Archiv der Kategorie: Rückblicke

in Frieden ruhen – der Dreifaltigkeitsfriedhof II

In der Kreuzberger Bergmannstraße, hin zum „Südstern“ reihen sich vier Friedhöfe aneinander. „Friedrichswerderscher-“ oder „Luisenstädtischer-“ Friedhof kann man da lesen. Wenn man vom Südstern heranspaziert, finden wir den „Dreifaltigkeitsfriedhof“ ganz „hinten links“. Der Zweite seines Namens, denn der „erste“ davon gehört ja zu den „Friedhöfen vor dem Halleschen Tor“. Für meine Reihe kurzer Betrachtungen bekannter, Berliner Gottesacker habe ich dann einfach mal hier mal vorbeigeschaut.

Was für ein schöner Tag ! In der Nacht zuvor hatte es ein wenig geschneit. Wie Puderzucker lag eine ganz dünne Schneeschicht über dem Gelände. Sanft knirschte es unter der Schuhsohle, wenn man die Wege zwischen den Grabstätten abschritt. Inzwischen war aber längst die Sonne herausgekommen und legte ihr „winterhartes“, tiefstehendes Licht über den Dreifaltigkeitsfriedhof, über pompöse Grabmale von Familien, die man heute kaum noch kennt und über kleine Familienbegräbnisse völlig Unbekannter.

Wie immer, wenn man auf einem Stadtspaziergang über Friedhöfe unterwegs ist, freut man sich über die relative Ruhe, die man hier vorfindet. Ein paar Vögelchen tschilpten jedoch auch schon in den Bäumen. Und das so früh im Jahr ! Die Natur hat offensichtlich ihre eigene Logik. Ich selbst würde, Mensch oder Nachfahre der Dinosaurier (ja, Vögelchen sind evolutionsgeschichtlich gesehen Nachfahren von Flugsauriern) natürlich einen Daueraufenthalt im Warmen bevorzugen.

Und die Friedhofsverwaltung macht es dem Spaziergänger diesmal ausnahmsweise einmal nicht so einfach, sich hier auf dem etwa 49.000 qm großen Friedhof zu orientieren. Findet man etwa auf den „Friedhöfen vor dem Halleschen Tor“ noch Übersichtstafeln an den Eingängen, die das Wegesystem abbilden, über die Geschichte der Anlage informieren und auf sowohl hübsch gestaltete, wie auch „prominente“ Grabstätten hinweisen, so fehlt hier all dies.  So dass der Besucher gezwungen ist, sich selbst zu orientieren. Was ja auch nichts Schlechtes sein muss. Vielleicht genießt man einen Besuch hier dadurch umso mehr.

Grabstätte Schleiermacher

Aber natürlich sind auch hier einige bekannte Namen zu finden. Ich beschränke mich auf die zwei für MICH interessantesten davon. Zunächst einmal ist auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof II natürlich einer der ehemaligen Pastoren der gleichnamigen Gemeinde beigesetzt. Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher. Die Plakette auf seinem Grabstein stammt von Christian Daniel Rauch. Schleiermacher war Theologe und Mitbegründer der „Friedrich-Wilhelms-Universität“ in Berlin (heute „Humboldt-Universität“). Er begegnete mir schon auf einer Plakette an seinem ehemaligen Pfarrhaus Glinka- Ecke Taubenstraße. Welches natürlich in der Berliner Friedrichstadt liegt, durch welche ich Jahr für Jahr immer mal gerne spaziere, aber das ist ein anderes Thema. Wer bei diesen Spaziergängen dann dabeisein möchte, nimmt bitte Kontakt zu mir auf oder wartet auf die Bekanntgabe entsprechender Termine auf der Facebook-Seite und hier im Blog auf der Termine-Seite. Zurück zu Schleiermacher: dieser Mann versuchte Forschung und Wissenschaft mit dem christlichen Glauben zu versöhnen und musste sich deshalb harsche Kritik von Theologen und Wissenschaftlern gefallen lassen. Der gebürtige Breslauer fand nun also hier 1834 seine letzte Ruhe. Besser ist das auch, denn  ein Grab in seiner Geburtsstadt wäre vielleicht, wie so viele andere Ruhestätten prominenter Preußen und anderer Deutscher, nach Kriegsende eingeebnet oder geschändet worden. Man denke an das Grab des Freiherrn von Seydlitz o. ä. Fälle.

Grabstätte von Menzel

Die zweite Grabstätte, der ein versierter „Stadtspaziergänger“ natürlich seine Reverenz erweisen sollte, ist die des Malers Adolph von Menzel. Diesem Vorbereiter der Moderne wollte ich hauptsächlich einen Besuch abstatten. Was gibt es nicht alles für herzallerliebste Anekdoten über diesen Mann zu erzählen. Jeder cityguide, der etwas auf sich hält, kennt ein paar davon. Mir gefällt diejenige am Besten, bei der er mit seiner Art einen hohen Militär, den Feldmarschall Wrangel, so sehr auf die Palme bringt, dass dieser ihn eine „eklige, kleine Kröte“ nennt. Auch seine Geduld mit „Modellen“, die von ihm porträtiert werden wollten, war gleich 0. Bei seiner Beisetzung hier folgte aber gar die kaiserliche Familie dem Sarg. So sehr schätzten sie die Wirkung seiner Gemälde. Die Büste auf seiner Grabanlage ist übrigens ein Werk von Reinhold Begas.

Das Schöne an den innerstädtischen Friedhöfen ist vor allem, dass sie zumeist verkehrsgünstig zu erreichen sind. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bussen und U-Bahnen erreicht man sie zumeist gut. Mit dem Fahrrad sowieso. Insofern steht meine Empfehlung, auch den „Dreifaltigkeitsfriedhof II“ und seinen Nachbarn den „Friedrichswerderschen“ Friedhof, zu dem ein Durchgang besteht, einmal zu besuchen. Und sei es nur, um im Schatten der Bäume ein wenig zu verschnaufen. Das leicht ansteigende Gelände, welches der Tatsache geschuldet ist, dass dort einst ein Weinberg angelegt worden war, lädt in jedem Falle dazu ein !

Zu erreichen über den U-Bahnhof „Südstern“ (Linie 7), dann in die Bergmannstraße weiterspazieren.

 

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Friedhöfe vor dem Halleschen Tor – versteckte Gräber mitten in der Stadt

Alte Berliner Friedhöfe haben auf mich eine gewisse Anziehung, das gebe ich offen zu. Hier, wo die Verblichenen ruhen, findet oftmals auch die gestresste Städterseele einige Momente des Friedens und der Ruhe. Friedhöfe ersetzen manchem Anwohner wohl auch die manchmal fehlenden Parks und laden zu Spaziergängen ein, wie ich mehr als einmal beobachten konnte. 

Liebe Leser, erinnern Sie sich an meine kleine Reihe von Besuchen auf Berliner Friedhöfen ? Vor einiger Zeit empfahl ich diese als geruhsame Stadtspaziergänge im Großstadtgedrängel. Zur Erinnerung hier noch einmal der erste Teil. Die anderen Teile sind unten auf dem ersten Artikel verlinkt.

Vor nicht allzu langer Zeit fiel mir nun ein kleines Büchlein in die Hände, welches sich ebenfalls mit den vermeintlich schönsten der „Berliner Friedhöfe“ befasst. In knappen Kapiteln wird die Anlage und die Geschichte der „Gottesacker“ dargestellt und auf die prominentesten Grabstätten verwiesen. Dieser Hinweis war beim Besuch der „Friedhöfe vor dem Halleschen Tor“ auch notwendig, da sich hier die vielleicht bekanntesten Verblichenen beinahe schon „verstecken“ zwischen auffälligeren Grabmalen, deren Besitzer erst einmal weniger bekannt zu sein scheinen.

Und so machte ich mich an einem frischen Sonnentag im Winter auf, diese Anlage einmal aufzusuchen. Natürlich nicht ohne die obligatorische Kamera, das besagte Büchlein und etwas Zeit und Lust, einen Spaziergang jenseits des Straßenlärms von Kreuzberg zu machen. Eigentlich handelt es sich ja um 6 unterschiedliche Friedhöfe, die aber im Laufe der Zeit so weit „zusammengewachsen“ sind, dass wir sie trotz der ein oder anderen noch vorhandenen Grenzmauer mal als Einheit behandeln wollen.

Etwa ab 1735 genehmigte der damalige, preußische König Friedrich-Wilhelm mehreren Kirchgemeinden seiner Residenzstadt Berlin die Anlage neuer Begräbnisstätten jenseits der damaligen „Akzisemauer“, die etwa auf der Höhe des Halleschen Tores verlief. Diese, oftmals auch „zweite“ Berliner Mauer (nach der mittelalterlichen Stadtmauer) genannte Grenze sollte sowohl mögliche Deserteure der Berliner Garnison an der Flucht hindern, als auch die Steuer für durchlaufende Waren an ihren Toren einziehbar machen. Die sog. „Akzise“ halt.

Im Laufe der Zeit mussten die Flächen für Begräbnisse erweitert werden, andere Gemeinden schlossen sich an und das Ensemble, welches wir heute kennen, entstand. Die Stadt erweiterte sich und schloss im 19. Jahrhundert die Begräbnisstätten ein. Heute hören wir selbst an einem ruhigen Wintertag eigentlich permanent den Straßenlärm angrenzender Hauptstraßen. Wenn auch gedämpft und damit muss man schon zufrieden sein.

Allen, die sich ein wenig auskennen, muss ich eine kleine Enttäuschung bereiten: nein, das Grab des Komponisten Felix Mendelssohn – Bartholdy habe ich nicht gefunden. Immerhin ein schöner Aufhänger, um hier im Frühjahr oder Sommer noch einmal vorbeizuschauen !
Da ich vom Mehringdamm aus die Anlage betrat, lenkte ich meine Schritte zunächst zum Grabstein des Schriftstellers und Dirigenten ETA Hoffmann. Dieser Künstler, der lange Zeit in unmittelbarer Nähe des Gendarmenmarktes in der Berliner Friedrichstadt wohnte, ist für seine merkwürdig „somnambulen“ Märchengeschichten bekannt, wie etwas „Klein Zaches, genannt Zinnober“. Als Staatsbeamter war er außerdem für seine bissige Kritik am postnapoleonischen Zensurwesen in Preußen bekannt. Den „Amadeus“ schenkte er sich übrigens selbst. Eigentlich war sein dritter Vorname „Wilhelm“ wie uns sein auffällig unauffälliger Grabstein bedeutet.

Die Anlage war relativ menschenleer, aber dennoch begegneten mir vereinzelte Familien, die sich hier ebenso wie ich einen Spaziergang gönnten. Ob diese verstorbene Verwandte besuchten oder nur etwas frische Luft schnappten, fragte ich sie natürlich nicht. Wir dürfen nicht vergessen: auf einigen der Friedhöfe vor dem Halleschen Tore fanden noch bis vor wenigen Jahren Beisetzungen statt.

Das unauffälligste der „Prominentengräber“ ist vielleicht die Doppelgrabstätte von Rahel und Karl-August Varnhagen von Ense. Offen gestanden wäre ich fast daran vorbeigeschlendert, ohne einen Blick darauf zu werfen. Mein kleines Büchlein hielt mich aber rechtzeitig davon ab.
Auf die Bedeutung der Berliner Salons und der hinter ihnen stehenden Salonniéren gehe ich ja auf meinen Stadtspaziergängen in der Friedrichstadt ein, vielleicht begleiten Sie mich einmal dabei ? Rahel Varnhagens Bedeutung als Soziale Katalysatorin der Aufklärung in Berlin habe ich schon vor einiger Zeit in einem Kurzporträt hier im Blog gewürdigt. Lesen Sie es einfach nach, wenn Sie mögen. 🙂

Und so stieß ich im Vorbeischlendern später auch noch auf den Lehrer Carl-Friedrich Schinkels, den Schöpfer des modernen Postwesens in Deutschland, den Erfinder einer Kur gegen grünen Star und eine Hinweistafel  für den Architekten von Schloss Sanssouci. Ein „Eldorado“ für Stadtspaziergänger und sonstige Flaneure, die mit den Namen „Gilly“, „von Stephan“, „von Graefe“ oder „Knobelsdorff“ etwas anfangen können. Und es liegt so verkehrsgünstig ! Der Ausgang des U-Bahnhofes „Mehringdamm“ liegt in unmittelbarer Nähe des Einganges zur Anlage. Aber NICHT NUR deshalb empfehle ich allen, die gelegentlich etwas Ruhe schöpfen wollen, einen Besuch auf den „Friedhöfen vor dem Halleschen Tor“.

Ihr

Clemens Kurz

Quelle:

  • Ingolf Wernicke, „Berliner Friedhöfe“ in der Serie „Berlin kompakt“, Jaron Verlag 2017

Gedenkstätte Hohenschönhausen – bedrückend nah, erschütternd wahr

Kaum zu glauben, liebe Freunde der kleinen Ausflüge und Stadtspaziergänge in Berlin und Brandenburg, aber es gibt tatsächlich noch einige Orte von historischer Bedeutung in Berlin, wo ich mich noch nie habe sehen lassen. Einer davon war bis vor kurzem die „Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen“. Dies habe ich nun geändert, vor allem, weil mich eine zeitlich befristete Sonderausstellung dorthin gelockt hatte. Schaun mer mal….

Liebe Stadtspaziergänger und -gängerinnen, es gibt Orte, die mich spontan verstummen lassen. Die durch ihre Geschichte, die durch alte Hallen weht, eine Schwere aufs Gemüt legen, welche oft nicht leicht erklärlich ist. Vor allem, wenn man keine persönlichen Erfahrungen oder Erfahrungen von Freunden und Verwandten mit diesen Orten verbinden kann. Einer dieser Orte ist für mich, neben einigen anderen in unserer Region, die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Wer sich ihr zu Fuß nähert, so wie ich es getan habe, wähnt sich unmittelbar vor der Genslerstraße, welche die Adresse des Komplexes ist, fast wieder in der unseligen, alten Zeit der zweiten, deutschen Diktatur. Riecht fast noch den Trabbi-Zweitakter-Abgas-Gestank, der einem Ost-Berlin-Besucher nach dem Überschreiten der Grenzanlagen sofort in die Nase stieg. Es können einem kalte Schauer über den Rücken laufen, wenn man durch die Metalltüren und Zäune das Gelände betritt, welches noch immer wie ein tristes, innerstädtisches Gefängnis aussieht.

Und genau deshalb weiß ich nicht genau, ob ich mich darüber freuen soll, dass mir beim Eintreten in das ehemalige Stasi-Gefängnis eine kleine Gruppe fröhlich vor sich hin babbelnder und offensichtlich von keinerlei „spiritus loci“ angekränkelter Jugendlicher entgegenkam, die ihren Gruppenrundgang wohl gerade abgeschlossen hatten. Sie tippten schon wieder auf ihren smartphones herum, kramten Zigaretten hervor (wann ist Rauchen wieder „cool“ geworden ?) und scherten sich nicht einmal um das Gästebuch, welches doch das ein oder andere Lob oder wenigstens ein „ich war hier am XX.XX.20XX“ gerne aufgenommen hätte.

Mich hatte es hauptsächlich wegen der Sonderausstellung „der rote Gott“ hierher gezogen. Eine Exposition, die sich ausschließlich dem perversen Personenkult um den „Generalissimus“ Stalin widmete ? Hatte es sowas in den letzten paar Jahren schon gegeben ? Ich konnte mich dessen nicht erinnern, wurde neugierig und nun stand ich hier. Eisiger Wind pfiff durch den Hof. Ein wenig verloren trabte ich erstmal etwas hin und her, bevor ich den Hinweis zur Sonderausstellung bemerkte.

Und diese war tatsächlich das Herkommen wert. In großartiger Kleinarbeit wurde hier zunächst Stalin als Person, sozusagen „im Kurzporträt“ vorgestellt, bevor es dann an bestimmte Themen-Komplexe ging. Von dem Verhältnis der KPD in der Weimarer Republik zu Stalin über Stalin im Zweiten Weltkrieg bis zum eigentlichen Ausstellungsschwerpunkt, dem Stalin-Kult in der SBZ und später der DDR, konnte man sich voranarbeiten. Viele Original-Druckwerke wurden hier präsentiert und zweisprachig (auch in Englisch) kommentiert. Büsten von Stalin, eine ehemalige Statue aus Ulan-Bator, verklärende Gemälde und besondere Absurditäten dieses Personenkultes wurden schonungslos ehrlich gezeigt. Oder hätten Sie aus „der hohlen Hand“ gewusst, dass Eisenhüttenstadt noch bis November 1961 „Stalinstadt“ hieß ? (Ironisch: auf Russisch wäre das „Stalingrad“ gewesen…wie hat man wohl damals diese beiden Städte unterschieden ?) Ist es ansonsten Allgemeinwissen, dass die Sowjetunion erst am Rande ihres Untergangs, im Jahre 1991, die Existenz des fatalen „Hitler-Stalin-Paktes“ von 1939 einräumte ? Die „Befreier“ (Ost-) Europas wollten nicht zugeben, dass sie gar zu gerne Polens Osten (Weissrussland) mit Zustimmung des Irren aus Braunau annektiert hatten. Solcherlei Fakten finden sich, ganz beiläufig in Bildkommentaren präsentiert, in der Ausstellung.

Überhaupt beeindruckt diese Sonderausstellung durch viele, unbekannte Details, die auch im offiziellen, oberflächlichen Narrativ deutscher Geschichtsschreibung in Vergessenheit gerieten oder einfach unerwünscht sind. So war ich überrascht, zu erfahren, dass Stalin mehr Politbüro-Mitglieder der KPD hat ermorden lassen, als Hitler. Brüderliche Fürsorge und „Genossenschaft“ der Arbeiterklasse war in der KPdSU längst dem Cäsarenwahn Stalins gewichen, der überall „Spione“ und „Abweichler“ witterte. Auch, dass Stalin sich seit 1929, seinem 50. Geburtstag, „Führer“ nennen ließ, ein Begriff, den wir ja sonst nicht zu Unrecht auf den anderen, verrückten Schnauzbartträger der Weltgeschichte anwenden, war mir neu.

So könnte ich noch viele, interessante Details hier anführen, welche die Ausstellungsverantwortlichen berücksichtigt haben, aber vielleicht würde ich ja Ihnen, liebe Leser, damit den Anreiz nehmen, auch einmal selbst vorbeizuschauen. Bis zum 30. Juni 2018 können Sie selbst diese Ausstellung noch besuchen.

Auch die Dauerausstellung über die Geschichte des Ortes ab 1945, zunächst als Lager des sowjetischen Geheimdienstes NKWD, dann als Stasi Gefängnis mit nahegelegenen Dienststellen des DDR-Geheimdienstes ist sehenswert. Persönliche Zeugnisse von Ex-Häftlingen erinnern als Video-Clips an deren Eindrücke, diverse Exponate machen die manchem vielleicht zu „trockenen“ Fakten dann doch lebendig. Und die Höhepunkte sind natürlich Gruppenführungen durch die Haft-Zellen-Blöcke, welche zumeist von Zeitzeugen durchgeführt werden. Diese Führungen müssen gebucht werden und sind kostenpflichtig, aber dennoch absolut bezahlbar. Lohnend ! Während die Sonder- und Dauerausstellungen hingegen kostenfrei besucht werden dürfen. Auch lohnend ! 🙂

Adresse:

Genslerstraße 66,
13055 Berlin,

Öffnungszeiten:

täglich, 09.00 – 18.00 Uhr

Anfahrt:

(öffentliche Verkehrsmittel): Straßenbahn M5 von Alexanderplatz, Richtung „Zingster Straße“, bis Haltestelle „Freienwalder Straße“, von dort etwa 10 Minuten Fußweg.

Rückblick: Hussitenfest 2017 in Bernau

Alljährlich feiert die Stadt Bernau bei Berlin ihr „Hussitenfest“. Seit 1832. Nur die DDR hat diese Tradition kurz unterbrochen, aber im Jahre 2017 fand nun schon das 26. Hussitenfest der nachsozialistischen Zeit statt. Zur Freude der Bernauer und ihrer vielen Besucher. Etwa 25.000 – 30.000 Besucher werden geschätzt jedes Jahr das Wochenende in der Stadt am äußersten Rand der „S-Bahn“-Erreichbarkeit genießen. Da muss man doch einfach mal vorbeigehen und nachschauen, warum:

Bernau kann seine Existenz bis ins Hochmittelalter zurückverfolgen. Die beliebte Legende der Stadtgründung durch Albrecht, „den Bären“ ist zwar nachweislich wohlmeinender Unsinn, aber das ficht die Bernauer nicht an, die in ihrem jährlichen Festumzug mit dargestellten Episoden aus der Stadtgeschichte immer den „Bären“ als ersten durch die Stadt reiten lassen. Von diesem bis zum durch einen Schlager aus den Zwanzigern bekanntgewordenen „Zickenschulze aus Bernau“ und darüber hinaus erwartet den Besucher eine bunte und fröhlich-laute Bilder-Revue aus dem Bernau von einst und jetzt.

Schon deshalb fahre ich immer gerne am Samstag zu diesem dreitägigen Fest, weil ich den Festumzug gerne sehe. Das Wetter meinte es denn in diesem Jahr auch gut mit allen Beteiligten. Wattewölkchen, Sonnenschein, ein leichter, kühlender Wind und Temperaturen, die einen Aufenthalt erträglich machten gab es. Wie mir eine Freundin mitteilte, waren also bereits die Züge nach Bernau gut gefüllt und an der Strecke des Umzuges selbst wartete dann auch reichlich Volk auf das Geschehen. Wie immer hatten die Bernauer, die direkt an der Strecke wohnen, die besten Plätze mit der besten Sicht auf den Festumzug. Beneidenswert.

„Hussiten“ in Bernau ! Achtung, Achtung !

Etwa eine gute Stunde dauert dieser fröhliche Parforce-Ritt durch die Stadtgeschichte. Viele Vereine, Initiativen und Einzelpersonen beteiligen sich daran. Man sagt, dass jährlich zwischen 1.500 und 1.700 Personen an der Vorbereitung und vor allem der Durchführung des Umzuges beteiligt sind. Die Freude daran, ist allen Teilnehmern jedenfalls anzumerken. Sogar den „Hussiten“, die jetzt endlich auch mal IN der Stadt herumlaufen dürfen, nachdem ihnen im Jahre 1432 das Erobern Bernaus ja bekanntermaßen NICHT gelungen war. Das ist ja eben der Anlass für dieses Fest und daher kommt auch dessen Name.

das neue Mühlentor

Allerdings lag mein letzter Besuch in Bernau dann doch einige Jahre zurück, so dass mir also einige Veränderungen auffielen; nicht alle davon konnte ich begrüßen. Immerhin hat die Stadt jetzt wieder ein „Mühlentor“. Seit 2013 grüßt dieses neuerrichtete Stadttor in historischem Gewand wieder diejenigen, die durch die Mühlenstraße die Bernauer Altstadt betreten oder verlassen wollen. 1885 war es einstmals abgerissen worden, weil die immer größeren Pferdefuhrwerke einfach nicht mehr hindurchkamen. Im Zeitalter der Fußgängerzonen konnte man es jedoch verantworten, diesen Bau aus der historischen Stadtbefestigung wiederaufzubauen.

Auch die Kirche St. Marien stand wieder zur Besichtigung offen. Hier erinnert eine Gedenkplatte an die Tatsache, dass in dieser Kirche 1632 die sterblichen Überreste des Schwedenkönigs Gustav-Adolf während der Überführung des Leichnams in seine Heimat aufgebahrt worden waren. Die reine Dimension dieses Gotteshauses allein lässt die Spekulation zu, dass es Bernau zu Luthers Zeiten wirtschaftlich nicht allzu schlecht gegangen sein kann. Bevor die Pest und der Dreißigjährige Krieg die Stadt entvölkerten, natürlich. Durch die Ansiedlung der Hugenotten ab 1699 übrigens konnten diese Verluste allerdings schrittweise wieder ausgeglichen werden. Eine lange Geschichte.

Ich will es einmal kurz machen und meinen Gesamteindruck kurz wiedergeben:

Schönes Wetter, nette Begleitung, ein fröhlicher Festumzug, eine Altstadt, die vor Menschen nur so wimmelte. Ein guter Tag. Einziger „Wermutstropfen“ für mich ist die Tatsache, dass das Hussitenfest schrittweise immer mehr „verrummelt“ sozusagen. War im Jahre 2010 etwa die „Kirmes“ noch deutlich vor dem Mühlentor zu finden und so manches Fotomotiv war noch deutlicher eingrenzbar, so ist doch mittlerweile die „Budenkultur“  allzusehr in die Stadtmitte eingerückt. Für meinen Geschmack jedenfalls. Als Schnappschuss-Fotograf, der nicht regelmäßig in Bernau knipst, fällt mir das schon auf. Es ist aber nur meine persönliche Ansicht.

Ich empfehle aber in jedem Falle allen einen Besuch beim Hussitenfest in einem der kommenden Jahre. Da die 39.000 – Einwohner-Stadt in ihrem Stadtkern überschaubar ist, geht auch kaum jemand langfristig verloren, was die Familienfreundlichkeit eines Bernau-Besuchs erhöht! Bis nächstes Jahr dann ! 🙂

Ihr/Euer

Clemens Kurz

„Gärten der Welt“ – IGA 2017 in Marzahn

Ich erwähne es in vielen Beiträgen hier im Blog: Berlins ist grün. Hat Natur zu bieten. Sogar zwischen Betonburgen und vielgenutzten Ausfallstraßen. Nirgendwo wird dies deutlicher als im „Erholungspark“ in Marzahn. Hier wurde eine einst recht öde Landschaft in „Gärten der Welt“ verwandelt, die in diesem Jahr die „Internationale Gartenausstellung“ (IGA 2017) beherbergen. 

Marzahn. Betonwüste, öder Plattenbau, Menschenmassen, einst von der DDR hier zusammengepfercht. Kaum ein negatives Klischee, das einem nicht sofort einfiele bei diesem Namen. Die Realität sieht glücklicherweise mittlerweile anders aus. Die alten Plattenbauten sind saniert und auch äußerlich „bunt“ geworden, moderne Neubauten ergänzen den DDR-Beton, Einkaufszentren schaffen Infrastruktur.

Japanischer Garten

Schon 1991 wurde eine zwischen den Hochhäusern angelegte Gartenschau zum „Erholungspark Marzahn“ erweitert. Mittlerweile ist die Anlage auf etwas über 100 ha erweitert worden. Im Oktober 2000 wurde hier mit dem „Chinesischen Garten“ der erste Themengarten eröffnet und seitdem das Konzept der „Gärten der Welt“ verwirklicht. Diverse, mit Pflanzen, Gebäuden und Anlagen im „typischen“ Stile einer bestimmten Region gestaltete Gärten sind inzwischen dazugekommen.

Jetzt, 2017, wird hier die „Internationale Gartenschau“ abgehalten. Künstlerisch gestaltete Anlagen sollen den Besucher zum Verweilen, zur Reflexion und Besinnung anregen. In der Blumenhalle wird eine Themenausstellung zum gleichzeitig stattfindenden Lutherjahr gezeigt. Und zwei spektakuläre Veränderungen wurden auf dem Gelände unter dem „Kienberg“ noch vorgenommen:

  1. „Wolkenhain“

    auf der über 100 m über NHN gelegenen Anhöhe wurde ein weiterer Aussichtspunkt geschaffen. Der sog. „Wolkenhain“, eine luftige, weißgestrichene Stahlkonstruktion, die „singt“, wenn sie in Vibration gerät, bietet einen spektakulären Blick auf die Landschaft um den Kienberg herum. Bei klarem Wetter kann man bis tief nach Brandenburg hineinsehen. Auch der Fernsehturm am Alexanderplatz ist so deutlich erkennbar. Ich gestehe, mich faszinierte der Blick über Hochhäuser, Bahnhöfe und Grünanlagen. Ganze Strukturen der Stadtentwicklung können so erkannt werden.

  2. die moderne Seilbahn. Sie wurde von einer Südtiroler Firma hier installiert und wird von dieser auch derzeit noch betrieben. Über 1,5 km hinweg überspannt sie das Gelände des Erholungsparks zwischen Blumberger Damm und Kienbergpark. Eine Fahrt dauert etwa 5 Minuten und führt auf den Kienberg hinauf, wo eine Zwischenstation das Ein- und Aussteigen zulässt. Sogar ich als Mensch mit Tendenz zur Höhenangst habe die relativ sanfte Fahrt genossen. Der Ausblick über den Park ist spektakulär und die Fahrt mit der Bahn ist im Eintrittspreis inbegriffen.

Außerdem wurden ein Amphitheater zur IGA gebaut, eine „Tälchenbrücke“, die zusätzlich mit einer recht interessanten Klanginstallation versehen ist und eine sog. „Naturbob-Bahn“, die ebenfalls vom Kienberg aus vor allem Kinder erfreut, eingerichtet.

Kurz gesagt: ein Besuch lohnt in jedem Falle. Nicht alle interessanten Parks und Sehenswürdigkeiten finden sich nur zwischen Zoo und Alexanderplatz in der Berliner Stadtmitte. Meine persönliche These, dass sich die meisten schönen Ecken und viele Besonderheiten Berlins eher in den Außenbezirken finden lassen, wurde hier wieder vollends bestätigt.

Adresse:

„Gärten der Welt“
Eisenacher Straße 99
12685 Berlin
https://gruen-berlin.de/gaerten-der-welt/besucherinformation

Anfahrt:

Wie immer am Besten mit den „Öffentlichen“.

  • Bus 195 ab S-Bahnhof „Marzahn“ bis „Gärten der Welt“.
  • Shuttles fahren während der IGA (noch bis Oktober 2017) vom offiziellen „IGA-Parkplatz“ (Berliner Str. Ecke Louis-Lewin-Straße) zum Gelände. Fahrzeit etwa 15 Minuten.
  • U-Bahnlinie U5 bis Bahnhof „Kienberg – Gärten der Welt“ der Rest ist in wenigen Minuten zu Fuß erledigt.

Öffnungszeiten:

Während der IGA 2017 (bis 15. Oktober 2017):

09.00 Uhr bis 20.00 Uhr

Rückblick: Waldwanderung mit Wassernähe

Wir wissen es ja: Berlin ist grün. Parks und Wälder sind überreich im Stadtgebiet vorhanden. Gäste, die zum ersten Mal und mit etwas Muße im Gepäck durch Berlin streifen, kehren immer wieder voll Erstaunen darüber nach Hause zurück, wieviel „Natur“ man hier erleben kann. Grund genug, an einem schönen, warmen Frühlingstag selbst einmal die Berliner Forsten zu erkunden. 

Mehr als 1/3 des Berliner Stadtgebietes sind laut Statistischem Amt Berlin-Brandenburg Wald-, Erholungs- oder Landwirtschaftsfläche. Nimmt man die 6,7 Prozent Wasserflächen mit dazu, kommt die deutsche Hauptstadt auf einen erstaunlich hohen Anteil an Fläche, die nicht zubetoniert, zugebaut und „versiegelt“ ist. Das Bild, welches Berlin allerdings im Rest Deutschlands, im Rest Europas abgibt, ist ein anderes. Es ist das der „bunten“, hektischen, immer am Bauen begriffenen Metropolis, die keine Ruhe, keine Entspannung kennt. Warum eigentlich ist das so ? Versagen hier die Bemühungen der Berliner Tourismus-Manager ?

Wie dem auch sei: an einem warmen, sonnigen Sonntag machte ich mich mit Freunden auf, einen schönen Waldspaziergang zu machen. Man könnte es fast schon eine „Wanderung“ nennen. Von Alt-Tegel sollte es nach Heiligensee gehen. Durch den „Tegeler Forst“. Dessen reines Ausmaß übrigens dafür sorgt, dass der Ortsteil Tegel des Bezirks Reinickendorf der zweitgrößte Ortsteil im Berliner Stadtgebiet ist. Man würde es kaum ahnen, wenn man an den diversen Cafés und Kneipen vorbeiparadiert, die man auf dem Weg zum Tegeler See in der Straße „Alt-Tegel“ noch immer antrifft.

Bevor man jedoch die „Greenwich-Promenade“ am See erreicht, passiert man noch die Kirche Alt-Tegel, die uns daran erinnert, dass hier einst ein Dörfchen existierte, welches über Jahrhunderte hinweg nicht einmal über sich selbst entscheiden konnte, sondern anderen „Ämtern“ unterstand. Die im neo-romanischen Stile erbaute, einstige Dorfkirche wird noch immer von einer eifrigen Gemeinde als Gotteshaus genutzt und steht im Sommer am Wochenende nach den Gottesdiensten oft auch zum Besuch offen.

Von Tegel aus fahren viele Schiffe der Fahrgastschifffahrt auf die Havel und Spree hinaus. In Berlin, wie von mir schon öfter beschrieben, noch immer eine beliebte Art und Weise die Stadt und die Region zu erleben. Bei Eis, Café und/oder Kuchen nach Potsdam, Berlin-Mitte oder Oranienburg zu schippern, ist bei dementsprechendem Wetter auch etwas wert. Wir aber hatten etwas anderes vor und schlenderten in Begleitung von Sonnenhungrigen über die berühmte „Sechser Brücke“ am Tegeler See entlang in Richtung Forst. Ein frischer Wind vom See her machte dabei die aufkommende Mittagshitze erträglich.

Der von uns gewählte Weg ließ uns dann auf Höhe des Parks von Schloss Tegel die „Dicke Marie“ finden, eine uralte Eiche, die angeblich der älteste Baum Berlins ist. Der Legende nach sogar älter als die Stadt selbst. Skeptische Beobachter und Dendrologen zweifeln an dem kolportierten Pflanzjahr 1109. Vermutlich ist die nach einer Köchin der Humboldt-Brüder benannte Eiche aber immerhin ca. 500 Jahre alt, was ja auch noch respektabel ist. Ob dies aber den Status des „ältesten Baumes“ der Stadt aufrechterhält, ist fraglich.

Durch den Tegeler Forst richteten wir unsere Schritte nach Heiligensee. Einem östlich der Havel gelegenen Ortsteil Reinickendorfs, in dem sich tatsächlich ein eigener See befindet, dessen Strandbad bei sommerlichen Temperaturen noch immer gut besucht wird. Der Weg durch den Wald jedenfalls ist breit und immerhin mäßig gut ausgeschildert. Die Wandermarkierungen, auf die wir uns zur Orientierung verlassen wollten, waren jedoch oft abgerissen oder nur noch in Teilen erhalten. Es hilft also, sich auszukennen, ohne auf diese Symbole angewiesen zu sein. Unterwegs trafen wir immerhin auf einen weiteren, bemerkenswerten Baum. Der angeblich „höchste Baum Berlins“ war mit einem eigenen Schild kenntlich gemacht.

In Heiligensee selbst schlenderten wir an einer Hauptstraße entlang, bis wir einen hübschen Aussichtspunkt auf den namensgebenden See fanden. Nicht nur die schon beschriebene Badeanstalt bot sich für das Freizeitvergnügen an. Auch ein einsames Tretboot wurde gemächlich von zwei jungen Damen über den See bewegt. Wobei der Wind von der Havel her wieder für gelegentliche Erfrischung sorgte.

Der Heiligenseer „Dorfanger“ stellte sich dann als Endpunkt unserer Wanderung heraus. Hier, wo man den Dorfcharakter Heiligensees noch am ehesten erahnen kann, fahren nämlich die Nahverkehrsbusse wieder nach Tegel zurück. Wobei ich an dieser Stelle nicht vergessen will zu erwähnen, dass Heiligensee sogar älter ist als Tegel, denn die erstmaligen, urkundlichen Erwähnungen liegen 14 Jahre auseinander. Zu Gunsten Heiligensees. (1308 zu 1322).

So endete also unser längerer Spaziergang vom Tegeler See über den Forst zur Havel und dem „Heiligen See“ im gleichnamigen Ortsteil. Vielleicht hätten wir diesen Weg etwas früher am Tage machen sollen, da die aufkommende Hitze dann doch etwas drückend wurde, aber durch das Anpassen der eigenen Geh- Geschwindigkeit und das Mitführen ausreichender Mengen an Wasser kann man solchen Misslichkeiten entgegenwirken.

Schönes, grünes Berlin. Dieser Spaziergang wird von mir ausdrücklich zur Nachahmung empfohlen. 🙂

 

Spaß auf dem Fahrrad: Spandau – Staaken und zurück

Es kommt vor, dass ich einfach mal so „Lust“ darauf habe, loszuziehen. Zu Fuß oder auf dem Radl. Einfach mal wieder „raus“ ohne lange Vorbereitung. Vielleicht einen Spaziergang oder eine Radelstrecke testen, auf die ich immer schon Lust hatte, sie zu erkunden. So zog es mich letztlich mal wieder in meinem Heimatbezirk dazu,  „querdurch“ zu fahren. 

Spandau existiert in der Form, die wir heute kennen, noch nicht gar so lange. Erst 1920 wurden z. Bsp. die Dörfer Kladow, Gatow und Staaken endgültig eingemeindet. So ist es keine Überraschung, dass der „Stadtrand“-Ortsteil Staaken auch heute noch Elemente aufweist, die ihn einzigartig machen. Dies kann man ausnutzen, indem man durch die Grünzüge von „Spekte“ und „Bullengraben“ einmal dort-HIN und wieder ZURÜCK radelt.

Schon lange einmal wollte ich in Staaken mal wieder vorbeischauen und für denjenigen, der die interessanten Geschichten dieses Ortsteils kennt, lohnt es sich immer. Wer etwa die „Gartenstadt Staaken“ in die Geschichte der Stadtplanungs-Bemühungen des frühen 20. Jahrhunderts einzuordnen weiß, sieht die heute teils weniger beeindruckenden Häuser-Anordnungen mit anderen Augen. Leider gibt es dort keine Fahrradwege, so daß ein Besuch dort irgendwo zwischen lebensgefährlich und „besser zu Fuß absolvieren“ einzuordnen ist.

Fort Hahneberg befand sich im Sperrgebiet der DDR-Grenztruppen, was immerhin dazu führte, dass es jahrzehntelang einen „Dornröschenschlaf“ führte, der weite Teile des alten Gemäuers nicht nur der heimlichen Plünderung preisgab, sondern auch langfristig konservierte. Seit der unmittelbaren „Nachwendezeit“ kümmert sich ein hochengagierter Verein darum, dieses alte Gemäuer zu erhalten und seine Geschichte Besuchern zu vermitteln.

Auch die alte Dorfkirche Staaken erzählt mehr als eine Geschichte. In unmittelbarer Nähe des ehemaligen „Dorfangers“ gelegen, befand sie sich nach 1961 plötzlich in unmittelbarer Nähe der „Mauer“ auf DDR-Seite. Ein Wachturm in unmittelbarer Nähe ist heute noch auf alten Fotos zu erkennen. Ein Gebietstausch der Siegermächte Sowjetunion und Großbritannien hatte dies möglich gemacht. Die Staakener gefragt hatte dabei niemand. In Wendezeiten aber traf sich hier der sog. „Staakener Kreis“, der politisch denkende Bürger versammelte, die mit dem DDR-Regime in Dialog treten wollten. Vermutlich sind noch längst nicht alle Geschichten dazu bekannt und publiziert. 🙂

Vom ehemaligen Flugplatz Staaken ist heute praktisch nichts mehr zu sehen. Selbst, wenn man die mit dem bezeichnenden Namen ausgestattete Straße „am Zeppelinpark“ entlangfährt. Es erschließt sich heute nicht mehr, warum hier, wo im Ersten Weltkrieg tatsächlich Zeppeline starteten, einst die Lufthansa Piloten ausbilden ließ und die Wartung ihrer Maschinen durchführte. Die Deutsche Teilung und alles, was nach deren Ende geschah (wie etwa die Auflösung des Krankenhauses hier) haben uns der Orte des Andenkens der Luftfahrtgeschichte genommen. Gehen wir ruhig mal davon aus, dass es in Tempelhof ähnlich kommen wird.

Interessant ist, dass der Bezirk Spandau von Berlin sich viel darauf anrechnet, dass der schon erwähnte „Bullengraben“ und der „Spektegrünzug“ gut zu erlaufende und zu er-radelnde Ein- und Ausfall-Möglichkeiten nach Staaken sind. In jedem Falle sind beide Grünzüge auf ihre Art und Weise wichtig. Sie sind sowohl „grüne Lungen“, als auch Entwässerungsgräben anliegender Gebiete. Der Spektegrünzug ist in Teilen sogar ein Naherholungsgebiet, was mir die Begegnungen mit diversen „Walkern“ und Joggern verdeutlichte. Der „Spektesee“ (von uns Einheimischen auch gerne „Kiesteich“ genannt, das ist eine andere Geschichte) soll gar demnächst, auf hochoffizielle Anordnung aus dem Rathaus hin, eine Badestelle bekommen. Die vorbereitenden Arbeiten dafür laufen schon. Mal sehen, wie das ausgehen wird.

Wer jetzt Lust bekommen hat, mit mir mal nach und durch Staaken zu radeln, hat jede Chance, mit mir in Kontakt zu treten und einen Termin auszumachen. Gerne erzähle ich dann diverse „Mauerstories“ etc. 🙂

Ihr Clemens Kurz