraggeberin, Augusta von Sachen-Weimar-Eisenach (ja, mit diesem Hause blieb Pückler immer freundschaftlich verbunden) überworfen hatte. Dies geschah im Jahre 1843. Seine Gedankenwelt ist in jahrelanger Arbeit nachempfunden worden und kann seit Frühjahr 2017 wieder vor Ort besichtigt werden !!!!

Und natürlich lebt der Fürst Pückler in der Milcheis-Kombination von Erdbeere, Vanille und Schokolade weiter, die im deutschen Sprachraum unter seinem Namen bis heute verkauft wird.

Mein persönliches Fazit: Pückler wird dank Eiskrem und „Weltreisenden“-Flair m. E. n. von der Nachwelt bis heute zu positiv betrachtet. Ein selbstbezogener Karrierist, der sich aus finanziellen Gründen wieder von der ihm zutiefst zugetanen Ehefrau scheiden lässt, der „Soldat“, der letztlich niemals wirklich an der Front stand (und etwa die Schlacht bei Königgrätz 1866 im wahrsten Sinne des Wortes verschlief), der Gutsbesitzer, der seine Immobilien in den Ruin trieb und der Mann, der in Ägypten eine minderjährige Sklavin kauft, um mit ihr Sex zu haben. Sorry, nicht unbedingt ein Vorbild, eine Persönlichkeit, die meinen Respekt verdienen würde. Sein „Händchen“ in Sachen Parkgestaltung und Gartenbaukunst ist jedoch unbestritten und diesen „Nachlass“ des „grünen Fürsten“ kann ich anerkennen, zumal in Branitz etwa und in Babelsberg die öffentlichen Parks ja besichtigt werden können.

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