Archiv der Kategorie: Ausflugstips

Erbe der unzufriedenen Königin – Charlottenburg

Eine der wichtigsten Touristenattraktionen nicht nur des „alten Westberlins“ verdankt die Stadt einer zutiefst unzufriedenen, suchenden und vergnügungssüchtigen Fürstin. Sophie-Charlotte von Braunschweig-Lüneburg („Hannover“ kam erst nach ihrer Geburt dazu) hatte große Pläne. Und scheiterte an der Realität. Dennoch hinterließ sie uns den Nukleus einer Touristenattraktion. Gott sei Dank ! 🙂

Selbst weniger wohlwollende Beschreibungen Sophie-Charlottes sprechen ihr immerhin ihren großen Bildungshunger zu, der selbst den Philosophen Leibniz einst an ihren Musenhof in „Lietzow“ lockte. Die Gründung der Berliner „Akademie der Wissenschaften“ ist dankenswerterweise auf diese Bekanntschaft zurückzuführen. Ein geistiges Vermächtnis, das Sophie-Charlotte leider nicht an ihren komplett verzogenen Sohn, den späteren „Soldatenkönig“ Friedrich – Wilhelm, weiterzugeben im Stande war. Nicht das einzige Versagen dieser oft zu Unrecht hochgelobten Fürstin.

Schon ihre Zwangs-Vermählung mit dem Kurprinzen Friedrich von Brandenburg im Jahre 1684 in Herrenhausen bei Hannover ist letztlich eine Niederlage. Zwar hatten Prinzessinnen diverser Herrscherhäuser Deutschlands weder im 17. noch in folgenden Jahrhunderten allzuviel bei ihren arrangierten Ehen mitzureden, doch „träumen“ durften sie allemal. Vor allem, wenn sie aus einem Hause stammten, das die Anwartschaft auf den Englischen Thron erhalten würde und das kurz davor stand, einen neunten Kurhut vom Kaiser verliehen zu bekommen.

Aus diesem und anderen Gründen hielt sich Sophie-Charlotte immer für „zu gut“ für Brandenburg/Preußen, für zu „modern“ und „fortschrittlich“ für das kleine, kaum den massiven Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges entwachsenen Kurfürstentum Brandenburg. Bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit fuhr sie deshalb „heim zu Mutti“ nach Hannover. Sie hatte nämlich einst die Chance gehabt, einen Bourbonen – Prinzen, einen Verwandten des Königs von Frankreich zu heiraten. Aber diese Chance zerschlug sich. Die Tochter eines Bischofs von Osnabrück und Fürsten von Hannover war wohl den Bourbonen nicht „gut genug“. Und katholisch war sie auch nicht.

Friedrich I. , König in Preußen

Diese Enttäuschung trug sie scheinbar ihr Leben lang mit sich. Brachte sie mit nach Brandenburg und ließ ihr, aus Wut darüber, den „schiefen Fritz“ mit dem Buckel, den Sohn des „Großen Kurfürsten“ heiraten zu müssen, freien Lauf. Ihr Ekel vor dem entstellten Mann mit dem schwierigen Charakter, mit dem sie verheiratet worden war, konnte kaum als Geheimnis gelten. Völlig die Tatsache ignorierend, dass die Hohenzollern, denen sie sich so turmhoch überlegen fühlte, bei allem, was deren Länder vielleicht noch zu Wünschen übrig ließen, in ihren Ahnenreihen royales Blut u. a. von Dänemark hatten und die Mutter ihres Mannes immerhin eine Prinzessin aus dem Hause Nassau-Oranien war, was im 17. Jahrhundert etwas bedeutete. Auch die Tatsache, dass ihr Vater erst 8 Jahre nach ihrer Hochzeit eine Kurwürde erhalten würde, während die Hohenzollern diese seit 1417 besaßen und vererbten, beeindruckte Sophie Charlotte offenbar nicht.

So ließ sich Sophie Charlotte, sobald sie ihrer „Pflicht“ nachgekommen war und dem späteren König Friedrich I. einen Thronfolger und einen Ersatzmann geboren hatte, in Lietzow ihr eigenes Schloss errichten. Weit weg vom Berliner Hof. Dort konnte sie weitgehend von ihrem Mann unbehelligt ihren eigenen „Musenhof“ führen, philosophieren, mit Leibniz im barocken Park spazierengehen oder im Schlosse musizieren. Friedrich der Große  fand diese ihm unbekannte Oma übrigens großartig. Ob das ein Prädikat ist oder nicht, überlasse ich Ihrem Urteil, liebe Leser.

Das Schloss, das schon sehr bald den Spitznamen „Charlottenburg“ erhielt und das dem es umgebenden Kiez Lietzow schließlich den Namen aufprägte, wurde auch nach dem Tode Sophie Charlottes 1705 mehrfach erweitert und umgebaut. Diverse exzentrische und interessante Charaktere der Hauses Hohenzollern werden sich später hier die Klinke in die Hand geben. Der „alte Fritz“, der „dicke Lüderjahn“ Friedrich-Wilhelm II. und die „Madonna der Preußen“, Königin Luise. Bis heute lebt der Bau, der im Zweiten Weltkrieg so schwere Zerstörungen erlebte, dass der Senat von Berlin ihn am liebsten abgerissen hätte, von dieser Hinterlassenschaft. Der zugehörige Park, in dem man bei schönem Wetter auch so gut spazierengehen kann, tut sein Übriges dazu.

(Artikel: „Mausoleum Charlottenburg“ hier.)

Ein Besuch von Schloss Charlottenburg gehört deshalb zum „Standardprogramm“ für Berlin – Besucher und ich empfehle ihn ebenfalls. 🙂

Adresse:

  • Schloss Charlottenburg
    Spandauer Damm 10-22
    14059 Berlin

Anfahrt:

  • mit der Buslinie „M 45“ bis „Klausenerplatz“, „Schloss Charlottenburg“ (nur in Richtung „Zoologischer Garten“) oder „Luisenplatz“

Eintritt:

  • 12 €, ermässigt 9 €,

Öffnungszeiten:

  • Montags geschlossen !
  • Dienstag – Sonntag: 10.00 – 18.00 Uhr,
  • von November-März,
    10.00 – 17.00 Uhr
  • Besichtigung mit Führung oder Audioguide
  • Letzter Einlass 30 Minuten vor Schließzeit

Bildmaterial:

Quellen:

Potsdams Holländerviertel – steinerne Verbundenheit

Das sog. „Holländerviertel“ in Potsdam steht symbolisch für die Verbundenheit Brandenburgs mit den Niederlanden. Steinerne Zeugnisse von dem, was man im 18. Jahrhundert unter „Willkommenskultur“ verstand. Denn das Land brauchte immer neue Bürger….

Liebe Freunde der Stadtspaziergänge, ich erinnere mich noch lebhaft daran, wie anlässlich eines Besuches der damaligen, holländischen Königin Beatrix einige sie begleitende Holländer, Medienvertreter und auch hier lebende Niederländer ein wenig über das ihr in Potsdam stolz präsentierte „Holländerviertel“ spöttelten. „Ja, ja, so stellt ihr Deutschen euch die Niederlande vor. Aber echte Grachtenkinder können diese Architektur natürlich nicht ernst nehmen.“ So oder so ähnlich krittelte man damals vernehmlich herum.

Dabei ist dieser Spott eigentlich durch und durch ungerecht. Denn, was ich damals noch nicht wusste, ist, dass der Mann, der die 134 Häuschen dieses Quartiers entwarf, ein echter Holländer war. Ein Exilholländer zumindest, der aber in Amsterdam geboren wurde. Jan Bouman, später genannt „der Ältere“, weil es dann noch einen weiteren Bouman als Stadtbildner gab. Wenn also jemand weiß, wie ein „Holländerhäuschen“ auszusehen hat…

„Soldatenkönig“ Friedrich-Wilhelm

Die Geschichte des Holländerviertels beginnt mit der zweiten Stadterweiterung Potsdams. An diesem Orte sollte dem „Sumpf“ (dem notorisch schlechten Baugrund Potsdams, deshalb das benachbarte „Bassin“ als Entwässerung) ein Modellkiez abgerungen werden. Dieser Kiez war für potentielle Zuwanderer aus den Niederlanden gedacht und damit diese sich nicht sofort „fremd“ fühlten, sollten ihre Domizile eben vertraut aussehen. Da war der „Soldatenkönig“ ganz Pedant. Und eben auch ein Holland-Enthusiast wie einst sein Großvater, der „Große Kurfürst“ Friedrich-Wilhelm. Über seine Großmutter, die Kurfürstin Louise-Henriette, war der Soldatenkönig übrigens direkt mit dem Herrscherhaus Hollands, den „Oraniern“ verwandt.

Los gings mit diesem Bau-Projekt im Jahre 1732. Manche Quellen wollen sogar wissen, dass Jan Bouman extra für dieses Projekt nach Preußen kam. 1742 war das „Lockangebot“ für niederländische Handwerker dann fertiggestellt. Da lebte dessen Initiator, der schon erwähnte „Soldatenkönig“ bereits nicht mehr, aber auch sein Sohn, der noch „junge Fritz“, ließ einfach konsequent zu Ende bauen. Ob wir wohl heute Holländer bräuchten, um den BER zu Ende gebaut zu bekommen ? 🙂

Wussten Sie, dass….

  • im Potsdamer Holländerviertel im Spätsommer 2015 Szenen für die US-TV-Serie „Homeland“ gedreht wurden, die „Amsterdam“ darstellen sollten ? Da die Produktionsfirma zu dieser Zeit gerade die fünfte Staffel in Berlin drehte und für zwei Situationen „Holland“ benötigte, drehte man einfach im nahegelegenen Potsdam. Das sparte Reisekosten. 🙂
  • Jan Boumans vielleicht am meisten „betretenes“ Bauwerk in Berlin das ehemalige „Prinz-Heinrich-Palais“ Unter den Linden ist? Heute ist es das Zentralgebäude der Humboldt-Universität.
  • es im Holländerviertel ein „Jan – Bouman – Haus“ gibt, das eine Art Museum für die Art der Wohnkultur in den Holländerhäuschen ist ? Dort hat der „Förderverein für die niederländische Kultur in Potsdam“ seinen Sitz. Dieser veranstaltet übrigens im Winter ein „Sinter-Klaas-Fest“ und im Frühling ein „Tulpenfest“ im Holländerviertel.
  • es sich beim Holländerviertel laut „wikipedia“ um das größte „zusammenstehende Bauensemble und Kulturdenkmal holländischen Stils außerhalb der Niederlande in Europa“ handeln soll ?
  • im 18. Jahrhundert nicht annähernd soviele Holländer nach Potsdam kamen, wie vom Soldatenkönig einst gewünscht ? Es sollen anfangs in etwa nur zwei Dutzend Familien gewesen sein. Deshalb wurden die Häuser bald „freigegeben“ für mehr oder minder verdiente Bürger Potsdams und für Grenadiere des Garderegiments mit Familie.
  • im Jahre 1906 der „Hauptmann von Köpenick“, Wilhelm Voigt, hier im Quartier, in der Mittelstraße 3 beim Altwarenhändler Berthold Remlinger, seine gebrauchte Uniform kaufte ?

Zu DDR-Zeiten verkam das Viertel ein wenig. Die Ressourcen für dringend benötigte Reparaturen waren einfach nicht vorhanden. Deshalb kam in den Siebzigern hier eine Hausbesetzerszene auf, die z. T. zähneknirschend von den Potsdamer Behörden geduldet wurde, weil diese wussten, dass es besser war, wenn die baufälligen Gemäuer bewohnt wurden, als wenn sie weiter verfielen. In den 90er Jahren wurden die Gebäude grundlegend restauriert. Heute kann man von einem durchgehend guten Bauzustand der Gebäude sprechen. Wohnraum und Gewerbe finden sich hier in direkter Nachbarschaft.

Bildmaterial:

Quellen:

  • „Potsdamer Geschichten“, Gisela Heller, Edition Arani, 1993,
  • wikipedia

Ausflugstip: der „Tierpark Friedrichsfelde“

Kein Geheimtip. Ganz sicher nicht ! Dennoch immer wieder schön, vor allem, wenn die Sonne scheint und das Wetter zum Spazierengehen einlädt. Ein Park, familienfreundlich und „wilde Tiere“ gibts auch noch als Draufgabe. Was doch die Zeit und viele, engagierte Hände über die Jahrhunderte hinweg aus dem alten „Gut Rosenfelde“ gemacht haben ! Eine ganz persönliche Empfehlung ! 🙂

Ihnen kann ich es ja eingestehen, liebe Leserinnen und Leser: manchmal bin ich ganz froh, mir letzte Reste meines kindlichen Gemüts bewahrt zu haben. So ist ein Besuch bei den „wilden Tieren“ für mich bis heute ein Vergnügen geblieben.

Nur ein preiswertes ist es nicht mehr unbedingt. Die Eintrittspreise, speziell der beiden Berliner Tierparks, sind schon mal knackig. Finde ich jedenfalls. Da muss man tatsächlich einen ganzen Tag drinbleiben, um „etwas fürs Geld“ zu erhalten. Das klappt aber super, denn der „Zoologische Garten“ gehört zu den artenreichsten Tierparks in Deutschland, so dass es sehr viel zu sehen gibt und der „Tierpark Friedrichsfelde“ ist so wunderbar weitläufig, da hat man viel zum „Ablaufen“ und Spazierengehen.

Fangen wir mal an: Also, einst war der heutige Tierpark ein Landgut und hieß „Rosenfelde“. Kurze Zeit gehörte dieses sogar einem echten Piraten ! Und zwar dem Holländer Benjamin Raule, dem „Freibeuter des Kurfürsten“. Dieser ließ dort ein Landhaus errichten, dessen umgebauten „Nachfahren“ wir heute als „Schloss Friedrichsfelde“ kennen. Der Pirat geriet später in Ungnade, diverse Besitzer danach kam die Immobilie ins Eigentum der Familie von Tresckow. Diese verkaufte schrittweise Teile des Besitzes, der einst sogar noch viel größer war, als der Tierpark. Der Ortsteil Karlshorst liegt beispielsweise z. T. auf ehemaligem Tresckow-Besitz. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die „ausbeuterischen Junker“ dann enteignet. Die Immobilie verfiel, bis man auf die Idee kam, hier einen Tierpark errichten zu können. Eine typische „Kalter Kriegs-„Idee im geteilten Berlin. Die Humboldt-Uni lag im Osten, schwupps gründete man in Westberlin die „Freie Universität“. Der Zoo lag im Westen, zack musste ein „Tierpark“ auch in Ostberlin her.

Prof. Dathe mit einem Katzenbären

Mit dem gesamten Projekt untrennbar verbunden ist natürlich der Name des Zoologen Prof. Heinrich Dathe, der sich mit dem Tierpark seinen ganz persönlichen Wunschtraum erfüllen konnte. Hier hatte er sein „Reich der Tiere“, in dem nur er der Herr war. Nach der Wiedervereinigung wurde er dann jedoch, nicht zuletzt aus Altersgründen, beiseitegeschoben. Er war auch immerhin schon 80. Die beiden Tierparks Berlins wurden in der Folge organisatorisch erstmalig zusammengelegt, aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Was gibt es sonst über den Tierpark zu sagen ? Versuchen wirs mit ein paar „Wussten-Sies“ ! Also, wussten Sie, dass…

  • der Tierpark Friedrichsfelde einen „eigenen“ U-Bahnhof auf der Linie U5 hat, über den man seinen südlichen Haupteingang erreicht ?
  • derzeit im Tierpark Umbauten für einen Neubau des Löwenhauses geplant sind und deshalb sämtliche Löwen auf andere Tierparks „umgesiedelt“ wurden ?
  • man Schwarzbären bewundern kann, ohne den Tierpark überhaupt zu betreten ? Ein „Bärenschaufenster“ ist so angelegt, dass diese Bärenart uns hier direkt VOR dem Haupteingang vergnügt.
  • im Schloss Friedrichsfelde tatsächlich einst ein Regierender Reichsfürst inhaftiert wurde ? Von Juli 1814 bis Februar 1815 war der König Friedrich August I. von Sachsen auf dem Schloss als Gefangener, weil er wegen seiner Napoleon-Treue verurteilt worden war.
  • der Tierpark mit einem Superlativ wirbt ? Es wird behauptet, er sei mit 160 ha Fläche der „größte Landschaftstierpark Europas“. Nun, ich habe nicht nachgemessen, aber immerhin ist er weitläufig genug.
  • im Tierpark Berlin auch Volksläufe stattfinden ? Auf unterschiedlich langen Strecken kann man dann einmal im Jahr beim sog. „Volvo – Tierpark -Lauf“ durchs Gelände joggen. Was wohl die Tiere davon halten ?
  • für die Gestaltung der Eisbären-Frei-Anlage angeblich auch Trümmer der ehemaligen Reichsbank-Zentrale aus Berlin-Mitte verwendet wurden ?
  •  die Erbbegräbnisstätte der Familie von Tresckow sich auch noch immer auf dem Gelände befindet ? Nur ist sie, aus Gründen der Pietät wie ich hoffe, dem Besucher nicht zugänglich.
  • jährlich mehr als eine Million Besucher den Tierpark in Augenschein nehmen ? Letzte veröffentlichte Zahl von 2015: 1,2 Mio. !
  • es derzeit noch mehr als 750 Arten im Tierpark Friedrichsfelde zu sehen gibt ? Sobald alle Umbauten und Modernisierungen abgeschlossen sein werden, ist davon auszugehen, dass die Zahl sogar wieder steigt !

Habe ich Sie auf einen Besuch im „Tierpark Friedrichsfelde“ neugierig machen können ? Dann treffen wir uns vielleicht irgendwann einmal dort. 🙂

Adresse:

Am Tierpark 125
10319 Berlin

Anfahrt:

Über U5, bis U-Bahnhof „Tierpark“.
Tram: M17, 27 und 37,
Bus: 296, 396

Öffnungszeiten:

Durchgehend von 09.00 Uhr – 16.30 Uhr,
im Sommer bis 18.00 Uhr, teils bis 18.30 Uhr

Internetadresse:

http://www.tierpark-berlin.de/de

Karte:

Auflugstip: das archäologische Landesmuseum Brandenburg

Liebe Leser, ich gestehe es Ihnen gerne: ich mag es, wenn Museen oder sonstige Veranstaltungsorte einen hübschen Rahmen haben. Und es gibt wohl keinen hübscheren Rahmen als das Paulikloster in Brandenburg an der Havel, um auf einen Museumsbesuch einzustimmen. 

„130.000 Jahre Kulturgeschichte“ will uns das archäologische Landesmuseum Brandenburg präsentieren. Wann immer irgendetwas „ausgegraben“ wird im Lande, sei es bei Bauarbeiten oder sonstigen Erdbewegungen, will das Museum uns klarmachen, was dort gefunden wurde und wie das in die Geschichte der Region eingeordnet werden kann. Ich gestehe, das klingt beim ersten Hinhören sicher nicht sehr spannend. Man muss sicher ein echter „Geschichts-Freak“ wie ich sein, um das zu würdigen.

Aber weit gefehlt. Diverse museumspädagogische Dienste in der Region Berlin-Brandenburg machen es immer wieder deutlich: unsere Geschichte war, ist und bleibt spannend. Man muss nur einen Bezug zur Gegenwart herstellen können und/oder spannende Geschichten von früher zu erzählen wissen ! 🙂 Sie dürfen dreimal raten, worauf ich mich spezialisiere. Aber zurück ins Museum: alleine der Standort ist schon faszinierend.

Das ehemalige Kloster St. Pauli in Brandenburg an der Havel gibt den denkbar interessantesten Rahmen für einen Ort der Kultur ab. Wer hier heute vorüberschlendert, wird wohl kaum daran denken, dass hier am Rande der von ihnen selbst geplanten „Neustadt“ Brandenburgs, einst die Markgrafen aus dem Haus Askanien wohnten (ab 1196). Später schenkten sie das Gelände dem Dominikanerorden (1286). Keine Hundert Jahre später war das Kloster mitsamt Kirche fertig. Das ist sicher schneller, als der Flughafen BER…

Wie auch immer, die Spuren der Zeit gingen auch am Kloster nicht vorbei. Im Zweiten Weltkrieg ausgebrannt, verkamen die Ruinen in der DDR weiter. 1958 stürzten ganze Pfeiler ein. 2002 wurde dann der komplette Wiederaufbau beschlossen, bis Ende 2007 war dieser vollendet und seit 24. September 2008 findet sich hier das Museum wieder.

Gehen wir mal hinein. In der Dauerausstellung wird zwischen prähistorischer Zeit, Slawenzeit, Mittelalter und Neuzeit unterschieden. Sind es in den frühen Epochen noch Knochen und Steinwerkzeuge, die uns überliefert sind, so kommen später Haushaltsgeräte und Münzen hinzu. Interessant ist dabei, dass sich aus der Slawenzeit Münzen aus der weiteren Umgebung, also auch „sächsische Pfennige“ fanden, was darauf hinweist, dass durch Brandenburg tatsächlich seit dem Frühmittelalter überregionale Handelsrouten verliefen. Wie sich diese wohl entwickelt haben ? Oder wie interpretieren wir den Mädchenschädel aus dem 5. Jahrhundert, der offensichtlich den Hunnen zugeordnet werden kann und damit ein Zeichen der Völkerwanderung ist ? Fragen über Fragen.

Wer also Interesse daran hat, diesen kleinen Rätseln der Regionalgeschichte auf den Grund zu gehen, ist hier sicher an der richtigen Stelle. Viel Spaß beim Besuch !

Adresse:

Archäologisches Landesmuseum Brandenburg
Paulikloster
Neustädtische Heidestraße 28

14776 Brandenburg  an der Havel

Telefon: +49 (0)3381 – 41 0 41 12
Telefax: +49 (0)3381 – 41 0 41 19

Öffnungszeiten:

Dienstag – Sonntag: 10.00 – 17.00 Uhr

Eintrittspreise:

5 €, ermäßigt 3,50 €

Bilder:

  • von mir, 2010

der Waldfriedhof Heerstraße in Berlin

Berlin weist so einige interessante Friedhöfe auf. Die historische Ausbreitung der Stadt ist u. a. auch an der Anlage neuer Begräbnisstätten abzulesen, deren ältere sich mehr im Stadtzentrum befinden, während neuere zumeist im Rahmen von Stadterweiterungen oder von den vor 1920 noch unabhängigen Nachbargemeinden Berlins vorgenommen wurde. In diesem Kontext ist auch der „Waldfriedhof Heerstraße“ zu sehen.

Ursprünglich wurde der Friedhof Heerstraße nur für eine sehr überschaubare Nachbarschaft gebaut. Nämlich für die Villenkolonie Heerstraße, die ihm den Namen gibt. Denn diese Begräbnisstätte liegt gar nicht an der Heerstraße, sondern an der Trakehner Allee, in unmittelbarer Nähe zum Olympiastadion.

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Als nämlich um etwa 1910 mit den Planungen für den Friedhof begonnen wurde, sollte er ausschließlich der neu angelegten Kolonie dienen. Als der „Zweckverband Groß-Berlin“ zwei Jahre später die Planungen übernimmt, wird dann aber größer geplant. Aus einer auf etwa 0,6 ha projektierten Anlage wird „über Nacht“ ein ca. 5 ha großer Landschaftfriedhof mit zentralem See und geschwungener Wegeführung. Er wird bewusst als erster, überkonfessioneller und religionsoffener Friedhof für die bald entstehende Gemeinde „Groß-Berlin“ definiert, so dass sich im Laufe der Zeit hier Verstorbene der unterschiedlichsten Religionsgruppen bestatten lassen konnten.

Der Erste Weltkrieg und die Wirtschaftskrise unterbrechen dann  die Planungen, so dass erst in den 20er Jahren mit der Umsetzung begonnen wird. Erwin Barth, Charlottenburger Gartendirektor, übernimmt dabei die Gestaltung der Gesamtanlage, während der Architekt Erich Blunck die Kapelle entwirft. Ab etwa 1924 können wir den Friedhof Heerstraße als vorerst „fertig“ ansehen. Zweimal noch wird er später Erweiterungen erfahren, so dass er jetzt auf seine heutige Größe von etwa 13,8 ha angewachsen ist. Das hatte immerhin zur Folge, dass man dort jetzt in relativer Ruhe (die S-Bahn ist zu sehen und zu hören) Spaziergänge unternehmen kann, auf denen man nur wenigen Mitmenschen begegnet.

Für die Olympischen Spiele in Berlin wird dann 1936 das eigentlich pyramidenförmige Dach der Kapelle im wahrsten Sinne des Wortes „plattgemacht“. Die Sichtachsen auf das jetzt fertiggestellte Berliner Olympiastadion sollen nicht durch den Hinweis auf einen Friedhof „gestört“ werden. Noch dazu einen Friedhof, auf dem eben auch Juden beigesetzt wurden. Nazi-Ideologie halt. Das Flachdach hat die Kapelle jedenfalls bis heute behalten.

Die Anlage selbst senkt sich von den Eingängen jeweils zum zentralen See, dem sog. „Sausuhlensee“ ab, der einst künstlich aus zwei hier gelegenen Tümpeln gebildet wurde. Durch diese Ausgestaltung des Friedhofs in den Ausläufern der sog. „Murellenberge“ zwischen Spandau und Charlottenburg, ergeben sich für den Spaziergänger hier An- und Abstiege, die im Winter bei Schnee und Eis mit Vorsicht, angemessenem Schuhwerk und geeignetem Schritt-Tempo bewältigt werden sollten. An sich aber ist der Friedhof recht idyllisch gestaltet, viel Baumbestand sorgt auch im Sommer für Schatten und den Lärm etwa der hier direkt vorüberfahrenden S-Bahn ignoriert man ohnehin schnell und blendet ihn aus.

Vor allem aber ist der Friedhof Heerstraße als ein weiterer Prominentenfriedhof bekannt und auch sozusagen als „Spazierpark“ entdeckt worden. Schauspieler, Politiker, Schriftsteller und Künstler fanden hier ihre letzte Ruhe. Mit etwa 150 Prominentengräbern und davon 51 Ehrengräbern der Stadt Berlin hat er mehr dieser Auszeichnungen aufzuweisen als etwa der Waldfriedhof Zehlendorf, der ebenso als Prominentenfriedhof angesehen werden kann. Jetzt alle dieser Prominenten aufzuzählen, wäre eine Riesenaufgabe, die mit gewissenhafter Präzision aber „wikipedia“ schon geleistet hat. Ich beschränke mich auf die Grabstätten bekannter Persönlichkeiten, die ich selbst auf meinem „kreuz- und quer“-Spaziergang dort gesehen habe.

GEDSC DIGITAL CAMERADa wäre zunächst mal eine Überraschung. Der erste, deutsche Olympiasieger aller Zeiten, der Turner Carl Schuhmann liegt hier begraben. Bei den allerersten Olympischen Spielen von Athen 1896 gewann er nicht nur den Ersten Sieg für Deutschland, sondern gleich viermal ingesamt. Überraschenderweise übrigens auch im Ringen, wo ihm, dem eher „normalgewachsenen“ Athleten und eben als Turner angetretenen Sportler der baumlange Grieche Georgios Tsitas gegenüberstand, den er in einem über zwei Tage laufenden Wettbewerb, der insgesamt mehr als eine Stunde dauerte, besiegen konnte. Der gelernte Goldschmied Schuhmann verstarb 1946.

Dann passierte ich u. a. die Grabstätte von Joachim Ringelnatz. Die Grabinschrift war zwar nicht zu lesen, da eine festgefügte Eis-Schicht sie verdeckte, aber die markante Bierflasche auf dem Grab-Deckel sprach für sich. Der Lyriker, Schriftsteller und Satiriker, welcher in der Zeit der Weimarer Republik eine deutschlandweite, große Popularität genoss, war u. a. mit den damals ebenso bekannten Schauspielern Asta Nielsen und Paul Wegener befreundet. Den Nazis war er nicht gleichförmig, nicht angepasst genug, so dass sie seine Bücher verboten und verbrannten. Seine Auftritte auf Kabarettbühnen verboten sie ebenso und nahmen ihm so die Einnahmequellen. Ringelnatz starb 1934 völlig verarmt in Berlin an Tuberkulose. Sein Grab ist eine Ehrengrabstätte des Landes Berlin.

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In unmittelbarer Nähe zur Kapelle findet sich übrigens die Grabstätte des Schauspielers und Berliner Idols Horst Buchholz. Dieser aus den „glorreichen Sieben“, „eins, zwei, drei“ und „das Leben ist schön“ bekannte Akteur arbeitete sich im Nachkriegs-Berlin auf Bühnen und in Synchronstudios hoch, bevor er um 1950 damit begann, ernsthaft eine Karriere auch im Film anzupeilen. Er verstarb 2003 an einer Lungenentzündung. Seine Grabinschrift lautet: „Liebe die Welt und die Welt wird dich lieben.“ Nun, ja, entspricht sicher nicht meinem Credo, aber unvergessen bleibt der „Halbstarke“ dann eben doch. Seine Grabstätte ist ein Ehrengrab des Landes Berlin.

Und so weiter… Die Zahl der Prominentengräber und Ehrengrabstätten ist hoch hier. Ich passierte die Gräber des Schauspielers Vadim Glowna, des ehemaligen Berliner Parlamentspräsidenten Jürgen Wohlrabe, des Kammergerichtspräsidenten Günter von Drenkmann, der Diva Tilla Durieux u. v. m. Aber, wie mir die Begegnung mit ein paar jungen Leuten, die wie Studenten aussahen und irgendetwas von „wo issn Loriot“ murmelten, klarmachte: das vielleicht am meisten besuchte Grab ist wohl das von Bernhard – Victor von Bülow.

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Besser bekannt unter seinem Bühnen-Namen „Loriot“ nach dem französischen Namen des Pirolvogels, der im Familien-Wappen derer von Bülow präsent ist. Wer erinnert sich nicht an die von ihm gezeichneten Knollen-Nasen-Männchen und die Zeichentrick-Filme, u. a. den der „Männer im Bad“? Weil dort die Ente „nicht rein“ durfte, stehen heute kleine Gummi-Entchen auf dem Grabstein von Bülows. Respektlos ? Vielleicht. Die Friedhofsverwaltung ist es eigentlich leid, diese alle paar Wochen wieder abräumen zu müssen. Aber diese Gummi-Entchen sind auch ein Zeichen der Anerkennung des Lebenswerks von „Loriot“. Der Humorist und Schauspieler Bernhard – Victor Christoph Carl von Bülow aus uraltem mecklenburgisch-preußischem Adelsgeschlecht verstarb am 22. August 2011 in Ammerland am Starnberger See. Unvergessen. Seine bösartig-filigranen Persiflagen des deutschen Alltags prägten sich ein. Kleine, persönliche Anekdote am Rande: An seinem Todestag besuchte ich mit Freunden seine Geburts- und Taufstadt Brandenburg an der Havel. In dem Moment, wo ich ihnen seine Taufkirche zeigte, war er bereits von uns gegangen, ohne dass wir es wussten. Bemerkenswerter Zufall. …

GEDSC DIGITAL CAMERADamit beende ich mal meine Betrachtung über diesen Friedhof. Bei schönem Wetter ist er sicher einen, ruhigen und respektvollen, Spaziergang wert. Und sei es nur wegen der Landschaft. Seine Lage zwischen Bahngleisen, einer erstaunlich vielbefahrenen Straße und dem Parkplatz des Olympiastadions kann man bei einem Besuch zwar nicht gänzlich übersehen, aber dennoch ist ein Spaziergang hier nicht nur für „Promi-Sucher“ interessant.

Adresse:

  • Trakehner Allee 1,
    14053 Berlin

Anfahrt:

  • S-Bahnhof „Olympiastadion“, Fußweg, ca. 12 Minuten

Serie „Friedhöfe in Berlin“:

  1. der Dorotheenstädtische Friedhof
  2. der Invalidenfriedhof
  3. der alte Garnisonfriedhof

Bildmaterial:

  • von mir, (c) Clemens Kurz, 2017

Quellen:

der alte Garnisonfriedhof – Begegnungen in Ruhe

Der alte Garnisonfriedhof in Berlin-Mitte ? Ja, der existiert noch obwohl die dazugehörige alte Garnisonkirche es nicht mehr tut. Wie der Name schon andeutet, finden sich hier die Grabmäler von Stadtkommandanten, Offizieren und deren Angetrauten. Ein Besuch lohnt vielleicht weniger wegen besonders ausgefallenem Grabschmuck, sondern vielmehr wegen der Namen, denen man begegnet. Sie regen zum Versenken in „alte Zeiten“ an. 

dsci2539_compressedDer alte Garnisonfriedhof gehört zu den ältesten „Gottesackern“ Berlins. Seine Anfänge lassen sich auf das frühe, 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Und der Name ? Na, klar, er ist der Tatsache geschuldet, dass in Berlin seit dem 17. Jahrhundert Truppen stationiert waren. Diese „Garnison“ benötigte, da sie letztlich außerhalb der Jurisdiktion der Stadtverwaltung stand, eine eigene „Kommandantur“ und auch eine eigene, geistliche Betreuung. Inklusive Kirche und Friedhof. Beides entstand so zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Die alte Garnisonkirche stand etwa im Bereich des „Litfaß-Platzes“ auf dem Gelände des heutigen, sog. „Hackeschen Quartiers“ in Mitte und wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, später abgerissen.

Der Garnisonfriedhof überstand die Kriegswirren und Bomben. Er wurde offiziell 1951 geschlossen, obwohl auf privaten Grabstellen noch bis 1961 Beerdigungen vorgenommen werden konnten. Danach wurde das Gelände dem Magistrat von Berlin überantwortet. Die üblichen Querelen um Schließungen und Abrisse begannen. Letztlich räumte man viele, auch in gutem Zustand befindliche Grabmäler ab, behielt das Gelände aber als öffentlichen Park, der in Nachwendezeiten der Obhut des Grünflächenamtes von Berlin-Mitte übergeben wurde, in der er sich noch heute befindet.

Ich selbst schlenderte an einem kalten Wintertag über das Gelände. Wie immer auf der Suche nach vertrauten Namen. Eine Suche, die nicht erfolglos bleiben sollte. So stieß ich etwa auf den Gedenkstein für Friedrich von Minutoli, der zehn Jahre lang Erzieher des Prinzen Carl von Preußen war. Dieser Adlige mit Wurzeln bis nach Italien hat das Interesse Carls am Altertum und dessen Liebe zum Mediterranen Raum geweckt. Indirekt verdanken wir ihm also das Landhaus Klein-Glienicke, welches sich Prinz Carl als „italienisches“ Anwesen an die Havel bauen ließ. Dort versammelte der Hohenzoller auch die antiken Trümmer, die er im Laufe des Lebens zusammenkaufte oder kaufen ließ.

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Grabstätte von dem Knesebeck

Wer zwischen alten Grabkreuzen herumschlendert, was an diesem Tag auffällig viele Zeitgenossen taten, entdeckt irgendwann auch Namen wie den des Generalfeldmarschalls Karl Friedrich von dem Knesebeck. Dieser Heerführer der Befreiungskriege, welcher in einem heutigen Ortsteil von Neuruppin geboren wurde, fand hier ebenso seine letzte Ruhe, wie seine Gattin. Bis heute ist ihr Grabfeld eine Ehrengrabstätte des Landes Berlin.

Den vielleicht bekanntesten Namen trägt der Stein des Barons Friedrich de la Motte Fouqué. Dieser herausragende Schriftsteller der deutschen Romantik, Zeitgenosse Kleists und Autor etwa der „Undine“, war auch Soldat und Offizier in den Befreiungskriegen. Ansonsten wäre seine Beisetzung auf einem Soldatenfriedhof auch kaum zu erklären. Immerhin wurde er im Range eines Majors aus dem Dienst entlassen, als Napoleon geschlagen war. Offen gestanden hatte ich mit dieser Begegnung nicht gerechnet, da ich mir im Voraus keine Übersicht über die noch vorhandenen Grabmäler durchgelesen hatte. Überraschung hat ja auch etwas für sich.

Grabstätte Lützow
Grabstätte Lützow

Und so staunte ich auch nicht schlecht, als ich auf die eingezäunte Grabstätte des „wilden, verwegenen Jägers“, des Ludwig Adolf Wilhelm Freiherrn von Lützow, stolperte. Dieser Freikorps-Kommandeur aus den Befreiungskämpfen gegen Napoleon und seine „schwarzen Scharen“ waren zu unser Vorväter Zeiten geradezu sprichwörtlich. Zumindest aber legendär.  Auch wenn sie, wie selbst konservative Historiker offen bemerkten, militärisch vielleicht weniger wichtig waren, so hatte die mediale Aufmerksamkeit, die sie durch Gedichte, Zeitungsartikel etc. erhielten, durchaus aufrüttelnde Wirkung. Aber das ist eine lange, andere Geschichte. Stellen wir zu Lützow also vor allem fest, dass die Uniformen seiner Reiterei, schwarzer Rock-goldene Knöpfe-rote Verzierungen, heute die Farben der Bundesrepublik Deutschland abgeben. Nicht zufällig. (Ja, ich kenne die Theorie, nach der diese Farben einem alten, kaiserlichen Wappenschild entstammen und aus dem Mittelalter herrühren sollen. Sorry, zu weit hergeholt, diesem Gedanken ist nur schwer zu folgen. Ich bleibe, wie die Mehrzahl aller Publizisten und Historiker, Anhänger der „Lützow-Theorie“. 🙂 )

Eine Anmerkung: Nein, ich predige hier keinen Personenkult um die Kämpfer der Befreiungskriege. Mir ist durchaus bewusst, dass etwa ein Freiherr von Lützow, der zuerst mit dem Schillschen und dann dem eigenen Freikorps unterwegs war, in den gedanklichen Parametern vieler, heutiger Historiker wohl ein „Kriegsverbrecher“ wäre. Ich merke nur an, dass unsere Vorfahren das anders sahen und dass selbst heute noch ab und an Kerzen und Blumen auf dessen Grab hinterlassen werden. Die Legende des „wilden, verwegenen Jägers“ lebt also noch.

Auch ein Förderverein kümmert sich übrigens darum, den Friedhof „lebendig“ zu halten (ironisch, nicht wahr ?):
https://www.garnisonfriedhofberlin.de

So verließ ich den alten Garnisonfriedhof also wieder nachdenklich aber angeregt zur Recherche über diverse Verstorbene. Wer selbst einmal einen kleinen Rundgang dort unternehmen will, dem empfehle ich die Anfahrt über den U-Bahnhof „Rosenthaler Platz“. 🙂

Öffnungszeiten:

durchgehend

Adresse:

Kleine Rosenthaler Straße 3
10119 Berlin

Serie „Friedhöfe in Berlin“:

der Invalidenfriedhof – vergänglicher Ruhm

Aller Ruhm der Welt ist vergänglich. Selten wird das einem Stadt-Ausflügler deutlicher, als wenn man Friedhöfe besucht, als wenn man hier einen langsamen, von Nachdenklichkeit geprägten „memento-mori“-Spaziergang absolviert. Die Reste des einstigen „Invalidenfriedhofes“ in Berlin-Mitte machen da keine Ausnahme:

Vor einigen Monaten war ich bereits auf einem der bekanntesten „Prominentenfriedhöfe“ Berlins für Sie unterwegs, wie Sie sich vielleicht erinnern mögen, liebe Leserinnen und Leser. Damals besuchte ich den Dorotheenstädtischen Friedhof gezielt und neugierig, wie ich nun mal so bin. Als Ausflugstip gab ich das an Sie, liebe Leser, weiter.

Über den ehemaligen „Invalidenfriedhof“ bin ich hingegen mehr oder minder zufällig „gestolpert“. Zwar hatte ich diesen auf meiner Spazier-„Liste“ schon länger vermerkt, aber erst als ich vor kurzem  in der Nähe zu tun hatte, machte ich mir auch mal die Freude, ihn zu besuchen. Ein von kaltem Nieselregen gezeichneter, windiger Tag war dabei vielleicht dem Orte angemessen. Meiner etwas zittrigen Hand an der Fotokamera wollte das Wetter aber weniger gefallen.

Wenn ich Ihnen jetzt die Geschichte dieses Ortes oder die Geschichte seiner bekanntesten „Einwohner“ erzählen wollte, würde dieser Beitrag viel zu lang werden und ich würde kaum damit fertig. Deshalb belasse ich es dabei, einige knappe Anmerkungen zu machen und Sie dazu einzuladen, doch dort einmal selbst vorbeizugehen und sich Ihr eigenes Bild zu machen, falls Sie es noch nicht getan haben.

img_4482_compressedDer Invalidenfriedhof wurde im Laufe der Zeit der Bestattungsort für die Top-Militärs ihrer Zeit. Dauerhaft oder auch nur zeitlich begrenzt beherbergte dieser Ort die sterblichen Überreste des „Roten Barons“, des Vaters des „Schlieffen-Planes“, des „Teufels Generals“ und eines „Freundes“ Friedrichs des Großen. Elitäre Gesellschaft.

Auffälligstes Grabmal ist natürlich der von Schinkel gestaltete Hochsarkophag für den in den Befreiungskriegen gefallenen General und Heeresreformer Gerhard von Scharnhorst. Der schlafende Löwe auf der Sarkophag-Decke ist kaum zu übersehen und außerdem von exquisiter Qualität. Kein Wunder, denn der bekannte Künstler Christian Daniel Rauch hatte den Entwurf gezeichnet. Für die Umsetzung des Bronzelöwen sollen übrigens Beutekanonen eingeschmolzen worden sein. img_4463_compressed

Über die Grabstätte des Jagdfliegers Ernst Udet bin ich beinahe zufällig „gestolpert“. Der Mann, den die NS-Mächtigen um Hermann Göring erst hochjubelten und zu ihrem Aushängeschild für die „neue“ Luftwaffe machten, der daran aber innerlich zerbrach und 1941 den Freitod wählte, wurde einst mit allen militärischen Ehren beigesetzt, um zu verstecken, dass er sich mit den Nazis überworfen hatte und ihrem Wahn nicht länger dienen konnte. Nicht ganz umsonst hat der Schriftsteller Carl Zuckmayer ihm in „des Teufels General“ ein literarisches Denkmal gesetzt. img_4447_compressed

Übrigens wurden 100 Jahre nach seinem Tode auf Wunsch der Familie auch die sterblichen Überreste des Hans Carl von Winterfeldt hierher überführt. Winterfeldt, ein enger, militärischer Mitarbeiter des „alten Fritzen“, bevor dieser begann, sich wirklich „alt“ zu fühlen, verstarb 1757, im Siebenjährigen Kriege, in Folge der Schlacht bei Moys. Er galt seinen Zeitgenossen als „Günstling“ Friedrichs, was seiner Beliebtheit nicht gerade förderlich war. Neider sind der Erfolgreichen „Belohnung“, damals wie heute. Immerhin war er sich als General für „echten“ Kampf an der Front nicht zu schade, denn er starb an den Folgen einer Schulterwunde, die ihm im Gefecht beigebracht worden war. Winterfeldt wird am Zietenplatz und im „kleinen“ Treppenhaus des Bodemuseums mit je einer Statue gewürdigt.
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Der eigentliche Invalidenfriedhof wurde in der Folge des Mauerbaus weitgehend abgetragen. Denn er lag unglücklicherweise wie einige andere „Gottesacker“ Berlins auch in unmittelbarer Nähe der zu errichtenden „Mauer“. Der sozialistische Abschottungswahn Ost-Berlins führte also auch hier dazu, dass einige kultur- und militärhistorisch wertvolle Denkmale unwiderbringlich geschleift wurden. Umso erfreulicher sind all die Gräber und Grab-Verzierungen, die erhalten geblieben sind und vom interessierten Stadtspaziergänger in aller gebotenen Nachdenklichkeit heute wieder besucht werden können.

Einzig der leider auch an diesem Ort in der Stadt praktizierte Vandalismus verdarb mir ein wenig den Rundgang. Über dem Scharnhorst – Grabmal z. Bsp. hing noch der Geruch von Lösungsmitteln. Offensichtlich hatten mal wieder außer Rand und Band geratene Jugendliche oder selbsterklärte „Antifas“  es für ratsam gehalten, dem „Militarismus“ einen „ordentlichen Denkzettel“ zu erteilen. Reste von roter und grüner Farbe waren jedenfalls auf diversen Grabplatten und Elementen des Grabschmuckes noch erkennbar. Bei einigen dieser Grabstätten handelt es sich immerhin auch um „Ehrengräber des Landes Berlin“, so dass hier immerhin recht zügig die Schmierereien entfernt werden. Schön ist diese Entweihung der Totenruhe aber dennoch nicht zu nennen.

In diesem Sinne, rate ich ein weiteres Mal dazu, sich selbst auf den Weg zu machen, um die durchaus interessanten Reste des ehemaligen Invalidenfriedhofs zu besuchen. Machen Sie sich doch ihr eigenes Bild !

Ihr Clemens Kurz

Adresse „Invalidenfriedhof“:

Scharnhorststraße 9
10115 Berlin

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