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Potsdam: frischer April-Spaziergang

Die Brandenburgische Landeshauptstadt bietet ja so einiges. Museen, Parks und Festivitäten. Da kann man schon mal ein beliebtes Volksfest dazu nutzen, ein wenig in der Altstadt herumzuspazieren. Und natürlich auf „Motivjagd“ zu gehen. 

Ich muss es gleich zu Beginn anmerken: das, gelinde gesagt, „schwierige“ Wetter machte am von mir gewählten Tag weder das Volksfest noch das Fotografieren zu einem echten Vergnügen. Starker Wind, eine tiefhängende Wolkendecke und gelegentliche Regentropfen, die das Objektiv zu „verzieren“ drohten, hielten meine allgemeine Begeisterung ordentlich in Grenzen.

Aber die Potsdamer und ihre Gäste lassen sich ja bekanntlich das Feiern nicht verderben und so ging auf dem „Festgelände“ am Bassinplatz schon vormittags die Post ab. Mit Blaskapelle usw. Ich selbst mag ja die offensichtlichen Sehenswürdigkeiten im Potsdamer Stadtzentrum fast genauso, wie die einst königlichen Parks, denen ich an diesem Tag aber keine Aufmerksamkeit widmete. Die Kirche „St. Peter und Paul“ am Bassinplatz z. Bsp. ist die bedeutendste, katholische Kirche der Stadt. Was durch ihre Auszeichnung als „Propstei-Kirche“ im Jahre 1992 bestätigt wurde.

Kann man es glauben ? Noch nie zuvor hatte ich die Französische Kirche Potsdams (s. Bild) fotografiert. Dies holte ich auch gleich mal nach. Zumal dieses kleine Kirchlein einiges an Geschichten erzählen kann, oder wussten Sie, dass dies DIE EINZIGE KIRCHE PREUSSENS IST, DIE DER „ALTE FRITZ“ KOMPLETT SELBST FINANZIERT UND SIE DANN DER GEMEINDE GESCHENKT HAT ? Wir wissen es alle, Friedrich hatte es nicht so sehr mit der Religion, aber den Hugenotten der „zweiten Exilgeneration“, die noch sein Vater aus allen Winkeln Europas angeworben hatte, vermachte er doch ihr eigenes Gotteshaus an der Ecke des ehemaligen „Französischen Viertels“ Potsdams.

Das „Holländerviertel“ Potsdams ist ja mittlerweile bekannt aus „Funk und Fernsehen“. Nicht immer wird es dabei auch als Potsdamer Kiez erkennbar. So hat z. Bsp. die US-Serie „Homeland“ das Holländische Viertel als Kulisse für „Amsterdam“ genutzt, als man im Spätsommer 2015 hier für die fünfte Staffel drehte. Ansonsten zeigt sich das einzigartige Ensemble kleiner, roter Backsteinhäuschen immer wieder auch als Quell seltsamer Geschichten aus der Geschichte wieder. Wussten Sie z. Bsp. , dass der „Soldatenkönig“ hier beim Besichtigen des künftigen Baugrundes mit dem Pferd im Schlamm steckengeblieben sein soll ? Eine Anekdote, zugegeben, die nicht unbedingt wahr sein muss. Aber der schlechte Baugrund in Potsdam (ebenso wie in der Berliner Stadtmitte übrigens) ist historisch belegt und ebenso legendär. Das nahegelegene „Bassin“ übrigens, sollte einstmals der Entwässerung des Baugrundes dienen.

Im Holländerviertel wohnten aber weniger die Niederländer, denen das sumpfige, noch immer recht provinzielle Potsdam Mitte des 18. Jahrhunderts wohl nicht attraktiv genug war. Es gibt verschiedene Aufzeichnungen, die uns heute sagen, dass sich maximal 24 Familien aus Holland mit etwa 55 Angehörigen tatsächlich spontan hier ansiedelten. Nein, in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wohnten hier vielmehr die Kunsthandwerker, die in den nahegelegenen Schlössern die Verschönerungen innen und außen vornahmen! So etwa der Bildhauer Friedrich Christian Glume, wohnhaft Mittelstraße 25, von dem u. v. a. die „Rossebändiger“-Plastiken auf dem heutigen Film-Museum Potsdam (s. Bild) stammen. Auch der Architekt Gontard und der Querflötenbauer Kirst, von dem der „junge Fritz“ seine Instrumente bezog, wohnten in diesem Kiez. Und es gibt noch viel mehr Geschichten zu erzählen…

Klar, natürlich war ich auch neugierig auf das neue „Palais Barberini“. Womit ich übrigens nicht alleine war, denn tatsächlich sprachen mich Passanten an, ob ich ihnen den Weg dorthin zeigen könne. Ja, ich konnte und spazierte dann auch selbst zum Alten Markt hinüber, wo seit dem 23. Januar 2017 Kunst gezeigt wird. So z. Bsp. eine Sonderausstellung zum Impressionismus u. v. m. … Der Name stammt übrigens NICHT von der „Barberina“, der bekannten Tänzerin, die einst Friedrich den Großen bezauberte, sondern vom römischen „Palazzo Barberini“, an dessen Aussehen hier bei der Ersterrichtung im 18. Jahrhundert Anleihen genommen wurden. Das wiederhergestellte Gebäude wurde übrigens vom „Stadtbild Deutschland e. V.“ (, dem auch ich angehöre) schon 2016 zum „Gebäude des Jahres“ gekürt. ABER HALLO ! 🙂

Und auch der Innenhof des Brandenburger Landtags war für Besucher offen. Da latschte ich natürlich gleich mal rein. In das Parlament, dessen Gebäude sich albernerweise  schon an seiner Außenwand in prätentiösem Französisch selbst als „dies ist kein Schloss“ bezeichnet. Na, ja, warum aber sieht es dann dem alten Stadtschloss der Hohenzollern zum Verwechseln ähnlich ??? Na, egal, jedenfalls ist der Innenhof erstaunlich unspektakulär, nüchtern, ja fast möchte man sagen…“preußisch“, obwohl diese Wortwahl sicher eine Mehrheit der Abgeordneten im Hause „auf die Palme“ bringen würde… Das Dilemma der Stadt. Sie lebt nicht unwesentlich vom Tourismus, der auf den Hinterlassenschaften Preußens basiert (und der fast überall mit dem Konterfei des „alten Fritzen“ wirbt), dessen Geist die Politik aber nicht mal mit der Kneifzange anrühren möchte.

Soweit, so interessant, Als die „steifen“ Windböen mich dann genügend durchgepustet hatten, nutzte ich die erfreulich wohlgeführte Buslinie 638 dann wieder, um in mein „heimatliches“ Spandau zurückgegondelt zu werden. Mit ein paar interessanten, wenn auch keineswegs „perfekten“ Fotos auf der Speicherkarte und ein paar neuen Eindrücken, ganz ohne „Sanssouci“ oder „Neuen Garten“, im Gepäck.

WÄREN SIE DABEIGEWESEN, HÄTTE ICH IHNEN ALL DIE GESCHICHTEN VOM SCHUSTER VOIGT UND WO ER SEINE GEBRAUCHTE HAUPTMANNS-UNIFORM KAUFTE, VOM KURFÜRSTEN, DER SICH IN DIE HAVELLANDSCHAFT VERLIEBTE UND VOM FRANZÖSISCHEN PREDIGER, DER IM HOLLÄNDERVIERTEL WOHNTE, ERZÄHLT. In Gemeinschaft machen Stadtspaziergänge nämlich noch viel mehr Spaß ! Ich hoffe also, Sie beim nächsten Termin zu treffen ! 🙂 Bis dahin, schauen Sie doch vielleicht mal in meine Rubrik der „Rückblicke“ hinein ! 🙂

P.S.: Ich biete auch einen Stadtspaziergang an, der sich mit dem doch recht anderen Verhältnis Berlins zum „alten Fritzen“ beschäftigt. Sprechen Sie mich darauf an, dann verabreden wir einen Termin ! 🙂

Brandenburg an der Havel – „Stadt im Fluss“

Hier kann ich es Ihnen ja gestehen, liebe Leserinnen und Leser: ich mag Brandenburg an der Havel. Vielleicht, weil ich selbst ein „Havelländer“ bin, wenn auch aus Berlin: ein „Spandauer“ halt. Die „Stadt im Fluss“, Brandenburg, ist mir deshalb immer mal wieder einen Besuch wert. Und als Ausgangspunkt askanischer Eroberungen und Kolonisierung im Mittelalter verfügt die ehemalige „Chur- und Hauptstadt“ der Mark auch über ein sattes Maß an Geschichte, das mich persönlich interessiert und anspricht. Sie vielleicht auch ?

Nicht umsonst ist das heutige Bundesland Brandenburg nach der Stadt Brandenburg an der Havel benannt und nicht umgekehrt. Als der erste „Askanier“, der unter seinem „Indianernamen“ Albrecht, „der Bär“ bekannt wurde, 1157 die Brandenburg endgültig in seinen Besitz bringt, verkündigt er praktisch umgehend, er sei jetzt der „Markgraf von Brandenburg“. So erklärt sich die Reihenfolge der Namensgebung. Von hier aus machen sich seine Nachfahren dann daran, aus dieser Mark „etwas zu machen“. Was angesichts der Tatsache, dass in ganz Deutschland dieser Landstrich nur als „Streusandbüchse“ bekannt war, schon etwas aussagt. Nein, hier werde ich jetzt keinen Vortrag zur Regionalgeschichte halten. Aber immerhin sei so auf die Bedeutung dieser Stadt als „Wiege der Mark Brandenburg“ hingewiesen.

Heute gehts hier etwas weniger pompös und deutlich gemütlicher zu. Was ich sehr angenehm finde. Dennoch findet man mehr als einen Grund, sich hier umzuschauen und auch die Fotokamera fleißig arbeiten zu lassen.
Vom Hauptbahnhof fuhr ich mit der Tram erstmal ins Stadtzentrum. Früher hätte ich die Strecke wohl zu Fuß bewältigt, aber heute nicht mehr. Energiesparen für die eigentliche Stadterkundung, :-). In vergangenen Jahren hatte ich es immer versäumt, das „archäologische Landesmuseum Brandenburg“ zu besuchen, diesen Fehler wollte ich nicht noch einmal machen und steuerte schnurstracks darauf zu.

Seit 2008 werden die wichtigsten Ausgrabungsfunde aus der Region hier im historischen Kontext präsentiert. Und das kann sehr interessant sein. Man gibt sich hier im ehemaligen „Paulikloster“ in jedem Falle eine große Mühe, von der Vor- und Frühgeschichte bis zur Neuzeit alle Funde in solide Erklärungen einzubetten und mit multimedialen Elementen näher zu erläutern. Ich fand das Konzept gelungen und das historische Kloster stellt eine ganz einzigartige Kulisse für dieses Museum dar. Wenn ich jetzt noch anmerken darf, dass die Damen, die im Museum arbeiten, alle höchst freundlich, hilfsbereit und auskunftsfreudig waren… Immerhin ist das ja auch nicht mehr selbstverständlich heutzutage, weshalb es mir positiv auffiel. Wer sich an solchen Themen „ergötzen“ kann wie ich, der sollte also unbedingt einmal hiergewesen sein!

Was kann man sonst noch sehen ? Na, z. Bsp. die „Wuchtbrumme“ unter den alten Kirchen Brandenburgs: St. Katharinen in der Neustadt. Ihr 72,5 m hoher Turm dominiert noch heute die Silhouette Brandenburgs. Was für eine spätgotische „Trutzburg des Glaubens“! Aus dem regionalüblichen Backstein erbaut und noch heute erdrückt sie alle umliegenden Gebäude optisch. Derzeit wird gerade der zu DDR-Zeiten mit giftigen Chemikalien für den Holzschutz „verseuchte“ Turm „entgiftet“. Zumindest werden dafür Spenden eingesammelt, denn immerhin ist der Turm wegen giftigem Staubes schon seit 2005 gesperrt. Was aber dem Besuch im Kirchenschiff keinen Abbruch tut, seien Sie dessen versichert.

Da aber Brandenburg tatsächlich lange aus zwei unterschiedlichen Stadtkernen bestand, mussten auch Brücken über die Havel her. So nimmt es nicht Wunder, dass die „Jahrtausendbrücke“ zwischen der historischen Alt- und Neustadt noch heute eine der wichtigsten Verkehrsverbindungen Brandenburgs darstellt. Erstmalig eröffnet wurde sie 1929 zum tausendjährigen Jubiläum der Stadt. Ganz in der Nähe finden sich auch Anlegestellen der Havelschifffahrt und die ehemalige Franziskaner-Klosterkirche St. Johannis.

2015, pünktlich zur Bundesgartenschau im Havelland, hatte man diese eigentlich im Zweiten Weltkrieg beschädigte Kirche soweit wiederhergestellt, dass sie als Veranstaltungsort dienen konnte. Ihr Westabschluss ist heute in moderner Glasoptik gestaltet. Einst war hier der preußische General Heinrich-August de la Motte-Fouqué beigesetzt. Von dessen Grab ist aber heute nichts mehr zu finden.

Da das beschädigte Rathaus der „Neustadt“, welches nach der Zusammenlegung von Alt- und Neustadt 1715 als gemeinsamer Verwaltungsmittelpunkt diente, in der Nachkriegszeit abgerissen wurde, finden stattdessen auf dem „Neustädtischen Markt“ einen Flanierbereich und einen Parkplatz wieder. Das „Altstädtische Rathaus“ hingegen ist jetzt der Amtssitz des Oberbürgermeisters. Oder vielmehr der Oberbürgermeisterin, denn Frau Dietlind Tiemann amtiert bereits seit 2003. Der ehemals „neustädtische“ Roland bewacht sie dabei, denn er ist unübersehbar vor dem Rathaus aufgestellt. Dieses Zeichen städtischer Privilegien wie Marktrecht und eigener Gerichtsbarkeit kam mir auffällig bekannt vor: richtig, eine Kopie davon steht vor dem „Märkischen Museum“ in Berlin.

Und auch die Taufkirche des 2011 verstorbenen und auf dem Berliner Friedhof Heerstraße beigesetzten Humoristen „Loriot“ findet sich in der Altstadt. St. Gotthardt ist die älteste Kirche der Stadt. Die historische Domkirche liegt etwas weiter auf der sog. „Dominsel“, die übrigens erst 1929 verwaltungstechnisch mit der Stadt Brandenburg vereinigt wurde ! Die Domkirche St. Peter und Paul feierte 2015 das 850-jährige Jubiläum der Grundsteinlegung. Im dazugehörigen Dom-Archiv, dem ältesten Archiv der Mark Brandenburg, finden sich heute noch unschätzbar wertvolle Dokumente wie die Ersterwähnung Berlins.

Ich selbst gönnte mir nach dem Museumsbesuch ein picknick auf dem Neustädtischen Markt, klapperte ein paar Kirchen ab und fotografierte alles, was sich dafür anbot, abgelichtet zu werden. Und das in aller Ruhe, ohne Eile. So gefällt mir das am Besten. Leider war der „Fritze Bollmann Brunnen“ noch nicht in Betrieb und noch mit einer Schutzabdeckung versehen. So kann ich Ihnen diesen hier also…äh…nur von einem alten Foto her zeigen. Aber ich vermute, sobald hier das Wasser wieder plätschert, wird der „Barbier von Brandenburg“ ungefähr noch so aussehen wie auf dem Bild.

Was mir noch auffiel ist, wie gut sich das Einkaufszentrum „St. Annen-Galerie“ ins Stadtbild einfügt. Hier hat mal jemand „mit Fingerspitzengefühl“ gebaut. Auch das ist in Berlin-Brandenburg nicht mehr die Regel, weshalb ich innerlich applaudierte. Auch die lustigen „Waldmöpse“, kleine, bronzene Fabeltiere aus dem Atelier des schon erwähnten Brandenburgers „Loriot“ (eigentlich: Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow, aber seis drum) amüsierten mich immer wieder, wo ich auf sie traf. Auf der diesjährigen Tourismus-Börse sagten mir Vertreter Brandenburgs, dass es mittlerweile 24 von ihnen im ganzen Stadtgebiet gäbe. Offensichtlich vermehren sie sich prächtig. Ich selbst traf zwar nur vier von ihnen, aber jedes Mal musste ich wieder lächeln.

Wer jetzt neugierig darauf geworden ist, selbst einmal Brandenburg an der Havel zu besuchen, der sei auf die örtliche Touristeninformation hingewiesen:

Neustädtischer Markt 3
14776  Brandenburg an der Havel
Tel. 03381/796360
Fax. 03381/7963629
touristinfo@stg-brandenburg.de
http://www.stg-brandenburg.de

Öffnungszeiten:
GANZJÄHRIG
Mo – Sa 9.00 – 20.00 Uhr
MAI bis SEPTEMBER zusätzlich
So & Feiertag 10.00 – 15.00 Uhr
Außerdem stehe ich selbst als ortskundiger Begleiter für einen Stadtspaziergang in Brandenburg an der Havel zur Verfügung. Muss ich das eigentlich noch anmerken ? 🙂
In diesem Sinne
Ihr Clemens Kurz

Rathenower Rundgang – ein Tag in der Havelstadt

Die „Optikstadt“ Rathenow an der Havel bietet sich für einen Tagesausflug von Berlin aus geradezu an. Mit dem Zug fix erreichbar, wartet hier einiges an interessanter Stadtgeschichte auf den Besucher. Ich hab mir mal den Spaß gegönnt. Hier mein ganz persönlicher Eindruck:

Mehrere Städte in Brandenburg feierten im Jahre 2016 ihre 800-jährigen Stadtgeburtstage. Eine Urkunde aus dem Dezember 1216, in welcher der Bischof von Brandenburg seine Besitztümer im Bereich von Ober- und Unterhavel auflistet, macht dies möglich. Oranienburg gehört ebenso zu dieser Liste, wie das westhavelländische Rathenow. Beide Städte habe ich nun besucht.

Havelblick über Rathenows Altstadt
Havelblick über Rathenows Altstadt

Rathenow im West-Havelland liegt an der Havel. Wer etwas Glück hat, bekommt dies unmittelbar nach dem Verlassen der Bahn bereits zu spüren. In Form eines böigen, im Sommer aber doch z. T. erfrischenden Windes, der vom Wasser her über die Stadt weht. Ab der Mittagsstunde mag es zwar nur noch bewegte, warme Luft sein, aber besser als stehende Hitze ist es allemal.

A propos „Bahnhof“. Dass sich Rathenow als „Stadt der Optik“ versteht und diesen Ruf Johann Heinrich August Duncker verdankt, wird bereits deutlich, wenn man den Bahnhof verlässt. Auf dem Platz vor dem Bahnhofsgebäude steht eine Büste des „Begründers der optischen Industrie“ in Preußen. Durch die Erfindung einer besonderen Schleifmaschine hatte er zu Beginn des 19. Jahrhunderts das Fertigen von Linsen für diverse optische Nutzungen vereinfacht.

Jetzt steht ein kleiner Stadtspaziergang an, wenn man den historischen Stadtkern Rathenows erreichen will. Dabei passiert man u. a. das malerische Landratsamt am „Platz der Freiheit“ und das Rathenower Rathaus. Schon bald danach ist man im historischen Zentrum der Stadt angelangt, wo den Besucher die schmale Stadtschleuse, ein wuchtiges Denkmal für den „Großen Kurfürsten“ Friedrich-Wilhelm, die alte „Hafenpromenade“, die Kirche St. Marien-Andreas und das Geburtshaus des schon erwähnten Johann Heinrich Duncker erwarten. Wie ich finde, lohnenswert. Und vergessen Sie um Himmels willen ihre Kamera (notfalls im smartphone) nicht !

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Seerose im Optikpark

Vielleicht größtes Plus der Stadt ist aber der „Optikpark“ Rathenow. Hier finden Veranstaltungen statt, hier kann man bei schönem Wetter flanieren, auf einer Bank sitzend sinnieren oder eine Sonnenliege benutzend etwas für die „gesunde Bräune“ tun. Ein nettes, kleines Café lädt auf ein Bierchen ein und wer gerne auf einem Karpfenteich spazierengeht, kann dies hier tun, während er die verschiedenen, extra hier gepflanzten Seerosen betrachtet.

Ich gestehe es: ich habe den Optikpark hauptsächlich dafür genutzt, um den bisherigen Spaziergang ein wenig abzuschütteln, um hier, wo an diesem Tag glücklicherweise nur wenige Leute unterwegs waren, ein gehöriges Stück zu entspannen. Hab ein „Picknick“ mit Brötchen, Limonade und Keksen eingelegt und das schöne Nichtstun genossen. Ein kleiner Kritikpunkt: der Eintritt im Optikpark erscheint mir im Verhältnis zu dem, was man als Gegenwert bekommt, ein wenig zu hoch zu sein, sorry, liebe Rathenower.

Davon abgesehen aber, kann man aus dem Park noch einen flotten Spaziergang auf den „Weinberg“ hinauf machen. Über die Weinbergbrücke, eine insgesamt 348 m lange Stahlkonstruktion, die zur Bundesgartenschau 2015 errichtet worden war, gelangt man dann auf die ehemaligen Friedhofsauen, die heute einen etwas gruselig wirkenden Park ergeben, weil hier noch immer einzelne Grabsteine zu finden sind.

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Bismarckturm

Den Stadtspaziergänger erwartet dann aber der „Bismarckturm“ auf dem Weinberg. Das Gebäude, welches seinen Namen aber ein wenig irritierenderweise noch immer trägt, obwohl die Bismarck-Statue, die hier einstmals überdacht wurde, schon seit 1942 nicht mehr existiert. Also ein Bismarckturm ohne Bismarck, was die Damen, die hier das Eintrittsgeld kassieren, jedoch leider humorlos zur Kenntnis nahmen. Mein Humor ist offensichtlich nicht ansteckend. 🙂 Der Blick von hier oben nach Süden und Westen über die Stadt hinaus ist aber beeindruckend. Insofern absolut zu empfehlen!

Jetzt tippelte ich wieder den Berg hinab zum „alten Hafen“ und der „Kirchberg-Brücke“, welche mich sicher zum alten Stadtkern brachte. Hier findet sich u. a. das örtliche Büro des westhavelländischen Tourismus-Vereins. Großzügige Öffnungszeiten ermöglichen es dem Rathenow-Besucher, sich hier Informationen vielseitiger Art zu erfragen oder zuallermindest einen hübschen, kostenfreien Stadtplan zu erhalten. Damit man sich nicht verläuft.

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Kirchbergbrücke, Wasservorhang und Stadtkanal

Hier am alten Hafen und der Stadtschleuse konnte man auch den Bootskorso, der anlässlich der 800-Jahrfeier ausgerichtet wurde und an dem 70 Boote teilnahmen, verfolgen. Ein echtes Fest mit „Musike“ einem Feuerwehr-Löschfahrzeug, das einen Wasservorhang über den „Stadtkanal“ legte und…jeder Menge Leute fand hier statt. Ich blieb noch bis die ersten Schiffe durch die Stadtschleuse gefahren kamen und machte mich dann wieder auf den Weg heim.

Einziges, aber leider markantes Manko von Rathenow ist leider die Tatsache, dass dort niemand zu „müssen“ scheint. Öffentliche Toiletten sind leider nicht existent und ich meine das wörtlich so. Die klassische oder neumodische „Bedürfnisanstalt“ fehlt komplett im Stadtbild und ich begann mich bereits zu fragen, ob die Rathenower vielleicht allesamt biologische Phänomene seien, die ihre Nahrung in Form von Kohlendioxid oder Sonnenlicht ausscheiden. Einzig im kostenpflichtigen Optikpark gab es Toiletten und ich bin mir nicht sicher ob der Gang zur Porzellanschüssel tatsächlich mehrere Euro wert sei, sollte man sonst nichts im Park zu tun haben. In meiner Stadt ist diese Freude irgendwo zwischen 20 und 50 Cent zu haben.

Ansonsten aber ist Rathenow einen Ausflug wert. Wer Zeit und Ruhe mitbringt und bereit ist, sich auf Lokalgeschichte einzulassen, der kann hier was erleben ! 🙂

Adresse der Touristinformation Rathenow:

 

Rückblick: Neuruppin – quer durch die Fontanestadt

Sommer, Sonne, Neuruppin. Keine ganz schlechte Mischung, die Fontanestadt präsentierte sich bunt und strahlend, mein Fotoapparat hatte ordentlich was zu tun. Ein Traum für Stadtspaziergänger wie mich. Und vielleicht auch für Sie ? 🙂

DSCI2290_compressedLiebe Freunde der Stadtspaziergänge, hier kann ich es Ihnen ja ganz im Vertrauen gestehen: Ich mag Neuruppin. Schon die Anreise mit der Bahn ist ein Vergnügen für einen typischen Städter wie mich. Der weite Horizont, die Felder und kleinen Siedlungen. Nein, keine primitive Idylle, aber eine willkommene Abwechslung für die Augen. Das hat etwas. Selbst wenn der Regionalzug nur in der ersten Klasse air-condition hatte. Natürlich hatte ich ein Ticket für die zweite Klasse. 😦

Also, die Außentemperaturen gingen in Richtung 32 Grad, die Sonne verwöhnte uns reichlich und ein angenehmer Wind wehte vom Ruppiner See her über die Altstadt, als ich in Neuruppin eintraf. Man hat ja zwei Bahnhöfe zur Auswahl und ich verlasse den „Prignitz-Express“ am liebsten in „West“. Ein kleiner Spaziergang steht dem Besucher dann in Richtung der eigentlichen Altstadt bevor, aber man hat den Vorteil, noch schnell in einem Supermarkt direkt am Bahnhof etwas Verpflegung besorgen zu können, falls man in dieser Hinsicht etwas vergessen hat.

DSCI2265_compressedDer „Tempelgarten“, welcher auf den „alten Fritz“ zurückgeht (allerdings zu Zeiten, als er noch ein „junger Fritz“ war) ist die erste Sehenswürdigkeit, der man sich widmen sollte. Leider habe ich damit immer Pech, denn vor ein paar Jahren, als ich in Neuruppin war, war der namensgebende „Tempel“ gerade eingerüstet und nicht fotogen. Jetzt kam es noch besser: das gesamte Areal war eingezäunt wegen Bauarbeiten. Welcher Art, darüber gab es keine Auskunft. So fing das ja schon mal richtig blöd an, hier in Neuruppin.

Na, dann jetzt mal fix zum „Wanderer durch die Mark Brandenburg“, zum Fontanedenkmal. Dieses ist gerade im Sommer ein sehr beliebtes Foto- und Videomotiv wie ich vor Ort bemerkte. Radfahrer auf Ausflügen durch die Prignitz, Spaziergänger wie ich und sonstige Passanten halten einfach gerne auf dieses Denkmal drauf. Immerhin sitzt der Wanderer hier, mit Stock und Hut, gelassen in seiner Heimatstadt herum. Das Gerücht will es, dass Fontanes Sohn Friedrich dem Bildhauer Wiese dafür Modell gestanden haben soll, da ja der Vater bereits verstorben war.

DSCI2282_compressedFontane selbst war übrigens kein wirklicher Lokalpatriot, in seinen „Wanderungen“ schreibt er recht herablassend und despektierlich über seinen Geburtsort, aber das weiter auszuführen ist hier nicht der richtige Ort. In jedem Falle war diese Antipathie nur einseitig, denn Neuruppin nennt sich nicht umsonst seit 1998 stolz selbst „Fontanestadt“. Wie man an meinem Beispiel sieht, hilft es auch dem Fremdenverkehr.

Jetzt schlendert man am Besten in Richtung Schulplatz. Dort befindet sich im wahrsten Sinne des Wortes der „Mittelpunkt Neuruppins“. Eine kleine Bodenmarkierung direkt vor dem Denkmal für König Friedrich-Wilhelm II. Die namensgebende Schule, das ehemalige „Friedrich-Wilhelms-Gymnasium“ befindet sich markant am Orte, hinter lustigen, kleinen Wasserspielen, die Kindern beim „Durchlatschen“ gerade im Sommer viel Freude machen. Die Schule ist aber seit 1970 keine Schule mehr sondern beherbergt Kultureinrichtungen.

DSCI2318_compressedJetzt kann man sich zum Ruppiner See herabbegeben, wo man gerade an einem heißen Sommertag auf eine abkühlende Brise hoffen kann. Leider hatte der Wind inzwischen stark nachgelassen und die Hitze stand auch an der Seepromenade. Aber zum Picknicken ist hier genau der richtige Ort. Ein bischen Rehydrieren tut wohl und ein paar leckere Brötchen geben die Energie, um sich zur „Siechenstraße“ zu begeben. Sobald ich diese hinter mich gebracht hatte, war ich in der Fischbänkenstraße, wo die „Karl-Friedrich-Schinkel-Gesellschaft“ nicht grundlos ihren Sitz hat.

Am Kirchplatz schließlich begegnen wir dem Architekten selbst. Sein schön eingefasstes Denkmal betont ein Standbild, in welchem ein selbstbewusster Schinkel über Neuruppin hinausschaut. Hier traf ich übrigens einen anderen Besucher Neuruppins, der mich nach Schinkel fragte und mir so die Gelegenheit gab, ein wenig von Preußens Baumeister zu erzählen.

DSCI2380_compressedAber die Hitze hatte doch etwas an meiner Substanz gezehrt, so dass ich mich jetzt auf den Weg zum zweiten Neuruppiner Bahnhof machte, dem „Rheinsberger Tor“, wo man auch die Touristeninformation der Stadt finden kann. Ein schöner Stadtspaziergang in der klassizistischen Stadtkulisse Neuruppins fand so sein Ende. Ich empfehle dies weiter.

In diesem Sinne vielleicht bis bald !

Ihr

Clemens Kurz

P.S.: Natürlich gab es unterwegs noch viel mehr zu sehen. Aber da dieser Beitrag ein persönlicher Rückblick und keine „Highlights of Neuruppin“-Kolumne ist (schreibe ich vielleicht auch bald mal), habe ich so manches weggelassen. Fahren Sie einfach mit mir wieder hin und dann zeige ich Ihnen auch die Dinge, die hier nicht zum Tragen kamen.

Rückblick: Oranienburg by bike

Die Strecke kenne ich. Alle paar Jahre versuche ich, sie wieder mal abzufahren. Solange meine Beine und mein Bike das noch mitmachen. Diesmal war das Wetter auf meiner Seite, es blieb windig und überraschend kühl im Juli. Ein paar Eindrücke von meinem Radelausflug nach Oranienburg, das in diesem Jahre (2016) sein 800-jähriges Stadtjubiläum feiert. 

Impression von der Oberhavel.
Impression von der Oberhavel.

Ich kann es ja jetzt eingestehen: ich hatte bis gestern meine Zweifel daran, ob ich die eigentlich überschaubare Strecke von meiner Wohnung nach Oranienburg durchradeln würde. Allzusehr war mir bewusst, dass weder mein altersschwaches Fahrrad, noch meine relativ untrainierten Beine eigentlich dafür geeignet waren, tatsächlich am Schlossplatz Oranienburg anzukommen.

Und so machte ich mich nach dem Motto auf den Weg: „Fahr, so weit du kommst !“ Nachdem die Packtaschen ordentlich mit Werkzeug, Getränken und einem zweiten Hemd (falls ich das erste zu schnell durchschwitze) gepackt waren, trollte ich mich also von zu Hause fort. Immerhin kannte ich die Strecke ja, war sie in den vergangenen Jahren öfter gefahren, als ich noch meine „guten Fahrräder“ besaß.

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Wachturm in Niederneuendorf.

Schön ist es immer wieder, morgens in Havelnähe unterwegs zu sein. Der Fluss fließt ruhig. Kein Wunder, muss er doch auf seinem Weg zur Elbe auch keine besonderen Höhenunterschiede überwinden. In Niederneuendorf steht sogar noch ein alter Grenzwachturm aus DDR-Zeit. Den kann man besuchen, weil dort eine Ausstellung drin ist, die aber so früh noch nicht geöffnet war. So machte ich die üblichen Fotos und trudelte dann weiter.

In Hennigsdorf schließlich muss man aufpassen, nicht den Weg zu verpassen. Wer hier nicht rechtzeitig abbiegt, gelangt zwar ins Stadtzentrum, aber nicht auf den richtigen Weg. Am „Bombardier“ – Gelände vorbei mogelt man sich hier in Richtung „Stolpe“, vielen Autofahrern vielleicht namentlich bekannt, wenn sie von Berlin nach Hamburg über die Autobahn fahren. Am Wasserwerk Stolpe vorbei, das sowohl Berlin als auch Teile des Landkreises Oberhavel mit Trink- und Brauchwasser versorgt, radelt man auf unterschiedlich gut gepflegten Radwegen nach Hohen-Neuendorf.

DSCI2117_compressedDort machte ich erstmal eine längere Trinkpause an einer Bushaltestelle, die angenehmerweise am Wege lang. Von hier aus gings durch einen angenehm duftenden Waldabschnitt. Am Vorabend hatte es noch geregnet und so roch es fast, als ob es schon „Pilzezeit“ wäre, wie es mein Vater selig wohl genannt hätte. Hier traf ich auch auf zwei Überraschungsbekanntschaften, die im Foto dokumentiert sind, sich aber zu keinem Interview bereitfanden.

In Birkenwerder nun beginnt ein problematischer Streckenabschnitt. Es wird nicht grundlos empfohlen, hier eine Seitenstraße zu benutzen, die zwar über eine solide Oberfläche, aber auch eine unangenehm langsame Steigung verfügt. Puh. Immerhin kommt man dann letztlich zur neo-romanischen Ortskirche Birkenwerder, die auch als Fotomotiv durchaus etwas hergibt.

Kirche in Birkenwerder
Kirche in Birkenwerder

Hier nun weiche ich selbst vom ausgeschilderten und empfohlenen Radweg ab. Eine unangenehme „Odysee“ durch Baustellen, Umleitungen etc. , die mich vor ein paar Jahren ins „Nichts“ führte, hat mich eindrücklich dazu bewogen, jetzt dauerhaft einen anderen, wenn auch vielleicht weniger „idyllischen“ Weg zu fahren. Viel Parallel-Strecke zu Hauptverkehrsstraßen ist vielleicht nicht jedermanns Sache, aber, um nach Oranienburg zu gelangen, schadet es nicht.

Sogar über den „Berliner Ring“ der Autobahn radelt man hier, an Borgsdorf vorbei, immer in Richtung Oranienburg. Wers dann etwas gemütlicher haben will, der biegt schließlich nach „Lehnitz“ ab, dem südlichen Stadtteil Oranienburgs am gleichnamigen „Lehnitzsee“. Bis zum Bahnhof Lehnitz radelt man auf teils abenteuerlich engen Radwegen, bei denen man keinen „Gegenverkehr“ haben möchte (und dennoch bekommt, aber die Oranienburger kennen die Strecke und fahren extrem „gastfreundlich“ !). Hier legte ich meine letzte Pause ein, nahm noch mal einen ordentlichen Schluck aus der Wasserflasche, um keine Krämpfe zu kriegen und machte mich auf den Weg in die „City“.

DSCI2136_compressedDieser Weg wurde natürlich, wie konnte es anders sein, von einer komplett gesperrten Einfallstraße erschwert. So musste ich einen Umweg über eine andere, mir aber ebenfalls nicht unbekannte Straße nehmen, der am Ende den Weg vom Bahnhof zur Gedenkstätte Sachsenhausen schnitt. So konnte ich mehrere Gruppen von Fußgängern passieren, die dorthin auf dem Wege waren. Mich zog es aber mehr zum Schlossplatz hin, den ich dann, schon etwas müde in den Beinen, auch erreichte.

DSCI2168_compressedEndlich Pause. Endlich ein Blick in die offizielle Touristen-information Oranienburgs, die praktischerweise gleich gegenüber des Schlosses liegt. Endlich ein bischen Picknick. Und ein paar hübsche Fotomotive auch noch. Mitsamt Statue der Kurfürstin Luise-Henriette von Nassau Oranien, die dankenswerterweise und posthum der Stadt ihren Namen gab.

Von hier ab beschloss ich, meinen Heimweg per Bahn anzutreten und machte mich auf zum Bahnhof. Ich muss es gestehen: die Hinfahrt war angenehmer und lustiger, als das Zuckeln mit der S-Bahn nach Hause. Mit einem Radel an der Hand noch dazu. Gnadenlos brüllende Babies waren der „Renner“ an diesem Tag (vermutlich steht in irgendeinem modernen Erziehungsratgeber, dass man Kinder nicht mehr trösten und beruhigen soll). Aber auch die Dame, die es schaffte, in Höllenlautstärke fast 45 Minuten am Stück auf ihre Begleiterin einzuquatschen, scheinbar ohne Luft holen zu müssen und der Typ, der so wichtig war, dass er dringend seinem Vater am smartphone von seinem Leben in Berlin erzählen musste, ebenfalls in einem Tone, der den Mitfahrenden keinerlei Chance ließ, ihn zu überhören, vermiesten mir die Fahrt gründlich. Wenn selbst der Kopfhörer kaum Abhilfe schafft…

DSCI2177_compressedAber ich hatte es ja nicht anders gewollt, so war ich dennoch froh, am Rathaus Spandau wieder auf den Drahtesel steigen zu können und ganz langsam und gemütlich die paar Kilometerchen nach Hause zu trudeln. Ob das Rad allerdings noch einen weiteren dieser Ausflüge schafft, wage ich angesichts der Geräusche, die es von sich gab, zu bezweifeln. Die Geräusche, die meinen Gelenken entsprangen, passten dazu aber auch ganz gut.

Vielleicht machen wir ja mal einen Ausflug gemeinsam. Bevorzugt erstmal ohne Fahrrad, :-). Ich würde mich freuen.

In diesem Sinne verbleibe ich ihr

Clemens Kurz

P.S.: Diejenigen von Ihnen, liebe Leser, die mich persönlich und schon länger kennen, wissen natürlich, dass ich an einem 09. Juli nicht ganz zufällig nach Oranienburg gefahren bin. 2016 jährt sich eine für mich persönlich wichtige Sache zum zehnten Male, die in dieser Stadt abgehalten wurde. Also, liebe Freunde aus meiner „Oranienburger Zeit“, ich habs bewusst so gehalten und finds nur schade, dass wir uns nicht getroffen haben. 🙂

Zur Schönwalder Schleuse

Liebe Leserinnen und Leser, ich gestehe es Ihnen gerne: früher bin ich gerne mit dem Fahrrad durch die Landschaft geradelt. Die frische Luft, das mäßige Tempo und die Tatsache, dass man vom „Drahtesel“ aus manche Dinge sieht, die einem vielleicht beim Nutzen von anderen Verkehrsmitteln verborgen bleiben, haben mich immer am Radeln festhalten lassen. Seitdem ich dann etwas älter wurde und meine „guten“ Fahrräder verkauft oder sonstwie weggegeben hatte, war mein Bedürfnis an Radausflügen eigentlich gestillt. Manchmal aber…

Wetter wie nicht bestellt: Schwül, heiß, Unwetter für den Nachmittag vorhergesagt. Oh, Mann. Da hatte ich mir ja einen „schönen“ Samstag ausgesucht für die Fahrt zur Schönwalder Schleuse. Also flugs noch einmal die Startzeit um eine Stunde vorverlegt, um den Gewittern auch sicher zu entgehen, und dann aber doch raus aufs alte, quietschende Rost-Radel. Passt gut zu meinen Beinen, die haben mit den Jahren auch Rost angesetzt. 🙂

Eine Fahrt entlang des Spandauer Stadtforstes ist eigentlich eine ganz nette Angelegenheit. Wenn man von der Tatsache absieht, dass der Fahrradweg hier zu den ungepflegtesten Wegen Berlins gehört. Wo man Gelder für so viele Dinge hat, bleibt dennoch das Pflegen vielbefahrener Radwege im Norden Spandaus ein Trauerspiel. Auch der hier verlaufende Abschnitt des bekannten „Mauer-Radweges“ ist streckenweise kaum noch befahrbar. Und das schon seit Jahren, „könnense glauben“. Kurzum: eigentlich schön, ein wenig schattig und die frische Luft weht einem auch um die Nase. Der permanente Blick auf die Schlaglöcher und „Flicken“ im Radweg zur „Steinernen Brücke“ mindert das Vergnügen jedoch spürbar.

Rathaus Schönwalde
Rathaus Schönwalde

Vergnügen aber dennoch. Und irgendwann ist man dann an der ehemaligen „Mauer“. Die „Steinerne Brücke“ auch heute noch irgendwie ein Nadelöhr auf dem Weg ins Berliner Umland, wurde erst am 07. Mai 1994 wieder für den Straßenverkehr freigegeben. Seitdem ist der Ort Schönwalde wieder mit Berlin verbunden. Schönwalde hat übrigens sieben Ortsteile. Eingemeindungen seit 2003 haben das möglich gemacht. Wir fahren jedoch ausschließlich durch den Ortsteil „Schönwalde Siedlung“. Wo immerhin auch das Rathaus gelegen ist.

Schwanenkrug
Schwanenkrug

Und auch das historische Gasthaus „Schwanenkrug“, auf dem wie Historiker wissen wollen, schon Postkutscher ab 1786 ihren Durst und den ihrer Zugpferde gestillt haben. Das Etablissement verdanken wir also der Tatsache, dass die alte Poststraße nach Hamburg hier einst vorüberführt. Heute bekommen Vierbeiner hier zwar von Hause aus keine Erfrischungen mehr, aber für uns Zweibeiner sollte es doch ausreichend kühle Getränke geben, um mal eine Pause einzulegen.

Ab hier fahren wir ganz einfach mal ein bischen geradeaus, lassen u. a. die Aufforderung „Strandbad“ hinter uns, so verlockend sie an einem solchen Tag auch sein mag, und halten auf der „Straße der Jugend“ drauflos, bis wir, schon mit gewaltig Dampf in der Lunge, die Falkenseer Straße erreichen. Hier wirds dann etwas „tricky“. Denn zunächst mal drehen wir ein bischen nach rechts, bekommen dann die Gelegenheit, an einem Supermarkt noch einmal kurz einen Stop einzulegen und Flüssigkeit nachzukaufen. Dann aber folgen wir dem unauffälligen Schildchen „zur Schleuse“ und umrunden Supermarkt und Parkplatz, um dann auf einer gut ausgebauten Straße (Für den Postboten, der dem Schleusenwärter die Briefe zustellt ?) der Schleuse zuzustreben.

IMG_4029_compressedDie Schleuse überwindet etwa zwei Meter Höhenunterschied im sog. „Havelkanal“. Ja, genau der Kanal, den die DDR einst um das „feindliche, kapitalistische Westberlin“ herum bauen ließ, damit seine Lastkähne nicht in Gefahr gerieten, am „falschen“ Hafen anzulegen. Der Kanal zweigt bei Hennigsdorf von der Havel ab und trifft bei Ketzin wieder auf den Fluss. Ein Großprojekt der Ulbricht-Ära, das aber tatsächlich innerhalb von 13 Monaten beendet wurde. Der Kanal ist etwas über 34 km lang.

Hier kann man auch endgültig Pause einlegen. Ein wenig Spazierengehen oder Picknicken. Denn nun beginnt der Rückweg, den wir der Einfachheit halber, mal genauso bestreiten, wie wir hergekommen sind. Es gäbe aber ein paar kleinere Varianten für Tage mit radelfreundlicherem Wetter.

In diesem Sinne, bin ich weiter für Sie in Berlin und Brandenburg unterwegs.

Ihr

Clemens Kurz

 

Brandenburg: Strausberg, die „grüne Stadt am See“

Strausberg, die selbsternannte „grüne Stadt am See“, ist ja so eigentlich nur für zwei Dinge bekannt: die malerische Lage am Straussee und ihre Militärgeschichte. Wie immer man letzteres bewerten mag, ein kleiner Streifzug durch die historische Altstadt ist m. E. nach durchaus empfehlenswert und kann jederzeit mit einer Wanderung um den See verbunden werden.

Nun, ja, Sonntag ist vielleicht nicht unbedingt der richtige Tag dafür. Aber, im europäischen Herbst muss man ja auch aufs Wetter achten, wenn man überhaupt noch brauchbare Fotos machen will, und genau deshalb war ich ja hauptsächlich hier.

StadtwappenWie „Struceberch“ zu seinem Namen kam, ist umstritten. Vermutlich spielt das Wort „Struce“ auf die Form des Straussees an, der an eine Erbsenschote (altslawisch: „Struce“) erinnern soll. Später kam dann mit den deutschen Siedlern die Lautmalerei mit dem Vogel Strauß dazu.  Ein Vogel Strauß ziert immerhin auch noch heute das Stadtwappen.  Dieser Laufvogel guckt etwas überrascht hinter sich und findet dort das Wappen des Landes Brandenburg. Ich dachte immer, dieses Stadtwappen wäre eine witzige Karikatur, die irgendeine lustige Begebenheit aus der Stadtgeschichte symbolisiert, aber da lag ich wohl falsch. Niemand konnte mir zumindest bislang eine lustige „Straußen“-Geschichte erzählen.

Strausberg selbst ist wohl in der Folge einer mittelalterlichen Burggründung entstanden. Zu der Burg kamen dann Bedienstetenhäuser, ein Kloster und eine Kirche dazu und schon hatten wir die Basis der heutigen Stadt. So etwa vom 13. bis 14. Jahrhundert hat das gedauert. Und weil damals gerade so schön „Wild-Ost“ in Brandenburg war, brauchte die neue Stadt auch eine ordentliche Mauer. Von der wir dankenswerterweise heute noch etwas sehen können. Anders als die später in Berlin gebaute Betonmauer sollte dieses Bauwerk hier aber nicht die Bürger drinnen, sondern die plündernden Pommern, Polen, Schweden oder Hussiten draußen halten. Ich denke, das sollte man betonen.

Ich könnte jetzt noch ein paar Absätze über die weitere Stadtgeschichte hier abladen, aber stattdessen erzähle ich Ihnen lieber von meiner nicht geringen Enttäuschung darüber, dass die einst so lustige, kleine Straßenbahn, die den Bahnhof Strausberg mit dem Stadtinneren verbindet, mittlerweile nicht mehr mit den antiquierten, rot-blau lackierten Wagen daherkommt, sondern vor ein paar Jahren durch die aus Berlin bekannten, gelben Niederflurbahnen ersetzt wurde. Schade, auch. Auch das Faktum, dass von Oktober – April das Tourismusbüro Sonntags dicht macht (im Sommer öffnet es immerhin vo 10.00 – 16.00 Uhr) fand ich nicht so prickelnd. Vor allem aber das weitgehende Fehlen von öffentlichen Toiletten im Altstadtgebiet macht einen Besuch Strausbergs u. U. „hochnotpeinlich“, wenn man eine längere Anreise hinter sich hat. Anders gesagt: „Vor jedem Strausberg-Besuch ist eine längere Sitzung auf dem Porzellanthron angebracht!“  Von dem praktisch dauerhaft außer Betrieb befindlichen WC auf dem Bahnhofsvorplatz sollte man ohnehin lieber schweigen. Hat die Fa. „Wall“, die so erfolgreich ihre „pecunia non olet“-Tempel im Berliner Stadtgebiet und in ausgesuchten Städten im Speckgürtel untergebracht hat, keinen Deal mit den Strausbergern ? Es würde endlich mal Zeit dafür.

Straussee - Fähre
Straussee – Fähre

Wie auch immer, der stramme Westwind war noch nicht wirklich kalt, die Sonne ließ sich ab und an blicken und so konnte man z. Bsp. die Ankunft der berühmten „Straussee-Fähre“ in aller Ruhe beobachten. An seiner schmalsten Stelle quert diese nämlich den Straussee und bringt z. Bsp. Wanderer auf die „Waldseite“ hinüber.

Jetzt ein paar „Wussten-Sies“ zu Strausberg:

  • Wussten Sie, dass man auf der Straussee-Fähre heiraten kann ? Sie ist tatsächlich eine Außenstelle des Standesamtes von Strausberg, welches ansonsten im alten Rathaus, dem „Stadthaus“ untergebracht ist.
  • Wussten Sie, dass das Heimatkunde-Museum Strausbergs am Wochenende geschlossen hat ? Schade auch.
  • Wussten Sie, dass Strausberg eine lange Luftfahrt-Tradition hat ? Der Flughafen entstand schon 1927 und hat später als Militärflughafen sowohl der NS-Luftwaffe, der Roten Armee und dann der DDR-Luftwaffe gedient. Seit 1992 wird er ausschließlich zivil genutzt.
  • Wussten Sie, dass zu DDR-Zeiten, genauer seit 1956, das „Ministerium für Nationale Verteidigung“ in Strausberg seinen Sitz hatte ? Tja, Berlin war wohl damals schon ein zu „heißes Pflaster“.
  • Wussten Sie, dass die Stadtpfarrkirche „St. Marien“ das älteste Gebäude der Stadt ist ? Sie gehört zu den wenigen, reinen Feldsteinkirchen in ganz Brandenburg und ihr Baubeginn wird auf 1254 geschätzt.
  • Wussten Sie, dass Strausberg eine „Städtepartnerschaft“ mit dem Fussball-Bundesligisten Hertha BSC hat ?
  • Wussten Sie, dass der erste deutsche „Kosmonaut“, Siegmund Jähn, lange in Strausberg lebte und seit 2012 hier Ehrenbürger ist?
  • Wussten Sie, dass in Strausberg die vielleicht beste, deutsche „Marching Band“ beheimatet ist ? Der „Fanfarenzug Strausberg“ hat auf internationaler Ebene bereits mehrere Auszeichnungen gewonnen und kann mit den Vertretern so mancher US-Highschool oder Universität mithalten.

So, genug „Wussten-Sies“ für heute. Wer jetzt trotz meines ungeordneten Geschreibsels vielleicht doch etwas neugierig geworden ist auf Strausberg, der kann sich gerne bei der Touristinformation weiter informieren:

Öffnungszeiten:

Montag bis Freitag    9.00-17.00 Uhr
Samstag  Mai bis September  10.00-16.00 Uhr
 Oktober bis April  10.00-15.00 Uhr
Sonntag/Feiertag  Mai bis September  10.00-16.00 Uhr

Telefon:  03341 / 31 10 66
E-Mail:    touristinfo@stadt-strausberg.de

Alles Sonstige aus und über Strausberg:

http://www.stadt-strausberg.de/neu/cms/front_content.php?idcat=375

Anreise:

DSCI0926_compressedMit der S-Bahnlinie 5 von Berlin aus z. Bsp. vom Zoologischen Garten, Hauptbahnhof oder Alexanderplatz. Bis „Strausberg“, dann Weiterfahrt mit der Tram. Oder bis „Strausberg Stadt“, dann ca. 15 Minuten Spaziergang zum Landsberger Tor. Der Flugplatz Strausberg mit dem seit 2008 eingerichteten Flugplatzmuseum ist über den S-Bahnhof „Strausberg Nord“ zu erreichen.

Na, dann.

Ihr

Clemens Kurz