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Persönlichkeiten: Franz Schwechten – Rückgriff ins Bekannte

Als „Historismus“ bezeichnet man eine Architektenschule, die sich merklich darin wohlfühlte, bereits bekannte Stilmittel historischer Gebäude neu zu kombinieren oder auf möglichst ästhetisch ansprechende Art und Weise zu kopieren. Einer der in unserer Region bekanntesten Vertreter des Historismus ist unzweifelhaft Franz Schwechten. Schauen wir uns ihn und sein Werk also mal an:

Wie damals üblich und in so vielen, „preußischen“ Biografien belegt, war Schwechten aber gar kein Brandenburger, Ostpreuße oder Pommer, sondern gebürtiger Kölner. Dort unternahm der 1841 geborene Sohn eines Landgerichtsrates auch die ersten Schritte auf seinem Karriereweg. U. a. lernte er noch in der Stadt am Rhein seinen historistischen „Gesinnungsgenossen“, den Stadtbaumeister und späteren Architekten des Berliner Doms, Julius Carl Raschdorff, kennen.

Franz Schwechten

Zwischen 1861 und 1869 pendelte Schwechten zwischen Berlin und Köln hin und her, um das edle Handwerk des Architekten zu erlernen. Dabei lernte er in der Hauptstadt u. a. von Könnern wie August Stüler und Martin Gropius. (Sie erinnern sich an den „Gropius-Bau“ in der  Niederkirchnerstraße, gegenüber des Berliner Abgeordnetenhauses ? Ja, DER Gropius.) Nachdem er die Prüfungen bis hin zum „Regierungsbaumeister“ abgelegt hatte, unternahm Schwechten erst einmal eine Studienreise nach Italien. Damit lag er in bester Tradition, da auch Genies wie Schinkel ihren Blick auf Architektur und Landschaft einst auf dem italienischen „Stiefel“ geschärft hatten. Die Reise hatte Schwechten mit dem Geld aus dem Gewinn des renommierten „Schinkel-Wettbewerbs“ finanziert.

Franz Schwechtens Siegerentwurf, 1880

1871 – 1882 arbeitete Franz Schwechten für die „Berlin-Anhaltische Eisenbahngesellschaft“. In dieser Zeit gelingt ihm sein erster Geniestreich: der „Anhalter Bahnhof“ zu Berlin, der nicht grundlos als beeindruckendes Meisterwerk der Bahnhofsarchitektur galt. Zu seiner Zeit war dessen Halle eine der größten Bahnhofshallen weltweit. Die Verbindung von Backstein-Mauerwerk und einem Dach aus Stahlträgern funktionierte so gut, dass die Sprengungen der Ruine nach dem Zweiten Weltkrieg äußerst mühsam waren und oft erst in mehreren Anläufen gelangen. Respekt also, vor Schwechtens Plänen und der Handwerksarbeit der Bauleute.

1885 wurde Schwechten in die „königliche Akademie der Künste“ zu Berlin aufgenommen. Er begann im selben Jahr auch eine Lehrtätigkeit an der „Technischen Hochschule Charlottenburg“. War also auch „außerhalb Berlins“ tätig, da Charlottenburg erst 1920 eingemeindet wurde. 🙂
Schwechtens vielleicht bemerkenswerteste Eigenschaft ist es, dass er grundsätzlich alle Arten von Gebäuden mit jeder nur denkbaren Funktion zu gestalten bereit war. Gab es doch auch zu seiner Zeit durchaus „Spezialisten“ für Staatsbauten, Kirchengebäude oder Industrie-Architektur. Schwechten baute hingegen im Laufe seiner Karriere so ziemlich alles, was man ihm als Auftrag anbot.

So arbeitet er u. a. für die Berliner „Schultheiss Brauerei Berlin“, für die er am Prenzlauer Berg einen weitläufigen Produktionskomplex entwirft. Teile davon haben sich bis heute als sog. „Kulturbrauerei“ erhalten !  Für die „Allgemeine Electrizitäts Gesellschaft“, AEG, entwirft er u. a. das repräsentative Tor in der Weddinger Brunnenstraße. Ein Kirchenbau, die „Apostel-Paulus-Kirche“ in Schöneberg geht ebenso auf sein Konto wie das „Kraftwerk Moabit“.

Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, 1895

Am bekanntesten, neben dem schon erwähnten Anhalter Bahnhof, ist aber vielleicht die „Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche“ in Charlottenburg. Dieser Ausdruck einer Verbindung von „Kaiserkult“ und christlichem Glauben, welche allein durch den Namen schon ausgedrückt wird, beherrschte lange Zeit den „Auguste-Viktoria- Platz“. Dieses neoromanische Kunstwerk wurde am 01. September 1895 geweiht und konnte bis zu 2.000 Gottesdienstbesucher aufnehmen (den Chor mitgerechnet). Am 23. November 1943 erlitt sie durch einen Bombenangriff schwere Schäden. Nach dem Kriege wurden die Reste des Kirchenschiffes abgeräumt und ein neues „modernes“ Kirchenschiff erbaut…

Interessanterweise entwarf Franz Schwechten so viele Bauten, dass selbst bekannte, touristische Ausflugsziele gelegentlich in der ein odere anderen Aufzählung seiner Werke fehlen. So wird ab und an z. Bsp. auch seine „Handschrift“ beim Bau des Grunewaldturms im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf übersehen. Dennoch zählt dieses reine Schmuckwerk, das außer dem Anbieten eines hübschen Ausblicks über die Havellandschaft Berlins keinen darüberhinausgehenden „Nutzwert“ hätte, sicher zu den Schwechten-Bauten, die den meisten Berlinern und Berlin-Besuchern wohlbekannt sind. Schon allein durch die Tatsache, dass der Turm eben im Gegensatz zum Anhalter Bahnhof und der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche praktisch keine Kriegsschäden erlitt und heute nach diversen Restaurierungen wieder in „voller Pracht“ besichtigt werden kann.

Kreishaus Rathenow im Landkreis Havelland, auch aus Schwechtens Feder, 1895

1915 – 1918 war Franz Schwechten Präsident der preußischen Akademie der Künste. Zu dieser Zeit leitete er bereits sein sog. „Meisteratelier“, in dem er Nachwuchs-Architekten sein Wissen vermittelte. Er verstarb am 11. August 1924 in Berlin. Sein Grab ist ein Ehrengrab des Landes Berlin und liegt auf dem Alten Dorfkirchhof Schöneberg an der Hauptstraße.

Je nachdem, wen man fragt, so liegen Schwechtens wichtigste Bauten entweder im Rheinischen, wo er u. a. in seiner Geburtsstadt Köln diverse Rheinbrücken verzierte, oder in Stettin, Potsdam (ehemaliges Landtagsgebäude auf dem Brauhausberg), oder Posen. Als alter „Lokalpatriot“ denke ich, dass er seine besten Werke in Berlin abgeliefert hat, was aber durch kriegsbedingte Beschädigungen nur noch anhand alter Fotos nachvollzogen werden kann. Dennoch ist allein der Fleiß Schwechtens und seine „Nachfrage“, speziell während des auf historische Verzierungen fixierten Kaiserreiches, bemerkenswert und sollte dazu ausreichen, seinen Namen nicht zu vergessen.

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das lange Ringen um Pommern, Teil 3

Der Welten Eitelkeit…ist vergänglich. Auch die, die um den Besitz Vor- und Hinterpommerns gerungen haben, leben nicht mehr und können einem „lachenden Dritten“ heute dabei zusehen, wie er aus den Küstenorten touristischen Vorteil zieht. Schweden und „Preußen“ sind es nicht mehr, die heute den Euro mit bezahlbarem Kurzurlaub in Kolberg machen…

Wo war ich stehengeblieben ? Ach, ja, im zweiten Teil habe ich vom herzhaften und letztlich größtenteil vergeblichen Ringen des „Großen Kurfürsten“ Friedrich-Wilhelm von Brandenburg-Preußen berichtet, dem sein höchstes Ziel, die Gewinnung der Odermündung mit Stettin als Basis für den Aufstieg Brandenburgs zur Seemacht verwehrt blieb. Ein Traum, der übrigens nachweislich im Hause Hohenzollern bis zu Friedrich II. Eisenzahn (1413-1471) zurückverfolgt werden kann. Der Traum von „Kolonien und Flotten“ Friedrich-Wilhelms blieb also lange Zeit unerfüllt. Bis ein anderer, der „letzte“ Wilhelm der Hohenzollern ihn überstürzt nachholen wollte. Eine ganz andere Geschichte, ein Drama, auch dies.

Pommern hingegen blieb erst einmal geteilt, nachdem sich der Große Kurfürst zu seinen Ahnen begeben hatte (1688). Die Schweden behielten „Schwedisch Pommern“ inklusive Stettin, Stralsund und Rügen erst einmal unter ihrer Kontrolle. Aber es gab ja so etwas wie den „Nordischen Krieg“. Was soll man darüber jedoch groß erzählen ? Drei „Weltmächte“ stritten um die Dominanz im Ostsee-Raum. Schweden, Polen und Russland. Als es so aussah, als ob mit Karl, dem 12. , Schweden einen echten Haudrauf und tatendurstigen „Macher“ auf dem Thron hätte, sahen sich die anderen Ostsee-Anrainer offensichtlich dazu genötigt, diesem „Kraftburschen“ und „Urviech“ Einhalt zu gebieten.

Das war so etwa Anfang des 18. Jahrhunderts. Und da sich Brandenburg mal wieder auf die richtige Seite geschlagen hatte, bekam der preußische König, es war nun bereits der „Soldatenkönig“ mit dem gleichen Namen wie der von mir schon erwähnte „bronzene Reiter“ auf dem Sockel vor Schloss Charlottenburg, ein wenig „Beute“ ab. Interessantes Detail aus diesem Kontext: weil Preußen sich schwedisch- (Vor-) Pommern davon erhoffte, hatte es ein Bündnis mit Russland im Sinne. Dafür lud man den Zaren, es war noch Peter der Große, nach Berlin ein. Man quartierte ihn und seine Entourage im heute nicht mehr existierenden Schloss Monbijou ein, welches er nach seiner Abreise in einem Zustand hinterließ, der jeglicher Beschreibung spottete. „Verwüstung“ halt. Deswegen ist es jedoch nicht aus dem heutigen Stadtbild verschwunden. Wieder eine „ganz andere“ Geschichte…

Aber zurück zum „Frieden von Stockholm“, bei dem 1720 der Soldatenkönig Friedrich-Wilhelm (hatte ich nicht vor der notorischen Phantasielosigkeit der Hohenzollern bei der Namensgebung ihrer Thronfolger gewarnt ?) das südliche Vorpommern zugesprochen erhielt. Südlich der Peene wurde alles preußisch. Gut, denn aus dieser Region stammen auch einige Feldherren wie der von Friedrich dem Großen „verschlissene“ Kurt-Christoph von Schwerin. Aber auch das ist eine andere Geschichte, die ich bereits erzählt habe. Endlich hatte Preußen, hatten die Hohenzollern „ihr“ Stettin und die Odermündung unter Kontrolle. Dass der sparsame und an überseeischen Abenteuern im Gegensatz zu seinem gleichnamigen Opa nicht interessierte Soldatenkönig dies nicht für ein Flottenprogramm und verspätete Kolonial-Interessen nutzen wollte, ehrt den in der Geschichtsschreibung meist ziemlich schlecht wegkommenden Monarchen sehr. Ich ziehe den Hut.

Aber immerhin behielten die Schweden Stralsund und die Insel Rügen. Das sollte sich im Siebenjährigen Krieg (1756 – 1763) noch übel auswirken, da die von Frankreich bezahlten Schweden darüber ein Einfalltor nach Brandenburg hatten und dies zu Raubzügen bis tief in die Kurmark ausnutzten. Als hätten sie aus der Schlacht von Fehrbellin nichts gelernt. Und das, obwohl ihre Königin die Schwester Friedrichs des Großen, Ulrike, war. Aber die von Frankreich bezahlten „Granden“ Schwedens wollten es anders. Was zu einer weiteren, interessanten Anekdote führte, denn ein in schwedischen Diensten stehender, junger Kavallerie-Leutnant geriet bei einem besondern mutigen Vorstoß in preußische Gefangenschaft. Es war ein für Schweden fechtender Mecklenburger namens Gebhard Leberecht von Blücher. Richtig, der spätere „Fürst von Wahlstatt“ und Franzosenprügler begann als „Schwede“ seine Militärlaufbahn. Aber die Preußen hatten schon immer ein gutes Auge für militärische Talente und warben den „Gefangenen“ einfach ab. Nun, der „Marschall Vorwärts“ wird diese Entscheidung nie bereut haben, denn er konnte sich auf seine alten Tage ein hübsches Stadtpalais direkt neben dem Brandenburger Tor leisten. Ja, auf dem Grundstück, wo wir heute die US-Botschaft anfinden. Schon wieder eine „andere Geschichte“. … 🙂

Also, noch war Pommern nicht in dem Zustand, in dem es seit 1637 hätte sein sollen. Ganz Pommern ? Nein, ein paar vorlaute Schweden…Na, ja Asterix passt hier doch nicht.
Mache ich es mal kurz, wie es meinem Nachnamen geziemt:  beim „Aufräumen“ nach dem Napoleonischen Wirbelsturm über Europa, auf dem „Wiener Kongress“ erhielt Preußen EEEEENNNNNNNNNNNDLICH auch das restliche Vorpommern zugesprochen. Schweden hatte somit kein Standbein mehr auf deutschem Boden, südlich der Ostsee. Ein weiterer Friedrich-Wilhelm hielt einfach nur die Hand auf, sagte brav „dankeschön“ und war nun auch Herzog aller Pommern. Es war der etwas dröselige und immer von allen Historikern als „spröde“ abgekanzelte Friedrich-Wilhelm, der Dritte. Ja, liebe Leser, der mit der hübschen Königin Luise und den vielen Kindern. Sie selbst erlebte die „Heimkehr“ Pommerns allerdings nicht mehr, da sie fünf Jahre vorher verstorben war.

Was haben die Pommern wohl empfunden, als sie „alle“ preußisch wurden ? Mit welchem Dialekt sprach man wohl in Kolberg oder Falkenburg ? War Hinterpommern immer schon „das Armenhaus an der Ostsee“, wie mein Cousin es einmal genannt hat, nachdem er unsere gemeinsame „Wurzel“ dort besucht hatte ? Ich weiß es nicht, bekomme aber gerade Lust, nach Stettin zu fahren und an derHakenterrasse spazierenzugehen. WER KOMMT MIT ????? 🙂

Ihr

Clemens Kurz

das lange Ringen um Pommern, Teil 2

Im ersten Teil dieser Reihe habe ich Ihnen, liebe Leser, ja bereits meine persönlichen Motive dargelegt, die mich mit diesem Thema verbinden. Die Dynamik, die einstmals zwischen den „Greifenherzögen“ von Pommern und den Brandenburger Kurfürsten herrschte, ist mittelalterliche Geschichte. Lange vorüber und dennoch interessant. All ihre Mühen waren letztlich vergebens, denn Pommern gehört jetzt zu Polen. Und dennoch…

Wo waren wir stehengeblieben ? Hm…ah, ja. Die Greifen werden unabhängig von Brandenburg, erkennen aber die Hohenzollern als „Erben“ ihres Herzogtums an, falls sie jemals ohne Nachfolger bleiben sollten. Soweit, so nichtssagend. Jetzt komme ich ein wenig mit „Zahlen“, aber nur wenigen Eckjahren, die das kommende Drama umreißen sollen.

Wir schreiben das Jahr…

  • 1637; Die Szenerie ist folgende: Es herrscht noch immer der Dreißigjährige Krieg. Diverse, europäische „Supermächte“ fechten um ihre Interesse. Bevorzugt auf deutschem Boden, natürlich. Die Schweden haben Pommern besetzt. Sie nutzen es als Ausgangsbasis für ihre Eroberungszüge durch Deutschland. Brandenburg ist Objekt, nicht Subjekt in diesem Konflikt. Es hat kaum ein Militär, muss sich mal dem Kaiser in Wien, mal dessen Feinden aus Schwedenland an den Hals werfen. Sein Kurfürst Georg Wilhelm mehr Opfer als Täter im Krieg.
    PLÖTZLICH STIRBT MIT Bogislav, dem vierzehnten, TATSÄCHLICH DER LETZTE POMMERSCHE GREIFE! Ohne Bluterben!
    Theoretisch gehört dessen Herzogtum nun den brandenburger Hohenzollern…
  • 1640; Auftritt des „bronzenen Reiters“ vom Charlottenburger Schlosshof (oder dem Foyer des Bodemuseums): Friedrich-Wilhelm wird Kurfürst von Brandenburg. Ich nenne ihn den eigentlich „Ringer“ um Pommern. Ein tragischer Held, der nicht gar so heroisch daherkam, wie es sein Reiterstandbild (das sein Sohn anfertigen ließ, ein dankbarer Sohn!) uns überliefern soll. Friedrich-Wilhelm (, der den ab jetzt bei der Namensgebung notorisch unkreativen Hohenzollern die Vorlage für unzählige, spätere „Wilhelms“ und „Friedrichs“ liefert) will Pommern beanspruchen.
  • 1648; der „Westfälische Frieden“ von Münster und Osnabrück regelt die Dinge zum Abschluss des Dreißigjährigen Krieges. Brandenburg wird dabei nur Hinterpommern zugesprochen. Doch ganz Pommern ist noch von den Schweden besetzt. Trotz Unterzeichnung der Verträge denken sie nicht im Traum daran, auch nur einen Quadratzentimeter Pommern herzugeben. Erst 1653 kann Friedrich-Wilhelm Hinterpommern in Besitz nehmen.

Ab jetzt wirds es wieder unübersichtlich. Sagen wir mal, dass Friedrich-Wilhelm, der „Ringer“ um Pommern, seinen Traum, das gesamte Erbe der „Greifen“-Dynastie anzutreten, nie aufgab. In diversen Koalitionen verbündet er sich mit jedermann, um die Schweden loszuwerden.

  • 1660; im Frieden von „Oliva“ (nahe Danzig) muss Brandenburg das zuvor besetzte Vorpommern wieder räumen. Einziger Vorteil dieses Vertragswerkes: Die Hohenzollern bekommen endgültig die Souveränität über Ostpreußen. Friedrich-Wilhelms Sohn wird sich dies später freudestrahlend zu Nutze machen, aber das ist eine ganz andere Geschichte.
  • 1679; Brandenburg muss Vorpommern ein zweites Mal an Schweden herausgeben. Nachdem es die Nordmänner in Scharen bis nach Stralsund und Rügen getrieben hatte. Im „Frieden von St. Germain“ aber, werden die Ansprüche Friedrich-Wilhelms, die er nach 1637 von seinem Vater geerbt hatte, erneut mit Füßen getreten. Er soll daraufhin einen seiner berüchtigten Tobsuchtsanfälle bekommen haben. Die alte Hohenzollernkrankheit. Noch sein Enkel, der „Soldatenkönig“ wird für solche Ausraster berüchtigt werden.
der pommersche Greif

Ähnlich wie bei den durch ein ähnliches Vertragswerk geregelten Erbstücken der schlesischen Herzöge von Liegnitz, gelingt es dem „Großen Kurfürsten“ Friedrich – Wilhelm auch in Pommern nicht, seine Ansprüche geltend zu machen. Im Falle Schlesiens wird das langfristige Folgen haben. Sein Urenkel wird ein gutes Gedächtnis beweisen und sich der Hohenzollern-Ansprüche erinnern. Im Falle Pommerns hat Friedrich-Wilhelm immerhin ein Stückchen, das weniger wichtige (weil ohne Stralsund, Rügen, Stettin und die Odermündung !!!) vom Kuchen bekommen.

Das Ringen um Pommern ist aber noch nicht vorbei, im Gegensatz zu diesem Beitrag.

Fortsetzung folgt, versprochen. In Teil drei werden wir u. a. sehen, wie einer, der gar nicht mehr um Pommern ringt, schließlich das ganze, alte Herzogtum der „Greifenherzöge“ regieren wird. …

Ihr

Clemens Kurz

P.S.: „Vor-“ und „Hinterpommern“. Was ist das ? Ich vereinfache mal gaaaaaaaaanz stark: Vorpommern liegt und lag VOR der Odermündung, also westlich davon. Der Rest, östlich davon, ist Hinterpommern. Ja, Sie erinnern sich richtig, das ist da, wo meine Mutter selig herkam.

das lange Ringen um Pommern, Teil 1

Wer ein Beispiel für die Vergänglichkeit von Taten und die vermeintliche Sinnlosigkeit jeglicher Geschichte vor Augen haben will, mag sich an Preußens Ringen um Pommern erinnern. Erst Gegner, später Objekt der Begierde Brandenburgischer Kurfürsten und Preußischer Könige, geriet das Land an der Ostsee in ein zähes, jahrhundertelanges Ringen um seine Kontrolle. Heute gehört nur ein winziger Teil Pommerns NICHT zu Polen. „sic transit gloria mundi“ Hier eine Zusammenfassung des Geschehens:

Ein Pommer vor dem Sohn des Unterzeichners des „Vertrages von Grimnitz“

Früher oder später musste es passieren: ein „Pommer“ erinnert an Brandenburg/Preußens Kampf um Pommern. Sie wissen es, liebe Leserinnen und Leser: meine Mutter war noch eine „echte“, weil gebürtige, Pommeranze. Ähhh…nein…eine Pommerin. Aus Falkenburg bei Dramburg in Hinterpommern. Allerdings ohne jegliches Heimweh geboren war sie als Heimatvertriebene nach ihrer Ankunft in Berlin 1945  eben Berlinerin. Nie so ganz Spandauerin übrigens, denn nach Spandau hatte sie ja nur geheiratet…(Überraschung: meinen Vater, Nachkomme von Westpreußen, einen „echten“ Spandauer, nach dem Gefühl…eine lange Geschichte.)

Aber jetzt mal „mittenrein“ ins Vergnügen. Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich in Geschichtsbüchern lese, wie die Pommern und die Brandenburger im Spätmittelalter miteinander stritten. Um die Uckermark zumeist. Sobald Brandenburg Schwäche zeigte, oder so recht schlecht regiert wurde, kamen meist die Herzöge von Pommern angerannt und hatten schon ein kleines Ritterheer bereit, um die Uckermark zu erobern. Verbündet mit Polen oder Dänemark oder Schweden oder einfach zum Spaß. Die „Greifen“ wollten offensichtlich „abgreifen“, was ihnen so zufiel. Ja, so hieß das Fürstengeschlecht der Pommernherzöge. Ein roter „Greif“ (Raubvogel mit Löwenbeinen) war denn auch das Wappentier Pommerns. Im Stadtwappen Stettins findet man das Greifenhaupt bis heute vor.

Als dann ab 1411 die Hohenzollern in Brandenburg einzogen, wehte den Greifen aber plötzlich wieder ein schärferer Wind entgegen. Die diversen „Friedrichs“, „Georgs“ etc. aus dem südwestdeutschen Herrscherhaus fochten in Zukunft um alles, was sie besaßen oder zu besitzen gedachten. Angefangen vom ersten Hohenzollern in der Mark Brandenburg, Friedrich I. Und zu ihren Ansprüchen gehörte eben auch die Uckermark. Punktum ! Um auf die Greifen Druck auszuüben, ernannte man sich auch schon mal zum Lehnsherrn der Pommern. Was in Stettin wenig Freude auslöste.

Jetzt will ich nicht weiter mit Schlachten, Siegen, Niederlagen etc. langweilen. Diese Daten vergisst man ja doch wieder schnell. Interessant wird die Sache erst mit der Herrschaft von Joachim I. „Hektor“ in Brandenburg. Er kann mit den Greifen, in diesem Falle den Herzögen Georg I. und Barnim (ja, der hieß so, wie die Landschaft im Nordosten Berlins !!!! Dreimal dürfen wir raten, warum die so heißt !) dem 9. einen Vertrag schließen, der vielerlei beinhaltet. Die Hohenzollern geben ihren Wunsch, Lehensherren der Pommern zu werden, erstmal auf. Sie bekommen dafür (durch den Kaiser garantiert) aber etwas Wichtiges zugestanden: sollten die Greifen einstmals ohne Erbberechtigten aussterben, übernehmen die Brandenburger Hohenzollern Pommern. So einfach, so klar. Und wie wir sehen werden, so schwer durchzusetzen. Zunächst aber schreiben wir das Jahr 1529, unterschreiben den „Vertrag von Grimnitz“ und belassen es dabei.

Fortsetzung folgt ! 🙂

Ihr

Clemens Kurz

 

Historie: Friedrich und die „drei-Tage-Schlacht“

Brandenburg wurde durch tatkräftige Herrscherhände geformt. Geformt und zusammengehalten. Die Askanier und die Hohenzollern haben hier ihre Spuren hinterlassen. Letztere beendeten das von mir gerne spöttisch „Interregnum“ genannte Zeitalter, während dem die Markgrafenwürde Brandenburgs recht willkürlich den Inhaber wechselte und die Mäuse auf dem Tisch tanzten. Halte ich hier wieder eine Vorlesung zur Regionalgeschichte ? Na, ich bitte um etwas Geduld; halten wir es locker.

In der Geschichte wurden Veränderungen oft gewaltsam erzwungen. Machtpolitik war auch Militärpolitik und gewaltsames Durchsetzen dynastischer oder staatlicher Interessen. Das mag uns Menschen des 21. Jahrhunderts zwar antiquiert erscheinen und zartbesaitete Gemüter gar anekeln, aber dadurch ändert sich die Geschichte nicht. Man sollte da nichts beschönigen.

Meine Mutter selig hingegen sagte immer so etwas wie: „Wenn die Katze aus dem Haus ist, tanzen die Mäuse auf dem Tisch.“ Nicht, dass sie da persönliche Erfahrungen mit Katzen und Mäusen hatte, aber dass ein bischen gestaltete Ordnung auch dafür sorgt, dass nicht „jeder macht was er will, statt, was er soll“ und anarchische Zustände einreißen, war ihr sehr wohl bewusst. So etwa müssen wir uns Brandenburg im 14. und frühen 15. Jahrhundert vorstellen. Der Markgrafentitel (seit 1356 sogar zum „Kurfürst“ erhoben) war seit 1320, als der letzte Markgraf aus dem Hause der Askanier ohne Nachfolger verstarb, nur noch ein Titel, aber keine echte Herrschaft mehr. Seine Träger hefteten sich gerne den Titel „Markgraf/Kurfürst von Brandenburg“ an die Brust, stolzierten damit umher, hatten aber nicht die geringste Absicht, Brandenburg auch wirklich zu ordnen oder gestaltend zu regieren.

Ganz im Gegenteil: sie verscherbelten die ungeliebte Mark Schritt für Schritt an jeden, der ihnen ein paar Gulden dafür bot. Letzter Exzess in dieser Hinsicht war der Verkauf der „Neumark“ (heute Polen, wir sehen, wie Geschichte oft völlig sinnlose Bögen schlägt) im Jahre 1402 an den Deutschen Orden. Alles, was die Askanier sorgsam zusammengefügt und zu einer recht ansehnlichen Herrschaft geformt hatten, ging nun den Bach runter. Bis ein frisch gewählter, deutscher König namens Sigismund einen seiner Kumpane (ich sage nicht „Saufkumpane“, weil ich nicht sicher bin, wieviel diese Herrschaften damals so an Wein und Bier wirklich konsumiert haben) namens Friedrich mit dem Ordnen Brandenburgs beauftragte. Zunächst mal als „Verwalter“ dieses herrenlosen „Lehens“. Das war 1411.

Als dieser Friedrich, als „Burggraf von Nürnberg“ bereits mit Nummerierung versehen (VI.) nun im Sommer 1412 tatsächlich in Brandenburg auftauchte (etwas, das die letzten paar Kurfürsten fast nie getan hatten) hatte eine andere „Katze“ bereits ihre Krallen ins Brandenburger „Fleisch“ geschlagen: die Pommern standen tief in der Mark. Am „Kremmer Damm“, einer befestigten Passage durch das schlammige „Kremmer Luch“ zwischen Oranienburg und Hennigsdorf, schlug Friedrich im Oktober 1412 mit seinen aus Franken „mitgebrachten“ Rittern die Pommern, atmete tief durch und begann danach, sich Brandenburg einmal genau anzuschauen:

Die Städte hatten sich Privilegien gekauft, oder angemaßt, die eigentlich den Kurfürsten zustanden, hatten eigenmächtig Bündnisse geschlossen, um der zweiten Geißel Brandenburgs Herr zu werden: den selbstherrlichen Raubrittern. Oh, Mann, da musste was passieren. Und Friedrich, eigentlich deutscher Machtpolitiker, aber, ganz der Zeit angemessen, eben auch Feldherr und Tatmensch, begann Fakten zu schaffen. Er eroberte einige Burgen der Raubritter (Stichwort: „Quitzows“), machte unmissverständlich klar, wer jetzt hier das Sagen hatte und entließ die weniger Schlimmen dieser „wilden Männer“ dann wieder auf ihre Sitze. Er war kein Brutalo, wie seine Gegner, sondern Realist. 1415 wurde ihm dafür die Kurfürstenwürde Brandenburgs verliehen. 1417 auch der protokollarische Rang eines „Erzkämmerers des Reiches“. Letzeres übrigens ein Titel, den noch Friedrich der Große hielt, was seine Intimfeindin Maria-Theresia zu manch spitzer Bemerkung anregte, aber das ist eine andere Geschichte.

Friedrich immerhin kümmerte sich daraufhin um ein paar Reichsangelegenheiten und kehrte der schwierigen Mark Brandenburg erstmal den Rücken. Wir dürfen nie vergessen, dass er auch und vor allem Reichspolitiker war ! Und wieder: die „Katze“ war in Brandenburg aus dem Hause, weshalb die Nachbarskatze aus Pommern wieder über die „Mäuse“ herfiel. Friedrich kehrte schließlich im Frühjahr 1420 zurück, lieferte sich im März eine dreitägige Schlacht bei Angermünde mit den Pommern, Mecklenburgern und ihren polnischen Hilfstruppen, schlug diese Allianz vernichtend und sicherte für einige Zeit (noch nicht endgültig, aber auch das ist eine lange und ganz andere Geschichte) die Uckermark wieder für Brandenburg. Interessant: auf seiner Seite kämpften damals bereits einige der wenige Jahre zuvor noch so „unbotmäßigen“, brandenburgischen Adligen und die Städte stellten, so will es die Legende, auch bereits einige Fußtruppen. Es zeichnete sich die die „typisch brandenburgische“ Mischung aus Kurfürst, Stadtbürgern und Altadligen (die sprichwörtlichen „Itzenplitze“) bereits ab, die das Land lange gemeinsam gestalten sollte. Wobei das Pendel langfristig zu Gunsten des Kurfürsten ausschlug. Lange Geschichte.

Sigismund

Beim schwierigen, deutschen König Sigismund war Friedrich aber inzwischen in Ungnade gefallen. Dass er nicht am ersten „Hussitenfeldzug“ gegen die tschechischen Revoluzzer teilgenommen hatte, brachte diverse Neider Friedrichs in die beneidenswerte Position, ihn bei Sigismund anschwärzen zu können. Sigismund hatte offensichtlich nicht den Weitblick, sich daran zu erinnern, dass er ja selbst Friedrich mit dem Befrieden der Mark Brandenburg beauftragt hatte, was dieser eben tat, während Sigismund erstmalig auf Hussitenjagd ging. Die Tatsache, dass Friedrich einem seiner Söhne gerne die polnische Prinzessin Hedwig angetraut hätte, was einem weiteren, riesigen Prestigegewinn für die Hohenzollern gleichgekommen wäre, spielte bei dem Zerwürfnis zwischen Sigismund und Friedrich wohl auch eine Rolle. Ebenso wie die Tatsache, dass Sigismunds Mutter aus Pommern stammte, weshalb er potentiell immer mit deren Expansionsdrang sympathisierte.

Immerhin führt Friedrich bald darauf den zweiten Hussitenfeldzug an, um etwas „Wiedergutmachung“ zu betreiben, wird aber dafür nicht gewürdigt, sondern macht damit nur die Hussiten auf seine Mark Brandenburg aufmerksam. Wo diese dann einige Jahre später auch „folgerichtig“ plündernd und brandschatzend auftauchen werden. Aber damit werden sich sein Sohn und die Städte, z. Bsp. Strausberg und Bernau 1432 herumärgern müssen. Was Bernau übrigens seit 1832 mit dem „Hussitenfest“ feiert, aber auch das ist eine andere Geschichte.

Wie auch immer: 1425 wirft Friedrich den Brandenburgischen Büttel hin, ernennt seinen ältesten Sohn Johann („den Alchimisten“, komischer Namenszusatz !) zum neuen Sachwalter Brandenburgischer Interessen und verzieht sich schmollend auf seine fränkischen Ländereien, um Brandenburg nie wiederzusehen und weiter Reichspolitik zu machen. Eine „typische“ Politikerkarriere eben.

Fazit: Der „Cleaner“ Brandenburgs macht seinen Job, gerät mit seinem Auftraggeber in Interessenkonflikte und kümmert sich dann wieder um „seinen Kram“. Zwischendurch schlägt er aber den frechen Pommern aufs Haupt und macht einigen Leuten klar, welche Familie ab jetzt der Chef im Brandenburger Ring ist: Haus Hohenzollern. Was immerhin bis 1918 auch so bleibt. Insofern: nachhaltige Wirkung ! Über 500 Jahre…

Was kommt für mich dabei heraus ? BESUCHEN SIE ANGERMÜNDE ! 🙂

(P.S.: Als 50 %iger Nachfahre von Pommern fiel mir dieser Artikel nicht so ganz leicht, zu schreiben. Meine Mutter selig, die diesen Spruch mit den Katzen in mein Gedächtnis einbrannte, stammte ironischerweise aus Pommern. Na, ab 1637 geht das ja dann eh alles zusammen…)

Bildmaterial:

Am Anfang war … „der Bär“

Das Mittelalter. Unendliche Weiten. Und ein Mann, der dahin vorrückt, wo noch kein Ritter zuvor geritten war ? 🙂 Na, ja. Diese Legende stammt wohl aus späteren Zeiten, als man mit Deutschtümelei peinlichster Art keine Probleme mehr hatte. Der Anfang der „Mark Brandenburg“ ist jedenfalls komplizierter, als gedacht. Und dennoch: am Anfang steht, wenn man es ganz nüchtern betrachtet, eben doch „der Bär“ aus Ballenstedt. Schaun wir mal:

Nein, eine „Geschichtslektion“ werde ich jetzt nicht abhalten. Ich lasse es damit genug sein, dass ich betone, die „Ostsiedlung“, die Christianisierung und Einverleibung des Elbe-Oder-Raumes durch das Deutsche Reich im Mittelalter wurde Anno Domini 983 durch den sog. „Slawenaufstand“ jäh gestoppt. Nachvollziehbar, dass man als Völkchen, dem es eigentlich gut geht, das sich wohl fühlt in seiner Haut, das noch dazu in einer Region wohnt, die durch den Handel und aufgrund natürlicher Vorzüge (Wasserreichtum, wenig Bodenerhebungen) sich ein ständiges Einkommen sichern kann, keine Lehnsherren von „außen“ haben wollte. Mit der „Nordmark“ wars also im o. e. Jahr erst einmal vorbei. Während in Polen, Pommern, Sachsen oder Mecklenburg so langsam „Strukturen“ der mittelalterlichen Feudalgesellschaft eingezogen wurden, lebten die Stämme der Heveller und Sprewanen urgemütlich in ihrem Territorium. Lässig formuliert: sie machten in und um Brandenburg an der Havel und Köpenick ihr „eigenes Ding“ (siehe Karte unten).

Und das blieb auch lange so, bis ein Condottiere (ja, ich weite diesen Begriff einfach mal ins Hochmittelalter aus, pedantische Historiker mögen mir dies nachsehen oder auch nicht) aus dem Harz sich aufmachte, sich mit Vertrag und Schwert ein eigenes Land zu erobern. Seine Ziele ? Schwer zu sagen. Ich neige zu einer gewissen Nüchternheit und behaupte: hehre Motive mögen ihn sicher nicht bewogen haben. „Christianisierung“ der Elbslawen oder „das Voranbringen der Zivilisation“, „Eroberung für das Reich“ ? Man wird ihn später in dieser Richtung interpretieren. Übersprudelnder Tatendrang, Gier nach Land und das Ziel, in die Geschichtsbücher einzugehen, mögen es jedoch wohl eher gewesen sein, die einen Grafen aufs Schlachtross trieben. Ritter des Mittelalters suchten sich ihre „Jobs“ eben oftmals auch selbst.

Wer also war „Adelbert von Ballenstedt“, den spätere Generationen als „Albrecht, den Bären“ titulieren werden ? Nun, der Beiname wird von mir ehrlich gesagt mehr im Sinne der native-americans interpretiert. Wenn Häuptling „Springender Hirsch“ sich mit seinem Totemtier identifizierte, dann durfte sicher auch ein mittelalterlicher Adliger in Deutschland als „Bär“ bezeichnet werden. Wild und kraftvoll. Ein unzivilisiertes Image, sagen Sie, liebe Leser ? Nun, bis in unser 21. , gar so kultiviertes Jahrhundert ist es ja auch noch ein bischen hin. Denn „der Bär“ wird im Jahre 1100 geboren. Wo, ist der Historie jedoch entgangen. Allzuviele Aufzeichnungen verbrannten in nachfolgenden Kriegen. Immerhin wissen wir, dass er als Sohn des Grafen „Ottos des Reichen“ von Ballenstedt im Harz, geboren wird. Nach dem benachbarten Aschersleben wird übrigens später das Haus benannt werden: „Ascanius“, die Askanier sind da.

Albrecht war umtriebig. Wo immer es etwas Land zu gewinnen, einen Titel abzustauben, oder in einen Krieg zu ziehen ging, war er nur allzugerne mit dabei. Details seiner Sinnsuche erspare ich Ihnen mal, erwähne aber am Rande, dass er als Gefolgsmann des Deutschen Kaisers Lothar an einem vermutlich sinnlosen Feldzug nach Italien teilnahm. Der damalige Markgraf der „Nordmark“ kam dabei zu Tode, Albrecht überlebte und der Kaiser bedankte sich mit dem freigewordenen Titel beim Bären für die Teilnahme. Denn die Nordmark war zu dieser Zeit (1134) nicht mehr als ein „de jure“-Titel, wie der des Bischofs von Brandenburg. De facto herrschten noch immer die Slawen in diesem Gebiet und mit dem Christentum wars auch noch nicht gar so weit her. Ein paar Fürsten waren mehr oder minder pro forma Christen geworden. Allerdings hatte Albrecht zu diesem Zeitpunkt bereits einen netten „Deal“ in der Tasche: er hatte seit etwa 1125 mit dem Heveller-Prinzen Pribislaw (später „Heinrich“, nach der Taufe) eine Art Freundschaftsvertrag geschlossen, der sehr zu Gunsten des Ballenstedters ausfiel. Denn Pribislaw, der, wenn die Quellen nicht irren, gar nicht erbberechtigt als Herrscher der Heveller gewesen wäre, wollte mit Hilfe des Bären in Brandenburg/Havel die Macht ausüben und versprach dafür, den Askanier zu seinem Erben zu machen. „Nach mir die Sintflut“, so kann man auch Herrscher sein und sozusagen „geborgte“ Macht ausüben.

Albrecht gedachte jedoch, langfristig an diesen Zuständen etwas zu ändern. Als sich die Chance für den „Wendenkreuzzug“ ergab, putzte er den Rost vom Harnisch, kletterte auf die Rosinante und schaute sich schon mal zwischen Elbe und Oder um. Immerhin war er ja der Markgraf der Nordmark. Jetzt noch flugs ein Kreuz auf den Umhang genäht und schon konnte der „Binnenkreuzzug“ im Gefolge Dänischer, Polnischer und Sächsischer Fürsten losgehen. Immerhin ist der Weg ins Heilige Land ja auch sehr weit und die Slawen lagen hingegen nahe. Kreuzzugs-Bequemlichkeit. 1147 gings los. Witzigerweise konnten sich aber die Fürsten nicht so recht entscheiden, wohin die Reise gehen sollte und so gingen zwei Heeresgruppen schließlich auf die „Reise“. Eine unter Heinrich dem Löwen von Braunschweig, dem Intimfeind Albrechts, und die andere unter, welche Überraschung, Adelbert von Ballenstedt selbst. Das letztere dann mehr nach Osten unterwegs war, während der Braunschweiger „Löwe“ (schon wieder ein Totemtier !) eher an Mecklenburg und Niedersachsen Interesse hatte, sei hier nur am Rande erwähnt. Albrecht zog also mit einigen Kriegs-Leutchen und Bischöfen im Schlepptau weiter bis nach Stettin, wo ihn überraschenderweise bereits ein Pomeranen (oder darf ich sie schon „Pommern“ nennen ?) – Fürst namens Ratibor erwartete, der längst christianisiert war. Nix wars mit dem „Evangelisation mit dem Schwert“. Aua. Große Schlachten gabs auch keine zu schlagen, da die „Wenden“ sich einfach beim Vorüberziehen der Ritterheere in ihre Fluchtburgen zurückzogen, die Zugbrücke hochzogen und den Spuk abwarteten.

Drei Jahre später trat der von Albrecht so dringend erwartete „Erbfall“ ein: Pribislaw – Heinrich, Fürst der Heveller, verstarb. 1150. Frisch-fromm-fröhlich griff sich „der Bär“ einen Gaul und ritt mit ein paar Gefolgsleuten nach Brandenburg/Havel, um dort seinen Machtanspruch durchzusetzen. Aber, so einfach war es dann doch nicht. Diverse schlechtgelaunte Heveller-Adlige riefen „Jaxa de Copnic“ (im Deutschen später auch als „Jaczow von Köpenick“ bezeichnet) ins Land. Dieser bestens mit Kontakten nach Polen ausgestattete Sprewanen-Fürst rekrutierte ein Heer aus Sprewanen, Polen und unzufriedenen Hevellern, eroberte mit List und Gewalt die „Brandenburg“ vom Bären. Dieser wiederum schlug mit eigenen Kräften zurück, die er sich z. T. vom Bischof Wichmann von Magdeburg auslieh, nahm die Brandenburg am 11. Juni 1157 ein und nannte sich erstmals in einer Urkunde vom 03. Oktober 1157 „Markgraf von Brandenburg“. Das heutige Bundesland feiert deshalb seine Gründung an diesem Tag. Die 850 Jahrfeier 2007 war dabei besonders üppig.

Praktisch sofort holte der neue Markgraf Siedler aus dem Harz, dem Rheinland und sogar aus Flandern („Fläming“ !) ins Land. Die Sicherung seiner Herrschaft vertraute er lieber neuen, als alten Einwohnern an. 1160 gab er der Stadt Stendal das Marktrecht. Etwa um diese Zeit soll er auch eine Burg in Spandau haben errichten lassen. Zunächst als Grenzfestung gegen die Sprewanen. In Stendal soll er 1170 gestorben sein. Beigesetzt wurde er vermutlich im Hauskloster der Askanier in Ballenstedt. Zuvor hatte er seinen jahrzehntelangen Kampf um die Herrschaft in (Nieder-)Sachsen aufgeben müssen. Der schon erwähnte Welfe „Heinrich der Löwe“ hatte sich durchgesetzt. Zehn Jahre später wurde jedoch Albrechts Sohn Bernhard mit dem Herzogtum Sachsen belehnt. Posthume Genugtuung für das Haus Askanien.

Von „Albrecht, dem Bären“ existieren diverse, verklärende Nachbilder. Speziell im Kaiserreich sollte er zu einem „Bringer des Christentums“ für die heidnischen Slawen umgewidmet werden. Das Standbild aus der ehemaligen „Siegesallee“ hält denn auch ein Kruzifix in die Höhe. (siehe Bild oben) Kann man sicher auch dem Fürsten des Mittelalters die Christianisierungsabsicht nicht komplett absprechen, so dürften dennoch Territorialgewinn und der Prestigezuwachs als Markgraf doch die entscheidende Triebfeder für sein Handeln gewesen sein. Müssen wir das heutzutage um jeden Preis verurteilen ? Oder einfach nur zur Kenntnis nehmen ? Entscheiden Sie selbst.

Nachwort: Liebe Leser, Sie kennen sicher die „Schildhornsage“, haben das Schildhorndenkmal im Grunewald vielleicht selbst schon besucht oder auf einer Dampferfahrt über die Unterhavel davon gehört. Ich erspare Ihnen diesen Blödsinn ganz bewusst. Und das mit dem Hinweis darauf, das Jaczow von Köpenick aller Expertenmeinung nach längst Christ war, als er in Konflikt mit unserem Albrecht geriet. Wieder nix mit der Evangelisation ! Oder mit Pferden, die durch die Havel schwimmen… Das Standbild Albrechts aus der schon erwähnten Siegesallee finden wir übrigens heute auf der Spandauer Zitadelle in einer Dauerausstellung wieder.

Bildmaterial:

Quellen:

Friedrich-Wilhelms Einfluss auf Berlin-Brandenburg

Dem Berlin- und Brandenburg-Besucher wird früher oder später der „Große Kurfürst“ Friedrich – Wilhelm über den Weg „laufen“. Als Statue, als Staatsmann und als Freund der Kunst hat er Spuren hinterlassen. Hat als Herr über Brandenburg den Boden bereitet für vielerlei Dinge, die wir heute noch als „normal“, als „gegeben“ ansehen. Schauen wir uns das doch einmal kurz an:

Der brandenburgische Kurfürst Friedrich-Wilhelm herrschte so lange über seine Lande, wie keiner seiner Nachfolger. 48 Jahre. Das lag vor allem daran, dass er bei der Übernahme des Kurhutes erst 20 Jahre alt war. Und was für ein Brandenburg musste er da ab 1640 regieren ! Ein kaputtes, entvölkertes, vom Dreißigjährigen Krieg wie kaum eine andere, europäische Region verwüstetes Land. Es wurde von seinen Nachbarn mehr oder minder als „Beute“ angesehen. Die Steuern der niederrheinischen Gebiete wurden von Holland geklaut, die „Stände“ (Adel, Bischöfe, Städte) Ostpreußens machten, was sie wollten und hatten dafür die Rückendeckung Polens, die Schweden hatten große Teile des 1637 von Friedrich-Wilhelms Vater Georg Wilhelm ererbten Herzogtums Pommern besetzt und dachten nicht im Traume daran, diese herauszurücken, der Kaiser in Wien traute den Brandenburgern eh nicht über den Weg. Fatal. Wer hätte die Herkulesaufgabe übernehmen können, aus diesem Wrack von einer Herrschaft, dessen Ländereien nur auf die ausländischen Plünderer warteten, um auseinandergenommen zu werden, wieder einen aktiven Mitspieler im europäischen Mächte-Spiel zu machen ? Vom ohnmächtigen Objekt der Mächte des Dreißigjährigen Krieges wieder in ein handlungsfähiges Subjekt der Politik zu verwandeln ?

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Friedrich-Wilhelm und Luise-Henriette

Es war der während der schlimmsten Kriegsjahre in Küstrins Festung versteckte und später für vier Jahre in den relativ sicheren Niederlanden „geparkte“ Sohn des unglücklichen Georg-Wilhelm. Letzteres übrigens ein Glücksfall, da Friedrich-Wilhelm dort in Holland so einiges lernte. U. a. lernte er dort seine spätere, erste Ehefrau Luise-Henriette von Nassau-Oranien kennen. Vor allem aber war dieser 20 jährige Frischling von hoher Zuversicht erfüllt, aus Brandenburg wieder etwas machen zu können. Schlimmer hätte es ja auch kaum kommen können. 48 Jahre später hätte ihm wohl jeder bestätigt, dass ihm viel gelungen war. Da ich aber hier keine Kurz-Biographie des „Großen Kurfürsten“ verfassen will, soll es mit diesen, einführenden Sätzen einmal genug sein. Mein Thema heute sind die Spuren, die dieser „Reiter“ vom Foyer des Bodemuseums in Berlin und für die Nachwelt hinterlassen hat.

  1. Friedrich-Wilhelm als Gestalter Berlins
    img_3960_compressedBerlin um 1640 war vom Dreißigjährigen Krieg so sehr gezeichnet, dass Friedrich-Wilhelm bis auf weiteres nicht in seine Residenzstadt zurückkehrte. In Kleve verbrachte er die ersten Jahre seiner Herrschaft (vor 1648 ließ er sich an der Spree nicht mehr sehen, seiner Luise-Henriette wollte er die Berliner Trümmerstadt ohne vorherige Reparaturen nicht zumuten). Berlins Stadtschloss war eine Ruine, durch die, mangels intakter Fenster, der Wind pfiff, auf den Straßen Berlins rannte Borstenvieh mit Ziegen um die Wette, die Straßen waren verschlammt, die Bevölkerung um mindestens 50 % gegenüber der Vorkriegszeit zurückgegangen.
    Als Friedrich-Wilhelm 1688 (übrigens in Potsdam) das Zeitliche segnete, war das Berliner Schloss intakt, war der Berliner Lustgarten ein kleiner Park voller Statuen und Büsten, hatte der Bau der Dorotheenstadt schon begonnen und die Pläne für die Friedrichstadt lagen auch schon im Schreibtisch. Die zwischenzeitliche Phase der „Festung Berlin“ ignoriere ich hier einmal ganz bewusst. Weiterhin ließ er auch die „Linden-Allee“ vom Stadtschloss in den Tiergarten anlegen, die wir heute als Straße „Unter den Linden“ kennen. Das präzise Zulaufen dieser Allee auf das Berliner Residenzschloss war gewollt. Davon können wir uns heute noch (oder wieder) überzeugen. Die ersten Linden für das Projekt wurden im Übrigen 1647 gepflanzt.
    In Potsdam hatte Friedrich-Wilhelm sich des Weiteren eine zweite Residenz geschaffen, indem er ein altes, im Kriege verfallenes Schloss zurückkaufte und dann aus- sowie umbauen ließ. Heute finden wir in dessen Nachfolgebau den Brandenburger Landtag.
  2. Friedrich-Wilhelm als Kunstsammler
    Potsdam, ehemaliges Stadtschloss
    Potsdam, ehemaliges Stadtschloss

    Friedrich-Wilhelm ließ nicht nur im Kräutergarten die ersten „Erdäpfel“ (Kartoffeln) in Brandenburg anbauen, er ließ auch Kunstwerke in Europa ankaufen. Speziell Plastiken, aber auch vereinzelte Gemälde, Medaillen sowie schön gestaltete „Folianten“ ordnete er seiner Sammlung zu. Die „Kunstkammern“ des Berliner Stadtschlosses begannen sich zu füllen. Später entstand daraus der Grundstock der Berliner Museen. Dabei konnte es aber schon einmal vorkommen, dass er von seinen Einkäufern erworbene „italienische Meister“, die sich als Fälschungen herausstellten, zurückgehen ließ. Außerdem ist Friedrich-Wilhelms Interesse an Münzen und Medaillen schon seit seinen Jugendtagen belegt.
    Auch die schönen Künste im eigenen Land ließ er nicht unbeachtet. So versuchte er, durch gezielte Aufträge an Maler und Bildhauer, herausragende, europäische Künstler an seinen Hof zu binden. Aufgrund der spärlichen Finanzen (richtig: Künstler waren damals „Handwerker“ der Ästhetik, die vor allem gut bezahlt werden wollten. Vielleicht ehrlicher als mancher heutige „Artist“.) und der Überschaubarkeit der Aufträge gelang es aber nicht, die „erste Garde“, etwa der holländischen Malerschule, dauerhaft im Lande zu behalten. Dennoch hat der ein oder andere Maler oder Skulpturist seine „Duftmarke“ auch in Brandenburg hinterlassen. Davon ist leider durch Kriege und Bilderstürmerei der Nachkriegszeit fast nichts mehr erhalten. 😦

  3. Friedrich-Wilhelm als „Peuplierer“ der Mark
    Die entvölkerte Mark Brandenburg musste wieder „peuplieret“, also wiederbevölkert werden. Hierfür sah Friedrich-Wilhelm es als notwendig an, gezielt und unkonventionell nach neuen Bürgern zu suchen. Über religiöse Barrieren setzte er sich erstmalig hinweg, als er 1671 fünfzig jüdischen Familien aus Wien gestattete, sich in der Kurmark anzusiedeln. Ihre „business-connections“, ihr Geschäftssinn und ihre Tatkraft wurden in Brandenburg ebenso dringend gebraucht, wie später die Talente der „Hugenotten“. Diese kamen nach der Aufhebung des Toleranzediktes von Nantes ab 1685 aus Frankreich nach Mitteleuropa. In Brandenburg siedelten sich etwa 20.000 von ihnen in der ersten Welle an. Interessantes Detail: das „Edikt von Potsdam“ des Großen Kurfürsten, in dem dieser die französischen Protestanten willkommen hieß, erfolgte in dem zuletzt genannten Jahre innerhalb von nur drei Wochen nach dem Edikt Ludwig des 14. von Fontainebleau ! Für ein Zeitalter ohne Telefon, Fax, Internet, Smartphone und Satellitenverbindungen ein atemberaubendes Tempo ! Blitzmerker Friedrich-Wilhelm !
  4. Friedrich-Wilhelm als Kriegsherr
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    Friedrich-Wilhelms-Statue in Rathenow

    Die vielleicht wichtigste Lektion, die Friedrich-Wilhelm aus dem Dreißigjährigen Krieg gelernt hatte, war, dass ein Land, das sich nicht wehren, das seinen Ansprüchen auf Ländereien und Rechte keinen militärischen Nachdruck verleihen kann, immer nur ein Spielball anderer Mächte sein wird und damit potentiell dem Untergang geweiht ist. In seinem politischen Testament von 1667 formulierte er das wortwörtlich so:
    „Allianchen seindt zwahr gutt, abre eigene Krefte noch besser, darauff kann man Sich sicherer verlassen.“
    Also entließ der junge Kurfürst zu Beginn seiner Herrschaft erst einmal die noch von seinem Vater kurzfristig angeworbenen und völlig außer Rand und Band geratenen, brandenburgischen Söldner. Diese waren ohnehin habsburgisch gesonnen und damit nutzlos. Kein Wunder, dass sie sofort nach Schlesien verschwanden und in kaiserliche Dienste traten.
    Nach dem Vorbild der Niederlande und Schwedens baute der Kurfürst daraufhin eine kleine, stehende Armee auf, die er durch den erfahrenen Söldner-Kommandanten Georg von Derfflinger ausbilden ließ. So schuf er sich einen Grundstock an Truppen, die bei Bedarf auf 30.000 Mann aufgestockt werden konnten. Bei Rathenow und Fehrbellin konnte diese Armee 1675 dann die höher eingeschätzten, schwedischen Truppen schlagen, die hinterrücks ins Land eingedrungen waren (auf französischen Wink, aber das ist auch eine andere Story).  Ab dann hieß Friedrich-Wilhelm schließlich „der Große Kurfürst“. Eigentlich eine eher despektierlich gemeinte Titulierung, aber das würde an dieser Stelle zu weit führen. FW war übrigens auch ein Freund der Seefahrt, weshalb er den holländischen Piraten Benjamin Raule anheuerte, um für ihn eine Flotte zu errichten, mit der er zumindest in der Ostsee ein bischen mitspielen wollte und sogar eine Handelsniederlassung in Afrika aufbaute. Der Sohn gab diesen Traum, ebenso wie die Buntglas-Herstellung des Johannes Kunckel auf der Pfaueninsel übrigens sofort wieder auf.
    Anmerkung am Rande: durch eine auf Durchsetzung seiner Militärhoheit gegründete Finanz- und Steuerpolitik im Inneren schuf der „Große Kurfürst“ die Grundlagen für überregionale, staatliche Behörden, wovon seine Nachfolger profitierten, die einen eigenen Staat namens „Preußen“ aufbauten. Trotz seiner Freude an Malerei und Skulptur, trotz seiner immensen Ausgaben für das Militär und das Bauwesen seiner Festungen und Paläste übergab Friedrich-Wilhelm am Ende seines Lebens dennoch ein finanziell einigermaßen stabiles Brandenburg an seinen Sohn. Dieses Maßhalten wird der erste „König in Preußen“ dann nicht mehr kennen…aber auch das ist eine andere Geschichte.

  5. Friedrich-Wilhelm im Stadtbild
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    Reiterdenkmal im großen Treppenhaus des Bodemuseums

    Schon der gerade erwähnte Sohn des „Großen Kurfürsten“ ließ dem Vater Denkmäler errichten. Die Bedeutung des Vaters für den Fortbestand Brandenburgs war ihm nur zu bewusst. Auch die Tatsache, dass Friedrich-Wilhelm mit der „Befreiung“ Ostpreußens aus polnischer Lehnshoheit dem Sohn die Hände freimachte für die Selbstkrönung zum „König in Preußen“ hat der „schiefe Fritz“ sicher dankbar anerkannt. Das Reiterstandbild, welches einst die Rathausbrücke zwischen Schlossplatz und Königsstraße schmückte, ist das Ergebnis dieser Dankbarkeit. Dass die „in Ketten gefesselten Feinde Brandenburgs“ am Sockel des Standbildes anzufinden sind, war übrigens zur Zeit seiner Errichtung ebenso unumstritten, wie es heute lächerlich wirkt.
    Ein Standbild Friedrich-Wilhelms finden wir übrigens auch in Rathenow im Havelland. (s. o.)
    dsci2650_compressedIn der Berliner „Siegesallee“ fanden wir den Großen Kurfürsten natürlich auch wieder. In der sog. „Gruppe 25“ als Standbild mit den begleitenden Büsten des schon erwähnten Georg, Freiherr von Derfflinger und des Oberpräsidenten Otto von Schwerin. Der Bildhauer Fritz Schaper hatte sie einst geschaffen. Den schwer beschädigten Derfflinger und den Großen Kurfürsten mit einem lustigen Hut (s. Foto. oben) und mit der Schärpe des britischen Hosenbandordens vor der Brust können wir übrigens seit 2016 auf der Zitadelle Spandau besichtigen.

Fassen wir zusammen:
„Unter den Linden“, die Berliner Museen und das Münzkabinett, die ersten beiden größeren Stadterweiterungen Berlins (Dorotheen- und Friedrichstadt), das Stadtschloss Potsdam, die preußische Armee, die Kartoffel in Brandenburg (ja, erst sein Urenkel Friedrich II. wird diese als „Massenlebensmittel“ zwangsweise anbauen lassen, weshalb auf seiner Grabplatte in Sanssouci noch heute Kartoffeln abgelegt werden, als Zeichen der Dankbarkeit dafür, dass die Preußen dadurch immer etwas zu futtern hatten, auch in schweren Zeiten), das Aufblühen des Gewerbes durch eine zielgerichtete Ansiedlungspolitik, diverse Standbilder als öffentlicher Straßenschmuck…das alles geht auf Friedrich-Wilhelm, den „Großen Kurfürsten“ zurück. Dass wir seiner ersten Frau Luise-Henriette auch die Existenz des eigentlich nach dem Dreißigjährigen Kriege unbewohnbar gewordenen  Bötzow unter dem heutigen Namen Oranienburg verdanken, sei hier nur informationshalber noch angefügt.
Wir sehen: Friedrich-Wilhelm, war, trotz möglicherweise berechtigter Kritik an seiner Außenpolitik, seinen diversen Bündniswechseln, seiner zweifelhaften Hauspolitik (er wollte tatsächlich seine Ländereien unter den diversen Söhnen aus zweiter Ehe aufteilen) usw. im Inneren ein Herrscher, der Spuren hinterließ. Ein Kurfürst, der solide Fundamente schuf, auf denen seine Nachfolger aufbauen konnten und der aus Ländereien, die nur darauf warteten, von ausländischen Mächten annektiert zu werden, ein eigenes Staatswesen formte. Respekt !

Nachtrag:
Ein Bekannter machte mich gerade darauf aufmerksam, dass Friedrich-Wilhelm auch der Initiator des Müllroser „Oder-Spree-Kanals“ ist. 22 km Wasserstraße mit diversen Schleusen. Der Kanal schuf einen Wasserweg zwischen Breslau und Hamburg über Berlin. Der Große Kurfürst wollte damit den Schweden, die noch immer die Odermündung beherrschten, die Handelszölle abgraben. Gut überlegt ! Von 1662 – 1668 wurde hier gegraben.

Bildmaterial:

  • von mir, (c) 2010, 2014, 2015, 2017

Quellen:

  • Geschichte Preußens, Hannsjoachim W. Koch, Paul-List-Verlag, München,1980,
  • wikipedia,
  • „Die Mark – der Große Kurfürst“, Heft 59, 2005