Archiv der Kategorie: Ausflugstips

in Frieden ruhen – der Dreifaltigkeitsfriedhof II

In der Kreuzberger Bergmannstraße, hin zum „Südstern“ reihen sich vier Friedhöfe aneinander. „Friedrichswerderscher-“ oder „Luisenstädtischer-“ Friedhof kann man da lesen. Wenn man vom Südstern heranspaziert, finden wir den „Dreifaltigkeitsfriedhof“ ganz „hinten links“. Der Zweite seines Namens, denn der „erste“ davon gehört ja zu den „Friedhöfen vor dem Halleschen Tor“. Für meine Reihe kurzer Betrachtungen bekannter, Berliner Gottesacker habe ich dann einfach mal hier mal vorbeigeschaut.

Was für ein schöner Tag ! In der Nacht zuvor hatte es ein wenig geschneit. Wie Puderzucker lag eine ganz dünne Schneeschicht über dem Gelände. Sanft knirschte es unter der Schuhsohle, wenn man die Wege zwischen den Grabstätten abschritt. Inzwischen war aber längst die Sonne herausgekommen und legte ihr „winterhartes“, tiefstehendes Licht über den Dreifaltigkeitsfriedhof, über pompöse Grabmale von Familien, die man heute kaum noch kennt und über kleine Familienbegräbnisse völlig Unbekannter.

Wie immer, wenn man auf einem Stadtspaziergang über Friedhöfe unterwegs ist, freut man sich über die relative Ruhe, die man hier vorfindet. Ein paar Vögelchen tschilpten jedoch auch schon in den Bäumen. Und das so früh im Jahr ! Die Natur hat offensichtlich ihre eigene Logik. Ich selbst würde, Mensch oder Nachfahre der Dinosaurier (ja, Vögelchen sind evolutionsgeschichtlich gesehen Nachfahren von Flugsauriern) natürlich einen Daueraufenthalt im Warmen bevorzugen.

Und die Friedhofsverwaltung macht es dem Spaziergänger diesmal ausnahmsweise einmal nicht so einfach, sich hier auf dem etwa 49.000 qm großen Friedhof zu orientieren. Findet man etwa auf den „Friedhöfen vor dem Halleschen Tor“ noch Übersichtstafeln an den Eingängen, die das Wegesystem abbilden, über die Geschichte der Anlage informieren und auf sowohl hübsch gestaltete, wie auch „prominente“ Grabstätten hinweisen, so fehlt hier all dies.  So dass der Besucher gezwungen ist, sich selbst zu orientieren. Was ja auch nichts Schlechtes sein muss. Vielleicht genießt man einen Besuch hier dadurch umso mehr.

Grabstätte Schleiermacher

Aber natürlich sind auch hier einige bekannte Namen zu finden. Ich beschränke mich auf die zwei für MICH interessantesten davon. Zunächst einmal ist auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof II natürlich einer der ehemaligen Pastoren der gleichnamigen Gemeinde beigesetzt. Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher. Die Plakette auf seinem Grabstein stammt von Christian Daniel Rauch. Schleiermacher war Theologe und Mitbegründer der „Friedrich-Wilhelms-Universität“ in Berlin (heute „Humboldt-Universität“). Er begegnete mir schon auf einer Plakette an seinem ehemaligen Pfarrhaus Glinka- Ecke Taubenstraße. Welches natürlich in der Berliner Friedrichstadt liegt, durch welche ich Jahr für Jahr immer mal gerne spaziere, aber das ist ein anderes Thema. Wer bei diesen Spaziergängen dann dabeisein möchte, nimmt bitte Kontakt zu mir auf oder wartet auf die Bekanntgabe entsprechender Termine auf der Facebook-Seite und hier im Blog auf der Termine-Seite. Zurück zu Schleiermacher: dieser Mann versuchte Forschung und Wissenschaft mit dem christlichen Glauben zu versöhnen und musste sich deshalb harsche Kritik von Theologen und Wissenschaftlern gefallen lassen. Der gebürtige Breslauer fand nun also hier 1834 seine letzte Ruhe. Besser ist das auch, denn  ein Grab in seiner Geburtsstadt wäre vielleicht, wie so viele andere Ruhestätten prominenter Preußen und anderer Deutscher, nach Kriegsende eingeebnet oder geschändet worden. Man denke an das Grab des Freiherrn von Seydlitz o. ä. Fälle.

Grabstätte von Menzel

Die zweite Grabstätte, der ein versierter „Stadtspaziergänger“ natürlich seine Reverenz erweisen sollte, ist die des Malers Adolph von Menzel. Diesem Vorbereiter der Moderne wollte ich hauptsächlich einen Besuch abstatten. Was gibt es nicht alles für herzallerliebste Anekdoten über diesen Mann zu erzählen. Jeder cityguide, der etwas auf sich hält, kennt ein paar davon. Mir gefällt diejenige am Besten, bei der er mit seiner Art einen hohen Militär, den Feldmarschall Wrangel, so sehr auf die Palme bringt, dass dieser ihn eine „eklige, kleine Kröte“ nennt. Auch seine Geduld mit „Modellen“, die von ihm porträtiert werden wollten, war gleich 0. Bei seiner Beisetzung hier folgte aber gar die kaiserliche Familie dem Sarg. So sehr schätzten sie die Wirkung seiner Gemälde. Die Büste auf seiner Grabanlage ist übrigens ein Werk von Reinhold Begas.

Das Schöne an den innerstädtischen Friedhöfen ist vor allem, dass sie zumeist verkehrsgünstig zu erreichen sind. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bussen und U-Bahnen erreicht man sie zumeist gut. Mit dem Fahrrad sowieso. Insofern steht meine Empfehlung, auch den „Dreifaltigkeitsfriedhof II“ und seinen Nachbarn den „Friedrichswerderschen“ Friedhof, zu dem ein Durchgang besteht, einmal zu besuchen. Und sei es nur, um im Schatten der Bäume ein wenig zu verschnaufen. Das leicht ansteigende Gelände, welches der Tatsache geschuldet ist, dass dort einst ein Weinberg angelegt worden war, lädt in jedem Falle dazu ein !

Zu erreichen über den U-Bahnhof „Südstern“ (Linie 7), dann in die Bergmannstraße weiterspazieren.

 

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Friedhöfe vor dem Halleschen Tor – versteckte Gräber mitten in der Stadt

Alte Berliner Friedhöfe haben auf mich eine gewisse Anziehung, das gebe ich offen zu. Hier, wo die Verblichenen ruhen, findet oftmals auch die gestresste Städterseele einige Momente des Friedens und der Ruhe. Friedhöfe ersetzen manchem Anwohner wohl auch die manchmal fehlenden Parks und laden zu Spaziergängen ein, wie ich mehr als einmal beobachten konnte. 

Liebe Leser, erinnern Sie sich an meine kleine Reihe von Besuchen auf Berliner Friedhöfen ? Vor einiger Zeit empfahl ich diese als geruhsame Stadtspaziergänge im Großstadtgedrängel. Zur Erinnerung hier noch einmal der erste Teil. Die anderen Teile sind unten auf dem ersten Artikel verlinkt.

Vor nicht allzu langer Zeit fiel mir nun ein kleines Büchlein in die Hände, welches sich ebenfalls mit den vermeintlich schönsten der „Berliner Friedhöfe“ befasst. In knappen Kapiteln wird die Anlage und die Geschichte der „Gottesacker“ dargestellt und auf die prominentesten Grabstätten verwiesen. Dieser Hinweis war beim Besuch der „Friedhöfe vor dem Halleschen Tor“ auch notwendig, da sich hier die vielleicht bekanntesten Verblichenen beinahe schon „verstecken“ zwischen auffälligeren Grabmalen, deren Besitzer erst einmal weniger bekannt zu sein scheinen.

Und so machte ich mich an einem frischen Sonnentag im Winter auf, diese Anlage einmal aufzusuchen. Natürlich nicht ohne die obligatorische Kamera, das besagte Büchlein und etwas Zeit und Lust, einen Spaziergang jenseits des Straßenlärms von Kreuzberg zu machen. Eigentlich handelt es sich ja um 6 unterschiedliche Friedhöfe, die aber im Laufe der Zeit so weit „zusammengewachsen“ sind, dass wir sie trotz der ein oder anderen noch vorhandenen Grenzmauer mal als Einheit behandeln wollen.

Etwa ab 1735 genehmigte der damalige, preußische König Friedrich-Wilhelm mehreren Kirchgemeinden seiner Residenzstadt Berlin die Anlage neuer Begräbnisstätten jenseits der damaligen „Akzisemauer“, die etwa auf der Höhe des Halleschen Tores verlief. Diese, oftmals auch „zweite“ Berliner Mauer (nach der mittelalterlichen Stadtmauer) genannte Grenze sollte sowohl mögliche Deserteure der Berliner Garnison an der Flucht hindern, als auch die Steuer für durchlaufende Waren an ihren Toren einziehbar machen. Die sog. „Akzise“ halt.

Im Laufe der Zeit mussten die Flächen für Begräbnisse erweitert werden, andere Gemeinden schlossen sich an und das Ensemble, welches wir heute kennen, entstand. Die Stadt erweiterte sich und schloss im 19. Jahrhundert die Begräbnisstätten ein. Heute hören wir selbst an einem ruhigen Wintertag eigentlich permanent den Straßenlärm angrenzender Hauptstraßen. Wenn auch gedämpft und damit muss man schon zufrieden sein.

Allen, die sich ein wenig auskennen, muss ich eine kleine Enttäuschung bereiten: nein, das Grab des Komponisten Felix Mendelssohn – Bartholdy habe ich nicht gefunden. Immerhin ein schöner Aufhänger, um hier im Frühjahr oder Sommer noch einmal vorbeizuschauen !
Da ich vom Mehringdamm aus die Anlage betrat, lenkte ich meine Schritte zunächst zum Grabstein des Schriftstellers und Dirigenten ETA Hoffmann. Dieser Künstler, der lange Zeit in unmittelbarer Nähe des Gendarmenmarktes in der Berliner Friedrichstadt wohnte, ist für seine merkwürdig „somnambulen“ Märchengeschichten bekannt, wie etwas „Klein Zaches, genannt Zinnober“. Als Staatsbeamter war er außerdem für seine bissige Kritik am postnapoleonischen Zensurwesen in Preußen bekannt. Den „Amadeus“ schenkte er sich übrigens selbst. Eigentlich war sein dritter Vorname „Wilhelm“ wie uns sein auffällig unauffälliger Grabstein bedeutet.

Die Anlage war relativ menschenleer, aber dennoch begegneten mir vereinzelte Familien, die sich hier ebenso wie ich einen Spaziergang gönnten. Ob diese verstorbene Verwandte besuchten oder nur etwas frische Luft schnappten, fragte ich sie natürlich nicht. Wir dürfen nicht vergessen: auf einigen der Friedhöfe vor dem Halleschen Tore fanden noch bis vor wenigen Jahren Beisetzungen statt.

Das unauffälligste der „Prominentengräber“ ist vielleicht die Doppelgrabstätte von Rahel und Karl-August Varnhagen von Ense. Offen gestanden wäre ich fast daran vorbeigeschlendert, ohne einen Blick darauf zu werfen. Mein kleines Büchlein hielt mich aber rechtzeitig davon ab.
Auf die Bedeutung der Berliner Salons und der hinter ihnen stehenden Salonniéren gehe ich ja auf meinen Stadtspaziergängen in der Friedrichstadt ein, vielleicht begleiten Sie mich einmal dabei ? Rahel Varnhagens Bedeutung als Soziale Katalysatorin der Aufklärung in Berlin habe ich schon vor einiger Zeit in einem Kurzporträt hier im Blog gewürdigt. Lesen Sie es einfach nach, wenn Sie mögen. 🙂

Und so stieß ich im Vorbeischlendern später auch noch auf den Lehrer Carl-Friedrich Schinkels, den Schöpfer des modernen Postwesens in Deutschland, den Erfinder einer Kur gegen grünen Star und eine Hinweistafel  für den Architekten von Schloss Sanssouci. Ein „Eldorado“ für Stadtspaziergänger und sonstige Flaneure, die mit den Namen „Gilly“, „von Stephan“, „von Graefe“ oder „Knobelsdorff“ etwas anfangen können. Und es liegt so verkehrsgünstig ! Der Ausgang des U-Bahnhofes „Mehringdamm“ liegt in unmittelbarer Nähe des Einganges zur Anlage. Aber NICHT NUR deshalb empfehle ich allen, die gelegentlich etwas Ruhe schöpfen wollen, einen Besuch auf den „Friedhöfen vor dem Halleschen Tor“.

Ihr

Clemens Kurz

Quelle:

  • Ingolf Wernicke, „Berliner Friedhöfe“ in der Serie „Berlin kompakt“, Jaron Verlag 2017

Schloss Babelsberg – Sommersitz am Havelufer

Das Potsdamer Schloss Babelsberg, ebenso wie der dazugehörige Park, verdankt seine Existenz einer denkwürdigen Geschwister-Rivalität unter königlichen Prinzen. Und deren Frauen, natürlich. Zu simpel gedacht ? Dann lesen Sie weiter…

der Erstbesitzer von Schloss Babelsberg: Kaiser Wilhelm I.

Die „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin“ gehören zum UNESCO – Weltkulturerbe. Seit 1990 schon. Kein Wunder, denn wer einmal vom pleasureground vor Schloss Babelsberg über die Havel geschaut hat, dem ist die Einzigartigkeit der Landschaft sicher nicht verborgen geblieben. Hier, am Havelufer mit seinen diversen Buchten und Seen, haben sich Prinzen und Mäzene im 19. Jahrhundert ihr „Arkadien“ bauen lassen. Später kamen die Berliner Sommer-Ausflügler dann hierher. Mit Ausflugsdampfern und als Sport-Ruderer. Heute zieht es Touristen, Tagesausflügler und Fotofreunde ans Havelufer, es kommen die Spaziergänger und Freunde von Geschichte und Kultur zu Besuch. Noch immer nicht ohne Grund.

Denn am Anfang vom neogotischen Traumschlösschen Babelsberg steht die einzigartige Rivalität zweier Prinzenbrüder. Die Söhne König Friedrich-Wilhelms III. entdeckten  zu Beginn des 19. Jahrhunderts das Havel – Idyll für sich. Einer nach dem anderen. Besonders pikant wird die Sache, wenn man weiß, dass sie mit Schwestern verheiratet waren. Also Brüder und „Schwager“ gleichzeitig waren. Wobei der ältere Prinz die jüngere Schwester heiraten „musste“, während der jüngere Prinz die ältere Schwester freiwillig ehelichte und sich nicht beschweren konnte.

Natürlich spreche ich von den Prinzen Wilhelm und Carl von Preußen sowie von Marie und Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach.  Der jüngere Prinz, Carl, wurde schon früh von seinen Erziehern für die Antike und deren Hinterlassenschaften begeistert, die er zeitlebens mit Akribie (und gerüchteweise nicht immer völlig legal) sammelte. Für die „Sommerfrische“ und zur Präsentation seiner Antikensammlung erwarb er jedenfalls 1824 das Gut Klein-Glienicke und ließ sich dessen Wohngebäude umbauen. Kein Wunder, dass dies seinen älteren Bruder Wilhelm auf den Plan rief. Wo gibts denn auch sowas, dass ein „kleiner Bruder“ sich ein Lusthaus am Wasser bauen lässt, während der „große Bruder“ noch nach einer passenden Immobilie sucht ?

Diese fand er dann scheinbar „ganz zufällig“ direkt gegenüber von Klein-Glienicke auf dem sog. „Babelsberg“. Und begann beim Papa so lange um Finanzen zu betteln, bis dieser ihm genehmigte, sich die Immobilie zu kaufen und dort einen Sommersitz zu bauen. Das war 1833. Ab jetzt beginnt die bunte Geschichte von Schloss Babelsberg. Diese können Sie natürlich über die Suchmaschine ihrer Wahl oder über die historische Enzyklopädie ihrer Präferenz bis ins Detail nachlesen. Ich persönlich möchte nur auf den Einfluss der „jüngeren“ der beiden Schwestern auf die Gestaltung Babelsbergs eingehen.

Kaiserin Augusta

Wilhelms Ehefrau, Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach, die sich für eine umfassend gebildete und in Sachen Geschmack und Stilsicherheit relevante Fachfrau hielt, trieb mit ihrer permanenten Einmischung diverse Baumeister Babelsbergs (darunter Größen wie Schinkel oder Persius) schier in den Wahnsinn. Ebenso wie den genialen Gartenarchitekten Peter-Joseph Lenné, den sie letztlich mal so „mir-nix-dir-nix“ gegen den ihr aus der sächsischen Heimat vertrauten Fürsten Herrmann von Pückler-Muskau austauschte. Nicht, dass Pückler hier in Babelsberg keine sichtbare Verschönerung und Abrundung der Parkanlagen vorgenommen hätte. Die Art und Weise, wie er aber durch gnadenloses Schleimen bei Augusta und diversen „Hochwohlgeborenen“ an diesen Job gekommen war, lässt Menschen unserer Zeit aber doch Ekelschauer über den Rücken laufen.

Wie auch immer: das Ergebnis der Arbeiten diverser Genies, die es über sich brachten, immer wieder mit der anmaßenden Augusta aneinander zu geraten, kann heute wieder besichtigt werden. Die Parkanlagen wurden (inklusive der Wasser-Läufe) wieder im Pückler´schen Sinne hergestellt. Damit wurden die letzten Spuren von Kriegs- und vor allem Mauerzeiten beseitigt, während derer Babelsberg das Pech hatte, direkt an der Grenze nach „Westberlin“ gelegen zu sein.

Anmerkung 2017: derzeit findet im Schloss eine Sonderausstellung zum Thema Pückler statt. Nicht nur deshalb und wegen des zum Spazieren einladenden Parks ist Babelsberg unbedingt einen Besuch wert ! Alles weitere dazu hier:
https://www.spsg.de/aktuelles/ausstellung/pueckler-babelsberg/

Fehrbellin – wie Preußen begann, bevor es existierte…

Fehrbellin…Fehrbellin…da war doch mal was ? Bei diesem Namen kriecht langsam eine Erinnerung an die Oberfläche des Bewusstseins. Aber, darf man heute noch über „Fehrbellin“ sprechen, die Fakten betrachten, wo doch alles „Militaristische“, alles „Militärische“ mitunter auch, heute aus guten Gründen so skeptisch betrachtet wird ? Schaun wir mal nach:

Es ist ja immer so eine Sache mit den „Schlachten“ und „Feldzügen“ vergangener Zeiten. Ich gestehe, manchmal frage ich mich auch, ob ich solche Anlässe eigentlich promoten will oder ob mich das Schicksal der Toten, die hier für fürstliche Gebietsansprüche o. ä. ihr Leben ließen, nicht vor Pietät schweigen lassen sollte. Hierzulande ist es ja nicht ganz ohne Grund, vorsichtig gesagt, „unüblich“ geworden, in Kriegen und Gefechten heute noch „Heldentaten“ zu sehen. Ich finde das nicht wirklich falsch sondern neige auch eher dazu, diese Tendenz zu stützen.

Dennoch kann ich mich als „Regionalpatriot“ (bitte nicht an diesem Begriff festkleben, liebe Leserinnen und Leser, ich schreibe dies durchaus mit einer großen Portion Selbstironie) manchmal nicht den blanken Fakten entziehen. 1675 erlitt die Schwedische Armee, die zu den besten ihrer Zeit gehörte, eine empfindliche Niederlage, als sie versuchte, im Auftrage Frankreichs Brandenburg zu verwüsten und zu brandschatzen. Wollen Sie wirklich die genauen Details dazu wissen ? Ich mache es kurz: Frankreich war in der damaligen Zeit dabei, Eroberungen zu machen. Die „Rheingrenze“ wollte man, wollte der „Sonnenkönig“ erobern. Die Niederlande und Deutschland von der Pfalz bis in den Rhein-Main-Raum hinein wurden von französischen Truppen verheert und es wurde reichlich „verbrannte Erde“ hinterlassen. Erst kürzlich nannte mir ein FB-Freund in diesem Zusammenhang den Namen „Melac“, der bis heute wohl in Südwestdeutschland so eine Art Schimpfwort ist. Nicht ganz grundlos, wie Sie sich vorstellen können ! Befragen Sie die Suchmaschine Ihrer Wahl doch mal zu diesem Namen, wenn Sie mögen ! 🙂 Zurück nach Brandenburg:

Das Deutsche Reich stellte 1674 also Truppen zur Abwehr einer französischen Aggression, welche in diesem Falle zunächst einmal gegen die Niederlande gerichtet war. Der „Große Kurfürst“ Friedrich-Wilhelm von Brandenburg war mit allem, was er so kurzfristig mobilisieren konnte, mit dabei. Sogar persönlich und vor Ort im Westen ! Im Elsass. Frankreich aktivierte daraufhin mit ordentlichen Mengen von „Louis d´ors“ seinen Verbündeten Schweden, um Brandenburg aus der Koalition der „Eifrigen“ herauszubrechen. Brechen die Schweden in Brandenburg ein, können Friedrich-Wilhelm und seine Soldaten nicht mehr gegen Frankreich kämpfen. So simpel ging Politik damals. Heute vielleicht auch noch, man muss es nur wollen, aber auch das ist eine ganz andre Geschichte.

Georg von Derfflinger

Nachdem die Schweden, in Abwesenheit der Armee des „Großen Kurfürsten“, wie das Messer durch die Butter in die Brandenburger Lande fuhren und dabei Richtung Havelland vorrückten, um Magdeburg angreifen zu können, bekamen sie spät, aber überhaupt Widerstand entgegengebracht. Der Dreißigjährige Krieg lag eben erst eine Generation zurück und das Volk vergaß nicht so schnell, wie die Soldateska damals gewütet hatte. Auch die schwedische. Aber mit aufgepflanzten Mistgabeln kann man einer gut gedrillten und von erfahren Offizieren angeführten Truppe wie den Schweden nicht lange widerstehen. Brandenburg an der Havel, Havelberg, Rathenow, fielen in die Hände der Truppen des schwedischen Generalleutnants Wolmar von Wrangel. Die Brandenburger mussten also auf die Ankunft Friedrich-Wilhelms und seiner Truppen warten. Die „Havellinie“ gehörte zunächst den Skandinaviern. Und diese gedachten, es sich hier ein wenig gemütlich zu machen. Nicht wissend, dass brandenburgische Truppen in Eilmärschen aus dem Südwesten heranrückten.

Die Pläne von Wrangels begannen, sich aufzulösen, als es am 15. Juni 1675 Brandenburger Einheiten gelang, Rathenow zurückzuerobern. Viele Anekdoten ranken sich um dieses Ereignis. So sollen angeblich die Bürger vorgewarnt gewesen sein und präventiv schon einmal ein paar schwedische Wachen mit Bier „abgefüllt“ haben. Ebenso hält sich bis heute in der Stadt die Legende, dass die ersten Brandenburger mit dem Kahn angelandet seien, um am „Wassertor“, einer Pforte in der Stadtmauer zur Havel hin, einzudringen. Außerdem will die Legende nicht verstummen, dass der Brandenburgische Feldmarschall Derfflinger, der während des Dreißigjährigen Krieges in schwedischem Dienst gestanden hatte, persönlich am „Haveltor“ aufgetaucht sein soll, um die dortigen Wachen in ihrer Muttersprache dazu zu bewegen, das Stadttor zu öffnen.

Wie auch immer: die Havellinie war damit durchbrochen. Wrangels Hauptkontingente, die schon auf dem Weg nach Rathenow waren, machten kehrt, um ihre Versorgungslinien zu sichern. Drei Tage nach dem Fall Rathenows kam es bei Hakenberg, südöstlich von Fehrbellin, zu einem heftigen Gefecht mit den vorrückenden Brandenburgern. Um es kurz zu machen: Die Schweden verloren. Zum zweiten Male innerhalb von drei Tagen. Außerdem war ihnen nicht klar, mit wievielen Truppen der Große Kurfürst überhaupt schon im Lande stand. Dass fast die gesamte Infanterie Brandenburgs ein- bis zwei Tagesmärsche zurücklag, dass also Friedrich-Wilhelm und Derfflinger nur ihre Kavallerie und wenige Stücke Kanonen „vor Ort“ hatten, war den Schweden nicht bewusst. Dennoch waren die „Ergebnisse“ von 1675 so etwas wie die Meldung, dass Liechtenstein Brasilien im Fußball besiegt hätte. So hohe Favoriten waren die Schweden für Zeitgenossen noch gewesen.

In den nächsten drei Jahren jagten die Brandenburger die Schweden bis nach Stralsund vor sich her und beendeten de facto deren Vorherrschaft über Vorpommern. So lange bis Frankreich Friedensbereitschaft signalisierte und die „Großen“ Europas im Frieden von St. Germain 1679 den Kurfürsten um das Brandenburg seit 1638 zustehende „Restpommern“ inkl. der wichtigen Odermündung und Stettins brachte. Es heißt, der zu Gefühlsausbrüchen neigende Friedrich-Wilhelm habe, als er sich gezwungen sah, diesen Vertrag anzuerkennen, einen Wutausbruch erlitten, der sich gewaschen hatte.

Fazit: die „Schlacht bei Fehrbellin“ hatte Langzeitwirkungen, die sich in jedem Falle als wichtig erweisen sollten, auch wenn der „Brandenburgisch-Schwedische-Krieg“ zwar mit dem militärischen Sieg Brandenburgs, aber auch ebenso mit dessen diplomatischer Niederlage endete. Immerhin hatte Brandenburg endgültig gezeigt, dass es von einem Objekt europäischer Machtpolitik, das es noch im Dreißigjährigen Krieg gewesen war, wieder zu einem eigenständig handelnden Subjekt heranwuchs. Mit einem zuverlässigen Militär, welches ganz und gar dem Kurfürsten unterstand, konnte für die Verteidigung des Landes wieder ausreichend gesorgt werden. Und die Havelländer, die den Schweden hinhaltenden Widerstand entgegengesetzt hatten, waren vielleicht die ersten wirklichen „Preußen“, da sie auf den Mann unter dem Kurhut setzen mussten, um von den um keine Plünderung verlegenen Schweden befreit zu werden. Zwar setzte sich erst der Sohn des „Großen Kurfürsten“ die Krone auf und begann damit, alle seine Ländereien „Preußen“ nennen zu lassen, aber: keine Geschichte ohne Vorlauf.

Rathenow und Fehrbellin also. In Rathenow steht seit 1738 ein Standbild des Großen Kurfürsten (erstes Bild im Beitrag). In Fehrbellin befindet sich seit 1902 eine Bronzekopie des Standbildes aus der Werkstatt von Fritz Schaper, dessen Original sich einst in der Siegesallee befand und heute in der Zitadelle Spandau besichtigt werden kann. Man hatte also diesen Teil der Geschichte nicht vergessen. Auch der Schriftsteller Heinrich von Kleist hatte die Schlacht von Fehrbellin in seinen „Prinzen von Homburg“ eingebaut, da der gleichnamige Kavallerist tatsächlich daran teilgenommen hatte. Die genauen Umstände und die Details, die Kleist schildert, dürfen jedoch nicht so 100 prozentig auf die Goldwaage gelegt werden. So war der namensgebende Prinz Friedrich von Hessen-Homburg etwa kein schwärmerisch Verliebter, sondern ein glücklich verheirateter Mann. usw.
Interessant aber, dass unsere Zeiten den letzten Satz dieses Dramas nicht mehr anerkennen wollen und oftmals weglassen. Eine TV-Verfilmung des „Prinzen von Homburg“ von vor einigen Jahren jedenfalls ließ diese Worte aus, weshalb ich sie, völlig „politisch unkorrekt“ wie ich manchmal bin, hier an den Schluss dieser Ausführungen stellen möchte:
„In Staub mit allen Feinden Brandenburgs !“

Bildmaterial:

Quellen:

  • Joachim Fernau, „sprechen wir über Preußen“, Ullstein Verlag, 5. Auflage 1994
  • Hannsjoachim W. Koch, „Geschichte Preußens“, Paul-List-Verlag, 1980
  • wikipedia

„Gärten der Welt“ – IGA 2017 in Marzahn

Ich erwähne es in vielen Beiträgen hier im Blog: Berlins ist grün. Hat Natur zu bieten. Sogar zwischen Betonburgen und vielgenutzten Ausfallstraßen. Nirgendwo wird dies deutlicher als im „Erholungspark“ in Marzahn. Hier wurde eine einst recht öde Landschaft in „Gärten der Welt“ verwandelt, die in diesem Jahr die „Internationale Gartenausstellung“ (IGA 2017) beherbergen. 

Marzahn. Betonwüste, öder Plattenbau, Menschenmassen, einst von der DDR hier zusammengepfercht. Kaum ein negatives Klischee, das einem nicht sofort einfiele bei diesem Namen. Die Realität sieht glücklicherweise mittlerweile anders aus. Die alten Plattenbauten sind saniert und auch äußerlich „bunt“ geworden, moderne Neubauten ergänzen den DDR-Beton, Einkaufszentren schaffen Infrastruktur.

Japanischer Garten

Schon 1991 wurde eine zwischen den Hochhäusern angelegte Gartenschau zum „Erholungspark Marzahn“ erweitert. Mittlerweile ist die Anlage auf etwas über 100 ha erweitert worden. Im Oktober 2000 wurde hier mit dem „Chinesischen Garten“ der erste Themengarten eröffnet und seitdem das Konzept der „Gärten der Welt“ verwirklicht. Diverse, mit Pflanzen, Gebäuden und Anlagen im „typischen“ Stile einer bestimmten Region gestaltete Gärten sind inzwischen dazugekommen.

Jetzt, 2017, wird hier die „Internationale Gartenschau“ abgehalten. Künstlerisch gestaltete Anlagen sollen den Besucher zum Verweilen, zur Reflexion und Besinnung anregen. In der Blumenhalle wird eine Themenausstellung zum gleichzeitig stattfindenden Lutherjahr gezeigt. Und zwei spektakuläre Veränderungen wurden auf dem Gelände unter dem „Kienberg“ noch vorgenommen:

  1. „Wolkenhain“

    auf der über 100 m über NHN gelegenen Anhöhe wurde ein weiterer Aussichtspunkt geschaffen. Der sog. „Wolkenhain“, eine luftige, weißgestrichene Stahlkonstruktion, die „singt“, wenn sie in Vibration gerät, bietet einen spektakulären Blick auf die Landschaft um den Kienberg herum. Bei klarem Wetter kann man bis tief nach Brandenburg hineinsehen. Auch der Fernsehturm am Alexanderplatz ist so deutlich erkennbar. Ich gestehe, mich faszinierte der Blick über Hochhäuser, Bahnhöfe und Grünanlagen. Ganze Strukturen der Stadtentwicklung können so erkannt werden.

  2. die moderne Seilbahn. Sie wurde von einer Südtiroler Firma hier installiert und wird von dieser auch derzeit noch betrieben. Über 1,5 km hinweg überspannt sie das Gelände des Erholungsparks zwischen Blumberger Damm und Kienbergpark. Eine Fahrt dauert etwa 5 Minuten und führt auf den Kienberg hinauf, wo eine Zwischenstation das Ein- und Aussteigen zulässt. Sogar ich als Mensch mit Tendenz zur Höhenangst habe die relativ sanfte Fahrt genossen. Der Ausblick über den Park ist spektakulär und die Fahrt mit der Bahn ist im Eintrittspreis inbegriffen.

Außerdem wurden ein Amphitheater zur IGA gebaut, eine „Tälchenbrücke“, die zusätzlich mit einer recht interessanten Klanginstallation versehen ist und eine sog. „Naturbob-Bahn“, die ebenfalls vom Kienberg aus vor allem Kinder erfreut, eingerichtet.

Kurz gesagt: ein Besuch lohnt in jedem Falle. Nicht alle interessanten Parks und Sehenswürdigkeiten finden sich nur zwischen Zoo und Alexanderplatz in der Berliner Stadtmitte. Meine persönliche These, dass sich die meisten schönen Ecken und viele Besonderheiten Berlins eher in den Außenbezirken finden lassen, wurde hier wieder vollends bestätigt.

Adresse:

„Gärten der Welt“
Eisenacher Straße 99
12685 Berlin
https://gruen-berlin.de/gaerten-der-welt/besucherinformation

Anfahrt:

Wie immer am Besten mit den „Öffentlichen“.

  • Bus 195 ab S-Bahnhof „Marzahn“ bis „Gärten der Welt“.
  • Shuttles fahren während der IGA (noch bis Oktober 2017) vom offiziellen „IGA-Parkplatz“ (Berliner Str. Ecke Louis-Lewin-Straße) zum Gelände. Fahrzeit etwa 15 Minuten.
  • U-Bahnlinie U5 bis Bahnhof „Kienberg – Gärten der Welt“ der Rest ist in wenigen Minuten zu Fuß erledigt.

Öffnungszeiten:

Während der IGA 2017 (bis 15. Oktober 2017):

09.00 Uhr bis 20.00 Uhr

Erbe der unzufriedenen Königin – Charlottenburg

Eine der wichtigsten Touristenattraktionen nicht nur des „alten Westberlins“ verdankt die Stadt einer zutiefst unzufriedenen, suchenden und vergnügungssüchtigen Fürstin. Sophie-Charlotte von Braunschweig-Lüneburg („Hannover“ kam erst nach ihrer Geburt dazu) hatte große Pläne. Und scheiterte an der Realität. Dennoch hinterließ sie uns den Nukleus einer Touristenattraktion. Gott sei Dank ! 🙂

Selbst weniger wohlwollende Beschreibungen Sophie-Charlottes sprechen ihr immerhin ihren großen Bildungshunger zu, der selbst den Philosophen Leibniz einst an ihren Musenhof in „Lietzow“ lockte. Die Gründung der Berliner „Akademie der Wissenschaften“ ist dankenswerterweise auf diese Bekanntschaft zurückzuführen. Ein geistiges Vermächtnis, das Sophie-Charlotte leider nicht an ihren komplett verzogenen Sohn, den späteren „Soldatenkönig“ Friedrich – Wilhelm, weiterzugeben im Stande war. Nicht das einzige Versagen dieser oft zu Unrecht hochgelobten Fürstin.

Schon ihre Zwangs-Vermählung mit dem Kurprinzen Friedrich von Brandenburg im Jahre 1684 in Herrenhausen bei Hannover ist letztlich eine Niederlage. Zwar hatten Prinzessinnen diverser Herrscherhäuser Deutschlands weder im 17. noch in folgenden Jahrhunderten allzuviel bei ihren arrangierten Ehen mitzureden, doch „träumen“ durften sie allemal. Vor allem, wenn sie aus einem Hause stammten, das die Anwartschaft auf den Englischen Thron erhalten würde und das kurz davor stand, einen neunten Kurhut vom Kaiser verliehen zu bekommen.

Aus diesem und anderen Gründen hielt sich Sophie-Charlotte immer für „zu gut“ für Brandenburg/Preußen, für zu „modern“ und „fortschrittlich“ für das kleine, kaum den massiven Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges entwachsenen Kurfürstentum Brandenburg. Bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit fuhr sie deshalb „heim zu Mutti“ nach Hannover. Sie hatte nämlich einst die Chance gehabt, einen Bourbonen – Prinzen, einen Verwandten des Königs von Frankreich zu heiraten. Aber diese Chance zerschlug sich. Die Tochter eines Bischofs von Osnabrück und Fürsten von Hannover war wohl den Bourbonen nicht „gut genug“. Und katholisch war sie auch nicht.

Friedrich I. , König in Preußen

Diese Enttäuschung trug sie scheinbar ihr Leben lang mit sich. Brachte sie mit nach Brandenburg und ließ ihr, aus Wut darüber, den „schiefen Fritz“ mit dem Buckel, den Sohn des „Großen Kurfürsten“ heiraten zu müssen, freien Lauf. Ihr Ekel vor dem entstellten Mann mit dem schwierigen Charakter, mit dem sie verheiratet worden war, konnte kaum als Geheimnis gelten. Völlig die Tatsache ignorierend, dass die Hohenzollern, denen sie sich so turmhoch überlegen fühlte, bei allem, was deren Länder vielleicht noch zu Wünschen übrig ließen, in ihren Ahnenreihen royales Blut u. a. von Dänemark hatten und die Mutter ihres Mannes immerhin eine Prinzessin aus dem Hause Nassau-Oranien war, was im 17. Jahrhundert etwas bedeutete. Auch die Tatsache, dass ihr Vater erst 8 Jahre nach ihrer Hochzeit eine Kurwürde erhalten würde, während die Hohenzollern diese seit 1417 besaßen und vererbten, beeindruckte Sophie Charlotte offenbar nicht.

So ließ sich Sophie Charlotte, sobald sie ihrer „Pflicht“ nachgekommen war und dem späteren König Friedrich I. einen Thronfolger und einen Ersatzmann geboren hatte, in Lietzow ihr eigenes Schloss errichten. Weit weg vom Berliner Hof. Dort konnte sie weitgehend von ihrem Mann unbehelligt ihren eigenen „Musenhof“ führen, philosophieren, mit Leibniz im barocken Park spazierengehen oder im Schlosse musizieren. Friedrich der Große  fand diese ihm unbekannte Oma übrigens großartig. Ob das ein Prädikat ist oder nicht, überlasse ich Ihrem Urteil, liebe Leser.

Das Schloss, das schon sehr bald den Spitznamen „Charlottenburg“ erhielt und das dem es umgebenden Kiez Lietzow schließlich den Namen aufprägte, wurde auch nach dem Tode Sophie Charlottes 1705 mehrfach erweitert und umgebaut. Diverse exzentrische und interessante Charaktere der Hauses Hohenzollern werden sich später hier die Klinke in die Hand geben. Der „alte Fritz“, der „dicke Lüderjahn“ Friedrich-Wilhelm II. und die „Madonna der Preußen“, Königin Luise. Bis heute lebt der Bau, der im Zweiten Weltkrieg so schwere Zerstörungen erlebte, dass der Senat von Berlin ihn am liebsten abgerissen hätte, von dieser Hinterlassenschaft. Der zugehörige Park, in dem man bei schönem Wetter auch so gut spazierengehen kann, tut sein Übriges dazu.

(Artikel: „Mausoleum Charlottenburg“ hier.)

Ein Besuch von Schloss Charlottenburg gehört deshalb zum „Standardprogramm“ für Berlin – Besucher und ich empfehle ihn ebenfalls. 🙂

Adresse:

  • Schloss Charlottenburg
    Spandauer Damm 10-22
    14059 Berlin

Anfahrt:

  • mit der Buslinie „M 45“ bis „Klausenerplatz“, „Schloss Charlottenburg“ (nur in Richtung „Zoologischer Garten“) oder „Luisenplatz“

Eintritt:

  • 12 €, ermässigt 9 €,

Öffnungszeiten:

  • Montags geschlossen !
  • Dienstag – Sonntag: 10.00 – 18.00 Uhr,
  • von November-März,
    10.00 – 17.00 Uhr
  • Besichtigung mit Führung oder Audioguide
  • Letzter Einlass 30 Minuten vor Schließzeit

Bildmaterial:

Quellen:

Potsdams Holländerviertel – steinerne Verbundenheit

Das sog. „Holländerviertel“ in Potsdam steht symbolisch für die Verbundenheit Brandenburgs mit den Niederlanden. Steinerne Zeugnisse von dem, was man im 18. Jahrhundert unter „Willkommenskultur“ verstand. Denn das Land brauchte immer neue Bürger….

Liebe Freunde der Stadtspaziergänge, ich erinnere mich noch lebhaft daran, wie anlässlich eines Besuches der damaligen, holländischen Königin Beatrix einige sie begleitende Holländer, Medienvertreter und auch hier lebende Niederländer ein wenig über das ihr in Potsdam stolz präsentierte „Holländerviertel“ spöttelten. „Ja, ja, so stellt ihr Deutschen euch die Niederlande vor. Aber echte Grachtenkinder können diese Architektur natürlich nicht ernst nehmen.“ So oder so ähnlich krittelte man damals vernehmlich herum.

Dabei ist dieser Spott eigentlich durch und durch ungerecht. Denn, was ich damals noch nicht wusste, ist, dass der Mann, der die 134 Häuschen dieses Quartiers entwarf, ein echter Holländer war. Ein Exilholländer zumindest, der aber in Amsterdam geboren wurde. Jan Bouman, später genannt „der Ältere“, weil es dann noch einen weiteren Bouman als Stadtbildner gab. Wenn also jemand weiß, wie ein „Holländerhäuschen“ auszusehen hat…

„Soldatenkönig“ Friedrich-Wilhelm

Die Geschichte des Holländerviertels beginnt mit der zweiten Stadterweiterung Potsdams. An diesem Orte sollte dem „Sumpf“ (dem notorisch schlechten Baugrund Potsdams, deshalb das benachbarte „Bassin“ als Entwässerung) ein Modellkiez abgerungen werden. Dieser Kiez war für potentielle Zuwanderer aus den Niederlanden gedacht und damit diese sich nicht sofort „fremd“ fühlten, sollten ihre Domizile eben vertraut aussehen. Da war der „Soldatenkönig“ ganz Pedant. Und eben auch ein Holland-Enthusiast wie einst sein Großvater, der „Große Kurfürst“ Friedrich-Wilhelm. Über seine Großmutter, die Kurfürstin Louise-Henriette, war der Soldatenkönig übrigens direkt mit dem Herrscherhaus Hollands, den „Oraniern“ verwandt.

Los gings mit diesem Bau-Projekt im Jahre 1732. Manche Quellen wollen sogar wissen, dass Jan Bouman extra für dieses Projekt nach Preußen kam. 1742 war das „Lockangebot“ für niederländische Handwerker dann fertiggestellt. Da lebte dessen Initiator, der schon erwähnte „Soldatenkönig“ bereits nicht mehr, aber auch sein Sohn, der noch „junge Fritz“, ließ einfach konsequent zu Ende bauen. Ob wir wohl heute Holländer bräuchten, um den BER zu Ende gebaut zu bekommen ? 🙂

Wussten Sie, dass….

  • im Potsdamer Holländerviertel im Spätsommer 2015 Szenen für die US-TV-Serie „Homeland“ gedreht wurden, die „Amsterdam“ darstellen sollten ? Da die Produktionsfirma zu dieser Zeit gerade die fünfte Staffel in Berlin drehte und für zwei Situationen „Holland“ benötigte, drehte man einfach im nahegelegenen Potsdam. Das sparte Reisekosten. 🙂
  • Jan Boumans vielleicht am meisten „betretenes“ Bauwerk in Berlin das ehemalige „Prinz-Heinrich-Palais“ Unter den Linden ist? Heute ist es das Zentralgebäude der Humboldt-Universität.
  • es im Holländerviertel ein „Jan – Bouman – Haus“ gibt, das eine Art Museum für die Art der Wohnkultur in den Holländerhäuschen ist ? Dort hat der „Förderverein für die niederländische Kultur in Potsdam“ seinen Sitz. Dieser veranstaltet übrigens im Winter ein „Sinter-Klaas-Fest“ und im Frühling ein „Tulpenfest“ im Holländerviertel.
  • es sich beim Holländerviertel laut „wikipedia“ um das größte „zusammenstehende Bauensemble und Kulturdenkmal holländischen Stils außerhalb der Niederlande in Europa“ handeln soll ?
  • im 18. Jahrhundert nicht annähernd soviele Holländer nach Potsdam kamen, wie vom Soldatenkönig einst gewünscht ? Es sollen anfangs in etwa nur zwei Dutzend Familien gewesen sein. Deshalb wurden die Häuser bald „freigegeben“ für mehr oder minder verdiente Bürger Potsdams und für Grenadiere des Garderegiments mit Familie.
  • im Jahre 1906 der „Hauptmann von Köpenick“, Wilhelm Voigt, hier im Quartier, in der Mittelstraße 3 beim Altwarenhändler Berthold Remlinger, seine gebrauchte Uniform kaufte ?

Zu DDR-Zeiten verkam das Viertel ein wenig. Die Ressourcen für dringend benötigte Reparaturen waren einfach nicht vorhanden. Deshalb kam in den Siebzigern hier eine Hausbesetzerszene auf, die z. T. zähneknirschend von den Potsdamer Behörden geduldet wurde, weil diese wussten, dass es besser war, wenn die baufälligen Gemäuer bewohnt wurden, als wenn sie weiter verfielen. In den 90er Jahren wurden die Gebäude grundlegend restauriert. Heute kann man von einem durchgehend guten Bauzustand der Gebäude sprechen. Wohnraum und Gewerbe finden sich hier in direkter Nachbarschaft.

Bildmaterial:

Quellen:

  • „Potsdamer Geschichten“, Gisela Heller, Edition Arani, 1993,
  • wikipedia