Archiv der Kategorie: Brandenburger

Zur Schönwalder Schleuse

Liebe Leserinnen und Leser, ich gestehe es Ihnen gerne: früher bin ich gerne mit dem Fahrrad durch die Landschaft geradelt. Die frische Luft, das mäßige Tempo und die Tatsache, dass man vom „Drahtesel“ aus manche Dinge sieht, die einem vielleicht beim Nutzen von anderen Verkehrsmitteln verborgen bleiben, haben mich immer am Radeln festhalten lassen. Seitdem ich dann etwas älter wurde und meine „guten“ Fahrräder verkauft oder sonstwie weggegeben hatte, war mein Bedürfnis an Radausflügen eigentlich gestillt. Manchmal aber…

Wetter wie nicht bestellt: Schwül, heiß, Unwetter für den Nachmittag vorhergesagt. Oh, Mann. Da hatte ich mir ja einen „schönen“ Samstag ausgesucht für die Fahrt zur Schönwalder Schleuse. Also flugs noch einmal die Startzeit um eine Stunde vorverlegt, um den Gewittern auch sicher zu entgehen, und dann aber doch raus aufs alte, quietschende Rost-Radel. Passt gut zu meinen Beinen, die haben mit den Jahren auch Rost angesetzt. 🙂

Eine Fahrt entlang des Spandauer Stadtforstes ist eigentlich eine ganz nette Angelegenheit. Wenn man von der Tatsache absieht, dass der Fahrradweg hier zu den ungepflegtesten Wegen Berlins gehört. Wo man Gelder für so viele Dinge hat, bleibt dennoch das Pflegen vielbefahrener Radwege im Norden Spandaus ein Trauerspiel. Auch der hier verlaufende Abschnitt des bekannten „Mauer-Radweges“ ist streckenweise kaum noch befahrbar. Und das schon seit Jahren, „könnense glauben“. Kurzum: eigentlich schön, ein wenig schattig und die frische Luft weht einem auch um die Nase. Der permanente Blick auf die Schlaglöcher und „Flicken“ im Radweg zur „Steinernen Brücke“ mindert das Vergnügen jedoch spürbar.

Rathaus Schönwalde
Rathaus Schönwalde

Vergnügen aber dennoch. Und irgendwann ist man dann an der ehemaligen „Mauer“. Die „Steinerne Brücke“ auch heute noch irgendwie ein Nadelöhr auf dem Weg ins Berliner Umland, wurde erst am 07. Mai 1994 wieder für den Straßenverkehr freigegeben. Seitdem ist der Ort Schönwalde wieder mit Berlin verbunden. Schönwalde hat übrigens sieben Ortsteile. Eingemeindungen seit 2003 haben das möglich gemacht. Wir fahren jedoch ausschließlich durch den Ortsteil „Schönwalde Siedlung“. Wo immerhin auch das Rathaus gelegen ist.

Schwanenkrug
Schwanenkrug

Und auch das historische Gasthaus „Schwanenkrug“, auf dem wie Historiker wissen wollen, schon Postkutscher ab 1786 ihren Durst und den ihrer Zugpferde gestillt haben. Das Etablissement verdanken wir also der Tatsache, dass die alte Poststraße nach Hamburg hier einst vorüberführt. Heute bekommen Vierbeiner hier zwar von Hause aus keine Erfrischungen mehr, aber für uns Zweibeiner sollte es doch ausreichend kühle Getränke geben, um mal eine Pause einzulegen.

Ab hier fahren wir ganz einfach mal ein bischen geradeaus, lassen u. a. die Aufforderung „Strandbad“ hinter uns, so verlockend sie an einem solchen Tag auch sein mag, und halten auf der „Straße der Jugend“ drauflos, bis wir, schon mit gewaltig Dampf in der Lunge, die Falkenseer Straße erreichen. Hier wirds dann etwas „tricky“. Denn zunächst mal drehen wir ein bischen nach rechts, bekommen dann die Gelegenheit, an einem Supermarkt noch einmal kurz einen Stop einzulegen und Flüssigkeit nachzukaufen. Dann aber folgen wir dem unauffälligen Schildchen „zur Schleuse“ und umrunden Supermarkt und Parkplatz, um dann auf einer gut ausgebauten Straße (Für den Postboten, der dem Schleusenwärter die Briefe zustellt ?) der Schleuse zuzustreben.

IMG_4029_compressedDie Schleuse überwindet etwa zwei Meter Höhenunterschied im sog. „Havelkanal“. Ja, genau der Kanal, den die DDR einst um das „feindliche, kapitalistische Westberlin“ herum bauen ließ, damit seine Lastkähne nicht in Gefahr gerieten, am „falschen“ Hafen anzulegen. Der Kanal zweigt bei Hennigsdorf von der Havel ab und trifft bei Ketzin wieder auf den Fluss. Ein Großprojekt der Ulbricht-Ära, das aber tatsächlich innerhalb von 13 Monaten beendet wurde. Der Kanal ist etwas über 34 km lang.

Hier kann man auch endgültig Pause einlegen. Ein wenig Spazierengehen oder Picknicken. Denn nun beginnt der Rückweg, den wir der Einfachheit halber, mal genauso bestreiten, wie wir hergekommen sind. Es gäbe aber ein paar kleinere Varianten für Tage mit radelfreundlicherem Wetter.

In diesem Sinne, bin ich weiter für Sie in Berlin und Brandenburg unterwegs.

Ihr

Clemens Kurz

 

Advertisements

Brandenburg: Strausberg, die „grüne Stadt am See“

Strausberg, die selbsternannte „grüne Stadt am See“, ist ja so eigentlich nur für zwei Dinge bekannt: die malerische Lage am Straussee und ihre Militärgeschichte. Wie immer man letzteres bewerten mag, ein kleiner Streifzug durch die historische Altstadt ist m. E. nach durchaus empfehlenswert und kann jederzeit mit einer Wanderung um den See verbunden werden.

Nun, ja, Sonntag ist vielleicht nicht unbedingt der richtige Tag dafür. Aber, im europäischen Herbst muss man ja auch aufs Wetter achten, wenn man überhaupt noch brauchbare Fotos machen will, und genau deshalb war ich ja hauptsächlich hier.

StadtwappenWie „Struceberch“ zu seinem Namen kam, ist umstritten. Vermutlich spielt das Wort „Struce“ auf die Form des Straussees an, der an eine Erbsenschote (altslawisch: „Struce“) erinnern soll. Später kam dann mit den deutschen Siedlern die Lautmalerei mit dem Vogel Strauß dazu.  Ein Vogel Strauß ziert immerhin auch noch heute das Stadtwappen.  Dieser Laufvogel guckt etwas überrascht hinter sich und findet dort das Wappen des Landes Brandenburg. Ich dachte immer, dieses Stadtwappen wäre eine witzige Karikatur, die irgendeine lustige Begebenheit aus der Stadtgeschichte symbolisiert, aber da lag ich wohl falsch. Niemand konnte mir zumindest bislang eine lustige „Straußen“-Geschichte erzählen.

Strausberg selbst ist wohl in der Folge einer mittelalterlichen Burggründung entstanden. Zu der Burg kamen dann Bedienstetenhäuser, ein Kloster und eine Kirche dazu und schon hatten wir die Basis der heutigen Stadt. So etwa vom 13. bis 14. Jahrhundert hat das gedauert. Und weil damals gerade so schön „Wild-Ost“ in Brandenburg war, brauchte die neue Stadt auch eine ordentliche Mauer. Von der wir dankenswerterweise heute noch etwas sehen können. Anders als die später in Berlin gebaute Betonmauer sollte dieses Bauwerk hier aber nicht die Bürger drinnen, sondern die plündernden Pommern, Polen, Schweden oder Hussiten draußen halten. Ich denke, das sollte man betonen.

Ich könnte jetzt noch ein paar Absätze über die weitere Stadtgeschichte hier abladen, aber stattdessen erzähle ich Ihnen lieber von meiner nicht geringen Enttäuschung darüber, dass die einst so lustige, kleine Straßenbahn, die den Bahnhof Strausberg mit dem Stadtinneren verbindet, mittlerweile nicht mehr mit den antiquierten, rot-blau lackierten Wagen daherkommt, sondern vor ein paar Jahren durch die aus Berlin bekannten, gelben Niederflurbahnen ersetzt wurde. Schade, auch. Auch das Faktum, dass von Oktober – April das Tourismusbüro Sonntags dicht macht (im Sommer öffnet es immerhin vo 10.00 – 16.00 Uhr) fand ich nicht so prickelnd. Vor allem aber das weitgehende Fehlen von öffentlichen Toiletten im Altstadtgebiet macht einen Besuch Strausbergs u. U. „hochnotpeinlich“, wenn man eine längere Anreise hinter sich hat. Anders gesagt: „Vor jedem Strausberg-Besuch ist eine längere Sitzung auf dem Porzellanthron angebracht!“  Von dem praktisch dauerhaft außer Betrieb befindlichen WC auf dem Bahnhofsvorplatz sollte man ohnehin lieber schweigen. Hat die Fa. „Wall“, die so erfolgreich ihre „pecunia non olet“-Tempel im Berliner Stadtgebiet und in ausgesuchten Städten im Speckgürtel untergebracht hat, keinen Deal mit den Strausbergern ? Es würde endlich mal Zeit dafür.

Straussee - Fähre
Straussee – Fähre

Wie auch immer, der stramme Westwind war noch nicht wirklich kalt, die Sonne ließ sich ab und an blicken und so konnte man z. Bsp. die Ankunft der berühmten „Straussee-Fähre“ in aller Ruhe beobachten. An seiner schmalsten Stelle quert diese nämlich den Straussee und bringt z. Bsp. Wanderer auf die „Waldseite“ hinüber.

Jetzt ein paar „Wussten-Sies“ zu Strausberg:

  • Wussten Sie, dass man auf der Straussee-Fähre heiraten kann ? Sie ist tatsächlich eine Außenstelle des Standesamtes von Strausberg, welches ansonsten im alten Rathaus, dem „Stadthaus“ untergebracht ist.
  • Wussten Sie, dass das Heimatkunde-Museum Strausbergs am Wochenende geschlossen hat ? Schade auch.
  • Wussten Sie, dass Strausberg eine lange Luftfahrt-Tradition hat ? Der Flughafen entstand schon 1927 und hat später als Militärflughafen sowohl der NS-Luftwaffe, der Roten Armee und dann der DDR-Luftwaffe gedient. Seit 1992 wird er ausschließlich zivil genutzt.
  • Wussten Sie, dass zu DDR-Zeiten, genauer seit 1956, das „Ministerium für Nationale Verteidigung“ in Strausberg seinen Sitz hatte ? Tja, Berlin war wohl damals schon ein zu „heißes Pflaster“.
  • Wussten Sie, dass die Stadtpfarrkirche „St. Marien“ das älteste Gebäude der Stadt ist ? Sie gehört zu den wenigen, reinen Feldsteinkirchen in ganz Brandenburg und ihr Baubeginn wird auf 1254 geschätzt.
  • Wussten Sie, dass Strausberg eine „Städtepartnerschaft“ mit dem Fussball-Bundesligisten Hertha BSC hat ?
  • Wussten Sie, dass der erste deutsche „Kosmonaut“, Siegmund Jähn, lange in Strausberg lebte und seit 2012 hier Ehrenbürger ist?
  • Wussten Sie, dass in Strausberg die vielleicht beste, deutsche „Marching Band“ beheimatet ist ? Der „Fanfarenzug Strausberg“ hat auf internationaler Ebene bereits mehrere Auszeichnungen gewonnen und kann mit den Vertretern so mancher US-Highschool oder Universität mithalten.

So, genug „Wussten-Sies“ für heute. Wer jetzt trotz meines ungeordneten Geschreibsels vielleicht doch etwas neugierig geworden ist auf Strausberg, der kann sich gerne bei der Touristinformation weiter informieren:

Öffnungszeiten:

Montag bis Freitag    9.00-17.00 Uhr
Samstag  Mai bis September  10.00-16.00 Uhr
 Oktober bis April  10.00-15.00 Uhr
Sonntag/Feiertag  Mai bis September  10.00-16.00 Uhr

Telefon:  03341 / 31 10 66
E-Mail:    touristinfo@stadt-strausberg.de

Alles Sonstige aus und über Strausberg:

http://www.stadt-strausberg.de/neu/cms/front_content.php?idcat=375

Anreise:

DSCI0926_compressedMit der S-Bahnlinie 5 von Berlin aus z. Bsp. vom Zoologischen Garten, Hauptbahnhof oder Alexanderplatz. Bis „Strausberg“, dann Weiterfahrt mit der Tram. Oder bis „Strausberg Stadt“, dann ca. 15 Minuten Spaziergang zum Landsberger Tor. Der Flugplatz Strausberg mit dem seit 2008 eingerichteten Flugplatzmuseum ist über den S-Bahnhof „Strausberg Nord“ zu erreichen.

Na, dann.

Ihr

Clemens Kurz