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Ausflugstip: der „Tierpark Friedrichsfelde“

Kein Geheimtip. Ganz sicher nicht ! Dennoch immer wieder schön, vor allem, wenn die Sonne scheint und das Wetter zum Spazierengehen einlädt. Ein Park, familienfreundlich und „wilde Tiere“ gibts auch noch als Draufgabe. Was doch die Zeit und viele, engagierte Hände über die Jahrhunderte hinweg aus dem alten „Gut Rosenfelde“ gemacht haben ! Eine ganz persönliche Empfehlung ! 🙂

Ihnen kann ich es ja eingestehen, liebe Leserinnen und Leser: manchmal bin ich ganz froh, mir letzte Reste meines kindlichen Gemüts bewahrt zu haben. So ist ein Besuch bei den „wilden Tieren“ für mich bis heute ein Vergnügen geblieben.

Nur ein preiswertes ist es nicht mehr unbedingt. Die Eintrittspreise, speziell der beiden Berliner Tierparks, sind schon mal knackig. Finde ich jedenfalls. Da muss man tatsächlich einen ganzen Tag drinbleiben, um „etwas fürs Geld“ zu erhalten. Das klappt aber super, denn der „Zoologische Garten“ gehört zu den artenreichsten Tierparks in Deutschland, so dass es sehr viel zu sehen gibt und der „Tierpark Friedrichsfelde“ ist so wunderbar weitläufig, da hat man viel zum „Ablaufen“ und Spazierengehen.

Fangen wir mal an: Also, einst war der heutige Tierpark ein Landgut und hieß „Rosenfelde“. Kurze Zeit gehörte dieses sogar einem echten Piraten ! Und zwar dem Holländer Benjamin Raule, dem „Freibeuter des Kurfürsten“. Dieser ließ dort ein Landhaus errichten, dessen umgebauten „Nachfahren“ wir heute als „Schloss Friedrichsfelde“ kennen. Der Pirat geriet später in Ungnade, diverse Besitzer danach kam die Immobilie ins Eigentum der Familie von Tresckow. Diese verkaufte schrittweise Teile des Besitzes, der einst sogar noch viel größer war, als der Tierpark. Der Ortsteil Karlshorst liegt beispielsweise z. T. auf ehemaligem Tresckow-Besitz. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die „ausbeuterischen Junker“ dann enteignet. Die Immobilie verfiel, bis man auf die Idee kam, hier einen Tierpark errichten zu können. Eine typische „Kalter Kriegs-„Idee im geteilten Berlin. Die Humboldt-Uni lag im Osten, schwupps gründete man in Westberlin die „Freie Universität“. Der Zoo lag im Westen, zack musste ein „Tierpark“ auch in Ostberlin her.

Prof. Dathe mit einem Katzenbären

Mit dem gesamten Projekt untrennbar verbunden ist natürlich der Name des Zoologen Prof. Heinrich Dathe, der sich mit dem Tierpark seinen ganz persönlichen Wunschtraum erfüllen konnte. Hier hatte er sein „Reich der Tiere“, in dem nur er der Herr war. Nach der Wiedervereinigung wurde er dann jedoch, nicht zuletzt aus Altersgründen, beiseitegeschoben. Er war auch immerhin schon 80. Die beiden Tierparks Berlins wurden in der Folge organisatorisch erstmalig zusammengelegt, aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Was gibt es sonst über den Tierpark zu sagen ? Versuchen wirs mit ein paar „Wussten-Sies“ ! Also, wussten Sie, dass…

  • der Tierpark Friedrichsfelde einen „eigenen“ U-Bahnhof auf der Linie U5 hat, über den man seinen südlichen Haupteingang erreicht ?
  • derzeit im Tierpark Umbauten für einen Neubau des Löwenhauses geplant sind und deshalb sämtliche Löwen auf andere Tierparks „umgesiedelt“ wurden ?
  • man Schwarzbären bewundern kann, ohne den Tierpark überhaupt zu betreten ? Ein „Bärenschaufenster“ ist so angelegt, dass diese Bärenart uns hier direkt VOR dem Haupteingang vergnügt.
  • im Schloss Friedrichsfelde tatsächlich einst ein Regierender Reichsfürst inhaftiert wurde ? Von Juli 1814 bis Februar 1815 war der König Friedrich August I. von Sachsen auf dem Schloss als Gefangener, weil er wegen seiner Napoleon-Treue verurteilt worden war.
  • der Tierpark mit einem Superlativ wirbt ? Es wird behauptet, er sei mit 160 ha Fläche der „größte Landschaftstierpark Europas“. Nun, ich habe nicht nachgemessen, aber immerhin ist er weitläufig genug.
  • im Tierpark Berlin auch Volksläufe stattfinden ? Auf unterschiedlich langen Strecken kann man dann einmal im Jahr beim sog. „Volvo – Tierpark -Lauf“ durchs Gelände joggen. Was wohl die Tiere davon halten ?
  • für die Gestaltung der Eisbären-Frei-Anlage angeblich auch Trümmer der ehemaligen Reichsbank-Zentrale aus Berlin-Mitte verwendet wurden ?
  •  die Erbbegräbnisstätte der Familie von Tresckow sich auch noch immer auf dem Gelände befindet ? Nur ist sie, aus Gründen der Pietät wie ich hoffe, dem Besucher nicht zugänglich.
  • jährlich mehr als eine Million Besucher den Tierpark in Augenschein nehmen ? Letzte veröffentlichte Zahl von 2015: 1,2 Mio. !
  • es derzeit noch mehr als 750 Arten im Tierpark Friedrichsfelde zu sehen gibt ? Sobald alle Umbauten und Modernisierungen abgeschlossen sein werden, ist davon auszugehen, dass die Zahl sogar wieder steigt !

Habe ich Sie auf einen Besuch im „Tierpark Friedrichsfelde“ neugierig machen können ? Dann treffen wir uns vielleicht irgendwann einmal dort. 🙂

Adresse:

Am Tierpark 125
10319 Berlin

Anfahrt:

Über U5, bis U-Bahnhof „Tierpark“.
Tram: M17, 27 und 37,
Bus: 296, 396

Öffnungszeiten:

Durchgehend von 09.00 Uhr – 16.30 Uhr,
im Sommer bis 18.00 Uhr, teils bis 18.30 Uhr

Internetadresse:

http://www.tierpark-berlin.de/de

Karte:

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Lichtenberg: das Deutsch-Russische Museum in Karlshorst

Es gibt ein paar Orte in Berlin, wo Weltgeschichte „greifbar“ wird. Und nicht immer liegen diese in der Stadtmitte. Der in meinen Augen wohl bedeutungsvollste Ort liegt im Süden des Bezirks Lichtenberg: das DRM in Karlshorst.

DRM (11)_compressedDarauf, dieses Museum vorzustellen, kam ich eigentlich erst, als ich meinen Beitrag über das Alliiertenmuseum verfasste. Da fiel mir wieder ein, wie lange ich schon nicht mehr in Karlshorst war und das kann nicht nur am langwierigen Umbau der dortigen Bahnbrücke am S-Bahnhof liegen.

Warum also ist dieses an sich unscheinbare Gebäude (siehe Beitragsbild oben) so bedeutungsvoll ? Kurz gesagt: Hier wurde der Zweite Weltkrieg in Europa beendet. Hier im ehemaligen Offizierskasino der deutschen Heerespionierschule, welches die Bombenteppiche einigermaßen schadensfrei überstanden hatte, wurde die Kapitulationsurkunde der Wehrmacht und ihrer Einzelstreitkräfte Luftwaffe und Marine vor Vertretern aller vier Siegermächte unterzeichnet. Wer die alten Filmaufnahmen im Gedächtnis hat, wird im eigentlichen Kapitulations-Saal vielleicht einen kleinen Schauer über den Rücken laufen haben.

DRM (35)_compressedDenn die Tisch-, Stuhl- und Flaggen-Anordnung ist bis heute die gleiche geblieben wie am Abend des 08. Mai 1945. Die Tür, durch welche Feldmarschall Keitel und seine Mitunterzeichner Generaladmiral von Friedeburg für die Kriegsmarine und Generaloberst Stumpff für die Luftwaffe, schritten, ist noch dieselbe wie damals und der Hauch des Unvermeidlichen liegt bis heute über dem Raum.  Aber das Museum zeigt noch mehr. Vom Ende des Ersten Weltkrieges bis in die Tage der DDR wird die Deutsch-Russische (Militär-) Geschichte an Hand von Exponaten und multimedialen-Files dargestellt. Dabei wird kein unangenehmes Thema ausgespart woran man schön bemerkt, dass dieses Museum in enger Abstimmung von deutschen, russischen, weissrussischen und ukrainischen Fachleuten organisiert wird.

Sonderausstellungen machen immer wieder einen Besuch wertvoll und die Lage am Rande eines gutbürgerlichen, fast idyllischen Wohnviertels macht auch den Spaziergang dorthin von der S-Bahn aus angenehm. Wer noch etwas „optische“ Verdeutlichung benötigt, bekommt im Garten hinter dem Gebäude die Originale von sowjetischen Kanonen, Fahrzeugen und Panzern zu sehen. Vor ein paar Jahren haben ein Freund und ich dort stundenlang darüber philosophiert, wieviele Leute wohl einen „Stalin-Panzer“ gesteuert hätten usw. Sie sehen, auf was für komische Gedanken man so kommt…

Das „Deutsch-Russische Museum“ befindet sich in der

  • Zwieseler Straße 4
    10318 Berlin
    Tel.: +49 (0)30 – 501 508-10
    e-mail: kontakt@museum-karlshorst.de
  • Öffnungszeiten:
    Dienstag – Sonntag, 10.00 – 18.00 Uhr
  • Anfahrt:
    Bus 296, bis Haltestelle „Museum Karlshorst“ (schon wieder: „sjurpris“)
    oder: S-Bahnhof Karlshort und 20 Min Fußweg über die Rheinsteinstraße
  • EINTRITT FREI (wie ich das liebe !)

Wer also mal den „Mantel der Weltgeschichte“ durch einen Raum wehen sehen will, der kann hierher kommen und bei freiem Eintritt eine interessante Ausstellung und den schon erwähnten, bedeutungsvollen Raum anschauen. Ich empfehle das ausdrücklich, man störe sich nicht an den überall angebrachten, kyrillischen Inschriften.

Also bis bald vielleicht,

ihr

Clemens Kurz