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Friedhöfe: Waldspaziergang „in den Kisseln“

Zu den Orten, von denen man sich im Großstadtgewirr vielleicht am ehesten „Ruhe und Frieden“ verspricht, gehören sicherlich Parks und Friedhöfe. Wobei manchmal beides sich oft angenehmerweise überlappt und Friedhöfe auch interessante Parklandschaften abgeben, auf denen es sich gut spazierengehen lässt. Ein solcher „Gottesacker“ ist sicher der Spandauer Waldfriedhof „in den Kisseln“.

Sie wissen es ja vielleicht schon, liebe Leserinnen und Leser, dass ich vor ein paar Jahren damit begann, mich ein wenig auf den Friedhöfen der Stadt Berlin umzuschauen. Und wer meine älteren Beiträge kennt, weiß ja auch, dass ich nicht aus morbider Neigung dorthin gehe, vielleicht um Tote heraufzubeschwören, dem Teufel zu huldigen oder sonstige, finstere Rituale abzuhalten. Nein, anfänglich erstreckte sich meine Neugier rein auf Prominentengrabstätten, auf die ich während der Recherche für den ein oder anderen Stadtausflug hingewiesen wurde.

Später dann kam der angenehm beruhigende Aspekt eines Friedhofs-Spazierganges für mich hinzu. Es hat einfach etwas sehr schön Calmierendes, wenn man im langsamen Tempo, „super-entschleunigt“ sozusagen, durch die Reihen der Grabstätten schreitet, sich den gelegentlich aufwändigen Grabschmuck anschaut oder die alten Familiengrabstätten aus alten Zeiten bewundert. Zumeist sind Friedhöfe auch gut mit Bäumen bewachsen, so dass man auch im Hochsommer hier etwas Schatten findet. Ich persönlich empfinde das als angenehm.

So bietet etwa der 1886 eröffnete und ca. 60 ha große Waldfriedhof „in den Kisseln“ in Spandau dem langsamen Spaziergänger ebenfalls eine gute Gelegenheit, ein wenig sein „memento mori“ aus dem Hinterkopf ins Bewusstsein zu holen. Den Namen hat dieser Ort übrigens von einer alten Flurbezeichnung bekommen. „Küsseln“ wurden einst Kiefern-bewachsene Sandhügel genannt. Man kann sich also vorstellen, welcher Baum hier vorherrscht und wie die Bodenqualität bewertet werden muss.

„Ihren im Weltkrieg 1914 – 1918 gefallenen Söhnen, die Stadt Spandau“

Man wird aber auch nachdenklich an solchen Orten. Wenn man etwa zu diversen Grabfeldern für Opfer der Weltkriege gelangt. Oftmals mit interessanten Gedenksteinen, Plastiken oder Sinnsprüchen geschmückt, wird man oft erst hier ein wenig beklommen. Bekommt erst hier manche Details zu erfahren, die man eigentlich gar nicht „fassen“ möchte. So etwa auf dem Gräberfeld für die Gefallenen Spandauer des Ersten Weltkrieges. Das Erstaunliche nämlich ist, dass viele von ihnen Todesdaten von nach dem 11. November 1918 haben. Der Waffenstillstand wurde an diesem Tag unterschrieben, aber hier finden wir Opfer vom Dezember oder Januar 1919. Opfer von Kriegsverletzungen ? Gasvergiftungen ? Opfer der Revolutionswirren, für die man keine anderen Beisetzungsplätze fand ? Auf den ersten Blick ist das nicht zu erkennen. Es lässt den Besucher etwas ratlos zurück.

Auf dem Spandauer Friedhof „in den Kisseln“ finden sich mehrere Grabfelder für Soldaten und andere Opfer von Krieg und Diktatur. Es finden sich auch noch alte Familiengrabstätten, die einstmals die „Außenmauer“ des alten Friedhofes bildeten, bevor dieser zu Anfang des 20. Jahrhunderts erstmalig erweitert wurde. Schon damals war er und ist es bis heute geblieben, der wichtigste Friedhof Spandaus, sozusagen sein „Zentralfriedhof“.

Grabstätte Koeltzes in Spandau.

Seine Bedeutung ist auch daran zu ersehen, dass diverse Bürgermeister, Berliner Stadtälteste und sonstige Lokalpolitiker hier eine eigene „Abteilung“ haben. So ist etwa der erste, letzte und einzige „Oberbürgermeister“ Spandaus, der tatkräftige Friedrich Koeltze, hier beigesetzt. Wie es heißt, auf eigenen Wunsch übrigens nicht mit vollem Namen „Friedrich Wilhelm Georg“, sondern nur als „Fritz“ Koeltze.

Nun, auch die „Totenruhe“ kann natürlich nicht immer Priorität haben und so sind die eifrigen Grünpfleger des städtischen Friedhofs immer damit befasst, Rasenkanten zu trimmen, Äste zu beschneiden etc. Maschinenlärm und gelegentlich vorbeiflitzende Fahrzeuge der Friedhofsbetreuer mindern den Eindruck von Ruhe und Frieden gelegentlich etwas, aber man ist ja, die Spandauer mögen mir diese Aussage verzeihen, immer noch in Berlin, wo es eben immer etwas lebendiger zugeht, als anderswo.

Die Inschrift auf einem einzelnen Grabstein hat mich immerhin ein wenig mitgenommen, weil sie sich so merklich von den biblischen Sinnsprüchen und diversen rührseligen „wir vermissen dich“ – Botschaften abhob: „warum nur, warum“. Der unbewältigte Schmerz der Hinterbliebenen, das völlige Unverständnis darüber, wie ihre Lieben (es war ein Doppelgrab) ihnen vermutlich so abrupt entrissen werden konnten. Darüber lässt und ließe sich viel nachgrübeln. Über die Unvermeidlichkeit des Todes und die Tatsache, dass er oftmals zum „falschen Zeitpunkt“ für das persönliche Umfeld eintritt. Die krampfhafte Untröstlichkeit derer, die keinen Halt in Dingen wie dem Glauben, irgendeiner obskuren Philosophie oder Ähnlichem finden, sprang mich aus diesen drei Worten auf dem Grabstein an und machte mich ein wenig beklommen.

Nun, die Glocken des Turmes der „Feierhalle“ (da es kein kirchlicher Friedhof ist, kann man es nicht „Kapelle“ nennen) weckten mich dann aus meinen Überlegungen und so beschloss ich, meinen Vormittagsspaziergang wieder am Haupteingang zu beenden. Ich empfehle es weiter, sich hier ein wenig Ruhe beim Spazierengehen zu verschaffen, sich ein wenig mit Zeit und Vergänglichkeit, mit Krieg undTrost, Ruhe und gelegentlichem Fluglärm auseinanderzusetzen. Es erdet den Besucher ein klein wenig. Auch wenn der Friedhof „in den Kisseln“ kein ausgesprochener „Prominentenfriedhof“ sein mag, so ist er in jedem Falle die Zeit wert, sich ihn anzuschauen.

Nachtrag vom 12. November 2018:
Wenn der Friedhof „in den Kisseln“ für etwas Schlagzeilen machte in den letzten Jahren, dann war das die „Invasion der Schwarzkittel“. In anderen Worten: Wildschweine haben es sich auf dem Gelände gemütlich gemacht.
Wer es noch nicht wusste: seit Jahren schon dringen aus den Brandenburger Forsten Wildschweinfamilien nach Berlin ein. Da sie unverantwortlicherweise von Anwohnern gefüttert werden, haben sie oftmals die natürliche Scheu vor dem Menschen verloren und vermehren sich so fleißig, dass die Außenbezirke mit ihren Parks und Forsten schon öfters von ihnen heimgesucht wurden. Die Grünflächen vor meinem Wohnhaus z. Bsp. wurden vor einigen Jahren regelmässig von Wildschweinen aufgewühlt. Wer morgens das Haus verließ, sah die Spuren ihrer Suche nach Nahrung deutlich. Ein einzelnes Wildschweinpaar soll (ich habs nicht persönlich gesehen) sich vor einigen Jahren sogar bis zum Alexanderplatz durchgeschlagen haben. Einzelne Forsten haben zwischenzeitlich schon besonders beharrliche „Rotten“ zum Abschuss freigegeben.  Allerdings nicht durch private Jäger sondern nur durch Angestellte und Beauftragte der Forstämter.

die „wilde Wutz“

Langer Vorrede, kurzer Sinn: auch das eigentlich gut durch Zäune gesicherte Gelände des Friedhofes „in den Kisseln“ wurde irgendwann vom „wilden“ Borstenvieh entdeckt. Da Wildschweine keine dummen Tiere sind, fanden sie, wie so oft, einen Weg aufs Gelände. Wühlten sich sozusagen „unter den Zäunen durch“. Das Spandauer Bezirksamt, dem dieser Friedhof untersteht, versucht also seit längerer Zeit, diese Einfallsmöglichkeiten zu sperren. Durch Fundamente unter den Zäunen etc. Derweil haben es sich aber manche Schwarzkittel schon auf dem Gelände gemütlich gemacht. Das geht soweit, dass sie Grabstätten beschädigen und Absperrungen durchbrechen. Mittlerweile haben sich Betroffene Familienangehörige an das Bezirksamt gewandt und um Abhilfe gebeten.
Erst im September 2018 wurde in der Lokalpresse bekannt, dass ca.  150 Unterschriften gesammelt und über einen Vertreter der Friedhofsgärtnerei der Verwaltung überbracht wurden. Die Frage ist natürlich: wie bekommt man die „wilde Wutz“, wenn sie es gemütlich hat, wieder vom Gelände ? Na, ja, wir wissen, der Amtsschimmel wiehert laut, aber läuft sehr, sehr langsam. Ich bleibe dran und werde verfolgen, ob etwas passiert. Vermutlich gibts bald einen „Runden Tisch“ mit Vertretern von Tierschutzverbänden, der „Farm der Tiere“ und dem Rennschwein Rudi Rüssel….

Anfahrt:
am besten mit den „Öffentlichen“:
von „Rathaus Spandau“ mit dem Bus 134, Richtung „Wasserwerk Spandau“, bis Station „Friedhof in den Kisseln“.

Geöffnet:

07.30 Uhr – 18.00 Uhr

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Persönlichkeiten: der „eiserne Bürgermeister“ – Friedrich Koeltze

Ehrlich gesagt, vermute ich, dass es von seiner Art so einige gab zu seiner Zeit in unserer Region. „Wohlanständige“, bürgerliche Interessen- und Sachwalter ihrer Städte und deren Bewohner. Was den ehemaligen Spandauer Bürgermeister Friedrich Koeltze möglicherweise heraushebt, sind die diversen Probleme, die sich ihm im Amte stellten und vor allem die Länge seiner Amtsdauer als solche. Koeltze war offensichtlich einer, den man weder leicht vom Stuhle hauen konnte, noch einer, der sich Partei-Interessen unterwarf. Für uns Heutige praktisch unvorstellbar. Ein paar kurze Zeilen über den „eisernen Bürgermeister“:

Friedrich Wilhelm Georg Koeltze 1852-1939, Januar 1917, mit Amtskette

Und wie so oft bei meinen Beiträgen aus der Rubrik „Persönlichkeiten“ unserer Region beginnt das Leben Friedrich Koeltzes weder in Berlin, noch Spandau, noch in der Kurmark. Vielmehr wurde er am 23. April 1852 in Züllichau in der Neumark geboren (heute „Sulechow“, Woiwodschaft Lebus in Polen). Nach einem Jurastudium, welches ihn u. a. nach Breslau und Berlin geführt hatte, legte er 1874 sein erstes Staatsexamen ab. Wie zu dieser Zeit üblich, kam dann der Militärdienst, den Koeltze im 2. Brandenburgischen Grenadier-Regiment „Prinz Karl von Preußen“ in Frankfurt/Oder absolvierte. Er verließ diesen Dienst als Reserveoffizier. Auch dies in gutbürgerlichen Kreisen durchaus üblich und zur damaligen Zeit für eine Karriere im Staatsdienst so eine Art Grundvoraussetzung. „Ungedient“ ging gar nicht ! Im wilhelminischen Deutschland musste man befehlen und gehorchen gelernt haben, bevor man „aufs Volk“ losgelassen wurde. 🙂

Seine Karriere als Staatsdiener begann dann mehr oder minder zufällig im vorpommerschen Stralsund als Stadtrat. Wir müssen uns daran erinnern, dass Gesamtpommern damals zum preußischen, nicht nur zum deutschen, Staatsgebiet gehörte, um uns klarzumachen, warum dies keine ganz große Überraschung ist. Heute, angesichts der Zugehörigkeit des kleinen Restes Vorpommern, der Deutschland geblieben ist, zum Bundesland „Mecklenburg-Vorpommern“ mag die Verbindung Brandenburgs zu Stralsund ein wenig in Vergessenheit geraten sein.

1879 jedenfalls legte Koeltze auch die Staatsprüfung zum „Assessor“ ab. Am 01. April 1886 schließlich holten ihn die Spandauer in ihre Stadt, wählten ihn zum Bürgermeister und das war kein Aprilscherz. Schon im Jahre darauf wurde Spandau (bis 1878 noch „Spandow“) aus dem Landkreis Osthavelland, dem es zu entwachsen begann (eine Verwaltung von Nauen aus erschien immer mehr ineffizient), entlassen und bildete in Brandenburg einen unabhängigen „Stadtkreis“.

Teil der Festungsstadt Spandau: das „Fort Hahneberg“

Koeltze hatte jetzt grundlegende Probleme zu lösen. Zum einen war Spandau im Jahre 1873 „Festungsstadt“ geworden, was weiterhin für eine stärkere Regulierung der Bau- und Entwicklungspolitik sorgte, als sie andere Gemeinden Preußens haben mochten. Andererseits waren die durch den Festungsstatus zu beschützenden Waffenfabriken in Spandau samt und sonders staatlich. D. h. sie zahlten KEINE GEWERBESTEUERN an die Kommune, die aber dennoch durch den Zuzug neuer Fabrikarbeiter vor immense Struktur-Probleme gestellt wurde.

Ohne jetzt weiter auf das vielleicht etwas dröge Thema „Kommunalpolitik im Kaiserreich“ weiter eingehen zu wollen, hoffe ich doch Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ein wenig die Problemlagen, denen sich der Spandauer Bürgermeister Friedrich Koeltze gegenübersah, nähergebracht zu haben. Die Nachbarstadt Charlottenburg etwa stand finanziell immer wesentlich besser da. Ups, jetzt habe ich Ihnen doch glatt Koeltzes Hochzeit mit der knapp 4 1/2 Jahre älteren Maria Auguste Lauer im Jahre 1880 unterschlagen. Na, besser spät, als nie. Aus dieser Ehe gingen zwei Söhne hervor, die ihre Eltern jedoch nur um wenige Jahre überlebten.

Zur Zeit von Koeltze passierten in Spandau viele Dinge innerhalb eines überschaubaren Zeitraums. Man darf annehmen, dass auch er und seine Verwaltung an vielen davon ihren Anteil hatten:

  • 1895 wurde in der Spandauer Altstadt (Lindenufer Ecke Kammerstraße) die offizielle Synagoge der sich entwickelnden jüdischen Gemeinde Spandaus errichtet, die sog. „Vereinssynagoge“. Sie wurde bei den Pogromen 1938 niedergebrannt und ihre Reste später abgetragen.
  • 1897 nimmt Spandau endlich ein eigenes Wasserwerk, in der Pionierstraße gelegen, in Betrieb. Auch beginnt nun endlich der systematische Ausbau einer Kanalisation.
  • ab 1897 siedelte sich die Fa. „Siemens und Halske“ auf den historisch zu Spandau gehörenden „Nonnenwiesen“ an. Der Anfang der sog. „Siemensstadt“, die sich bis heute die Bezirke Charlottenburg und Spandau teilen, war gemacht.
  • 1903 wurde endlich der Festungsstatus Spandaus aufgehoben. Das Abtragen der alten Wälle und Bastionen konnte beginnen, ebenso wie Planungen für ein neues Rathaus.
  • Um 1909 begann die Einrichtung der sog. „Spandauer Vorortbahn“ nach Berlin. Sie war speziell für den Nahverkehr gedacht und wurde später elektrifiziert und der S-Bahn zugeschlagen.
  • 1910 wurde mit dem Bau des heutigen Rathauses Spandau begonnen, ein Jahr später war Grundsteinlegung. 1913 wurde das Gebäude schließlich eingeweiht und bezogen, wodurch das teils baufällige, alte, am „Markt“ gelegene Rathaus abgerissen werden konnte.
  • Ab 1914 wurde die „Gartenstadt Staaken“ erbaut. Ein modernes Bauprojekt, das vor allem den zugezogenen Neu-Spandauern Wohnraum mit etwas „Grün“ drumherum verschaffen sollte.
Rathaus Spandau. 1910-13 unter der Ägide Koeltzes erbaut.

Am 18. Februar 1894 erhielt Koeltze ganz offiziell den Titel eines „Oberbürgermeisters“. Zuvor hatten ihm die Spandauer bereits die Würde des „Bürgermeisters auf Lebenszeit“ verliehen.

Während der Revolutionsmonate im Winter 1918/19 musste es der mittlerweile in Ehren ergraute Koeltze noch erleben, wie ihm erst ein „Arbeiter- und Soldatenrat“ (ASM) aus mehr oder minder SPD-nahen Vertretern an die Seite gestellt und er damit weitgehend entmachtet wurde. Im Januar 1919 dann wurde selbst diese Stadtverwaltung von spartakistisch-kommunistisch gesonnenen Revoluzzern unter vorgehaltener Waffe aus dem erst 1913 bezogenen Rathaus gejagt. Unter Einsatz regierungstreuer Truppen aus den Kasernen in der Wilhelmstadt konnten diese nach wenigen Tagen jedoch wieder vertrieben werden. Koeltze, immerhin bereits 66 Jahre alt, war jedoch von den Vorgängen so angegriffen, dass er im März 1919 sein Amt aufgab.

Den wohl einzigen internationalen „claim to fame“, den man Friedrich Koeltze anhängen kann, ist vielleicht dessen Erwähnung in einigen US-Zeitungen im Mai 1914. Sein angedachtes „Hundeverbot“ in Spandau, dessen Sinn und Zweck wohl diverse Opfern von „Tretminen“ unserer Vierbeiner verstehen können, empörte die deutschen Auswanderer in der Ferne. Nun, es ließ sich schließlich auch nicht durchsetzen, weshalb ich heute wieder sorgsam diversen Hinterlassenschaften von Hunden ausweichen muss, wenn ich auf Spandauer Pflastern unterwegs bin.

Koeltze erlebte also die Eingemeindung „seines“ Spandaus nach Berlin, der er mit einer gewissen Skepsis gegenüberstand, im Jahre 1920 nicht mehr im Amt. Die Wahl zum „Stadtältesten von Berlin“, (einem Ehrentitel, den verdiente Mitarbeiter der Stadt erhalten konnten,) durch den Magistrat von Berlin im Jahre 1924 lehnte er jedoch nicht ab. 1933 wurde der auf dem ehemaligen Friedhof der Nikolaikirchengemeinde errichtete, kleine Park in der Spandauer Neustadt nach ihm benannt.

Grabstätte Koeltzes in Spandau.

Am 25. Juni 1939 verstarb Friedrich Koeltze, übrigens drei Jahre nach seiner Frau, und wurde auf der für Honoratioren reservierten Abteilung des Spandauer Waldfriedhofes „in den Kisseln“ beigesetzt.

Was bleibt als Fazit ? Friedrich Koeltze war Bürgermeister in einer Zeit, in der sich vieles veränderte. Die Sozialstrukturen, die Arbeitsverhältnisse, die Wohnbedingungen etc. Für „seine“ Stadt, deren Eingemeindung nach „Groß-Berlin“ ihm keinesfalls eine Herzensangelegenheit war, versuchte er die besten Bedingungen zu schaffen. Er gemeindete 1908 die „Nonnenwiesen“ endgültig ein, um die wachsenden Siemenswerke zumindest soweit wie möglich zu vereinnahmen. Was immer vorteilhaft für die Stadt war, befürwortete er und setzte sich nachdrücklich dafür ein, wie etwa die „Entfestigung“ Spandaus, die schließlich 1903 beginnen konnte oder das Anlegen einer Kanalisation, was viel zu lange ignoriert worden war. Von seiner Art gab es sicher zu dieser Zeit so einige Vertreter in diversen Rathäusern in Brandenburg, Pommern, Schlesien, usw. Koeltze, der immer Jurist blieb und sich keiner Partei wirklich zurechnen ließ, hielt sich aber immerhin fast 33 Jahre auf dem Bürgermeistersessel, bis ihm die Not der Kriegsjahre 1914-18 und die Wirren der darauf folgenden Revolutionszeit sein Alter vor Augen führten. Ehre, wem Ehre gebührt, dieser Mann leitete seine Stadt von den letzten Ausläufern der alten „Ackerbürgerstadt“ hin zum Industriestandort „im Grünen“ mit Anschluss an den Nahverkehr Berlins. Keine einfache Aufgabe, dafür gebührt ihm Respekt.

Quellen:

Texte:

  • wikipedia,
  • „Altstadt Spandau und drumherum“, AG Altstadt, 2012,
  • „Spandauer Blätter – die Bürgermeister“, Kulturring in Berlin e. V. , 2009

Bilder:

Persönlichkeiten: die letzte Kaiserin

Zugegeben: die Nachwelt, auch die Geschichtsschreibung ging und geht bis heute recht rauh mit der letzten, deutschen Kaiserin um. Wenn sie nicht gar gleich ganz ignoriert wird. Vielleicht, weil sie einerseits für Feministinnen so gar nichts hergibt, vielleicht, weil sie andererseits keine strahlende Schönheit war, die über ihre reine Ausstrahlung fasziniert hätte. Vielleicht, weil man hierzulande mittlerweile schon das Wort „Monarchie“ anstößig findet und deren Existenz nur für andere Staaten gelten lässt. Wer weiß. Dennoch gibt es bemerkenswerte Züge an dieser Auguste Viktoria, die es zu würdigen gilt, wie ich finde. Widmen wir uns also mal kurz dieser Frau, deren Größe (und Tragik !) vielleicht nicht im Politischen lag, sondern im rein Menschlichen.

Gemälde der Kaiserin Auguste Viktoria, 1908

Sie kam nie wirklich gut weg im Leben ebenso wie in der Nachbetrachtung. Schon die Geburt in eine Fürstenfamilie, die vor kurzem ihr Herzogtum verlassen musste und im preußischen „Exil“ lebte, war nicht gerade der „Jackpot“ fürstlicher Existenz im Deutschland des 19. Jahrhunderts. 1858 in Dolzig/Niederlausitz als
AUGUSTE VIKTORIA FRIEDERIKE LUISE FEODORA JENNY VON SCHLESWIG-HOLSTEIN-SONDERBURG-AUGUSTENBURG geboren, war der lange Name wie so oft ein Indiz dafür, dass das Haus, aus dem sie stammte, eigentlich nur einen winzigen Landstrich für sich beanspruchen konnte. Motto: je länger der Name, desto unbedeutender der Fürst.

Und ihr Großvater hatte noch dazu 1852 gezwungenermaßen Schleswig-Holstein-Lauenburg verlassen müssen, immerhin ohne seine Erbansprüche darauf aufzugeben. Diese vermachte er Auguste Viktorias Vater Friedrich, als diese erst 5 Jahre alt war, 1863. Ihr Vater zog wieder nach Kiel und wollte tatsächlich regieren. Ohne jetzt in die Details des Deutsch-Dänischen Krieges von 1864 eindringen zu wollen, weil das nicht zu diesem kleinen Personenporträt gehört, war das Langzeitergebnis, dass Schleswig-Holstein-Lauenburg 1867 eine preußische Provinz wurde. Die Familie Auguste Viktorias war damit entmachtet und zog sich ins Schlesische Primkenau zurück. Da war Auguste Viktoria gerade 9.

Es gab mehrere Gründe, warum die Vermählung von Auguste Viktoria mit dem deutschen Kronanwärter und preußischen Prinzen Wilhelm so ungewöhnlich und überraschend war:

  1. Das Haus Oldenburg, deutsche Linie „Augustenburg“ (im Gegensatz zu den „Glückburgern“), war eigentlich nicht auf  „Augenhöhe“ mit dem Haus Hohenzollern, brandenburgische Linie. Üblicherweise wurden die Ehefrauen für preußische Prinzen eher in den Häusern noch regierender Fürsten gesucht und das war Auguste Viktorias Vater ja spätestens seit 1867 nicht mehr. Kurz: die junge Frau war eigentlich „unter Stand“ für Wilhelm, dessen eigene Mutter noch eine Tochter der Englischen Königin und damit Prinzessin von England war.
  2. Es konnten „bürgerliche“ Vorfahren in Auguste Viktorias Stammbaum gefunden werden. Im Fürstenalltag des 19. Jahrhunderts war das ein Ausschlusskriterium für eine Hochzeit in den absoluten Hochadel ! Die Zeiten von „William und Kate“, „Felipe und Letizia“ oder gar einer Schauspielerin wie Meghan Markle sind noch sehr, sehr lange nicht in Sicht.
  3. Auguste Viktoria war gut drei Monate älter, als Wilhelm. Für eine Fürstenehe, aber auch bei „Bürgerlichen“ dieser Zeit eher ungewöhnlich und bei Erstvermählten ungern gesehen.
  4. Haus Oldenburg, deutsche Linie, speziell Auguste Viktorias Vater Friedrich VIII. war de facto in der Folge des Deutsch-Dänischen Krieges von 1864 entmachtet und als Einflussfaktor von Bismarck beiseitegeschoben worden. Vielleicht, weil sie als Sympathisanten Österreichs galten, wer weiß. Die Gefühle von Friedrich gegenüber Haus Hohenzollern konnte man sich also vorstellen. Eine ungewöhnliche, eigentlich unerwünschte Konstellation.
Kaiserin Auguste Viktoria mit ihrer einzigen Tochter Viktoria Luise, ca. 1912

Wer also wollte diese Ehe ? Außer den beiden Beteiligten ? Richtig: im Haus Hohenzollern eigentlich nur die Eltern des Bräutigams, die froh waren, ihren „verkrüppelten“ Jungen ein eigenes Nest bauen zu sehen. Ganz gleich, mit wem. Und so wartete man einfach ab, bis Auguste Viktorias Vater Friedrich VIII. verstorben war, um die Ehe der beiden zu besiegeln. Das war1881.

Ich merke, der Text wird scheinbar länger, als ich wollte. Also beschleunige ich mal ein bischen. Auguste Viktoria wird sieben Kinder bekommen. Die Hochzeit der jüngsten und einzigen Tochter Viktoria Luise im Jahre 1913 wird noch einmal als großes Fest des Hochadels und der europäischen Fürsten in Berlin gefeiert, bevor der Erste Weltkrieg all dieser Feudalherrlichkeit ein Ende bereiten wird.

Auguste Viktoria war vor allem eine „charity lady“, wie man es heute nennen würde. Sie hielt sich aus der „Weltpolitik“ weitestgehend heraus (wohl mit einer Ausnahme, auf die ich aber hier nicht eingehen will), engagierte sich aber für Vereine und Stiftungen, die bestimmte Anliegen vertraten. Diese Rolle ist durchaus mit der diverser US-„first ladies“ der letzten Jahrzehnte vergleichbar. Noch heute sind auch diverse Plätze, Straßen, Krankenhäuser o. ä. Dinge nach Auguste Viktoria benannt. Und das nicht ganz grundlos. War sie doch z. Bsp. als größte Förderin des evangelischen „Kirchenbauvereins“ bekannt, der versuchte, in den Neubau-Kiezen des während der Kaiserzeit geradezu „explodierenden“ Berlins eine geistliche Versorgung der Einwohner durch Kirchen- und Gemeindebauten sicherzustellen. Was ihr bei den Berlinern den nur halb abfällig gemeinten Spitznamen der „Kirchenjuste“ einbrachte.

Kaiserin Auguste Viktoria, Foto, ca. 1913

Im Ersten Weltkrieg war es vor allem Auguste Viktoria, die Lazarette besuchte, Angehörige Gefallener aufzumuntern versuchte und zur Unterstützung der Front-Truppen aufrief. Während ihr Mann, der Kaiser, angesichts der Grauen des Krieges immer mehr versteinerte und mental mit der Situation überfordert war, lief Auguste Viktoria zu Hochform auf. Allerdings nur bis August 1918, als sie ihren ersten Schlaganfall erlitt. Im „zarten“ Alter von fast 60 Jahren.

Zu dieser Zeit musste sie bereits den „Laden“ im Neuen Palais zu Potsdam alleine „schmeißen“. Der Kaiser war zumeist im „Großen Hauptquartier“ der Truppen in Frontnähe und zumindest pro forma bei der OHL. Am 29. September 1918 hatte Ludendorff ihm dort zu verstehen gegeben, dass jetzt die Zeit für die Aufnahme von Waffenstillstandsverhandlungen gekommen sei. Noch einmal kehrte der Kaiser ins Neue Palais zu seiner Frau zurück, nur um am 29. Oktober 1918 endgültig die Heimat zu verlassen. Gerüchteweise soll er den kurzen, ca. 7 minütigen Spaziergang zum „Kaiserbahnhof“ zu Fuß gemacht haben. Ahnte er, dass er nie wieder zurückkehren würde ? Denn am 09. November 1918 wird, absolut faktenwidrig, von Scheidemann in Berlin die „fake-news“ vom Reichstagsfenster verkündet, der Kaiser habe abgedankt. Er wird es, nachdem er Garantien für seine Familie erhält, jedoch erst am 28. November in Holland, im Exil, tun. Die Republik wurde also 19 Tage zu früh ausgerufen.

ehemaliger Kaiserbahnhof in Potsdam, Park Sanssouci

In dieser historischen Situation bekommt Auguste Viktoria kaum Zeit für die notwendige Rekonvaleszenz nach dem o. e. Schlaganfall. Sie muss befürchten, von den Revolutionswirren im Lande in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Zwar stellt auch der Arbeiter- und Soldatenrat Potsdams eine Wachtruppe für das Neue Palais ab, aber deren Mitglieder verkrümeln sich in größeren Zahlen heimlich still und leise. Und wie steht es um die Besitztümer der Kaiserin ? Die neue Regierung der Republik hat ja praktisch sofort alles Eigentum der Monarchenfamilien konfisziert. Immerhin trennt man hier „sauber“ nach Staats- und Privateigentum. Was zum „Staatseigentum“ erklärt wird, verbleibt in Deutschland, was als Privateigentum der Kaiserfamilie gilt, darf abtransportiert werden.

In dieser unsicheren Situation muss Auguste Viktoria fast alle ihrer Bediensteten entlassen (die allerdings z. T. vom Staat noch eine Weile weiterbezahlt werden, wie mir gesagt wurde) und kann erst am 27. November 1918 das Neue Palais verlassen, nächtigt noch einmal in der Potsdamer Villa Ingenheim ihres Sohnes Eitel Friedrich und wird dann in einer „Nacht- und Nebel“-Aktion mit dem Zug nach Holland gefahren, wo sie ihren Mann trifft. Erstaunliches Detail: Auguste Viktoria war niemals von den Siegermächten angeklagt worden, wurde von niemandem ernsthaft (vom Ausland zumindest) angefeindet oder wirklich bedroht und hätte, im Gegensatz zu Kaiser Wilhelm II. , in Deutschland bleiben können, wenn sie es denn gewollt hätte ! Wir werden gleich sehen, dass dieses Detail eine Rolle spielt. Die neue Republik immerhin wird froh gewesen sein, sie als Relikt der alten Zeit, losgeworden zu sein.

Die letzten Monate ihres Lebens verbringt Auguste Viktoria, nun eben „Ex-“ Kaiserin, im niederländischen Exil mit Wilhelm II. Die Auslieferung ihres Gatten an ein Tribunal der Siegermächte des Ersten Weltkrieges steht bis zum Abschluss des Versailler Vertrages 1919 immer wieder im Raum und ängstigt sie. Schließlich stünde das Todesurteil als klassische Siegerjustiz ja bereits vor der Anklage fest. Die Welt braucht ja immerhin einen Sündenbock für die Katastrophe des Ersten Weltkrieges und der sperrige, früher so gerne verbalradikale Ex-Kaiser böte sich als Bild eines Kriegstreibers geradezu an. Vae victis.
Jedoch bleibt die niederländische Königin Wilhelmina, die dem Ex-Kaiser versprach, ihn in ihrem Lande unbehelligt leben zu lassen, bei ebendieser Zusage und lässt sich durch keinen noch so großen Druck dazu bringen, diese zu brechen.  Was ihr in der latent deutschenfeindlichen Bevölkerung ihres Landes und bei holländischen Politikern wenig Sympathien einbringt, ihr aber m. E. n. bis heute große Ehre macht ! Eine Frau, ein Wort.

Gedenkpostkarte nach dem Tode von Auguste Viktoria, 1922

Die gesundheitlich angeschlagene Ex-Kaiserin Auguste Viktoria jedoch muss nun noch einen herben Schlag hinnehmen. 1920 erschießt sich ihr jüngster Sohn Joachim (, der übrigens seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten war) in Potsdam, in der Villa Liegnitz. Die gesundheitlich angeschlagene Auguste Viktoria leidet darunter sehr.
Sie stirbt am 11. April 1921 in den Niederlanden, in Huis Doorn. Da sie, wie oben erwähnt, aber nicht in irgendeiner Weise strafrechtlich verfolgt wird und deshalb de jure keine „persona non grata“ ist, kann ihr Leichnam, ihrem Wunsche gemäß, am 19. April 1921 im Park Sanssouci zu Potsdam, im sog. „Antikentempel“ beigesetzt werden. 200.000 Menschen, darunter diverse Repräsentanten des „ancién régime“, geleiten ihren Sarg und bekunden so ihre Trauer um die durchaus nicht unpopuläre Ex-Kaiserin, welche unbedingt bis zum letzten Atemzug bei ihrem im Exil „darbenden“ Ehemann sein wollte. Dieser durfte ebenso wie sein ältester Sohn Friedrich Wilhelm an der Beisetzung nicht teilnehmen.
https://www.filmportal.de/video/das-begraebnis-der-ehemaligen-kaiserin-auguste-viktoria

Aber ein paar kleine „Spitzen“ kann sich Wilhelm doch nicht verkneifen, um der Weimarer Republik ein wenig seinen Missmut auszudrücken. Echte Großmut hat sich mit ängstlicher, krampfhafter Kleingeisterei schon immer in seinem Charakter verbunden. So wird er im Jahre 1922 folgende Sätze niederschreiben:

Der Kaiserin hat der Umsturz das Herz gebrochen. Sie alterte vom November 1918 an zusehends und konnte den körperlichen Leiden nicht mehr die frühere Widerstandskraft entgegenstellen. So begann bald ihr Siechtum. Am schwersten trug sie das Heimweh nach der deutschen Erde, nach dem deutschen Lande. Trotzdem suchte sie noch mich zu trösten …
(Wilhelm II.: Ereignisse und Gestalten aus den Jahren 1878–1918. S. 288)

Postkarte des Kaiserpaares, ca. 1910

Ein „ausgestreckter Mittelfinger“ des unwirschen Wilhelm in Richtung Berlin, wo er praktisch fast schon vergessen war. Dass Auguste Viktoria zwischen ihrer liebgewonnenen Heimat und ihrem Ehemann die Wahl gehabt hatte, ist ihr vielleicht erst in den Niederlanden so richtig bewusst geworden. Und so sehr sie Deutschland ergeben war, so sehr hing sie am Ende noch an ihrem Mann. So sind die etwas sehr emotionalen letzten Worte, die ihr (aller Voraussicht nach zu Unrecht) in den Mund gelegt werden, zu verstehen:

Ich darf nicht sterben, ich kann doch den Kaiser nicht allein lassen.

Mein Fazit:
Eine biedere, ja fast schon für ihre eigene Zeit rückwärtsgewandte Figur, die aber in ihrer Leidenschaft für das scheinbar „Banale“, das Alltägliche und „Normale“ nie wankte. Die nicht nur beharrliche, sozusagen „preußische“ Pflichterfüllung verkörperte, sondern tatsächlich das Alltägliche, auch das Karitative, die „charity“ in anderen Worten, zu ihrer eigenen Angelegenheit machte. Damit gab und gibt sie diversen Politikergattinen bis heute ein Beispiel.
Sie muss auch als Ehefrau gesehen werden, die dem schwierigen Charakter ihres Gatten zum Trotz bis zum letzten Atemzug loyal zu ihm blieb. Nicht wankte und auch aus freien Stücken in die Niederlande ging, wie ihre Tochter Viktoria Luise später zu Protokoll geben wird.
Und gerade deshalb war sie, die „Kirchenjuste“, wohl, selbst nach Einschätzung mancher Historiker, sogar beliebter beim Volk, als Wilhelm II. selbst, der selbst in der engeren Hofgesellschaft immer etwas „ungelenk“ und sperrig auftrat. Sie verkörperte ironischerweise als Gattin eines Monarchen, als Fürstin, die bürgerlichen „Tugenden“ einer untergehenden Epoche so perfekt, dass sie zwar nirgends „aneckte“, aber sich so viele Sympathie sichern konnte.

Hat Auguste Viktoria, die letzte Kaiserin, außer den Namen von Straßen, Plätzen, Schulen (die größtenteils mittlerweile neue, „republikanische“ Namen tragen) oder Krankenhäusern noch etwas „Bleibendes“ hinterlassen ?

Quellen:

  • wikipedia,
  • Karin Feuerstein-Praßer, „Die Deutschen Kaiserinnen“, Piper Verlag, 2008 (Taschenbuchausgabe),
  • TV-Dokumentation, „das Neue Palais – Aufstieg und Fall Preußens“, rbb, 2018

Bildmaterial:

Persönlichkeiten: Ernst von Ihne – der präsente Unbekannte

Liebe Freunde der Clemens Kurz Stadtpaziergänge, mittlerweile kennen Sie ja meine kleinen Porträts von Architekten, die mit ihren Bauten das Stadtbild Berlins veränderten. Hier nun ein paar Zeilen über einen, an dessen Bauten man vorübergeht, zumeist ohne den Namen des Architekten zu kennen: Ernst von Ihne. 

Fassadendetail vom Bodemuseum

Die Kaiserzeit in Deutschland hatte ihre „Stil-Ikonen“, ihre Maler, Bildhauer und Architekten, die in unterschiedlicher Weise den Zeitgeschmack prägten und auch widerspiegelten. Leider bin ich selbst kein Kunsthistoriker oder Architektur-Experte, aber Begriffe wie „Historismus“ oder „Neo-Barock“ verfolgen jemanden, der sich in diese Zeit hineinliest, natürlich auf Schritt und Tritt.

Da tauchen dann Namen auf wie der des Bildhauers Reinhold Begas oder der des Malers Adolph von Menzel. Unter den Architekten dann Johann Heinrich Strack und die „üblichen Verdächtigen“ wie Franz Schwechten, Paul Wallot oder Carl-Julius Raschdorff. Vielleicht in Berlin noch Ludwig Hoffmann. Wer aber zumeist ausschließlich in Verbindung mit einem von ihm entworfenen Gebäude genannt wird, ist Ernst von Ihne. Der ehemalige Hofarchitekt und „wirklich geheime Oberbaurat“ seiner Majestät des Kaisers. Selbst heute im Internetzeitalter sind die über ihn verfügbaren Informationen doch erstaunlich begrenzt. Versuchen wir trotzdem einmal, uns seiner Person zu nähern.

Und wie so häufig bei uns in Berlin beginnt die Geschichte des Ernst von Ihne nicht in Berlin. Wie viele, vielleicht bekanntere Persönlichkeiten der Stadt wurde er überhaupt nicht hier geboren. Stattdessen in Elberfeld, was heute ein Stadtteil von Wuppertal ist. Da fällt mir doch auf, dass viele Schöpfer des Historismus  aus dem „Westen“ oder dem Rheinischen stammten. Raschdorff, Schwechten oder Wallot seien dafür als Beispiele ausreichend. Ihne wurde jedenfalls im heutigen Wuppertal im Revolutionsjahre 1848 geboren.

Schon früh wollte er ein Baumeister werden. Nach dem Schulabschluss studiert er bis 1867 an der Technischen Hochschule Karlsruhe. Dann bis 1870 an der Berliner Bauakademie, die einst unter Schinkel Größe und Bedeutung erlangt hatte. Ausgerechnet im Kriegsjahr 1870 zieht es den jungen Ernst Ihne nach Paris, wo er dann 1872 seine Studien an der „Ecole de Beaux Arts“ mit der Baumeisterprüfung abschließt. Allerdings musste er sich dafür, um dem Hass der Franzosen auf Deutsche keine Projektionsfläche zu geben, als „Engländer“ in Paris einschreiben. So musste er zumindest pro forma keine Diskriminierungen oder Schlimmeres befürchten.

„Staatsbibliothek“ Unter den Linden

Erst im Jahre 1877 machte er sich mit seinem Partner Paul Stegmüller selbständig. Sie gründeten das „Büro für Architektur und Kunstgewerbe“ in Berlin. Ihne wurde sogar Gründungsmitglied des „Vereins Berliner Architekten“. Von nun an gehts bergauf. Bis hin zu Auftragswerken für den preußischen Staat und das Hohenzollernhaus. 1888 wird Ernst Ihne durch Kaiser Friedrich III. zum „Hofarchitekten“ ernannt. Nach dessen Ableben beauftragt dessen Witwe, die „Kaiserin Friedrich“ (ehemalige Prinzessin Viktoria von England) ihn mit der Ausgestaltung von Schloss Friedrichsruh bei Kronberg im Taunus.

1891 – 1895 ließen die Hohenzollern Ernst Ihne sogar am Berliner Stadtschloss herumwerkeln. Er war damit beauftragt, einen Abschnitt des Nordflügels („Lustgartenflügel“) des Schlosses in den Eosanderhof hinein zu verbreitern. Außer einer Erweiterung des berühmten „Weißen Saales“ wurden jedoch keine weiteren Arbeiten in dieser Richtung vorgenommen. Und das obwohl die Fundamente dafür z. T. bereits gelegt waren, wie Architekten im Rahmen der Vorarbeiten für die Errichtung des jetzigen „Humboldtforums“ vor wenigen Jahren erst herausfanden. Es heißt, dass dieses Projekt aus Geldmangel des Kaiserhauses nicht verwirklicht wurde.  Auch den „Neuen Marstall“ am Stadtschloss durfte Ihne übrigens gestalten. Dessen Fassade ist heute nach Kriegsbeschädigungen in vereinfachter Form wiederhergestellt.

Ihnes sicher national wie international bekanntester Bau ist jedoch vermutlich das Berliner „Kaiser-Friedrich-Museum“, das wir Zeitgenossen seit 1958 unter dem Namen „Bodemuseum“ kennen. Auf der Nordspitze der Museumsinsel gelegen, beinhaltet es heute einige Schätze der Berliner Museumslandschaft. Benannt ist es nach seinem ersten Direktor, Wilhelm von Bode. Der Kuppelsaal des vorderen Treppenhauses enthält noch heute eine gewaltige Reiterstatue des „Großen Kurfürsten“ Friedrich Wilhelm.

Vielleicht nicht so bekannt ist Ihnes Arbeit am „Kaiserbahnhof“ zu Potsdam, der ehemaligen „Hofstation im Wildpark“, die nach seinen Plänen von 1905 – 1909 erbaut wurde. Dieser Bahnhof ist nach schweren Beschädigungen wiederhergestellt und enthält heute ein Bildungs- und Konferenzzentrum der Deutschen Bahn AG. Diese verleiht ihn als „event – location“ auch mal an Interessierte.

1906 wurde Ernst Ihne vom Kaiser in den erblichen Adelsstand erhoben und konnte sich fortan Ernst „von“ Ihne nennen. Während des Ersten Weltkrieges, am 21. April 1917, verstarb Ernst von Ihne. Architektur-Fachleute sehen in ihm den letzten Vertreter des reinen „Historismus“, dessen Kennzeichen es war, dass seine Anhänger bekannte, tradierte Elemente, speziell des Fassadenschmuckes, in moderne, dem Anspruch ihrer Auftraggeber entsprechende Gebäudekomplexe verbauten. Renaissance- und Barock- Details, sowie teils üppige Schmuckelemente kennzeichnen diese Gebäude.

Warum geriet Ihnes Werk ins „Abseits“ und er damit in Vergessenheit ? Darüber wird unter Architekten, Architektur-Freunden und Kunsthistorikern gerne diskutiert. Vielleicht war es gerade die Nähe Ihnes zum Kaiserhaus, die Fachleute ihn ab 1918 als „minderwertigen Kunsthandwerker“ abtun ließ. Diese Sicht ignoriert vielleicht ein wenig die erst langsam erforschte Tatsache, dass Ihne als Hofarchitekt mehr noch als andere Baumeister der Kritik und dem direkten Einfluss des Kaiserhauses, speziell des Kaisers selbst, ausgesetzt war und viele Bauten nicht unabhängig planen und errichten lassen konnte.

ehemaliger „Marstall“, jetzt Musikhochschule

Vielleicht war es auch der neue Stil der Zeit, die „Moderne“ und das kommende „Bauhaus“, die dafür sorgten, dass dieser letzte, bedeutende Vertreter des Historismus samt seiner Werke nicht mehr gewürdigt wurde. Erst im Rahmen der diversen Restaurierungen und Generalsanierungen seiner Gebäude kam im späten 20. Jahrhundert langsam wieder ein Interesse an Ernst von Ihne auf. Zumindest jedoch an seinem Werk. Sicher nicht zu Unrecht, wie ich meine.

Fotos:

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  • von mir, all rights reserved, 2010, 2017, 2018

Verschollene Orte: die nahöstliche Brücke in Babelsberg

Es gibt so Begrifflichkeiten und Namen, die sich einem Beobachter nicht immer auf den ersten Blick erschließen. Welche Personen, Flurbezeichnungen o. ä. stehen hinter Namen wie „Glienicke“ (von „glien“, westlawisch für „Ton“, also vermutlich „Tongrube“ oder so) oder „Wannsee“ (Einst: „Wannensee“, was den Namen „Badewanne Berlins“ erklärt) ? Selbst der Name „Berlin“ war zeitweise in seiner Herkunft umstritten.  Nur dass er so gar nichts mit dem Berliner Wappentier, dem Schwarzbären, zu tun hat, war schon länger bekannt. 

Da machen es uns von Menschen bewusst gewählte Namen, bewusst bestimmten Landschaften, Personen oder Kunstwerken gewidmete Namen schon einfacher. Speziell, wenn es sich dabei um Straßen oder Plätze handelt. Auch Straßen, denen etwas fehlt. Eine Brücke zum Beispiel, die einst zwei Ufer des Teltowkanals zwischen Babelsberg und Klein-Glienicke verband.

Enver Pascha 1914

Dass diese nun fatalerweise nach dem „Jungtürken“ und Kriegsverbrecher Damad Ismail Enver,  seit 1913 genannt „Enver Pascha“, benannt war, hat eine nachvollziehbare Bewandnis: Damad Enver wohnte in Klein-Glienicke, während er Osmanischer Militärattaché beim Deutschen Reich in Berlin war. Das war von 1909 bis 1911. Gebaut wurde die Brücke allerdings schon 1901 und war 30 m lang sowie 10 m breit. Sie besaß einen Fahr- und einen Gehweg. Damals als „Schlossbrücke“ eingeweiht, wurde sie 1915 in „Enver – Pascha – Brücke“ umbenannt, um die Verbundenheit Deutschlands mit seinem Osmanischen Verbündeten im Ersten Weltkrieg zu betonen.

Interessanterweise kam Enver Pascha, nachdem er mit dem Osmanischen Reich als „Vizegeneralissimus“ zu den Kriegsverlierern im Ersten Weltkrieg gehörte, 1919/20 noch einmal in die Nähe „seiner“ Brücke zurück. Als Genozid-Verantwortlicher in der Nachkriegstürkei 1919 bereits zum Tode verurteilt, hielt er sich nach einer abenteuerlichen Flucht per U-Boot über Odessa zu dieser Zeit in Neubabelsberg auf. Als Gast seines Bekannten, des befreundeten Kunsthistorikers Friedrich Sarre, Direktor im Vorderasiatischen Museum Berlin.

Enver-Pascha-Brücke (damals noch „Schlossbrücke“) 1906

Enver Pascha kann unzweifelhaft als maßgeblich Veantwortlicher für die Kriegführung des Osmanischen Reiches im Ersten Weltkrieg auch für den Genozid an den christlichen Minderheiten der Assyrer, Pontos-Griechen und Armenier mitverantwortlich gemacht werden. Als Romanfigur in Franz Werfels „vierzig Tage des Musa Dagh“ wird er jedenfalls im Lichte des zynischen, islamischen Massenmörders gezeichnet.

Die nach ihm benannte Brücke in Babelsberg wurde 1945 von deutschen Pionieren vor der heranrückenden, Roten Armee gesprengt. Ein Gedanke, sie als „zweite Brücke“ von Babelsberg nach Klein-Glienicke wiederaufzubauen, der 1952 aufkaum, wurde nie realisiert. Nur wurden später zwei stählerne T-Träger verlegt, um Kabelverbindungen und Rohrleitungen über den Kanal zu führen. Die Brückenköpfe existieren jedoch weiterhin.

Persönlichkeiten: Franz Schwechten – Rückgriff ins Bekannte

Als „Historismus“ bezeichnet man eine Architektenschule, die sich merklich darin wohlfühlte, bereits bekannte Stilmittel historischer Gebäude neu zu kombinieren oder auf möglichst ästhetisch ansprechende Art und Weise zu kopieren. Einer der in unserer Region bekanntesten Vertreter des Historismus ist unzweifelhaft Franz Schwechten. Schauen wir uns ihn und sein Werk also mal an:

Wie damals üblich und in so vielen, „preußischen“ Biografien belegt, war Schwechten aber gar kein Brandenburger, Ostpreuße oder Pommer, sondern gebürtiger Kölner. Dort unternahm der 1841 geborene Sohn eines Landgerichtsrates auch die ersten Schritte auf seinem Karriereweg. U. a. lernte er noch in der Stadt am Rhein seinen historistischen „Gesinnungsgenossen“, den Stadtbaumeister und späteren Architekten des Berliner Doms, Julius Carl Raschdorff, kennen.

Franz Schwechten

Zwischen 1861 und 1869 pendelte Schwechten zwischen Berlin und Köln hin und her, um das edle Handwerk des Architekten zu erlernen. Dabei lernte er in der Hauptstadt u. a. von Könnern wie August Stüler und Martin Gropius. (Sie erinnern sich an den „Gropius-Bau“ in der  Niederkirchnerstraße, gegenüber des Berliner Abgeordnetenhauses ? Ja, DER Gropius.) Nachdem er die Prüfungen bis hin zum „Regierungsbaumeister“ abgelegt hatte, unternahm Schwechten erst einmal eine Studienreise nach Italien. Damit lag er in bester Tradition, da auch Genies wie Schinkel ihren Blick auf Architektur und Landschaft einst auf dem italienischen „Stiefel“ geschärft hatten. Die Reise hatte Schwechten mit dem Geld aus dem Gewinn des renommierten „Schinkel-Wettbewerbs“ finanziert.

Franz Schwechtens Siegerentwurf, 1880

1871 – 1882 arbeitete Franz Schwechten für die „Berlin-Anhaltische Eisenbahngesellschaft“. In dieser Zeit gelingt ihm sein erster Geniestreich: der „Anhalter Bahnhof“ zu Berlin, der nicht grundlos als beeindruckendes Meisterwerk der Bahnhofsarchitektur galt. Zu seiner Zeit war dessen Halle eine der größten Bahnhofshallen weltweit. Die Verbindung von Backstein-Mauerwerk und einem Dach aus Stahlträgern funktionierte so gut, dass die Sprengungen der Ruine nach dem Zweiten Weltkrieg äußerst mühsam waren und oft erst in mehreren Anläufen gelangen. Respekt also, vor Schwechtens Plänen und der Handwerksarbeit der Bauleute.

1885 wurde Schwechten in die „königliche Akademie der Künste“ zu Berlin aufgenommen. Er begann im selben Jahr auch eine Lehrtätigkeit an der „Technischen Hochschule Charlottenburg“. War also auch „außerhalb Berlins“ tätig, da Charlottenburg erst 1920 eingemeindet wurde. 🙂
Schwechtens vielleicht bemerkenswerteste Eigenschaft ist es, dass er grundsätzlich alle Arten von Gebäuden mit jeder nur denkbaren Funktion zu gestalten bereit war. Gab es doch auch zu seiner Zeit durchaus „Spezialisten“ für Staatsbauten, Kirchengebäude oder Industrie-Architektur. Schwechten baute hingegen im Laufe seiner Karriere so ziemlich alles, was man ihm als Auftrag anbot.

So arbeitet er u. a. für die Berliner „Schultheiss Brauerei Berlin“, für die er am Prenzlauer Berg einen weitläufigen Produktionskomplex entwirft. Teile davon haben sich bis heute als sog. „Kulturbrauerei“ erhalten !  Für die „Allgemeine Electrizitäts Gesellschaft“, AEG, entwirft er u. a. das repräsentative Tor in der Weddinger Brunnenstraße. Ein Kirchenbau, die „Apostel-Paulus-Kirche“ in Schöneberg geht ebenso auf sein Konto wie das „Kraftwerk Moabit“.

Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, 1895

Am bekanntesten, neben dem schon erwähnten Anhalter Bahnhof, ist aber vielleicht die „Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche“ in Charlottenburg. Dieser Ausdruck einer Verbindung von „Kaiserkult“ und christlichem Glauben, welche allein durch den Namen schon ausgedrückt wird, beherrschte lange Zeit den „Auguste-Viktoria- Platz“. Dieses neoromanische Kunstwerk wurde am 01. September 1895 geweiht und konnte bis zu 2.000 Gottesdienstbesucher aufnehmen (den Chor mitgerechnet). Am 23. November 1943 erlitt sie durch einen Bombenangriff schwere Schäden. Nach dem Kriege wurden die Reste des Kirchenschiffes abgeräumt und ein neues „modernes“ Kirchenschiff erbaut…

Interessanterweise entwarf Franz Schwechten so viele Bauten, dass selbst bekannte, touristische Ausflugsziele gelegentlich in der ein odere anderen Aufzählung seiner Werke fehlen. So wird ab und an z. Bsp. auch seine „Handschrift“ beim Bau des Grunewaldturms im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf übersehen. Dennoch zählt dieses reine Schmuckwerk, das außer dem Anbieten eines hübschen Ausblicks über die Havellandschaft Berlins keinen darüberhinausgehenden „Nutzwert“ hätte, sicher zu den Schwechten-Bauten, die den meisten Berlinern und Berlin-Besuchern wohlbekannt sind. Schon allein durch die Tatsache, dass der Turm eben im Gegensatz zum Anhalter Bahnhof und der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche praktisch keine Kriegsschäden erlitt und heute nach diversen Restaurierungen wieder in „voller Pracht“ besichtigt werden kann.

Kreishaus Rathenow im Landkreis Havelland, auch aus Schwechtens Feder, 1895

1915 – 1918 war Franz Schwechten Präsident der preußischen Akademie der Künste. Zu dieser Zeit leitete er bereits sein sog. „Meisteratelier“, in dem er Nachwuchs-Architekten sein Wissen vermittelte. Er verstarb am 11. August 1924 in Berlin. Sein Grab ist ein Ehrengrab des Landes Berlin und liegt auf dem Alten Dorfkirchhof Schöneberg an der Hauptstraße.

Je nachdem, wen man fragt, so liegen Schwechtens wichtigste Bauten entweder im Rheinischen, wo er u. a. in seiner Geburtsstadt Köln diverse Rheinbrücken verzierte, oder in Stettin, Potsdam (ehemaliges Landtagsgebäude auf dem Brauhausberg), oder Posen. Als alter „Lokalpatriot“ denke ich, dass er seine besten Werke in Berlin abgeliefert hat, was aber durch kriegsbedingte Beschädigungen nur noch anhand alter Fotos nachvollzogen werden kann. Dennoch ist allein der Fleiß Schwechtens und seine „Nachfrage“, speziell während des auf historische Verzierungen fixierten Kaiserreiches, bemerkenswert und sollte dazu ausreichen, seinen Namen nicht zu vergessen.

Gedenkstätte Seelower Höhen – Ausflug zur Oder

Lange hatte ich es angekündigt, einmal sogar schon gesundheitsbedingt abgesagt, aber endlich machte sich unser kleines Grüppchen auf, die „Gedenkstätte Seelower Höhen“ im Landkreis Märkisch-Oderland zu besuchen. Bei strahlendem Sonnenschein und erfrischendem Wind kraxelten wir die Seelower Höhen hinauf, um an diesem einzigartigen Ort der Ereignisse vom April 1945 zu gedenken.

Die Gedenkstätte Seelower Höhen markiert ein trauriges Ereignis der Geschichte. Hier im Oderland, nördlich und südlich der damaligen „Reichsstraße 1“ wurde die letzte, großflächige Schlacht des Zweiten Weltkrieges auf deutschem Boden ausgefochten. Hier erreichte die Rote Armee den entscheidenden Durchbruch auf dem Weg nach Berlin. Hier starben zehntausende Soldaten beider Seiten in einem längst zu Gunsten der Sowjetunion entschiedenen Konflikt.

Das kann selbst Daueroptimisten am „homo sapiens“ zweifeln lassen. Die Fähigkeit der Menschen, ihren Artgenossen unsägliche Dinge anzutun, ist scheinbar grenzenlos. Ehrenwerte Motive werden schnell verbogen, missbraucht und im Namen irgendwelcher „höheren Werte“ pervertiert. Gerade der hochmotivierte Idealist kann für schreckliche Dinge ausgenutzt werden. Das sollte übrigens auch uns, den Nachfahren der Weltkriegsgeneration, eine Mahnung für die Gegenwart sein. Auf beiden Seiten.

Daran musste ich unweigerlich denken, als wir an einem angenehmen, nur leicht windigen, Aprilvormittag in Seelow ankamen und die Gedenkstätte dort besuchten. Und wir waren beileibe nicht die einzigen Besucher. Mehrere Gruppen absolvierten gerade ein geführtes Programm, als wir eintrafen. Sie kraxelten dabei ganz unvoreingenommen auf einem alten T-34 Panzer der Roten Armee herum, der auf dem Vorhof des Museums zu sehen ist.

Von der Roten Armee ging auch direkt nach Ende der Kampfhandlungen 1945 die Initiative aus, entlang ihrer Vormarschroute nach Berlin Soldatenfriedhöfe und Denkmale anzulegen. Ein solches stand z. Bsp. bis 2009 in Küstrin/Kostrzyn, dessen Einnahme der Roten Armee die Vorbereitung zum Sturm auf Berlin vereinfacht hatte. Das zweite dieser Denkmale ist der Soldatenfriedhof hier in Seelow, der zusammen mit dem unterhalb gelegenen Museum seit 1972 die Gedenkstätte bildet. Das dritte Denkmal finden wir an der „Straße des 17. Juni“ in Berlin, ganz in der Nähe des Reichstages.

Das kleine Museum hier in Seelow fasst auf anschauliche Art die Ereignisse des April 1945 zusammen. Im Vorführraum erwartet den Besucher ein 3-D-Modell des Kampfschauplatzes von damals. Und ein kurzer Dokumentarfilm voller originalem Filmmaterial aus dieser Zeit macht dem Besucher den Kontext und den Verlauf der Schlacht deutlich. Er hinterlässt übrigens auch den zuvor schon von mir geschilderten, bitteren Geschmack im Munde angesichts all des Hasses mit dem damals Menschen manipuliert wurden, ihren Artgenossen übelstes anzutun.

Der Soldatenfriedhof oberhalb des Museums erschien uns allen in einem erfreulich gut gepflegten Zustand zu sein. Mit Blick in Richtung Oder gelegen, können die Toten hier tatsächlich in Frieden ruhen. Allerdings, wie schon angedeutet, nur die Toten der einen Seite. Für die Gefallenen der deutschen Seite wurden erst sehr spät Gräber-Abschnitte auf dem Stadtfriedhof Seelow und im südlich von Berlin gelegenen Halbe auf dem dortigen „Waldfriedhof“ angelegt. Selbst Veteranen der Roten Armee, die Seelow besuchten, sollen schon zu DDR-Zeiten öfters erstaunt darüber gewesen sein, dass ihre ehemaligen Gegner, ganz im Geiste des „Sozialismus im Arbeiter- und Bauernparadies“ scheinbar nicht existiert hatten.

In jedem Falle regt ein Besuch hier zum Nachdenken über viele Dinge an. Etwa über die riesige Bronzeskulptur, die den Ort überragt und die aus derselben Werkstatt (Gießerei Noack aus Berlin) stammt, wie die zwei knieenden Rotarmisten-Figuren im Treptower Park. Wir jedenfalls nutzten gemeinsam diesen Ausflug zum anregenden Gespräch, natürlich auch dazu, kräftig zu fotografieren. Und so vergingen schnell ein paar, nur durch ein kurzes Picknick im Museumshof unterbrochene, Stunden hier vor Ort.

Hier lasse ich gerade den „Fachmann“ heraushängen… haha.

Dass wir den Heimweg nach Berlin dazu nutzten, einen Zwischenstopp in Frankfurt/Oder einzulegen, sei hier nur am Rande erwähnt. Das schöne Wetter lockte uns dort fast zwangsläufig in ein Eiscafé und so konnten wir, nachdem wir noch kurz über die Oderbrücke geschlendert waren, mit vielen frischen Eindrücken wieder nach Hause fahren.

In diesem Sinne: vielleicht sind Sie ja beim nächsten Mal mit dabei, wenn ich wieder in Berlin oder Brandenburg unterwegs bin. Ich werde Sie dann in jedem Falle natürlich so früh wie möglich wieder dazu einladen. 🙂 (Siehe Terminseite !)

Ihr

Clemens Kurz

P.S.: Details zur „Gedenkstätte Seelower Höhen“ wie Adresse, Öffnungszeiten und Anreisemöglichkeiten erhalten Sie bei Interesse natürlich auf deren Webauftritt. Hier:
http://www.gedenkstaette-seelower-hoehen.de/cms/

Fotos:

  • von mir, (c) 2018,
  • von A. Schildhauer, (c) 2018, used with permission