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Gedenkstätte Seelower Höhen – Ausflug zur Oder

Lange hatte ich es angekündigt, einmal sogar schon gesundheitsbedingt abgesagt, aber endlich machte sich unser kleines Grüppchen auf, die „Gedenkstätte Seelower Höhen“ im Landkreis Märkisch-Oderland zu besuchen. Bei strahlendem Sonnenschein und erfrischendem Wind kraxelten wir die Seelower Höhen hinauf, um an diesem einzigartigen Ort der Ereignisse vom April 1945 zu gedenken.

Die Gedenkstätte Seelower Höhen markiert ein trauriges Ereignis der Geschichte. Hier im Oderland, nördlich und südlich der damaligen „Reichsstraße 1“ wurde die letzte, großflächige Schlacht des Zweiten Weltkrieges auf deutschem Boden ausgefochten. Hier erreichte die Rote Armee den entscheidenden Durchbruch auf dem Weg nach Berlin. Hier starben zehntausende Soldaten beider Seiten in einem längst zu Gunsten der Sowjetunion entschiedenen Konflikt.

Das kann selbst Daueroptimisten am „homo sapiens“ zweifeln lassen. Die Fähigkeit der Menschen, ihren Artgenossen unsägliche Dinge anzutun, ist scheinbar grenzenlos. Ehrenwerte Motive werden schnell verbogen, missbraucht und im Namen irgendwelcher „höheren Werte“ pervertiert. Gerade der hochmotivierte Idealist kann für schreckliche Dinge ausgenutzt werden. Das sollte übrigens auch uns, den Nachfahren der Weltkriegsgeneration, eine Mahnung für die Gegenwart sein. Auf beiden Seiten.

Daran musste ich unweigerlich denken, als wir an einem angenehmen, nur leicht windigen, Aprilvormittag in Seelow ankamen und die Gedenkstätte dort besuchten. Und wir waren beileibe nicht die einzigen Besucher. Mehrere Gruppen absolvierten gerade ein geführtes Programm, als wir eintrafen. Sie kraxelten dabei ganz unvoreingenommen auf einem alten T-34 Panzer der Roten Armee herum, der auf dem Vorhof des Museums zu sehen ist.

Von der Roten Armee ging auch direkt nach Ende der Kampfhandlungen 1945 die Initiative aus, entlang ihrer Vormarschroute nach Berlin Soldatenfriedhöfe und Denkmale anzulegen. Ein solches stand z. Bsp. bis 2009 in Küstrin/Kostrzyn, dessen Einnahme der Roten Armee die Vorbereitung zum Sturm auf Berlin vereinfacht hatte. Das zweite dieser Denkmale ist der Soldatenfriedhof hier in Seelow, der zusammen mit dem unterhalb gelegenen Museum seit 1972 die Gedenkstätte bildet. Das dritte Denkmal finden wir an der „Straße des 17. Juni“ in Berlin, ganz in der Nähe des Reichstages.

Das kleine Museum hier in Seelow fasst auf anschauliche Art die Ereignisse des April 1945 zusammen. Im Vorführraum erwartet den Besucher ein 3-D-Modell des Kampfschauplatzes von damals. Und ein kurzer Dokumentarfilm voller originalem Filmmaterial aus dieser Zeit macht dem Besucher den Kontext und den Verlauf der Schlacht deutlich. Er hinterlässt übrigens auch den zuvor schon von mir geschilderten, bitteren Geschmack im Munde angesichts all des Hasses mit dem damals Menschen manipuliert wurden, ihren Artgenossen übelstes anzutun.

Der Soldatenfriedhof oberhalb des Museums erschien uns allen in einem erfreulich gut gepflegten Zustand zu sein. Mit Blick in Richtung Oder gelegen, können die Toten hier tatsächlich in Frieden ruhen. Allerdings, wie schon angedeutet, nur die Toten der einen Seite. Für die Gefallenen der deutschen Seite wurden erst sehr spät Gräber-Abschnitte auf dem Stadtfriedhof Seelow und im südlich von Berlin gelegenen Halbe auf dem dortigen „Waldfriedhof“ angelegt. Selbst Veteranen der Roten Armee, die Seelow besuchten, sollen schon zu DDR-Zeiten öfters erstaunt darüber gewesen sein, dass ihre ehemaligen Gegner, ganz im Geiste des „Sozialismus im Arbeiter- und Bauernparadies“ scheinbar nicht existiert hatten.

In jedem Falle regt ein Besuch hier zum Nachdenken über viele Dinge an. Etwa über die riesige Bronzeskulptur, die den Ort überragt und die aus derselben Werkstatt (Gießerei Noack aus Berlin) stammt, wie die zwei knieenden Rotarmisten-Figuren im Treptower Park. Wir jedenfalls nutzten gemeinsam diesen Ausflug zum anregenden Gespräch, natürlich auch dazu, kräftig zu fotografieren. Und so vergingen schnell ein paar, nur durch ein kurzes Picknick im Museumshof unterbrochene, Stunden hier vor Ort.

Hier lasse ich gerade den „Fachmann“ heraushängen… haha.

Dass wir den Heimweg nach Berlin dazu nutzten, einen Zwischenstopp in Frankfurt/Oder einzulegen, sei hier nur am Rande erwähnt. Das schöne Wetter lockte uns dort fast zwangsläufig in ein Eiscafé und so konnten wir, nachdem wir noch kurz über die Oderbrücke geschlendert waren, mit vielen frischen Eindrücken wieder nach Hause fahren.

In diesem Sinne: vielleicht sind Sie ja beim nächsten Mal mit dabei, wenn ich wieder in Berlin oder Brandenburg unterwegs bin. Ich werde Sie dann in jedem Falle natürlich so früh wie möglich wieder dazu einladen. 🙂 (Siehe Terminseite !)

Ihr

Clemens Kurz

P.S.: Details zur „Gedenkstätte Seelower Höhen“ wie Adresse, Öffnungszeiten und Anreisemöglichkeiten erhalten Sie bei Interesse natürlich auf deren Webauftritt. Hier:
http://www.gedenkstaette-seelower-hoehen.de/cms/

Fotos:

  • von mir, (c) 2018,
  • von A. Schildhauer, (c) 2018, used with permission
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Haus der Tragödien: das ehemalige Reichsluftfahrtministerium

Es gibt kaum ein Haus in ganz Deutschland, welches so viele Geschichten, meist Tragödien oder bizarre Satyrspiele, gesehen hat, wie das heutige „Detlev-Rohwedder-Haus“ in der Berliner Friedrichstadt. Große und kleine Dramen umwehen das Gebäude wie die Abgase der vorbeifahrenden Kraftfahrzeuge. Ein Ort der Geschichte, wie es keinen zweiten gibt. Schauen wir mal ein bischen „hinter die Fassade“…

Es sei gleich für Sie vorweggenommen, liebe Leserinnen und Leser: das ehemalige „Reichsluftfahrtministerium“ an der Berliner Wilhelmstraße ist ein Haus, von dem man so viele Geschichten erzählen könnte, dass sie nicht alle in diesen kurzen Blogartikel hineinpassen werden. Ich erhebe deshalb keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, was die „timeline“ dieses Gebäudes angeht. Dennoch können wir rote Fäden ziehen, die erstaunlicherweise Parallelen über Jahrzehnte hinweg aufweisen. Schaun wir mal…

Das Reichsluftfahrtministerium, welches sich Hitlers enger Mitstreiter Hermann Göring hier 1935/36 nach Plänen des Architekten Ernst Sagebiel erbauen ließ, gilt als der erste, größere Regierungsbau der NS-Zeit. An prominenter Stelle im „Regierungsviertel“ erbaut (Vorgängerbau war das ehemalige, preußische Kriegsministerium), sollte dieser Monumentalbau mit Muschelkalksteinfassade das Machtbewusstsein des NS-Regimes überdeutlich demonstrieren. In ca. 2.000 nutzbaren Büroräumen, die durch über 7 km Gänge miteinander verbunden waren, sollte die Aufrüstung der deutschen Luftwaffe geplant und umgesetzt werden. Damit gilt der Bau für seine Zeit als das größte Bürogebäude Berlins, vermutlich sogar ganz Deutschlands (meine Quellen sind sich darüber uneins…).

Erstaunlicherweise hatte Göring selbst im Gebäude keinen Arbeitsraum. Man vermutet, weil er es mit dem akribischen „Aktenwälzen“ ohnehin nicht so hatte. Das überließ er eher Leuten wie dem „Generalluftzeugmeister“ Ernst Udet, einem alten Kameraden aus dem Ersten Weltkrieg. Der aber, als er übersah, dass die Ressourcen Nazi-Deutschlands nicht ausreichen würden und der Krieg niemals mehr zu gewinnen war, Selbstmord verübte. Das war bereits im November 1941. Andere Quellen sagen, ihm wäre die Niederlage in der Luftschlacht um England angelastet worden. Wie auch immer: sein Sarg wurde im Reichsluftfahrtministerium, seinem Arbeitsplatz, präsentiert und ihm wurde ein Staatsbegräbnis zuteil.

Von seinem Büro im Hause betrieb Oberleutnant Harro Schulze-Boysen Spionage für die Sowjetunion. So gab er u. a. den Angriffszeitpunkt der Wehrmacht auf die Sowjetunion an sowjetische Agenten weiter, aber Stalin glaubte ihm noch nicht. Später jedoch wurde wieder Kontakt zu ihm gesucht und diverse vertrauliche Dokumente fanden so ihren Weg nach Moskau. Am 31. August 1942 wurde er hier im Hause verhaftet und später als Verräter in Plötzensee hingerichtet. Die Kreise der Widerständler, zu denen er Kontakt hatte, nannte und nennt man noch heute „Rote Kapelle“, da sie ausschließlich dem Stalin-Regime Informationen zukommen ließen.

Übrigens sollen sich hier im und am Gebäude am 01. Mai 1945 die letzten Einheiten der Waffen-SS in Berlin ergeben haben. Die wenigen, verbliebenen Angehörigen der 11. SS-Panzergrenadierdivision „Nordland“ darunter eine Handvoll Angehörige des Regiments „Charlemagne“, welches komplett aus Franzosen bestanden hatte, sollen laut einigen Quellen hier, in unmittelbarer Nähe zu Hitlers Reichskanzlei, die Kämpfe eingestellt haben. Dass andere Quellen besagen, vor allem die Franzosen hätten sich „in Luft aufgelöst“ und spurlos verkrümelt, sei hier nur am Rande erwähnt. Wir sehen dennoch: Die Tragödie des Krieges fand auch hier einen ihrer Abschlüsse.

Während des Zweiten Weltkrieges erlitt das gewaltige Gebäude, welches noch im Kriegsverlauf Schutzbunker, eine eigenständige Wasserversorgung und Notstromaggregate erhielt,  erstaunlich wenige Schäden. Luftbilder aus dem Nachkriegsberlin zeigen einige Fassadenschäden und Löcher im Dach, aber darüber hinaus war das nunmehrige „Ex-„Luftfahrministerium weitgehend benutzbar geblieben. Kein Wunder, dass hier zunächst die sowjetische Militäradministration SMAD und später diverse Ministerien und Staatsspitzen der DDR einzogen. Die Staatsgründung der DDR wurde sogar hier im großen Konferenzsaal am 07. Oktober 1949 gefeiert ! Die Tragödie der Diktaturen hatte nur die Farbe gewechselt, ging aber eigentlich nahtlos weiter. So wie auch das Relief an der Nordfassade des Gebäudes (von Arnold Waldschmidt 1937-41 gefertigt), welches martialische Soldatengestalten zeigte, ab 1950 (-1953) durch eine „heile, sozialistische Welt“ aus Meißner Porzellanfliesen ersetzt wurden, die bis heute dort ein Wandgemälde Arnold Lingners abbilden. Jedes Regime wollte sich hier scheinbar verewigen.

Am 17. Juni 1953 ging es hier aber hoch her, als das nunmehrige „Haus der Ministerien“ der DDR von wütenden Arbeitern bestürmt wurde. Der „Arbeiter- und Bauernstaat“ DDR hatte es in weniger als vier Jahren geschafft, schon mal die Arbeiter gegen sich aufzubringen. Durch Mangelwirtschaft und praktisch unerfüllbare Arbeitsnormen u. a. Augenzeugen wollen an diesem Tag gesehen haben, dass bis in den dritten Stock des Gebäudes hoch Fenster von den Demonstranten mit Steinwüfen „entglast“ wurden. Im Hause selbst ging den Sozialistischen Bürokraten zum ersten und bis 1989 auch zum letzten Male der Arsch auf Grundeis. Einige Mitarbeiter diverser Ministerien sollen bereits die Stürmung des Gebäudes gefürchtet und präventiv ihre Namensschilder von den Türen abgenommen haben. Wir wissen, wie es ausging: die T-34-Panzer der Roten Armee walzten den Unmut platt, der „brain-drain“ aus der DDR begann. Die Mauer sollte diesen stoppen. Deutsche Geschichte halt. Immerhin findet sich seit 2000 eine Foto-Installation, die an diesen 17. Juni 1953 gemahnt und aus der Werkstatt des Künstlers Wolfgang Rüppel stammt, vor der Nordfront des Gebäudes.

Von diesem Haus aus belog übrigens auch der SED-Chef Walther Ulbricht die Weltöffentlichkeit, als er drei Wochen vor Beginn des Mauerbaus 1961 auf einer Pressekonferenz aus dem Konferenzsaal dieses Gebäudes der Welt die bekannten Worte verkündete:

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.

Wir wissen, es kam anders. Der Mauerbau war lange geplant. Die „Abstimmung“ der DDR-Bürger „mit den Füßen“ schien anders nicht mehr zu stoppen.
Das „Haus der Ministerien“ (welches übrigens einen eigenen Friseur, einen „Konsum“ – Laden und sonstige Einrichtungen der Infrastruktur besaß) befand sich in unmittelbarer Nähe zur Berliner Mauer, so dass es nicht überraschend ist, dass der Ökonom Heinz Holzapfel am 25. Juli 1965 von hier aus eine Flucht „in den Westen“ startete. Mitsamt seiner Familie, die sich vor Schließung des Gebäudes in einer Toilette versteckt, schafft er es, über ein Stahlseil, das sie mit Hilfe einer Winde hinabfahren, auf die Westberliner Seite zu gelangen. Helfer auf der anderen Seite hatten das Seil fixiert. Das Drama wird besonders spannend, wenn man sich vor Augen führt, dass auf dem Dach des Gebäudes stationierte Wachsoldaten der Roten Armee die Abseilaktion zwar registrieren, sie aber für einen Infiltrationsversuch durch DDR-Agenten in Richtung Westberlin halten und achselzuckend weggucken.

1965 ereignet sich noch ein weiteres Drama. Der Vorsitzende der DDR Plankommission Erich Apel erschießt sich im Dezember in seinem Büro im Haus der Ministerien. Nur wenige Stunden vor der Unterschrift von Knebelverträgen für die DDR-Wirtschaft zu Gunsten der Sowjetunion. Als Vertreter einer größeren Unabhängigkeit der DDR-Industrie vom Ostblock und einer Orientierung von Exporten an Weltmarktpreisen sah er den Untergang der DDR voraus, wenn man auf unabsehbare Zeit speziell Produkte der Schwerindustrie wie Eisenbahnwaggons oder Stahlprodukte zu niedrigen Phantasiepreisen an die Sowjetunion liefern musste. Nur wenige Stunden vor Unterschrift der entsprechenden Verträge mit den Nachfolgern Chrustschows in Moskau, am 03. Dezember 1965, findet man die Leiche Apels hier in seinem Arbeitszimmer. Er hatte die heillose Verstrickung der DDR-Wirtschaft vollkommen erkannt und sah keine Hoffnung mehr für das System.

Die Wendezeiten 1989/90 überstand man hier relativ ruhig. Auch in den Büros der Ministerien hatte sich die Erkenntnis nicht mehr völlig verleugnen lassen, dass die DDR am Ende war. Dennoch trafen die ersten Entlassungen von Ministerial-Bürokraten auch hier viele wie ein Hammer vor die Stirn. Von 1990 – 1994 wurde das Gebäude dann von der „Treuhandanstalt“ genutzt. Einer Einrichtung, die die diversen Betriebe der DDR privatisieren sollte. Zu dieser Zeit kommt es wieder zu Demonstrationen von (oftmals bereits entlassenen) Arbeitern vor dem Haus. Die z. T. umstrittenen Privatisierungsmaßnahmen der Treuhand kosten sehr viele Arbeitsplätze. Arbeitslosigkeit ist ein Zustand, den ehemalige DDR-Bürger nur schwer verdauen können. Arbeitsplatzsicherheit war eines der Hilfsmittel, mit denen die DDR viele, relativ „unpolitische“ Bürger lange bei der Stange hielt (ich weiß, wovon ich schreibe, meine „DDR“-Verwandtschaft hat mir dankenswerterweise viele, viele Einblicke in die Innere Befindlichkeit des DDR-Bürgers vermittelt, nochmal Danke dafür, ihr Lieben !). Diesmal wurden aber keine Steine geworfen, nur das Haus mit Trauermelodien beschallt.

Comedian Helge Schneider as Adolf Hitler at the set of his movie „Mein Fuehrer – Die wirklich wahrste Wahrheit ueber Adolf Hitler“ at the ministry of finance,
Berlin, Germany – 05.03.06,
Credit: Stefan Trautmann / WENN

Zu dieser Zeit (1993) wurde auch der Beschluss gefasst, das „Detlev-Rohwedder-Haus“, wie es seit 1992 heißt, endgültig abzureißen. Eine Bund/Land-Berlin Kommission hatte sich darauf geeinigt. Wir wissen ja, dass es mit dem Denkmalschutz in Berlin generell nicht weit her ist und so wurde auch hier darauf gepfiffen, dass dieses Haus komplett unter Denkmalschutz steht. Immerhin regte sich dann doch noch genügend Widerstand, so dass 1994 beschlossen wurde, doch nicht abzureißen. Andere, deutlich weniger politisch belastete Gebäude in der Stadt hatten nicht so viel Glück, wie wir wissen. Ab 1996 wurde mit der Restaurierung vor allem der Innenräume begonnen. 1999 zog hier das Bundesministerium der Finanzen ein. Der Bundesrechnungshof hat hier ebenso noch Räumlichkeiten in Nutzung.  Das nunmehrige Bundesfinanzministerium dient von Zeit zu Zeit auch als Filmkulisse. Die Posse „mein Führer“ von Regisseur Dany Levy, mit Helge Schneider in der Hauptrolle, nutzte den Ehrenhof des Ministeriums 2006 als Drehort. NS-Architektur in Reinkultur findet sich ja auch nicht mehr überall. Authentischer gehts nimmer.

Fazit:
Dramen, Politik, Bomben, Steinewürfe, Spionage, Mauerflucht, Bunker, Selbstmorde, Bürokraten, Hermann Göring, Walther Ulbricht, Helge Schneider…kaum etwas, das dieses Haus seit 1936 nicht gesehen hat. Und man sieht es ihm von außen kaum an. Immerhin wurde hier von der Bundesregierung beim Umzug nach Berlin mal „Gebäude-Recycling“ betrieben. Etwas, dass z. Bsp. das Bundesinnenministerium, welches den „Deutsche Bank Komplex“, der ebenfalls in der Friedrichstadt liegt, hätte nutzen können, auch hätte tun können, aber stattdessen lieber einen teuren Neubau präferierte. Sind ja nur unsere Steuergelder…
Allein aus diesem Grund, weil Neubauten vermutlich mehr Gelder verschlungen hätten, als die Restaurierung von 1996 – 2000 habe ich meinen Frieden mit der jetzigen Nachnutzung des „Reichsluftfahrtministeriums“ oder „Hauses der Ministerien“ gemacht. Lieber eine rationale Entscheidung für einen schwierigen Bau, als eine „ratzeputz-weg“-Entscheidung, die uns Nachgeborenen keine Gelegenheit gibt, Geschichte „hautnah“ und „zum Anfassen“ zu erleben.

Quellen:

Bild:

  • ich, 2015, 2016
  • Anmerkung in der Bildunterschrift

Text, Video:

  • wikipedia,
  • ARD-Dokumentation: „Geheimnisvolle Orte – Görings Ministerium“, ARD 2016,
  • Publikation des Bundesfinanzministeriums: „das Detlev-Rohwedder-Haus, Spiegel der deutschen Geschichte“, 2015, PDF

 

in Frieden ruhen – der Dreifaltigkeitsfriedhof II

In der Kreuzberger Bergmannstraße, hin zum „Südstern“ reihen sich vier Friedhöfe aneinander. „Friedrichswerderscher-“ oder „Luisenstädtischer-“ Friedhof kann man da lesen. Wenn man vom Südstern heranspaziert, finden wir den „Dreifaltigkeitsfriedhof“ ganz „hinten links“. Der Zweite seines Namens, denn der „erste“ davon gehört ja zu den „Friedhöfen vor dem Halleschen Tor“. Für meine Reihe kurzer Betrachtungen bekannter, Berliner Gottesacker habe ich dann einfach mal hier mal vorbeigeschaut.

Was für ein schöner Tag ! In der Nacht zuvor hatte es ein wenig geschneit. Wie Puderzucker lag eine ganz dünne Schneeschicht über dem Gelände. Sanft knirschte es unter der Schuhsohle, wenn man die Wege zwischen den Grabstätten abschritt. Inzwischen war aber längst die Sonne herausgekommen und legte ihr „winterhartes“, tiefstehendes Licht über den Dreifaltigkeitsfriedhof, über pompöse Grabmale von Familien, die man heute kaum noch kennt und über kleine Familienbegräbnisse völlig Unbekannter.

Wie immer, wenn man auf einem Stadtspaziergang über Friedhöfe unterwegs ist, freut man sich über die relative Ruhe, die man hier vorfindet. Ein paar Vögelchen tschilpten jedoch auch schon in den Bäumen. Und das so früh im Jahr ! Die Natur hat offensichtlich ihre eigene Logik. Ich selbst würde, Mensch oder Nachfahre der Dinosaurier (ja, Vögelchen sind evolutionsgeschichtlich gesehen Nachfahren von Flugsauriern) natürlich einen Daueraufenthalt im Warmen bevorzugen.

Und die Friedhofsverwaltung macht es dem Spaziergänger diesmal ausnahmsweise einmal nicht so einfach, sich hier auf dem etwa 49.000 qm großen Friedhof zu orientieren. Findet man etwa auf den „Friedhöfen vor dem Halleschen Tor“ noch Übersichtstafeln an den Eingängen, die das Wegesystem abbilden, über die Geschichte der Anlage informieren und auf sowohl hübsch gestaltete, wie auch „prominente“ Grabstätten hinweisen, so fehlt hier all dies.  So dass der Besucher gezwungen ist, sich selbst zu orientieren. Was ja auch nichts Schlechtes sein muss. Vielleicht genießt man einen Besuch hier dadurch umso mehr.

Grabstätte Schleiermacher

Aber natürlich sind auch hier einige bekannte Namen zu finden. Ich beschränke mich auf die zwei für MICH interessantesten davon. Zunächst einmal ist auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof II natürlich einer der ehemaligen Pastoren der gleichnamigen Gemeinde beigesetzt. Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher. Die Plakette auf seinem Grabstein stammt von Christian Daniel Rauch. Schleiermacher war Theologe und Mitbegründer der „Friedrich-Wilhelms-Universität“ in Berlin (heute „Humboldt-Universität“). Er begegnete mir schon auf einer Plakette an seinem ehemaligen Pfarrhaus Glinka- Ecke Taubenstraße. Welches natürlich in der Berliner Friedrichstadt liegt, durch welche ich Jahr für Jahr immer mal gerne spaziere, aber das ist ein anderes Thema. Wer bei diesen Spaziergängen dann dabeisein möchte, nimmt bitte Kontakt zu mir auf oder wartet auf die Bekanntgabe entsprechender Termine auf der Facebook-Seite und hier im Blog auf der Termine-Seite. Zurück zu Schleiermacher: dieser Mann versuchte Forschung und Wissenschaft mit dem christlichen Glauben zu versöhnen und musste sich deshalb harsche Kritik von Theologen und Wissenschaftlern gefallen lassen. Der gebürtige Breslauer fand nun also hier 1834 seine letzte Ruhe. Besser ist das auch, denn  ein Grab in seiner Geburtsstadt wäre vielleicht, wie so viele andere Ruhestätten prominenter Preußen und anderer Deutscher, nach Kriegsende eingeebnet oder geschändet worden. Man denke an das Grab des Freiherrn von Seydlitz o. ä. Fälle.

Grabstätte von Menzel

Die zweite Grabstätte, der ein versierter „Stadtspaziergänger“ natürlich seine Reverenz erweisen sollte, ist die des Malers Adolph von Menzel. Diesem Vorbereiter der Moderne wollte ich hauptsächlich einen Besuch abstatten. Was gibt es nicht alles für herzallerliebste Anekdoten über diesen Mann zu erzählen. Jeder cityguide, der etwas auf sich hält, kennt ein paar davon. Mir gefällt diejenige am Besten, bei der er mit seiner Art einen hohen Militär, den Feldmarschall Wrangel, so sehr auf die Palme bringt, dass dieser ihn eine „eklige, kleine Kröte“ nennt. Auch seine Geduld mit „Modellen“, die von ihm porträtiert werden wollten, war gleich 0. Bei seiner Beisetzung hier folgte aber gar die kaiserliche Familie dem Sarg. So sehr schätzten sie die Wirkung seiner Gemälde. Die Büste auf seiner Grabanlage ist übrigens ein Werk von Reinhold Begas.

Das Schöne an den innerstädtischen Friedhöfen ist vor allem, dass sie zumeist verkehrsgünstig zu erreichen sind. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bussen und U-Bahnen erreicht man sie zumeist gut. Mit dem Fahrrad sowieso. Insofern steht meine Empfehlung, auch den „Dreifaltigkeitsfriedhof II“ und seinen Nachbarn den „Friedrichswerderschen“ Friedhof, zu dem ein Durchgang besteht, einmal zu besuchen. Und sei es nur, um im Schatten der Bäume ein wenig zu verschnaufen. Das leicht ansteigende Gelände, welches der Tatsache geschuldet ist, dass dort einst ein Weinberg angelegt worden war, lädt in jedem Falle dazu ein !

Zu erreichen über den U-Bahnhof „Südstern“ (Linie 7), dann in die Bergmannstraße weiterspazieren.

 

Friedhöfe vor dem Halleschen Tor – versteckte Gräber mitten in der Stadt

Alte Berliner Friedhöfe haben auf mich eine gewisse Anziehung, das gebe ich offen zu. Hier, wo die Verblichenen ruhen, findet oftmals auch die gestresste Städterseele einige Momente des Friedens und der Ruhe. Friedhöfe ersetzen manchem Anwohner wohl auch die manchmal fehlenden Parks und laden zu Spaziergängen ein, wie ich mehr als einmal beobachten konnte. 

Liebe Leser, erinnern Sie sich an meine kleine Reihe von Besuchen auf Berliner Friedhöfen ? Vor einiger Zeit empfahl ich diese als geruhsame Stadtspaziergänge im Großstadtgedrängel. Zur Erinnerung hier noch einmal der erste Teil. Die anderen Teile sind unten auf dem ersten Artikel verlinkt.

Vor nicht allzu langer Zeit fiel mir nun ein kleines Büchlein in die Hände, welches sich ebenfalls mit den vermeintlich schönsten der „Berliner Friedhöfe“ befasst. In knappen Kapiteln wird die Anlage und die Geschichte der „Gottesacker“ dargestellt und auf die prominentesten Grabstätten verwiesen. Dieser Hinweis war beim Besuch der „Friedhöfe vor dem Halleschen Tor“ auch notwendig, da sich hier die vielleicht bekanntesten Verblichenen beinahe schon „verstecken“ zwischen auffälligeren Grabmalen, deren Besitzer erst einmal weniger bekannt zu sein scheinen.

Und so machte ich mich an einem frischen Sonnentag im Winter auf, diese Anlage einmal aufzusuchen. Natürlich nicht ohne die obligatorische Kamera, das besagte Büchlein und etwas Zeit und Lust, einen Spaziergang jenseits des Straßenlärms von Kreuzberg zu machen. Eigentlich handelt es sich ja um 6 unterschiedliche Friedhöfe, die aber im Laufe der Zeit so weit „zusammengewachsen“ sind, dass wir sie trotz der ein oder anderen noch vorhandenen Grenzmauer mal als Einheit behandeln wollen.

Etwa ab 1735 genehmigte der damalige, preußische König Friedrich-Wilhelm mehreren Kirchgemeinden seiner Residenzstadt Berlin die Anlage neuer Begräbnisstätten jenseits der damaligen „Akzisemauer“, die etwa auf der Höhe des Halleschen Tores verlief. Diese, oftmals auch „zweite“ Berliner Mauer (nach der mittelalterlichen Stadtmauer) genannte Grenze sollte sowohl mögliche Deserteure der Berliner Garnison an der Flucht hindern, als auch die Steuer für durchlaufende Waren an ihren Toren einziehbar machen. Die sog. „Akzise“ halt.

Im Laufe der Zeit mussten die Flächen für Begräbnisse erweitert werden, andere Gemeinden schlossen sich an und das Ensemble, welches wir heute kennen, entstand. Die Stadt erweiterte sich und schloss im 19. Jahrhundert die Begräbnisstätten ein. Heute hören wir selbst an einem ruhigen Wintertag eigentlich permanent den Straßenlärm angrenzender Hauptstraßen. Wenn auch gedämpft und damit muss man schon zufrieden sein.

Allen, die sich ein wenig auskennen, muss ich eine kleine Enttäuschung bereiten: nein, das Grab des Komponisten Felix Mendelssohn – Bartholdy habe ich nicht gefunden. Immerhin ein schöner Aufhänger, um hier im Frühjahr oder Sommer noch einmal vorbeizuschauen !
Da ich vom Mehringdamm aus die Anlage betrat, lenkte ich meine Schritte zunächst zum Grabstein des Schriftstellers und Dirigenten ETA Hoffmann. Dieser Künstler, der lange Zeit in unmittelbarer Nähe des Gendarmenmarktes in der Berliner Friedrichstadt wohnte, ist für seine merkwürdig „somnambulen“ Märchengeschichten bekannt, wie etwas „Klein Zaches, genannt Zinnober“. Als Staatsbeamter war er außerdem für seine bissige Kritik am postnapoleonischen Zensurwesen in Preußen bekannt. Den „Amadeus“ schenkte er sich übrigens selbst. Eigentlich war sein dritter Vorname „Wilhelm“ wie uns sein auffällig unauffälliger Grabstein bedeutet.

Die Anlage war relativ menschenleer, aber dennoch begegneten mir vereinzelte Familien, die sich hier ebenso wie ich einen Spaziergang gönnten. Ob diese verstorbene Verwandte besuchten oder nur etwas frische Luft schnappten, fragte ich sie natürlich nicht. Wir dürfen nicht vergessen: auf einigen der Friedhöfe vor dem Halleschen Tore fanden noch bis vor wenigen Jahren Beisetzungen statt.

Das unauffälligste der „Prominentengräber“ ist vielleicht die Doppelgrabstätte von Rahel und Karl-August Varnhagen von Ense. Offen gestanden wäre ich fast daran vorbeigeschlendert, ohne einen Blick darauf zu werfen. Mein kleines Büchlein hielt mich aber rechtzeitig davon ab.
Auf die Bedeutung der Berliner Salons und der hinter ihnen stehenden Salonniéren gehe ich ja auf meinen Stadtspaziergängen in der Friedrichstadt ein, vielleicht begleiten Sie mich einmal dabei ? Rahel Varnhagens Bedeutung als Soziale Katalysatorin der Aufklärung in Berlin habe ich schon vor einiger Zeit in einem Kurzporträt hier im Blog gewürdigt. Lesen Sie es einfach nach, wenn Sie mögen. 🙂

Und so stieß ich im Vorbeischlendern später auch noch auf den Lehrer Carl-Friedrich Schinkels, den Schöpfer des modernen Postwesens in Deutschland, den Erfinder einer Kur gegen grünen Star und eine Hinweistafel  für den Architekten von Schloss Sanssouci. Ein „Eldorado“ für Stadtspaziergänger und sonstige Flaneure, die mit den Namen „Gilly“, „von Stephan“, „von Graefe“ oder „Knobelsdorff“ etwas anfangen können. Und es liegt so verkehrsgünstig ! Der Ausgang des U-Bahnhofes „Mehringdamm“ liegt in unmittelbarer Nähe des Einganges zur Anlage. Aber NICHT NUR deshalb empfehle ich allen, die gelegentlich etwas Ruhe schöpfen wollen, einen Besuch auf den „Friedhöfen vor dem Halleschen Tor“.

Ihr

Clemens Kurz

Quelle:

  • Ingolf Wernicke, „Berliner Friedhöfe“ in der Serie „Berlin kompakt“, Jaron Verlag 2017

Schloss Babelsberg – Sommersitz am Havelufer

Das Potsdamer Schloss Babelsberg, ebenso wie der dazugehörige Park, verdankt seine Existenz einer denkwürdigen Geschwister-Rivalität unter königlichen Prinzen. Und deren Frauen, natürlich. Zu simpel gedacht ? Dann lesen Sie weiter…

der Erstbesitzer von Schloss Babelsberg: Kaiser Wilhelm I.

Die „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin“ gehören zum UNESCO – Weltkulturerbe. Seit 1990 schon. Kein Wunder, denn wer einmal vom sog. „bowling green“ vor Schloss Babelsberg über die Havel geschaut hat, dem ist die Einzigartigkeit der Landschaft sicher nicht verborgen geblieben. Hier, am Havelufer mit seinen diversen Buchten und Seen, haben sich Prinzen und Mäzene im 19. Jahrhundert ihr „Arkadien“ bauen lassen. Später kamen die Berliner Sommer-Ausflügler dann hierher. Mit Ausflugsdampfern und als Sport-Ruderer. Heute zieht es Touristen, Tagesausflügler und Fotofreunde ans Havelufer, es kommen die Spaziergänger und Freunde von Geschichte und Kultur zu Besuch. Noch immer nicht ohne Grund.

Denn am Anfang vom neogotischen Traumschlösschen Babelsberg steht die einzigartige Rivalität zweier Prinzenbrüder. Die Söhne König Friedrich-Wilhelms III. entdeckten  zu Beginn des 19. Jahrhunderts das Havel – Idyll für sich. Einer nach dem anderen. Besonders pikant wird die Sache, wenn man weiß, dass sie mit Schwestern verheiratet waren. Also Brüder und „Schwager“ gleichzeitig waren. Wobei der ältere Prinz die jüngere Schwester heiraten „musste“, während der jüngere Prinz die ältere Schwester freiwillig ehelichte und sich nicht beschweren konnte.

Natürlich spreche ich von den Prinzen Wilhelm und Carl von Preußen sowie von Marie und Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach.  Der jüngere Prinz, Carl, wurde schon früh von seinen Erziehern für die Antike und deren Hinterlassenschaften begeistert, die er zeitlebens mit Akribie (und gerüchteweise nicht immer völlig legal) sammelte. Für die „Sommerfrische“ und zur Präsentation seiner Antikensammlung erwarb er jedenfalls 1824 das Gut Klein-Glienicke und ließ sich dessen Wohngebäude umbauen. Kein Wunder, dass dies seinen älteren Bruder Wilhelm auf den Plan rief. Wo gibts denn auch sowas, dass ein „kleiner Bruder“ sich ein Lusthaus am Wasser bauen lässt, während der „große Bruder“ noch nach einer passenden Immobilie sucht ?

Diese fand er dann scheinbar „ganz zufällig“ direkt gegenüber von Klein-Glienicke auf dem sog. „Babelsberg“. Und begann beim Papa so lange um Finanzen zu betteln, bis dieser ihm genehmigte, sich die Immobilie zu kaufen und dort einen Sommersitz zu bauen. Das war 1833. Ab jetzt beginnt die bunte Geschichte von Schloss Babelsberg. Ein Hohenzollernbau, dessen vielleicht interessanteste Eigenschaft es ist, aus unterschiedlichen Blickwinkeln immer komplett neue Anblicke zu bieten ! Die Geschichte des Baus können Sie natürlich über die Suchmaschine ihrer Wahl oder über die historische Enzyklopädie ihrer Präferenz bis ins Detail nachlesen. Ich persönlich möchte hier nur auf den Einfluss der „jüngeren“ der beiden Schwestern auf die Gestaltung Babelsbergs eingehen.

Kaiserin Augusta

Wilhelms Ehefrau, Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach, die sich für eine umfassend gebildete und in Sachen Geschmack und Stilsicherheit relevante Fachfrau hielt, trieb mit ihrer permanenten Einmischung diverse Baumeister Babelsbergs (darunter Größen wie Schinkel oder Persius) schier in den Wahnsinn. Ebenso wie den genialen Gartenarchitekten Peter-Joseph Lenné, den sie letztlich mal so „mir-nix-dir-nix“ gegen den ihr aus der sächsischen Heimat vertrauten Fürsten Herrmann von Pückler-Muskau austauschte. Nicht, dass Pückler hier in Babelsberg keine sichtbare Verschönerung und Abrundung der Parkanlagen vorgenommen hätte, denn das hat er. Die Art und Weise, wie er aber durch gnadenloses Schleimen bei Augusta und diversen „Hochwohlgeborenen“ an diesen Job gekommen war, lässt Menschen unserer Zeit aber doch leichte Ekelschauer über den Rücken laufen. Ein zwiespältiger „Held der Gartenkunst“.

Wie auch immer: das Ergebnis der Arbeiten diverser Genies, die es über sich brachten, immer wieder mit der anmaßenden Augusta aneinander zu geraten, kann heute wieder besichtigt werden. Wie schon angemerkt, schafft das Schlösschen Babelsberg aus diversen Blickwinkeln immer neue Eindrücke.
Die Parkanlagen wurden (inklusive der Wasser-Läufe) wieder im Pückler´schen Sinne hergestellt. Damit wurden die letzten Spuren von Kriegs- und vor allem Mauerzeiten beseitigt, während derer Babelsberg das Pech hatte, direkt an der Grenze nach „Westberlin“ gelegen zu sein. Damals zerstörten Gitterzäune, Patrouillenwege für Grenzsoldaten und Kasernengelände nicht nur den Babelsberger Park, sondern u. a. auch die Anlage vom Schlösschen Sacrow…eine lange Geschichte.

Anmerkung (Juni 2018):
DSCI4665_compressedDie Restaurierung von Schloss Babelsberg dauert an. Durchgehend besucht werden konnte es zuletzt im Jahre 2011. Ich selbst bin mit einem Freund damals im Rahmen einer Führung durch das Gebäude dabeigewesen. Seitdem haben die umfangreiche Fassadensanierung, die 2017 abgeschlossen wurde, und die Innen-Renovierung zur Schließung von Schloss Babelsberg geführt. Nur für gelegentliche Sonderveranstaltungen oder Sonder-Themen wie die „Pückler-Ausstellung“ 2017 wurde das Haus zeitweise wieder geöffnet. Ansonsten verläuft der Aufbau der Anlage wie in Berlin-Brandenburg üblich (Beispiel: BER) schleppend langsam. Im Jahre 2020 soll mit der Sanierung der Haustechnik begonnen werden, danach startet die Wiederherstellung der sog. „blauen Terrasse“, im Jahre 2022 soll dann mit der Restaurierung der Innenräume begonnen werden. Ende ? Offen…Puh.
(Quelle: http://www.maz-online.de/Lokales/Potsdam/Schloss-Babelsberg-Innensanierung-startet-2022)

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Wenn alle Quellen fließen…auch die künstlichen.

Der Park ist ebenso schrittweise wiederhergestellt worden. Im Jahre 2017 wurden vor allem die Wasserspiele im Bereich des pleasuregrounds wieder in Betrieb genommen. Sanftes Plätschern bei Sommerwetter, ich habs genossen, als ich letztlich wieder dort war. 🙂

 

Fehrbellin – wie Preußen begann, bevor es existierte…

Fehrbellin…Fehrbellin…da war doch mal was ? Bei diesem Namen kriecht langsam eine Erinnerung an die Oberfläche des Bewusstseins. Aber, darf man heute noch über „Fehrbellin“ sprechen, die Fakten betrachten, wo doch alles „Militaristische“, alles „Militärische“ mitunter auch, heute aus guten Gründen so skeptisch betrachtet wird ? Schaun wir mal nach:

Es ist ja immer so eine Sache mit den „Schlachten“ und „Feldzügen“ vergangener Zeiten. Ich gestehe, manchmal frage ich mich auch, ob ich solche Anlässe eigentlich promoten will oder ob mich das Schicksal der Toten, die hier für fürstliche Gebietsansprüche o. ä. ihr Leben ließen, nicht vor Pietät schweigen lassen sollte. Hierzulande ist es ja nicht ganz ohne Grund, vorsichtig gesagt, „unüblich“ geworden, in Kriegen und Gefechten heute noch „Heldentaten“ zu sehen. Ich finde das nicht wirklich falsch sondern neige auch eher dazu, diese Tendenz zu stützen.

Dennoch kann ich mich als „Regionalpatriot“ (bitte nicht an diesem Begriff festkleben, liebe Leserinnen und Leser, ich schreibe dies durchaus mit einer großen Portion Selbstironie) manchmal nicht den blanken Fakten entziehen. 1675 erlitt die Schwedische Armee, die zu den besten ihrer Zeit gehörte, eine empfindliche Niederlage, als sie versuchte, im Auftrage Frankreichs Brandenburg zu verwüsten und zu brandschatzen. Wollen Sie wirklich die genauen Details dazu wissen ? Ich mache es kurz: Frankreich war in der damaligen Zeit dabei, Eroberungen zu machen. Die „Rheingrenze“ wollte man, wollte der „Sonnenkönig“ erobern. Die Niederlande und Deutschland von der Pfalz bis in den Rhein-Main-Raum hinein wurden von französischen Truppen verheert und es wurde reichlich „verbrannte Erde“ hinterlassen. Erst kürzlich nannte mir ein FB-Freund in diesem Zusammenhang den Namen „Melac“, der bis heute wohl in Südwestdeutschland so eine Art Schimpfwort ist. Nicht ganz grundlos, wie Sie sich vorstellen können ! Befragen Sie die Suchmaschine Ihrer Wahl doch mal zu diesem Namen, wenn Sie mögen ! 🙂 Zurück nach Brandenburg:

Das Deutsche Reich stellte 1674 also Truppen zur Abwehr einer französischen Aggression, welche in diesem Falle zunächst einmal gegen die Niederlande gerichtet war. Der „Große Kurfürst“ Friedrich-Wilhelm von Brandenburg war mit allem, was er so kurzfristig mobilisieren konnte, mit dabei. Sogar persönlich und vor Ort im Westen ! Im Elsass. Frankreich aktivierte daraufhin mit ordentlichen Mengen von „Louis d´ors“ seinen Verbündeten Schweden, um Brandenburg aus der Koalition der „Eifrigen“ herauszubrechen. Brechen die Schweden in Brandenburg ein, können Friedrich-Wilhelm und seine Soldaten nicht mehr gegen Frankreich kämpfen. So simpel ging Politik damals. Heute vielleicht auch noch, man muss es nur wollen, aber auch das ist eine ganz andre Geschichte.

Georg von Derfflinger

Nachdem die Schweden, in Abwesenheit der Armee des „Großen Kurfürsten“, wie das Messer durch die Butter in die Brandenburger Lande fuhren und dabei Richtung Havelland vorrückten, um Magdeburg angreifen zu können, bekamen sie spät, aber überhaupt Widerstand entgegengebracht. Der Dreißigjährige Krieg lag eben erst eine Generation zurück und das Volk vergaß nicht so schnell, wie die Soldateska damals gewütet hatte. Auch die schwedische. Aber mit aufgepflanzten Mistgabeln kann man einer gut gedrillten und von erfahren Offizieren angeführten Truppe wie den Schweden nicht lange widerstehen. Brandenburg an der Havel, Havelberg, Rathenow, fielen in die Hände der Truppen des schwedischen Generalleutnants Wolmar von Wrangel. Die Brandenburger mussten also auf die Ankunft Friedrich-Wilhelms und seiner Truppen warten. Die „Havellinie“ gehörte zunächst den Skandinaviern. Und diese gedachten, es sich hier ein wenig gemütlich zu machen. Nicht wissend, dass brandenburgische Truppen in Eilmärschen aus dem Südwesten heranrückten.

Die Pläne von Wrangels begannen, sich aufzulösen, als es am 15. Juni 1675 Brandenburger Einheiten gelang, Rathenow zurückzuerobern. Viele Anekdoten ranken sich um dieses Ereignis. So sollen angeblich die Bürger vorgewarnt gewesen sein und präventiv schon einmal ein paar schwedische Wachen mit Bier „abgefüllt“ haben. Ebenso hält sich bis heute in der Stadt die Legende, dass die ersten Brandenburger mit dem Kahn angelandet seien, um am „Wassertor“, einer Pforte in der Stadtmauer zur Havel hin, einzudringen. Außerdem will die Legende nicht verstummen, dass der Brandenburgische Feldmarschall Derfflinger, der während des Dreißigjährigen Krieges in schwedischem Dienst gestanden hatte, persönlich am „Haveltor“ aufgetaucht sein soll, um die dortigen Wachen in ihrer Muttersprache dazu zu bewegen, das Stadttor zu öffnen.

Wie auch immer: die Havellinie war damit durchbrochen. Wrangels Hauptkontingente, die schon auf dem Weg nach Rathenow waren, machten kehrt, um ihre Versorgungslinien zu sichern. Drei Tage nach dem Fall Rathenows kam es bei Hakenberg, südöstlich von Fehrbellin, zu einem heftigen Gefecht mit den vorrückenden Brandenburgern. Um es kurz zu machen: Die Schweden verloren. Zum zweiten Male innerhalb von drei Tagen. Außerdem war ihnen nicht klar, mit wievielen Truppen der Große Kurfürst überhaupt schon im Lande stand. Dass fast die gesamte Infanterie Brandenburgs ein- bis zwei Tagesmärsche zurücklag, dass also Friedrich-Wilhelm und Derfflinger nur ihre Kavallerie und wenige Stücke Kanonen „vor Ort“ hatten, war den Schweden nicht bewusst. Dennoch waren die „Ergebnisse“ von 1675 so etwas wie die Meldung, dass Liechtenstein Brasilien im Fußball besiegt hätte. So hohe Favoriten waren die Schweden für Zeitgenossen noch gewesen.

In den nächsten drei Jahren jagten die Brandenburger die Schweden bis nach Stralsund vor sich her und beendeten de facto deren Vorherrschaft über Vorpommern. So lange bis Frankreich Friedensbereitschaft signalisierte und die „Großen“ Europas im Frieden von St. Germain 1679 den Kurfürsten um das Brandenburg seit 1638 zustehende „Restpommern“ inkl. der wichtigen Odermündung und Stettins brachte. Es heißt, der zu Gefühlsausbrüchen neigende Friedrich-Wilhelm habe, als er sich gezwungen sah, diesen Vertrag anzuerkennen, einen Wutausbruch erlitten, der sich gewaschen hatte.

Fazit: die „Schlacht bei Fehrbellin“ hatte Langzeitwirkungen, die sich in jedem Falle als wichtig erweisen sollten, auch wenn der „Brandenburgisch-Schwedische-Krieg“ zwar mit dem militärischen Sieg Brandenburgs, aber auch ebenso mit dessen diplomatischer Niederlage endete. Immerhin hatte Brandenburg endgültig gezeigt, dass es von einem Objekt europäischer Machtpolitik, das es noch im Dreißigjährigen Krieg gewesen war, wieder zu einem eigenständig handelnden Subjekt heranwuchs. Mit einem zuverlässigen Militär, welches ganz und gar dem Kurfürsten unterstand, konnte für die Verteidigung des Landes wieder ausreichend gesorgt werden. Und die Havelländer, die den Schweden hinhaltenden Widerstand entgegengesetzt hatten, waren vielleicht die ersten wirklichen „Preußen“, da sie auf den Mann unter dem Kurhut setzen mussten, um von den um keine Plünderung verlegenen Schweden befreit zu werden. Zwar setzte sich erst der Sohn des „Großen Kurfürsten“ die Krone auf und begann damit, alle seine Ländereien „Preußen“ nennen zu lassen, aber: keine Geschichte ohne Vorlauf.

Rathenow und Fehrbellin also. In Rathenow steht seit 1738 ein Standbild des Großen Kurfürsten (erstes Bild im Beitrag). In Fehrbellin befindet sich seit 1902 eine Bronzekopie des Standbildes aus der Werkstatt von Fritz Schaper, dessen Original sich einst in der Siegesallee befand und heute in der Zitadelle Spandau besichtigt werden kann. Man hatte also diesen Teil der Geschichte nicht vergessen. Auch der Schriftsteller Heinrich von Kleist hatte die Schlacht von Fehrbellin in seinen „Prinzen von Homburg“ eingebaut, da der gleichnamige Kavallerist tatsächlich daran teilgenommen hatte. Die genauen Umstände und die Details, die Kleist schildert, dürfen jedoch nicht so 100 prozentig auf die Goldwaage gelegt werden. So war der namensgebende Prinz Friedrich von Hessen-Homburg etwa kein schwärmerisch Verliebter, sondern ein glücklich verheirateter Mann. usw.
Interessant aber, dass unsere Zeiten den letzten Satz dieses Dramas nicht mehr anerkennen wollen und oftmals weglassen. Eine TV-Verfilmung des „Prinzen von Homburg“ von vor einigen Jahren jedenfalls ließ diese Worte aus, weshalb ich sie, völlig „politisch unkorrekt“ wie ich manchmal bin, hier an den Schluss dieser Ausführungen stellen möchte:
„In Staub mit allen Feinden Brandenburgs !“

Bildmaterial:

Quellen:

  • Joachim Fernau, „sprechen wir über Preußen“, Ullstein Verlag, 5. Auflage 1994
  • Hannsjoachim W. Koch, „Geschichte Preußens“, Paul-List-Verlag, 1980
  • wikipedia

„Gärten der Welt“ – IGA 2017 in Marzahn

Ich erwähne es in vielen Beiträgen hier im Blog: Berlins ist grün. Hat Natur zu bieten. Sogar zwischen Betonburgen und vielgenutzten Ausfallstraßen. Nirgendwo wird dies deutlicher als im „Erholungspark“ in Marzahn. Hier wurde eine einst recht öde Landschaft in „Gärten der Welt“ verwandelt, die in diesem Jahr die „Internationale Gartenausstellung“ (IGA 2017) beherbergen. 

Marzahn. Betonwüste, öder Plattenbau, Menschenmassen, einst von der DDR hier zusammengepfercht. Kaum ein negatives Klischee, das einem nicht sofort einfiele bei diesem Namen. Die Realität sieht glücklicherweise mittlerweile anders aus. Die alten Plattenbauten sind saniert und auch äußerlich „bunt“ geworden, moderne Neubauten ergänzen den DDR-Beton, Einkaufszentren schaffen Infrastruktur.

Japanischer Garten

Schon 1991 wurde eine zwischen den Hochhäusern angelegte Gartenschau zum „Erholungspark Marzahn“ erweitert. Mittlerweile ist die Anlage auf etwas über 100 ha erweitert worden. Im Oktober 2000 wurde hier mit dem „Chinesischen Garten“ der erste Themengarten eröffnet und seitdem das Konzept der „Gärten der Welt“ verwirklicht. Diverse, mit Pflanzen, Gebäuden und Anlagen im „typischen“ Stile einer bestimmten Region gestaltete Gärten sind inzwischen dazugekommen.

Jetzt, 2017, wird hier die „Internationale Gartenschau“ abgehalten. Künstlerisch gestaltete Anlagen sollen den Besucher zum Verweilen, zur Reflexion und Besinnung anregen. In der Blumenhalle wird eine Themenausstellung zum gleichzeitig stattfindenden Lutherjahr gezeigt. Und zwei spektakuläre Veränderungen wurden auf dem Gelände unter dem „Kienberg“ noch vorgenommen:

  1. „Wolkenhain“

    auf der über 100 m über NHN gelegenen Anhöhe wurde ein weiterer Aussichtspunkt geschaffen. Der sog. „Wolkenhain“, eine luftige, weißgestrichene Stahlkonstruktion, die „singt“, wenn sie in Vibration gerät, bietet einen spektakulären Blick auf die Landschaft um den Kienberg herum. Bei klarem Wetter kann man bis tief nach Brandenburg hineinsehen. Auch der Fernsehturm am Alexanderplatz ist so deutlich erkennbar. Ich gestehe, mich faszinierte der Blick über Hochhäuser, Bahnhöfe und Grünanlagen. Ganze Strukturen der Stadtentwicklung können so erkannt werden.

  2. die moderne Seilbahn. Sie wurde von einer Südtiroler Firma hier installiert und wird von dieser auch derzeit noch betrieben. Über 1,5 km hinweg überspannt sie das Gelände des Erholungsparks zwischen Blumberger Damm und Kienbergpark. Eine Fahrt dauert etwa 5 Minuten und führt auf den Kienberg hinauf, wo eine Zwischenstation das Ein- und Aussteigen zulässt. Sogar ich als Mensch mit Tendenz zur Höhenangst habe die relativ sanfte Fahrt genossen. Der Ausblick über den Park ist spektakulär und die Fahrt mit der Bahn ist im Eintrittspreis inbegriffen.

Außerdem wurden ein Amphitheater zur IGA gebaut, eine „Tälchenbrücke“, die zusätzlich mit einer recht interessanten Klanginstallation versehen ist und eine sog. „Naturbob-Bahn“, die ebenfalls vom Kienberg aus vor allem Kinder erfreut, eingerichtet.

Kurz gesagt: ein Besuch lohnt in jedem Falle. Nicht alle interessanten Parks und Sehenswürdigkeiten finden sich nur zwischen Zoo und Alexanderplatz in der Berliner Stadtmitte. Meine persönliche These, dass sich die meisten schönen Ecken und viele Besonderheiten Berlins eher in den Außenbezirken finden lassen, wurde hier wieder vollends bestätigt.

Adresse:

„Gärten der Welt“
Eisenacher Straße 99
12685 Berlin
https://gruen-berlin.de/gaerten-der-welt/besucherinformation

Anfahrt:

Wie immer am Besten mit den „Öffentlichen“.

  • Bus 195 ab S-Bahnhof „Marzahn“ bis „Gärten der Welt“.
  • Shuttles fahren während der IGA (noch bis Oktober 2017) vom offiziellen „IGA-Parkplatz“ (Berliner Str. Ecke Louis-Lewin-Straße) zum Gelände. Fahrzeit etwa 15 Minuten.
  • U-Bahnlinie U5 bis Bahnhof „Kienberg – Gärten der Welt“ der Rest ist in wenigen Minuten zu Fuß erledigt.

Öffnungszeiten:

Während der IGA 2017 (bis 15. Oktober 2017):

09.00 Uhr bis 20.00 Uhr