Archiv der Kategorie: Brandenburg

Ausflugstips nach Brandenburg

Schloss Babelsberg – Sommersitz am Havelufer

Das Potsdamer Schloss Babelsberg, ebenso wie der dazugehörige Park, verdankt seine Existenz einer denkwürdigen Geschwister-Rivalität unter königlichen Prinzen. Und deren Frauen, natürlich. Zu simpel gedacht ? Dann lesen Sie weiter…

der Erstbesitzer von Schloss Babelsberg: Kaiser Wilhelm I.

Die „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin“ gehören zum UNESCO – Weltkulturerbe. Seit 1990 schon. Kein Wunder, denn wer einmal vom pleasureground vor Schloss Babelsberg über die Havel geschaut hat, dem ist die Einzigartigkeit der Landschaft sicher nicht verborgen geblieben. Hier, am Havelufer mit seinen diversen Buchten und Seen, haben sich Prinzen und Mäzene im 19. Jahrhundert ihr „Arkadien“ bauen lassen. Später kamen die Berliner Sommer-Ausflügler dann hierher. Mit Ausflugsdampfern und als Sport-Ruderer. Heute zieht es Touristen, Tagesausflügler und Fotofreunde ans Havelufer, es kommen die Spaziergänger und Freunde von Geschichte und Kultur zu Besuch. Noch immer nicht ohne Grund.

Denn am Anfang vom neogotischen Traumschlösschen Babelsberg steht die einzigartige Rivalität zweier Prinzenbrüder. Die Söhne König Friedrich-Wilhelms III. entdeckten  zu Beginn des 19. Jahrhunderts das Havel – Idyll für sich. Einer nach dem anderen. Besonders pikant wird die Sache, wenn man weiß, dass sie mit Schwestern verheiratet waren. Also Brüder und „Schwager“ gleichzeitig waren. Wobei der ältere Prinz die jüngere Schwester heiraten „musste“, während der jüngere Prinz die ältere Schwester freiwillig ehelichte und sich nicht beschweren konnte.

Natürlich spreche ich von den Prinzen Wilhelm und Carl von Preußen sowie von Marie und Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach.  Der jüngere Prinz, Carl, wurde schon früh von seinen Erziehern für die Antike und deren Hinterlassenschaften begeistert, die er zeitlebens mit Akribie (und gerüchteweise nicht immer völlig legal) sammelte. Für die „Sommerfrische“ und zur Präsentation seiner Antikensammlung erwarb er jedenfalls 1824 das Gut Klein-Glienicke und ließ sich dessen Wohngebäude umbauen. Kein Wunder, dass dies seinen älteren Bruder Wilhelm auf den Plan rief. Wo gibts denn auch sowas, dass ein „kleiner Bruder“ sich ein Lusthaus am Wasser bauen lässt, während der „große Bruder“ noch nach einer passenden Immobilie sucht ?

Diese fand er dann scheinbar „ganz zufällig“ direkt gegenüber von Klein-Glienicke auf dem sog. „Babelsberg“. Und begann beim Papa so lange um Finanzen zu betteln, bis dieser ihm genehmigte, sich die Immobilie zu kaufen und dort einen Sommersitz zu bauen. Das war 1833. Ab jetzt beginnt die bunte Geschichte von Schloss Babelsberg. Diese können Sie natürlich über die Suchmaschine ihrer Wahl oder über die historische Enzyklopädie ihrer Präferenz bis ins Detail nachlesen. Ich persönlich möchte nur auf den Einfluss der „jüngeren“ der beiden Schwestern auf die Gestaltung Babelsbergs eingehen.

Kaiserin Augusta

Wilhelms Ehefrau, Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach, die sich für eine umfassend gebildete und in Sachen Geschmack und Stilsicherheit relevante Fachfrau hielt, trieb mit ihrer permanenten Einmischung diverse Baumeister Babelsbergs (darunter Größen wie Schinkel oder Persius) schier in den Wahnsinn. Ebenso wie den genialen Gartenarchitekten Peter-Joseph Lenné, den sie letztlich mal so „mir-nix-dir-nix“ gegen den ihr aus der sächsischen Heimat vertrauten Fürsten Herrmann von Pückler-Muskau austauschte. Nicht, dass Pückler hier in Babelsberg keine sichtbare Verschönerung und Abrundung der Parkanlagen vorgenommen hätte. Die Art und Weise, wie er aber durch gnadenloses Schleimen bei Augusta und diversen „Hochwohlgeborenen“ an diesen Job gekommen war, lässt Menschen unserer Zeit aber doch Ekelschauer über den Rücken laufen.

Wie auch immer: das Ergebnis der Arbeiten diverser Genies, die es über sich brachten, immer wieder mit der anmaßenden Augusta aneinander zu geraten, kann heute wieder besichtigt werden. Die Parkanlagen wurden (inklusive der Wasser-Läufe) wieder im Pückler´schen Sinne hergestellt. Damit wurden die letzten Spuren von Kriegs- und vor allem Mauerzeiten beseitigt, während derer Babelsberg das Pech hatte, direkt an der Grenze nach „Westberlin“ gelegen zu sein.

Anmerkung 2017: derzeit findet im Schloss eine Sonderausstellung zum Thema Pückler statt. Nicht nur deshalb und wegen des zum Spazieren einladenden Parks ist Babelsberg unbedingt einen Besuch wert ! Alles weitere dazu hier:
https://www.spsg.de/aktuelles/ausstellung/pueckler-babelsberg/

Fehrbellin – wie Preußen begann, bevor es existierte…

Fehrbellin…Fehrbellin…da war doch mal was ? Bei diesem Namen kriecht langsam eine Erinnerung an die Oberfläche des Bewusstseins. Aber, darf man heute noch über „Fehrbellin“ sprechen, die Fakten betrachten, wo doch alles „Militaristische“, alles „Militärische“ mitunter auch, heute aus guten Gründen so skeptisch betrachtet wird ? Schaun wir mal nach:

Es ist ja immer so eine Sache mit den „Schlachten“ und „Feldzügen“ vergangener Zeiten. Ich gestehe, manchmal frage ich mich auch, ob ich solche Anlässe eigentlich promoten will oder ob mich das Schicksal der Toten, die hier für fürstliche Gebietsansprüche o. ä. ihr Leben ließen, nicht vor Pietät schweigen lassen sollte. Hierzulande ist es ja nicht ganz ohne Grund, vorsichtig gesagt, „unüblich“ geworden, in Kriegen und Gefechten heute noch „Heldentaten“ zu sehen. Ich finde das nicht wirklich falsch sondern neige auch eher dazu, diese Tendenz zu stützen.

Dennoch kann ich mich als „Regionalpatriot“ (bitte nicht an diesem Begriff festkleben, liebe Leserinnen und Leser, ich schreibe dies durchaus mit einer großen Portion Selbstironie) manchmal nicht den blanken Fakten entziehen. 1675 erlitt die Schwedische Armee, die zu den besten ihrer Zeit gehörte, eine empfindliche Niederlage, als sie versuchte, im Auftrage Frankreichs Brandenburg zu verwüsten und zu brandschatzen. Wollen Sie wirklich die genauen Details dazu wissen ? Ich mache es kurz: Frankreich war in der damaligen Zeit dabei, Eroberungen zu machen. Die „Rheingrenze“ wollte man, wollte der „Sonnenkönig“ erobern. Die Niederlande und Deutschland von der Pfalz bis in den Rhein-Main-Raum hinein wurden von französischen Truppen verheert und es wurde reichlich „verbrannte Erde“ hinterlassen. Erst kürzlich nannte mir ein FB-Freund in diesem Zusammenhang den Namen „Melac“, der bis heute wohl in Südwestdeutschland so eine Art Schimpfwort ist. Nicht ganz grundlos, wie Sie sich vorstellen können ! Befragen Sie die Suchmaschine Ihrer Wahl doch mal zu diesem Namen, wenn Sie mögen ! 🙂 Zurück nach Brandenburg:

Das Deutsche Reich stellte 1674 also Truppen zur Abwehr einer französischen Aggression, welche in diesem Falle zunächst einmal gegen die Niederlande gerichtet war. Der „Große Kurfürst“ Friedrich-Wilhelm von Brandenburg war mit allem, was er so kurzfristig mobilisieren konnte, mit dabei. Sogar persönlich und vor Ort im Westen ! Im Elsass. Frankreich aktivierte daraufhin mit ordentlichen Mengen von „Louis d´ors“ seinen Verbündeten Schweden, um Brandenburg aus der Koalition der „Eifrigen“ herauszubrechen. Brechen die Schweden in Brandenburg ein, können Friedrich-Wilhelm und seine Soldaten nicht mehr gegen Frankreich kämpfen. So simpel ging Politik damals. Heute vielleicht auch noch, man muss es nur wollen, aber auch das ist eine ganz andre Geschichte.

Georg von Derfflinger

Nachdem die Schweden, in Abwesenheit der Armee des „Großen Kurfürsten“, wie das Messer durch die Butter in die Brandenburger Lande fuhren und dabei Richtung Havelland vorrückten, um Magdeburg angreifen zu können, bekamen sie spät, aber überhaupt Widerstand entgegengebracht. Der Dreißigjährige Krieg lag eben erst eine Generation zurück und das Volk vergaß nicht so schnell, wie die Soldateska damals gewütet hatte. Auch die schwedische. Aber mit aufgepflanzten Mistgabeln kann man einer gut gedrillten und von erfahren Offizieren angeführten Truppe wie den Schweden nicht lange widerstehen. Brandenburg an der Havel, Havelberg, Rathenow, fielen in die Hände der Truppen des schwedischen Generalleutnants Wolmar von Wrangel. Die Brandenburger mussten also auf die Ankunft Friedrich-Wilhelms und seiner Truppen warten. Die „Havellinie“ gehörte zunächst den Skandinaviern. Und diese gedachten, es sich hier ein wenig gemütlich zu machen. Nicht wissend, dass brandenburgische Truppen in Eilmärschen aus dem Südwesten heranrückten.

Die Pläne von Wrangels begannen, sich aufzulösen, als es am 15. Juni 1675 Brandenburger Einheiten gelang, Rathenow zurückzuerobern. Viele Anekdoten ranken sich um dieses Ereignis. So sollen angeblich die Bürger vorgewarnt gewesen sein und präventiv schon einmal ein paar schwedische Wachen mit Bier „abgefüllt“ haben. Ebenso hält sich bis heute in der Stadt die Legende, dass die ersten Brandenburger mit dem Kahn angelandet seien, um am „Wassertor“, einer Pforte in der Stadtmauer zur Havel hin, einzudringen. Außerdem will die Legende nicht verstummen, dass der Brandenburgische Feldmarschall Derfflinger, der während des Dreißigjährigen Krieges in schwedischem Dienst gestanden hatte, persönlich am „Haveltor“ aufgetaucht sein soll, um die dortigen Wachen in ihrer Muttersprache dazu zu bewegen, das Stadttor zu öffnen.

Wie auch immer: die Havellinie war damit durchbrochen. Wrangels Hauptkontingente, die schon auf dem Weg nach Rathenow waren, machten kehrt, um ihre Versorgungslinien zu sichern. Drei Tage nach dem Fall Rathenows kam es bei Hakenberg, südöstlich von Fehrbellin, zu einem heftigen Gefecht mit den vorrückenden Brandenburgern. Um es kurz zu machen: Die Schweden verloren. Zum zweiten Male innerhalb von drei Tagen. Außerdem war ihnen nicht klar, mit wievielen Truppen der Große Kurfürst überhaupt schon im Lande stand. Dass fast die gesamte Infanterie Brandenburgs ein- bis zwei Tagesmärsche zurücklag, dass also Friedrich-Wilhelm und Derfflinger nur ihre Kavallerie und wenige Stücke Kanonen „vor Ort“ hatten, war den Schweden nicht bewusst. Dennoch waren die „Ergebnisse“ von 1675 so etwas wie die Meldung, dass Liechtenstein Brasilien im Fußball besiegt hätte. So hohe Favoriten waren die Schweden für Zeitgenossen noch gewesen.

In den nächsten drei Jahren jagten die Brandenburger die Schweden bis nach Stralsund vor sich her und beendeten de facto deren Vorherrschaft über Vorpommern. So lange bis Frankreich Friedensbereitschaft signalisierte und die „Großen“ Europas im Frieden von St. Germain 1679 den Kurfürsten um das Brandenburg seit 1638 zustehende „Restpommern“ inkl. der wichtigen Odermündung und Stettins brachte. Es heißt, der zu Gefühlsausbrüchen neigende Friedrich-Wilhelm habe, als er sich gezwungen sah, diesen Vertrag anzuerkennen, einen Wutausbruch erlitten, der sich gewaschen hatte.

Fazit: die „Schlacht bei Fehrbellin“ hatte Langzeitwirkungen, die sich in jedem Falle als wichtig erweisen sollten, auch wenn der „Brandenburgisch-Schwedische-Krieg“ zwar mit dem militärischen Sieg Brandenburgs, aber auch ebenso mit dessen diplomatischer Niederlage endete. Immerhin hatte Brandenburg endgültig gezeigt, dass es von einem Objekt europäischer Machtpolitik, das es noch im Dreißigjährigen Krieg gewesen war, wieder zu einem eigenständig handelnden Subjekt heranwuchs. Mit einem zuverlässigen Militär, welches ganz und gar dem Kurfürsten unterstand, konnte für die Verteidigung des Landes wieder ausreichend gesorgt werden. Und die Havelländer, die den Schweden hinhaltenden Widerstand entgegengesetzt hatten, waren vielleicht die ersten wirklichen „Preußen“, da sie auf den Mann unter dem Kurhut setzen mussten, um von den um keine Plünderung verlegenen Schweden befreit zu werden. Zwar setzte sich erst der Sohn des „Großen Kurfürsten“ die Krone auf und begann damit, alle seine Ländereien „Preußen“ nennen zu lassen, aber: keine Geschichte ohne Vorlauf.

Rathenow und Fehrbellin also. In Rathenow steht seit 1738 ein Standbild des Großen Kurfürsten (erstes Bild im Beitrag). In Fehrbellin befindet sich seit 1902 eine Bronzekopie des Standbildes aus der Werkstatt von Fritz Schaper, dessen Original sich einst in der Siegesallee befand und heute in der Zitadelle Spandau besichtigt werden kann. Man hatte also diesen Teil der Geschichte nicht vergessen. Auch der Schriftsteller Heinrich von Kleist hatte die Schlacht von Fehrbellin in seinen „Prinzen von Homburg“ eingebaut, da der gleichnamige Kavallerist tatsächlich daran teilgenommen hatte. Die genauen Umstände und die Details, die Kleist schildert, dürfen jedoch nicht so 100 prozentig auf die Goldwaage gelegt werden. So war der namensgebende Prinz Friedrich von Hessen-Homburg etwa kein schwärmerisch Verliebter, sondern ein glücklich verheirateter Mann. usw.
Interessant aber, dass unsere Zeiten den letzten Satz dieses Dramas nicht mehr anerkennen wollen und oftmals weglassen. Eine TV-Verfilmung des „Prinzen von Homburg“ von vor einigen Jahren jedenfalls ließ diese Worte aus, weshalb ich sie, völlig „politisch unkorrekt“ wie ich manchmal bin, hier an den Schluss dieser Ausführungen stellen möchte:
„In Staub mit allen Feinden Brandenburgs !“

Bildmaterial:

Quellen:

  • Joachim Fernau, „sprechen wir über Preußen“, Ullstein Verlag, 5. Auflage 1994
  • Hannsjoachim W. Koch, „Geschichte Preußens“, Paul-List-Verlag, 1980
  • wikipedia

Potsdams Holländerviertel – steinerne Verbundenheit

Das sog. „Holländerviertel“ in Potsdam steht symbolisch für die Verbundenheit Brandenburgs mit den Niederlanden. Steinerne Zeugnisse von dem, was man im 18. Jahrhundert unter „Willkommenskultur“ verstand. Denn das Land brauchte immer neue Bürger….

Liebe Freunde der Stadtspaziergänge, ich erinnere mich noch lebhaft daran, wie anlässlich eines Besuches der damaligen, holländischen Königin Beatrix einige sie begleitende Holländer, Medienvertreter und auch hier lebende Niederländer ein wenig über das ihr in Potsdam stolz präsentierte „Holländerviertel“ spöttelten. „Ja, ja, so stellt ihr Deutschen euch die Niederlande vor. Aber echte Grachtenkinder können diese Architektur natürlich nicht ernst nehmen.“ So oder so ähnlich krittelte man damals vernehmlich herum.

Dabei ist dieser Spott eigentlich durch und durch ungerecht. Denn, was ich damals noch nicht wusste, ist, dass der Mann, der die 134 Häuschen dieses Quartiers entwarf, ein echter Holländer war. Ein Exilholländer zumindest, der aber in Amsterdam geboren wurde. Jan Bouman, später genannt „der Ältere“, weil es dann noch einen weiteren Bouman als Stadtbildner gab. Wenn also jemand weiß, wie ein „Holländerhäuschen“ auszusehen hat…

„Soldatenkönig“ Friedrich-Wilhelm

Die Geschichte des Holländerviertels beginnt mit der zweiten Stadterweiterung Potsdams. An diesem Orte sollte dem „Sumpf“ (dem notorisch schlechten Baugrund Potsdams, deshalb das benachbarte „Bassin“ als Entwässerung) ein Modellkiez abgerungen werden. Dieser Kiez war für potentielle Zuwanderer aus den Niederlanden gedacht und damit diese sich nicht sofort „fremd“ fühlten, sollten ihre Domizile eben vertraut aussehen. Da war der „Soldatenkönig“ ganz Pedant. Und eben auch ein Holland-Enthusiast wie einst sein Großvater, der „Große Kurfürst“ Friedrich-Wilhelm. Über seine Großmutter, die Kurfürstin Louise-Henriette, war der Soldatenkönig übrigens direkt mit dem Herrscherhaus Hollands, den „Oraniern“ verwandt.

Los gings mit diesem Bau-Projekt im Jahre 1732. Manche Quellen wollen sogar wissen, dass Jan Bouman extra für dieses Projekt nach Preußen kam. 1742 war das „Lockangebot“ für niederländische Handwerker dann fertiggestellt. Da lebte dessen Initiator, der schon erwähnte „Soldatenkönig“ bereits nicht mehr, aber auch sein Sohn, der noch „junge Fritz“, ließ einfach konsequent zu Ende bauen. Ob wir wohl heute Holländer bräuchten, um den BER zu Ende gebaut zu bekommen ? 🙂

Wussten Sie, dass….

  • im Potsdamer Holländerviertel im Spätsommer 2015 Szenen für die US-TV-Serie „Homeland“ gedreht wurden, die „Amsterdam“ darstellen sollten ? Da die Produktionsfirma zu dieser Zeit gerade die fünfte Staffel in Berlin drehte und für zwei Situationen „Holland“ benötigte, drehte man einfach im nahegelegenen Potsdam. Das sparte Reisekosten. 🙂
  • Jan Boumans vielleicht am meisten „betretenes“ Bauwerk in Berlin das ehemalige „Prinz-Heinrich-Palais“ Unter den Linden ist? Heute ist es das Zentralgebäude der Humboldt-Universität.
  • es im Holländerviertel ein „Jan – Bouman – Haus“ gibt, das eine Art Museum für die Art der Wohnkultur in den Holländerhäuschen ist ? Dort hat der „Förderverein für die niederländische Kultur in Potsdam“ seinen Sitz. Dieser veranstaltet übrigens im Winter ein „Sinter-Klaas-Fest“ und im Frühling ein „Tulpenfest“ im Holländerviertel.
  • es sich beim Holländerviertel laut „wikipedia“ um das größte „zusammenstehende Bauensemble und Kulturdenkmal holländischen Stils außerhalb der Niederlande in Europa“ handeln soll ?
  • im 18. Jahrhundert nicht annähernd soviele Holländer nach Potsdam kamen, wie vom Soldatenkönig einst gewünscht ? Es sollen anfangs in etwa nur zwei Dutzend Familien gewesen sein. Deshalb wurden die Häuser bald „freigegeben“ für mehr oder minder verdiente Bürger Potsdams und für Grenadiere des Garderegiments mit Familie.
  • im Jahre 1906 der „Hauptmann von Köpenick“, Wilhelm Voigt, hier im Quartier, in der Mittelstraße 3 beim Altwarenhändler Berthold Remlinger, seine gebrauchte Uniform kaufte ?

Zu DDR-Zeiten verkam das Viertel ein wenig. Die Ressourcen für dringend benötigte Reparaturen waren einfach nicht vorhanden. Deshalb kam in den Siebzigern hier eine Hausbesetzerszene auf, die z. T. zähneknirschend von den Potsdamer Behörden geduldet wurde, weil diese wussten, dass es besser war, wenn die baufälligen Gemäuer bewohnt wurden, als wenn sie weiter verfielen. In den 90er Jahren wurden die Gebäude grundlegend restauriert. Heute kann man von einem durchgehend guten Bauzustand der Gebäude sprechen. Wohnraum und Gewerbe finden sich hier in direkter Nachbarschaft.

Bildmaterial:

Quellen:

  • „Potsdamer Geschichten“, Gisela Heller, Edition Arani, 1993,
  • wikipedia

Auflugstip: das archäologische Landesmuseum Brandenburg

Liebe Leser, ich gestehe es Ihnen gerne: ich mag es, wenn Museen oder sonstige Veranstaltungsorte einen hübschen Rahmen haben. Und es gibt wohl keinen hübscheren Rahmen als das Paulikloster in Brandenburg an der Havel, um auf einen Museumsbesuch einzustimmen. 

„130.000 Jahre Kulturgeschichte“ will uns das archäologische Landesmuseum Brandenburg präsentieren. Wann immer irgendetwas „ausgegraben“ wird im Lande, sei es bei Bauarbeiten oder sonstigen Erdbewegungen, will das Museum uns klarmachen, was dort gefunden wurde und wie das in die Geschichte der Region eingeordnet werden kann. Ich gestehe, das klingt beim ersten Hinhören sicher nicht sehr spannend. Man muss sicher ein echter „Geschichts-Freak“ wie ich sein, um das zu würdigen.

Aber weit gefehlt. Diverse museumspädagogische Dienste in der Region Berlin-Brandenburg machen es immer wieder deutlich: unsere Geschichte war, ist und bleibt spannend. Man muss nur einen Bezug zur Gegenwart herstellen können und/oder spannende Geschichten von früher zu erzählen wissen ! 🙂 Sie dürfen dreimal raten, worauf ich mich spezialisiere. Aber zurück ins Museum: alleine der Standort ist schon faszinierend.

Das ehemalige Kloster St. Pauli in Brandenburg an der Havel gibt den denkbar interessantesten Rahmen für einen Ort der Kultur ab. Wer hier heute vorüberschlendert, wird wohl kaum daran denken, dass hier am Rande der von ihnen selbst geplanten „Neustadt“ Brandenburgs, einst die Markgrafen aus dem Haus Askanien wohnten (ab 1196). Später schenkten sie das Gelände dem Dominikanerorden (1286). Keine Hundert Jahre später war das Kloster mitsamt Kirche fertig. Das ist sicher schneller, als der Flughafen BER…

Wie auch immer, die Spuren der Zeit gingen auch am Kloster nicht vorbei. Im Zweiten Weltkrieg ausgebrannt, verkamen die Ruinen in der DDR weiter. 1958 stürzten ganze Pfeiler ein. 2002 wurde dann der komplette Wiederaufbau beschlossen, bis Ende 2007 war dieser vollendet und seit 24. September 2008 findet sich hier das Museum wieder.

Gehen wir mal hinein. In der Dauerausstellung wird zwischen prähistorischer Zeit, Slawenzeit, Mittelalter und Neuzeit unterschieden. Sind es in den frühen Epochen noch Knochen und Steinwerkzeuge, die uns überliefert sind, so kommen später Haushaltsgeräte und Münzen hinzu. Interessant ist dabei, dass sich aus der Slawenzeit Münzen aus der weiteren Umgebung, also auch „sächsische Pfennige“ fanden, was darauf hinweist, dass durch Brandenburg tatsächlich seit dem Frühmittelalter überregionale Handelsrouten verliefen. Wie sich diese wohl entwickelt haben ? Oder wie interpretieren wir den Mädchenschädel aus dem 5. Jahrhundert, der offensichtlich den Hunnen zugeordnet werden kann und damit ein Zeichen der Völkerwanderung ist ? Fragen über Fragen.

Wer also Interesse daran hat, diesen kleinen Rätseln der Regionalgeschichte auf den Grund zu gehen, ist hier sicher an der richtigen Stelle. Viel Spaß beim Besuch !

Adresse:

Archäologisches Landesmuseum Brandenburg
Paulikloster
Neustädtische Heidestraße 28

14776 Brandenburg  an der Havel

Telefon: +49 (0)3381 – 41 0 41 12
Telefax: +49 (0)3381 – 41 0 41 19

Öffnungszeiten:

Dienstag – Sonntag: 10.00 – 17.00 Uhr

Eintrittspreise:

5 €, ermäßigt 3,50 €

Bilder:

  • von mir, 2010

Ausflugstip: Gransee – das kleine Juwel

Kleine Gemeinden mit historischem Stadtkern sind für Spaziergänger wie mich immer wieder reizvoll. Ob man nun auf Fontanes Spuren wandeln will, oder einfach nur Freude am „mit-offenen-Augen“-Lustwandeln auf historischem Pflaster hat, ist dabei sekundär. Wer so etwas zu würdigen weiß, findet sicher früher oder später nach Gransee.

Liebe Leser, ich gestehe es ihnen offen: Gransee war für mich hauptsächlich dafür bekannt, dass auf dem nahegelegenen Flugplatz die Fallschirmspringer ihrer Lust am „skydiving“ frönen. Irgendwo blieb da auch noch die Erinnerung an Erzählungen von Verwandten an organisierte Kinder-Urlaube hängen, aber so recht vertraut war mir der Name sonst eigentlich nicht.

Jedoch würdigt bereits das Idol aller Wanderer und Spaziergänger in Brandenburg, Theodor Fontane, Gransee als „festeste Stadt der Grafschaft“ Ruppin und als „östlichste Stadt der Grafschaft“. Heute gehört sie zum Landkreis Oberhavel. Ihre gesamte Altstadt mit der auffälligen, fast mittelalterlichen Straßenführung, ist mittlerweile Objekt des Denkmalschutzes ! Das ist schon mal was.

Luisen-Denkmal in Gransee
Luisen-Denkmal in Gransee

Gransees „Schatz“  ist natürlich auf dem Schinkelplatz zu finden: das Denkmal für die Königin Luise. Interessant dabei, dass es sich um kein Standbild o. ä. handelt, sondern um einen aus Guss-Eisen nachgefertigten Sarg, der daran erinnert, dass der Leichnam der populären Monarchin auf seiner letzten Reise von Hohenzieritz nach Berlin hier über Nacht abgestellt worden war.

Schon zehn Tage nach Luises Ableben, am 29. Juli 1810, beantragten die Granseer dieses Denkmal beim noch trauernden König, der ihnen gerne die Erlaubnis zur Errichtung gab, aber eine für ihn typische Bedingung anfügte: das Denkmal musste rein aus Spenden finanziert werden, öffentliche Mittel wurden untersagt. Preußische Sparsamkeit halt, verbunden mit großer Liebe für die Verstorbene auf der anderen Seite. Die Gelder kamen aus dem gesamten Landkreis Ruppin selbstverständlich fast mühelos zusammen.

"Ruppiner Tor", Gransee
„Ruppiner Tor“, Gransee

Auch ein Stadttor, das „Ruppiner Tor“ welches von Resten der alten Stadtmauer flankiert wird, erregt schnell die Aufmerksamkeit des Besuchers. Schon Fontane erzählt etwas über die „Doppeltore“ Gransees und ihre möglichen Erklärungen. An dieser Stelle soll dies aber nicht weiter ausgeführt werden. Bemerkenswert immerhin, dass von den ehemals ca. 2,1 km der Granseer Stadtmauer noch heute 1650 m erhalten sind.

St. Marienkirche, Gransee
St. Marienkirche, Gransee

Die im 14. Jahrhundert errichtete Marienkirche beherrscht mit ihren zwei ungleichen Turmspitzen optisch die Gassen der Granseer Altstadt. Sie besitzt eine spätbarocke, sog. „Wagner-Orgel“. Ebenso wie zwei Renaissance-Altäre aus dem frühen 16. Jahrhundert, die in ihrer Formensprache aber noch ganz dem Mittelalter verhaftet sind.

Habe ich Ihnen genügend Gründe geliefert, mal in Gransee spazierenzugehen ? 🙂 Dann sind vielleicht folgende Hinweise für Sie interessant:

Anreise:

Mit der Bahn:
Vom Berliner Hauptbahnhof fahren tagsüber stündlich Regionalexpress-Züge nach Stralsund oder Rostock, die in Gransee halten. Die Fahrt dauert ca. 45 min.

Mit dem Pkw:
Gransee erreichen Sie über die B 96

  • von Norden über die A 20, Abfahrt Neubrandenburg
  • von Süden über die A 10 (Berliner Ring), Abfahrt Dreieck Oranienburg

Wenn Sie die Autobahn verlassen haben, folgen Sie der B 96 direkt nach Gransee.

Mit dem Bus:
Auch Flixbus hat inzwischen Gransee angesteuert.

Touristinformation Gransee:

Rudolf-Breitscheid-Straße 44
16775 Gransee
Tel.: (03306) 21606
Fax: (03306) 21612
email: museum@gransee-info.de
web: http://www.gransee-info.de

Freefall in Gransee – Tandemspringen

In Brandenburg kann man viel Spaß haben. Da gibt es vieles zu sehen und zu erleben. Seit einigen Jahren kann man dort auch Fallschirmspringen und selbiges erlernen. Ein Erfahrungsbericht:

DSCI2663_compressedIch könnte Ihnen, liebe Leser, jetzt vorlügen, ich hätte den Mumm, aus einem winzigen Flugzeug in die „leere Luft“ zu springen. Hab ich aber nicht, verzeihen Sie die Offenheit. Ein Freund von mir aber wollte sich diesen „Spaß“ zum Geburtstag gönnen und lud mich letztlich dazu ein, ihn dabei zu begleiten. Na, warum nicht ?

In Gransee, Landkreis Oberhavel, kann man sich diesen Traum erfüllen und als „Ungelernter“ im Tandem mit einem erfahrenen Fallschirmspringer etwas „freien Fall“ und Segeln mit dem Gleitschirm erleben. Die Firma „go jump“ macht dies möglich (nein, ich bekomme von denen keine Vergünstigungen). Mein Freund wollte das schon lange mal machen und war froh, als er auf einen Hinweis dieses Unternehmens stieß.

Mit dem überfüllten „Ostsee-Express“, der im Sommer die Sonnenhungrigen nach Warnemünde und Co. bringt, zuckelten wir von Berlin nach Gransee. Und hier bemerkten wir zum ersten Male, wie professionell, kundenfreundlich und gut durchorganisiert der ganze Spaß ist: das Unternehmen holt auf Wunsch alle Springer, die nicht mit einem eigenen Vehikel anreisen, vom Bahnhof ab ! Das erspart einen ca. 3 km langen Marsch durch die Pampa und ist auch bei modernen Unternehmen der „Freizeitindustrie“ keine Selbstverständlichkeit.

Das Wetter war und blieb traumhaft sommerlich und die Anmeldung für einen Tandemsprung geht ruck-zuck. Auf einigen Bänken kann man im Schatten bis zum Aufruf noch ein Käffchen inhalieren. Wer will, kann auch die Landungen der vorherigen Gruppe aus einem Strandkorb heraus beobachten. Witziges Detail.

DSCI2665_compressedSchließlich erfolgt der Aufruf, der Springer geht in die Halle und bekommt neben seinem orangenen „jumpsuit“ auch eine Einweisung in das Verhalten während des Sprungs und der Landung. Dann wird einem der „Profi“ zugewiesen und schon gehts ab in die Einmotorige, die die Wagemutigen auf 4000 Meter Höhe bringt. Dort erfolgt dann der Sprung, nach etwas mehr als einer Minute wird dann der freie Fall beendet und das entspannte „Zubodengleiten“ beginnt. Wer will, kann diesen Spaß auch in Form eines HD-Videos (hab die Filme gesehen: Bildqualität – sehr gut !!!) dokumentieren lassen. Die sind auf dem neusten Stand der Technik, wie es scheint.

Nach der Landung wird dann „ausgeklinkt“ und der Springer kann, wieder festen Boden unter den Füßen, gemütlich zur Halle zurückschlendern und das Erlebte auf sich wirken lassen. Mein Freund jedenfalls war sichtbar beeindruckt. Andere Tandem-Mitspringer kamen gar mit Kommentaren wie „Det war geil“ o. ä. wieder zur Basis zurück. Übrigens kann man bei demselben Unternehmen auch das „Einzelspringen“ selbst lernen.

DSCI2661_compressedFazit: tolle Sache, sehr gut organisiert und letztlich so gut wie Gefahren-frei. Nur meine chronische Höhenangst hielt mich davon ab, selbst einen Sprung zu buchen. Schade auch. Dennoch, für Neugierige:

Organisator:

Fa. „go jump“
Knaackstraße 99
10435 Berlin
Tel.: 030 – 245 34 030
http://www.gojump.de/

Anreise zum Sprungplatz:
Bahn: RE-5 bis „Gransee“, dann auf dem Platz anrufen: Transport kommt
Sonst: fragen Sie ihr GPS nach „Gransee“

P.S.: Noch einmal, nein, ich kenne niemanden bei dieser Firma und bekomme auch keine Vergünstigungen für einen positiven Bericht. Es war einfach ein gelungener Tag und die Erfahrungen waren gut, deshalb beschreibe ich sie so und nicht anders.

 

Rathenower Rundgang – ein Tag in der Havelstadt

Die „Optikstadt“ Rathenow an der Havel bietet sich für einen Tagesausflug von Berlin aus geradezu an. Mit dem Zug fix erreichbar, wartet hier einiges an interessanter Stadtgeschichte auf den Besucher. Ich hab mir mal den Spaß gegönnt. Hier mein ganz persönlicher Eindruck:

Mehrere Städte in Brandenburg feierten im Jahre 2016 ihre 800-jährigen Stadtgeburtstage. Eine Urkunde aus dem Dezember 1216, in welcher der Bischof von Brandenburg seine Besitztümer im Bereich von Ober- und Unterhavel auflistet, macht dies möglich. Oranienburg gehört ebenso zu dieser Liste, wie das westhavelländische Rathenow. Beide Städte habe ich nun besucht.

Havelblick über Rathenows Altstadt
Havelblick über Rathenows Altstadt

Rathenow im West-Havelland liegt an der Havel. Wer etwas Glück hat, bekommt dies unmittelbar nach dem Verlassen der Bahn bereits zu spüren. In Form eines böigen, im Sommer aber doch z. T. erfrischenden Windes, der vom Wasser her über die Stadt weht. Ab der Mittagsstunde mag es zwar nur noch bewegte, warme Luft sein, aber besser als stehende Hitze ist es allemal.

A propos „Bahnhof“. Dass sich Rathenow als „Stadt der Optik“ versteht und diesen Ruf Johann Heinrich August Duncker verdankt, wird bereits deutlich, wenn man den Bahnhof verlässt. Auf dem Platz vor dem Bahnhofsgebäude steht eine Büste des „Begründers der optischen Industrie“ in Preußen. Durch die Erfindung einer besonderen Schleifmaschine hatte er zu Beginn des 19. Jahrhunderts das Fertigen von Linsen für diverse optische Nutzungen vereinfacht.

Jetzt steht ein kleiner Stadtspaziergang an, wenn man den historischen Stadtkern Rathenows erreichen will. Dabei passiert man u. a. das malerische Landratsamt am „Platz der Freiheit“ und das Rathenower Rathaus. Schon bald danach ist man im historischen Zentrum der Stadt angelangt, wo den Besucher die schmale Stadtschleuse, ein wuchtiges Denkmal für den „Großen Kurfürsten“ Friedrich-Wilhelm, die alte „Hafenpromenade“, die Kirche St. Marien-Andreas und das Geburtshaus des schon erwähnten Johann Heinrich Duncker erwarten. Wie ich finde, lohnenswert. Und vergessen Sie um Himmels willen ihre Kamera (notfalls im smartphone) nicht !

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Seerose im Optikpark

Vielleicht größtes Plus der Stadt ist aber der „Optikpark“ Rathenow. Hier finden Veranstaltungen statt, hier kann man bei schönem Wetter flanieren, auf einer Bank sitzend sinnieren oder eine Sonnenliege benutzend etwas für die „gesunde Bräune“ tun. Ein nettes, kleines Café lädt auf ein Bierchen ein und wer gerne auf einem Karpfenteich spazierengeht, kann dies hier tun, während er die verschiedenen, extra hier gepflanzten Seerosen betrachtet.

Ich gestehe es: ich habe den Optikpark hauptsächlich dafür genutzt, um den bisherigen Spaziergang ein wenig abzuschütteln, um hier, wo an diesem Tag glücklicherweise nur wenige Leute unterwegs waren, ein gehöriges Stück zu entspannen. Hab ein „Picknick“ mit Brötchen, Limonade und Keksen eingelegt und das schöne Nichtstun genossen. Ein kleiner Kritikpunkt: der Eintritt im Optikpark erscheint mir im Verhältnis zu dem, was man als Gegenwert bekommt, ein wenig zu hoch zu sein, sorry, liebe Rathenower.

Davon abgesehen aber, kann man aus dem Park noch einen flotten Spaziergang auf den „Weinberg“ hinauf machen. Über die Weinbergbrücke, eine insgesamt 348 m lange Stahlkonstruktion, die zur Bundesgartenschau 2015 errichtet worden war, gelangt man dann auf die ehemaligen Friedhofsauen, die heute einen etwas gruselig wirkenden Park ergeben, weil hier noch immer einzelne Grabsteine zu finden sind.

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Bismarckturm

Den Stadtspaziergänger erwartet dann aber der „Bismarckturm“ auf dem Weinberg. Das Gebäude, welches seinen Namen aber ein wenig irritierenderweise noch immer trägt, obwohl die Bismarck-Statue, die hier einstmals überdacht wurde, schon seit 1942 nicht mehr existiert. Also ein Bismarckturm ohne Bismarck, was die Damen, die hier das Eintrittsgeld kassieren, jedoch leider humorlos zur Kenntnis nahmen. Mein Humor ist offensichtlich nicht ansteckend. 🙂 Der Blick von hier oben nach Süden und Westen über die Stadt hinaus ist aber beeindruckend. Insofern absolut zu empfehlen!

Jetzt tippelte ich wieder den Berg hinab zum „alten Hafen“ und der „Kirchberg-Brücke“, welche mich sicher zum alten Stadtkern brachte. Hier findet sich u. a. das örtliche Büro des westhavelländischen Tourismus-Vereins. Großzügige Öffnungszeiten ermöglichen es dem Rathenow-Besucher, sich hier Informationen vielseitiger Art zu erfragen oder zuallermindest einen hübschen, kostenfreien Stadtplan zu erhalten. Damit man sich nicht verläuft.

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Kirchbergbrücke, Wasservorhang und Stadtkanal

Hier am alten Hafen und der Stadtschleuse konnte man auch den Bootskorso, der anlässlich der 800-Jahrfeier ausgerichtet wurde und an dem 70 Boote teilnahmen, verfolgen. Ein echtes Fest mit „Musike“ einem Feuerwehr-Löschfahrzeug, das einen Wasservorhang über den „Stadtkanal“ legte und…jeder Menge Leute fand hier statt. Ich blieb noch bis die ersten Schiffe durch die Stadtschleuse gefahren kamen und machte mich dann wieder auf den Weg heim.

Einziges, aber leider markantes Manko von Rathenow ist leider die Tatsache, dass dort niemand zu „müssen“ scheint. Öffentliche Toiletten sind leider nicht existent und ich meine das wörtlich so. Die klassische oder neumodische „Bedürfnisanstalt“ fehlt komplett im Stadtbild und ich begann mich bereits zu fragen, ob die Rathenower vielleicht allesamt biologische Phänomene seien, die ihre Nahrung in Form von Kohlendioxid oder Sonnenlicht ausscheiden. Einzig im kostenpflichtigen Optikpark gab es Toiletten und ich bin mir nicht sicher ob der Gang zur Porzellanschüssel tatsächlich mehrere Euro wert sei, sollte man sonst nichts im Park zu tun haben. In meiner Stadt ist diese Freude irgendwo zwischen 20 und 50 Cent zu haben.

Ansonsten aber ist Rathenow einen Ausflug wert. Wer Zeit und Ruhe mitbringt und bereit ist, sich auf Lokalgeschichte einzulassen, der kann hier was erleben ! 🙂

Adresse der Touristinformation Rathenow: