Schlagwort-Archive: Gransee

HSeg: der sparsame Witwer – Gransee

Der überraschend frühe Tod der im Volk sehr populären Königin Luise warf Schockwellen durch ein ohnehin schon durch die Niederlage gegen Frankreich und die massiven Kontributionen und Besetzungen erschüttertes Land. Wie ihr Ehemann und die Bevölkerung damit umgingen, illustriert eine kleine Anekdote:

Nach der Bekanntgabe des Ablebens der Königin herrschte tiefe Trauer in Preußen. Es war allgemein bekannt, wie wichtig ihre Präsenz nicht nur für das Wohlbefinden ihres Mannes, des Königs Friedrich-Wilhelm III. war. Der alte Haudegen Leberecht, Fürst Blücher, soll dazu geäußert haben:

Ich bin wie vom Blitz getroffen – der Stolz der Weiber ist also von der Erde geschieden ! Gott im Himmel, sie muß zu gut für uns gewesen sein.
(zitiert nach H. Ohff, s. u.)

louise_of_mecklenburg-strelitzLuise von Mecklenburg-Strelitz, verheiratete Königin von Preußen, starb am 19. Juli 1810 auf Schloss Hohenzieritz in Mecklenburg im zarten Alter von nur 34 Jahren. Ihre sterblichen Überreste wurden nach wenigen Tagen aus Mecklenburg nach Berlin überführt. Dabei musste der Trauerzug in der Nacht vom 25. zum 26. Juli einmal unterwegs „übernachten“. Und zwar in Gransee, im heutigen Landkreis Oberhavel.

Soviel zu den Fakten. Die schon erwähnte Trauer führte nun in der Folge dazu, dass die Bürger von Gransee den noch immer deprimierten König darum baten, zum Andenken an die Königin ein Denkmal in ihrer Stadt errichten zu dürfen. Der Monarch wiederum antwortete seinen Granseern in der für ihn geradezu charakteristischen, nüchternen Art und Weise. Er gab den extra nach Berlin angereisten Honoratioren zu verstehen, dass er ein Denkmal zu würdigen wisse, jedoch KEINEN ROTEN HELLER AUS DER STAATSKASSE dafür auszugeben gedenke. Pietätlos ? Oder einfach nur verantwortungsbewusst, was Steuergelder angeht ? Entscheiden Sie selbst.

Angesichts von „Einigungswippen“ auf der Schlossfreiheit, über die noch immer diskutiert wird, Diskussionen über neue Luther-Denkmäler in der Nähe der Berliner Marienkirche etc. wünschte ich mir, solche Sparsamkeit herrschte noch heute. Steuern und Abgaben könnten dann wieder in überschaubare Maße zurückgeführt werden und jeder von uns hätte mehr Euros im Säckel. Auch wenn dann an diversen Standbildern Plaketten von Spendern angebracht werden müssten. Bitte verzeihen Sie, liebe Leser, ich träume manchmal beim Tippen. 🙂

dsci2719_compressedDas Denkmal wurde jedenfalls in Auftrag gegeben. Der maßgeblich für das Einsammeln der Spenden verantwortliche Landrat Friedrich Christian von Zieten hatte Kontakte zu Carl-Friedrich Schinkel, der ein gusseisernes Denkmal entwarf. Dieses in Form eines unter einem Baldachin ruhenden Sarkophages gestaltete Monument wurde am 19. Oktober 1811 eingeweiht und steht bis heute auf dem Granseer Schinkelplatz.

Wie bekannt, wurde Luise im von ihr sehr geschätzten Park von Schloss Charlottenburg beigesetzt. Das Mausoleum, welches später auch die sterblichen Überreste ihres Ehemannes und ihres Sohnes Wilhelm sowie dessen Frau Augusta aufnehmen würde, ist bis heute zu besichtigen. Die Legende hingegen, Luise sei „an gebrochenem Herzen“ gestorben, weil das auch von ihr geliebte Preußen unter dem Joch der Franzosen stand, ist heute immer noch ebenso populär, wie nachweisbar falsch. Eine Lungenentzündung, die nicht ordentlich auskuriert worden war, zog eine Infektion nach sich, der die Königin erlag. So einfach wie bedauerlich.

Quellen:

  1. wikipedia
  2. Heinz Ohff, „Königin Luise von Preußen“ – ein Stern in Wetterwolken, Piper-Verlag, 14. Auflage, 2010 (Zitat von Seite 245)

Bilder:

  1. Von Josef Maria Grassi – http://www.oss.wroc.pl/wystawy/obrazki/portrety012.html, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2449500
  2. von mir, 2016
Advertisements

Ausflugstip: Gransee – das kleine Juwel

Kleine Gemeinden mit historischem Stadtkern sind für Spaziergänger wie mich immer wieder reizvoll. Ob man nun auf Fontanes Spuren wandeln will, oder einfach nur Freude am „mit-offenen-Augen“-Lustwandeln auf historischem Pflaster hat, ist dabei sekundär. Wer so etwas zu würdigen weiß, findet sicher früher oder später nach Gransee.

Liebe Leser, ich gestehe es ihnen offen: Gransee war für mich hauptsächlich dafür bekannt, dass auf dem nahegelegenen Flugplatz die Fallschirmspringer ihrer Lust am „skydiving“ frönen. Irgendwo blieb da auch noch die Erinnerung an Erzählungen von Verwandten an organisierte Kinder-Urlaube hängen, aber so recht vertraut war mir der Name sonst eigentlich nicht.

Jedoch würdigt bereits das Idol aller Wanderer und Spaziergänger in Brandenburg, Theodor Fontane, Gransee als „festeste Stadt der Grafschaft“ Ruppin und als „östlichste Stadt der Grafschaft“. Heute gehört sie zum Landkreis Oberhavel. Ihre gesamte Altstadt mit der auffälligen, fast mittelalterlichen Straßenführung, ist mittlerweile Objekt des Denkmalschutzes ! Das ist schon mal was.

Luisen-Denkmal in Gransee
Luisen-Denkmal in Gransee

Gransees „Schatz“  ist natürlich auf dem Schinkelplatz zu finden: das Denkmal für die Königin Luise. Interessant dabei, dass es sich um kein Standbild o. ä. handelt, sondern um einen aus Guss-Eisen nachgefertigten Sarg, der daran erinnert, dass der Leichnam der populären Monarchin auf seiner letzten Reise von Hohenzieritz nach Berlin hier über Nacht abgestellt worden war.

Schon zehn Tage nach Luises Ableben, am 29. Juli 1810, beantragten die Granseer dieses Denkmal beim noch trauernden König, der ihnen gerne die Erlaubnis zur Errichtung gab, aber eine für ihn typische Bedingung anfügte: das Denkmal musste rein aus Spenden finanziert werden, öffentliche Mittel wurden untersagt. Preußische Sparsamkeit halt, verbunden mit großer Liebe für die Verstorbene auf der anderen Seite. Die Gelder kamen aus dem gesamten Landkreis Ruppin selbstverständlich fast mühelos zusammen.

"Ruppiner Tor", Gransee
„Ruppiner Tor“, Gransee

Auch ein Stadttor, das „Ruppiner Tor“ welches von Resten der alten Stadtmauer flankiert wird, erregt schnell die Aufmerksamkeit des Besuchers. Schon Fontane erzählt etwas über die „Doppeltore“ Gransees und ihre möglichen Erklärungen. An dieser Stelle soll dies aber nicht weiter ausgeführt werden. Bemerkenswert immerhin, dass von den ehemals ca. 2,1 km der Granseer Stadtmauer noch heute 1650 m erhalten sind.

St. Marienkirche, Gransee
St. Marienkirche, Gransee

Die im 14. Jahrhundert errichtete Marienkirche beherrscht mit ihren zwei ungleichen Turmspitzen optisch die Gassen der Granseer Altstadt. Sie besitzt eine spätbarocke, sog. „Wagner-Orgel“. Ebenso wie zwei Renaissance-Altäre aus dem frühen 16. Jahrhundert, die in ihrer Formensprache aber noch ganz dem Mittelalter verhaftet sind.

Habe ich Ihnen genügend Gründe geliefert, mal in Gransee spazierenzugehen ? 🙂 Dann sind vielleicht folgende Hinweise für Sie interessant:

Anreise:

Mit der Bahn:
Vom Berliner Hauptbahnhof fahren tagsüber stündlich Regionalexpress-Züge nach Stralsund oder Rostock, die in Gransee halten. Die Fahrt dauert ca. 45 min.

Mit dem Pkw:
Gransee erreichen Sie über die B 96

  • von Norden über die A 20, Abfahrt Neubrandenburg
  • von Süden über die A 10 (Berliner Ring), Abfahrt Dreieck Oranienburg

Wenn Sie die Autobahn verlassen haben, folgen Sie der B 96 direkt nach Gransee.

Mit dem Bus:
Auch Flixbus hat inzwischen Gransee angesteuert.

Touristinformation Gransee:

Rudolf-Breitscheid-Straße 44
16775 Gransee
Tel.: (03306) 21606
Fax: (03306) 21612
email: museum@gransee-info.de
web: http://www.gransee-info.de

Freefall in Gransee – Tandemspringen

In Brandenburg kann man viel Spaß haben. Da gibt es vieles zu sehen und zu erleben. Seit einigen Jahren kann man dort auch Fallschirmspringen und selbiges erlernen. Ein Erfahrungsbericht:

DSCI2663_compressedIch könnte Ihnen, liebe Leser, jetzt vorlügen, ich hätte den Mumm, aus einem winzigen Flugzeug in die „leere Luft“ zu springen. Hab ich aber nicht, verzeihen Sie die Offenheit. Ein Freund von mir aber wollte sich diesen „Spaß“ zum Geburtstag gönnen und lud mich letztlich dazu ein, ihn dabei zu begleiten. Na, warum nicht ?

In Gransee, Landkreis Oberhavel, kann man sich diesen Traum erfüllen und als „Ungelernter“ im Tandem mit einem erfahrenen Fallschirmspringer etwas „freien Fall“ und Segeln mit dem Gleitschirm erleben. Die Firma „go jump“ macht dies möglich (nein, ich bekomme von denen keine Vergünstigungen). Mein Freund wollte das schon lange mal machen und war froh, als er auf einen Hinweis dieses Unternehmens stieß.

Mit dem überfüllten „Ostsee-Express“, der im Sommer die Sonnenhungrigen nach Warnemünde und Co. bringt, zuckelten wir von Berlin nach Gransee. Und hier bemerkten wir zum ersten Male, wie professionell, kundenfreundlich und gut durchorganisiert der ganze Spaß ist: das Unternehmen holt auf Wunsch alle Springer, die nicht mit einem eigenen Vehikel anreisen, vom Bahnhof ab ! Das erspart einen ca. 3 km langen Marsch durch die Pampa und ist auch bei modernen Unternehmen der „Freizeitindustrie“ keine Selbstverständlichkeit.

Das Wetter war und blieb traumhaft sommerlich und die Anmeldung für einen Tandemsprung geht ruck-zuck. Auf einigen Bänken kann man im Schatten bis zum Aufruf noch ein Käffchen inhalieren. Wer will, kann auch die Landungen der vorherigen Gruppe aus einem Strandkorb heraus beobachten. Witziges Detail.

DSCI2665_compressedSchließlich erfolgt der Aufruf, der Springer geht in die Halle und bekommt neben seinem orangenen „jumpsuit“ auch eine Einweisung in das Verhalten während des Sprungs und der Landung. Dann wird einem der „Profi“ zugewiesen und schon gehts ab in die Einmotorige, die die Wagemutigen auf 4000 Meter Höhe bringt. Dort erfolgt dann der Sprung, nach etwas mehr als einer Minute wird dann der freie Fall beendet und das entspannte „Zubodengleiten“ beginnt. Wer will, kann diesen Spaß auch in Form eines HD-Videos (hab die Filme gesehen: Bildqualität – sehr gut !!!) dokumentieren lassen. Die sind auf dem neusten Stand der Technik, wie es scheint.

Nach der Landung wird dann „ausgeklinkt“ und der Springer kann, wieder festen Boden unter den Füßen, gemütlich zur Halle zurückschlendern und das Erlebte auf sich wirken lassen. Mein Freund jedenfalls war sichtbar beeindruckt. Andere Tandem-Mitspringer kamen gar mit Kommentaren wie „Det war geil“ o. ä. wieder zur Basis zurück. Übrigens kann man bei demselben Unternehmen auch das „Einzelspringen“ selbst lernen.

DSCI2661_compressedFazit: tolle Sache, sehr gut organisiert und letztlich so gut wie Gefahren-frei. Nur meine chronische Höhenangst hielt mich davon ab, selbst einen Sprung zu buchen. Schade auch. Dennoch, für Neugierige:

Organisator:

Fa. „go jump“
Knaackstraße 99
10435 Berlin
Tel.: 030 – 245 34 030
http://www.gojump.de/

Anreise zum Sprungplatz:
Bahn: RE-5 bis „Gransee“, dann auf dem Platz anrufen: Transport kommt
Sonst: fragen Sie ihr GPS nach „Gransee“

P.S.: Noch einmal, nein, ich kenne niemanden bei dieser Firma und bekomme auch keine Vergünstigungen für einen positiven Bericht. Es war einfach ein gelungener Tag und die Erfahrungen waren gut, deshalb beschreibe ich sie so und nicht anders.